Yoko Shibata war Schüler des neben Kocho Uchiyama wohl berühmtesten Schülers Kodo Sawakis – Sodo Yokoyama – Auszug aus einem Interview das Arthur Bravermann, Laien Schüler von Kodo Sawaki, mit ihm vor wenigen Jahren führte.
Während Sawaki Roshi unentwegt reiste, um Sesshin und Vorträge zu halten, war Yokoyama Roshi hingegen ein Einzelgänger, der durch seinen Lebensstil lehrte. Er lebte in Metaphern, ausgedrückt in Poesie und Gesang. Sein Lebensstil war elegant. Jeden Morgen ging er nach Kaikoen und richtete seinen Tempel unter einem selbstgebauten Zelt zwischen drei Bäumen ein – mit Teekanne, tragbarem Grill (Hibachi), Teeblättern in einer Schale mit Wasser, Teetassen, Pinseln, Tuscheblock usw.
Menschen, die ihm begegneten, waren inspiriert von der Einfachheit seines Lebens und der scheinbaren Liebe zu seiner Tätigkeit. Wie der Mönch Ryōkan, von dem er deutlich beeinflusst war, spielte er gern mit kleinen Kindern, und diese spielten mit ihm. Wie sein Lehrer sprach er von Zazen als dem Mittelpunkt seines Lebens, und sein Verhalten bezeugte dies.
Angesichts von Sawaki Roshis Dynamik und Charisma sowie Yokoyama Roshis Eleganz und künstlerischem Feingefühl hatte Jōkō ein beachtliches Erbe zu erfüllen. Er ist nicht charismatisch, er komponiert oder malt keine Gedichte und kann nicht das Blatt spielen (zumindest hat er es nicht bewiesen). Sein Glaube an Zazen ist jedoch so stark wie der seiner beiden Vorgänger, und er profitiert von deren Lehre. Obwohl er wenig von der Einzigartigkeit dieser beiden kreativen Köpfe zeigt …
Joko: Glaubst du an Zazen?
A: Ich weiß nicht, inwieweit ich sagen kann, dass ich daran glaube.
Jōkō: Glaubst du, dass es das Universum ist?
A: Ich habe diese Aussage oft gelesen, aber wie tief sie mich doch durchdrungen hat …
Jōkō: Aber du glaubst es doch, oder? Wie Sawaki Roshi sagte: „Es führt dich an einen Ort, wo du nichts anderes tun kannst (yuki tsuku tokoro o yuki tsuita …).“
A: Ich mag es, mit meinem Verstand glauben, aber …
Jōkō: Es führt dich wirklich an einen Ort, an dem du nichts anderes tun kannst.
A: Selbst wenn ich sage, ich verstehe es, wird es immer noch Fragen geben.
Jōkō: Die Menschen denken und unterscheiden zwischen diesem und jenem … Indem wir unseren Verstand so benutzen, erschaffen wir die Existenz eines „Ich“. Doch ursprünglich gab es nur das Universum. Im Herz-Sutra heißt es: „Es gibt keine Geburt und keinen Tod”, nicht wahr? In Wahrheit wird nichts geboren und nichts stirbt.
Der Ausdruck „Leben und Tod des Universums“ (uchû shôji) bedeutet, dass du nicht lebst und stirbst – das Universum tut es. Das ist sehr schwer zu verstehen. Wenn du es verstehst, wirst du inneren Frieden finden. Deshalb solltest du Zazen praktizieren. Es ist wirklich schwer zu begreifen.
Zazen ist keine religiöse Praxis. Man versucht nicht, Größe zu erlangen oder etwas zu erreichen.
Mit Worten sieht man nur eine Seite der Medaille. Sawaki Roshi sagte, dass einmaliges Zazen ewiges Zazen sei. Das stimmt absolut. Wer die Bedeutung von ewigem Zazen wirklich versteht, wird es wiederholen. Das ist die Wahrheit.
A: Man macht es, weil es ewig ist?
Jōkō: Ja. Wer versteht, dass es ewig ist, wird es wiederholen. „Wenn ich es einmal mache und es ewig ist, brauche ich es nicht wieder zu machen“ – das ist ein Trugschluss. Man sagt das nur, weil man es nicht versteht. Wer es wirklich versteht, möchte es wiederholen. Wenn wir leckeres Essen essen, wollen wir mehr essen, nicht wahr? Man praktiziert ein wahres Zazen, weil man es versteht. Menschen, die es nicht verstehen, machen es einmal und rationalisieren dann: „Ich habe einmal Zazen gemacht, also …“
A: Jōkō-san, sitzen Sie nicht die letzten achtzehn Jahre allein da? (Yokoyama Roshi starb vor achtzehn Jahren.)
Jōkō: Ja. Jetzt fällt mir das Sitzen leichter; ich sitze viel länger. Zazen geht immer tiefer. Je mehr man übt, desto tiefer dringt man ein. Es ist immer noch einfach Zazen – die Tiefe …
A: Machen Sie Sesshin allein?
Jōkō: Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit Sesshin meinen, aber wenn Sie meinen, vierzehn Stunden am Tag zu sitzen (er bezieht sich auf den Antai-ji-Zeitplan), kann ich nicht vierzehn Stunden am Tag sitzen. Normalerweise sitze ich zwischen acht und zehn Stunden. Mehr schaffe ich nicht. Ich werde müde, wenn ich länger als zehn Stunden sitze. Nach elf Stunden habe ich genug. Egal wie wunderbar mein Zazen ist, irgendwann ist es einfach zu viel (lacht). Ich habe dann einfach genug (lacht).
A: Vor Jahren saßen Sie mit anderen zusammen – mit Shûsoku-san und anderen.
Jōkō: Ja, ja.
A: Treffen Sie sich jetzt mit keinem von ihnen mehr?
Jōkō: Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg. Und schließlich praktizieren immer weniger Menschen Zazen.
A: In Japan praktizieren immer weniger Menschen Zazen?
Jōkō: Ich glaube schon. Ich bekomme nicht viel darüber mit, es ist nur so ein Gefühl. Ich weiß nicht, ob es wirklich so ist.
A: Wenn jemand käme und Ihr Schüler werden wollte, würden Sie ihn aufnehmen?
Jōkō: Sicher. Wir würden zusammen leben und arbeiten, und er müsste bereit sein, Zazen so zu praktizieren wie ich. Er könnte nicht rumalbern (lacht). Dies ist ein Ort für Zazen. Wenn jemand hier Zazen praktizieren möchte, ist mir das egal, wer es ist. Es ist ein schöner Ort, nicht wahr? An klaren Tagen kann man den Yatsugatake-Berg sehen.
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