Warum die Wirklichkeit verwirklichen?

Oder: Warum sitze ich? Warum gehe ich den Weg des Buddhadharma? Warum sollten andere das auch? Wie können wir die Welt verändern?

Vorher kommt aber überhaupt die Frage, warum überhaupt eine spirituelle Praxis?

Prämisse: Eine spirituelle Praxis liefert für uns ein Modell, das Zeichen, Werte, Überzeugungen und Anschauungen bzw. Rituale und Praktiken beinhaltet, die mir/uns helfen spirituelle Befreiung zu erlangen oder uns den Sinn des Daseins erklären.

Daraus folgt, dass unsere persönlichen biologischen (Gesundheit, Körperbau) Veranlagungen, psychologischen Strukturen (Art zu denken, Lebensmut und -freude), die soziokulturelle Bedingungen, in denen wir aufgewachsen sind und leben sowie sicherlich unser Karma mit der Art der sprituellen Praxis kommunizieren.

Folglich ergeben sich auch sehr individuelle Erklärungsmuster, anhand deren wir unsere Wirklichkeit wahrnehmen und interpretieren bzw. unsere spirituelle Praxis aussuchen und leben.

Auf meine Person und Biographie/Veranlagung bezogen bedeutet das, z.B. auch im Vergleich zu Dogen (dabei beziehe ich mich auf die Biografie Dogens von Hee Jin-Kim, das Folgende:

Kurze allgemeine Analyse( aufgrund der Komplexität mehr nicht möglich) :

Heute, wie zu Dogens Zeiten dominierte eine politische und wirtschaftliche Kaste die Gesellschaft, waren es damals in Japan die Adligen und buddhistischen Klöster, etc. sind es heute Parteipolitiker, die den Bezug zur Gemeinschaft verloren haben, wirtschaftliche starke Superkonzerne, Superreiche die die Politik bestimmen und ausserhalb der Gesetze und gesellschaftlichen Verantwortung zu stehen scheinen, während das Volk, damals wie heute die Hauptlast trägt. In der heutigen Zeit kommt es gleichzeitig zu einer immer stärker werdenden Aufspaltung und Undurchlässigkeit der Gesellschaft. Wie damals wird die Frage, in welche Schicht werde ich geboren eine determinierende Frage. Studien in Deuschland belegen, das Kinder, die in bildungsfernen, armen Familien geboren werden, es immer schwerer haben, in eine höhere Schicht aufzusteigen, während die immer reicher werdenden Eliten immer mehr Möglichkeiten haben, ihr Kind optimal auf die Anforderungen ihrer Schicht vorzubereiten. Gerade die Superreichen kommen gar nicht mehr in Kontakt mit den anderen Schichten, es sei denn in der Rolle als für sie Dienende. Dadurch bedingt entstehen auf der einen Seite Desinteresse bei den Eliten und beim Volk, aber auf der anderen Seite auch eine immer stärkende Dogmatisierung und Radikalisierung der Gesellschaft. Ähnlich war es zu Dogenszeit, die Eltite beschäftigte sich hauptsächlich mit der „Schönheit“ und sahen in ihr gar etwas Religiöses. Die Adligen intrigierten und führen Kriege gegen einander, um ihre Macht zu stärken, dabei war Ihnen jedes Mittel recht. Aber nicht nur die Adligen sondern auch die Klöster gingen genauso vor und beschäftigten buddhist. Kriegermönche, aber dazu später mehr.

Die heutige Elite wie damals interessiert sich nur noch für sich selber und dreht sich um sich selber und ein Teil des Volkes schaut sehnsüchtig nach oben und träumt vom Aufstieg, der nie kommen wird, auch wenn die Elite den“ amerikanischen Traum vom schnellen Aufstieg“ immer wieder propagiert. Die Abgehängten flüchten sich in die Betrachtung der Promiwelt, den heilbringenden Urlaub, Party und Festleben mit Alkohol und neuen „Religionen“, wie z.B. der Fussball, der von den Eliten, der Politik, tatkräftig unterstützt wird, da er wahrscheinlich die Funktion von Brot und Spiele der Römer, zur Ablenkung und Besänftigung der Unzufriedenen übernommen hat. Gleichzeitig suchen immer mehr nach Werten und gelangen dabei sehr schnell in die Fänge religiöser und politischer Seelenfänger, die zu einer dogmatischen und wertkonservativen Gesinnung aufrufen. Hier spielt nicht nur der Frust eine Rolle nicht weiter nach oben zu kommen, sondern auch die Erfahrung, das einst bestehende Werte und Schutzräume, wie Familie zerfallen, das Rentensystem bedroht wird, lebenslange Professionen und Arbeitsplätze nicht mehr existieren. Die Angst, dass wenige was man hat zu verlieren, führt zu Rückzug, (Mauerbau vor Andersgläubigen und Flüchtigen) und Angriff (Radikalisierung der politit., wirtschaftl. und relig. Ansichten, Verfolgung von Andersdenkenden) bzw. wie man es auch nennt zur Emotionalisierung der Gesellschaft.

Auch Dogens Zeit war eine des politischen und religiösen Zerfalls und wie so oft in der Menscheitsgeschichte spornen diese Zerfallstendenzen einige Personen, wie Dogen, Jesus, Gandhi an, neue Wege zu gehen, um dem Menschen und der Gemeinschaft dieser Zeit zu helfen.

Nicht nur das Wertesystem wird emotionalisiert, auch der Einzelne handelt immer weniger rational, sondern befindlichkeitsorientiert. Dies führt u.a. dazu, dass es immer mehr Psychisch Kranke gibt, die therapeutisch oder mit Drogen behandelt werden. Solche ranken Menschen haben oft nicht die Kraft sich und die Dinge zu verändern, sind sie doch oft der Auffassung ihre Schwächen seien determiniert bzw. fremdbestimmt.

Obwohl wir wirtschaftlich in einer Hoch-Zeit leben, führt das bestehende System nicht zu Zufriedenheit, Gemeinschaft, Glück und Frieden, sondern immer mehr zu Entfremdung von sich selbst und der Natur, den daraus resultieren Ängsten, die zu Krankheiten, Flucht in Traumwelten (Urlaub, Games, Fussball, Drogen), Desinteresse und Banalisierung führen.

Auch herrscht heute ein nicht zu übersehender Widerspruch zwischen Idealen und Tat. Nehmen wir die ökologischen Ideale. Fast alle sind sich einig, dass wir mehr Acht auf die Umwelt legen müssen, gerade die akademische Mittelschicht gibt sich wie Analysen zeigen ökologisch und wählt grün. Doch gerade diese Ökos sind es oft, die mit dem grossen Volvo in den Alnatura zum Einkaufen fahren und hier gerne auch mal Bio-Erdbeeren aus Chile im Nordwinter kaufen, dazu fliegen sie gern auch Mal in die Ferien nach Süd-ost-Asien. Auch die Reichen und Schönen engagieren sich gerne einmal für den guten Zweck und nehmen an Charity Veranstaltungenteil, doch ist es am Ende oft nur eine Win/Win-Situation. Die Bill Gates deckt fast komplett den Haushalt der WHO ab, wodurch finanziert sich die Bill Gates Stiftung, u.a. durch Aktien von Coca Cola und anderen Nahrungs-/Pharmariesen. Natürlich wird geholfen, aber über die Art der Hilfe kann man diskutieren und so weiter, u.s.w.. Taten tuen hingegen, bedeutet in diesem Zusammenhang, auf etwas anderes zu verzichten, auf Zeit, Konsum, Anerkennung, Karriere oder ähnliches.

Waren es in Japan zu Dogens Zeit die mächtigen Klöster und Tempel, die sich um Macht und Anerkennung, selbst mithilfe von Kriegsmönchen, stritten, so sind es in Europa die christliche Kirchen, die immer noch grossen Einfluss haben, aber auch meist durch negative Schlagzeilen auffallen, auch wenn Papst Franziskus versucht in der Katholische Kirche aufzuräumen; Missbrauch, Schwarzgeldaffären liest man immer wieder. Die christliche Kirchen stehen nicht mehr für Nächsten- und Feindesliebe, sondern für Macht, Moral, Geldliebe. So verlieren sie mehr und mehr an Bedeutung oder werden von rechten Konservativen hofiert. Die Essenz Jesu ist nicht mehr spürbar. Viele Menschen suchen deshalb in anderen Religionen und z.T .obskuren Heilslehren und Esoterik halt.

Individuell: Trotz dieser gesellschaftlichen Tendenzen und Schwierigkeiten war es zu keiner Zeit so einfach möglich, denke ich, dass sich Einzelne auf den Weg machten, den Weg der sprirituelle Befreiung zu suchen und gehen.

Am Beispiel meiner eigenen Geschichte möchte ich dies belegen und gleichzeitig auch einen Weg aufzeigen, Spiritualität hier und heute in Deutschland zu verwirklichen.

Familienkarma?: Dazu ist es für mich nötig meine eigene Geschichte und Herkunft zu analysieren und Erklärungen für die Art und Weise, in der ich den Weg, von mir aus das Buddhadharma gehen, zu wenden.

Geboren wurde ich in eine Familie bäuerl. Tradition. Mein Vater (Jg 1937), aus einer wohlhabenden, grossbauerlichen Familie aus dem Ruhrgebiet stammend, die aber aufgrund des Krieges und Spekulationen des Grossvaters fast alles verlor und in der Eifel landete. Er arbeitete in der Verwaltung der besetzten Gebiete in Lothringen, kehrte nach der Besatzungszeit zurück in Ruhrgebiet, wo der Bauernhof in Schutt und Asche lag. Doch das Land war Gold wert, er verkaufte es und legte sich einen für damalige Verhältnisse riesigen Gutshof in der Eifel zu und lebte dort im Stile einer längstvergangen Zeit, den Lebensstils des preussischen Landjunker. Bedienste waren Diener, die Frau für die Kindererziehung zuständig, etc. – ein Mann von Prinzipien, der die Kinder mit Härte (Peitsche) und viel preussisch. Tugend erzog. Leider war er unfähig einen landwirtschaftl. Betrieb zu führen und anscheinend beratungsresistent, Spekulationen in die falschen Geschäfte brachten ihn und die Familie um das Vermögen. Mir erschien er sehr einsam, kalt und gefangen in seinen patriarchalen Gehabe. Neben der erzieherischen Peitsche war für meinen Vater die Entscheidung des Grossvaters prägend, dass er nicht aufs Gymnasium gehen durfte, sondern als Ältester noch lebender Sohn, Schlosser werden sollte, denn so einen konnte man auf dem Gut, das er ja erben würde, brauchen. So zog er mit 14 zur älteren Schwester ins Ruhrgebiet, um bei Krupp eine Schlosserlehre zu machen und entkam so dem Tyrannen. Die Schwester und ihr Mann wurden zur Ersatzfamilie. Sein Lebenssinn bestand aber fortan darin, sich herauf zu arbeiten, weg vom Gutshof, den es bald eh nicht mehr gab, weg in das moderne städtische Leben jener Zeit. Die Arbeit war ihm aber nicht nur Mittel, sondern Zweck, Sinn und Freunde. Er ging ganz darin auf – Arbeiten war sein Leben und er schaffte es sich hoch zu arbeiten/krampfen? bis in die Managementebene eines Grossbetriebes.

Meine Mutter aus einer kleinbäuerlichen Familie stammend, mein Grossvater kriegsversehrt, gelernter Schreiner/Schnitzer, diesen Beruf konnte er aber nicht mehr ausüben, da er seine Hände nicht mehr gut benutzen konnte. Er hatte wie ein Wunder eine Handgranate überlebt, v.a. aber den Rücktransport von der Ostfront (28kg wog er noch und war dem Tod näher als dem Leben. In der Hand hielt er seine Uhr und Ehering fest umschlossen. Die versuchten die Sanitäter ihm immer wieder zu stehlen, doch es gelang ihnen nie. Da war er stolz darauf und enttäuscht bis ins Mark von seinen «Kameraden». Diese Uhr war ihm wichtig, dass ich sie als Erbe bekam. Ein Körper war bis zu seinem Tod voller Splitter, die im Körper wanderten und ab und an, wenn es gefährlich wurde, herausoperiert werden mussten. Er war ein liebenswerter, einfacher, zu allen freundlich und im Dorf beliebter Mann. Doch fast jede Nacht wachte er auf und schrie die Schrecken des Krieges liessen ihn nicht los. Erzählen konnte er es keinem. Also sprach man wie in so vielen Familien grundsätzlich nicht über Problematisches.

Die Grossmutter war die dominantere, zu mir immer sehr freundliche, doch anscheinend nicht zu der Mutter.

Beide waren Kriegskinder, doch während mein Vater die Kriegszeit als Abenteuer in Erinnerung behielt ( Resilienz), war es für meine Mutter ebenso in der Nachkriegszeit eine traumatische Zeit – schreckliche Erlebnisse, Hunger, Kälte und Mangel prägten sie. Folglich entschied sie sich früh, dem zu fliehen. Und gelangte auch so zu meinem Vater, der wahrscheinlich auch Modernität, Fülle und Sicherheit für sie darstellte. Eine schwache Gesundheit und eine angeschlagene Psyche, eine Folge nie bearbeiteter Trauma liessen sie schnell schwer krank werden. Körperliche Schwerbehinderung, Depression, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit sollten der mich über alles liebenden und verwöhnenden Mutter das Leben immer schwerer machen. Der Vater auf der Arbeit, immer weiter höher strebend. Nun komme ich ins Spiel, geboren in

Überall wo wir hinschauen , sehen wir Schlechtes, wie Korruption, Ungleichheit, Machtmissbrauch.

Doch den Buddhadharma verwirklichen, ist nicht hinausgehen und gegen das vermeindlich Böse kämpfen. Mich und v.a. viele junge Menschen gelustet es oft, und als ich selber jung war, tat ich dies auch schon. Andere wollen Armen und Flüchtlingen helfen, doch der Buddhaweg ist das nicht.

Mehr als alles andere, lehrt das Buddhadharma, sich selber anzuschauen und sein eigenes Leben aufzuräumen. Das ist die Grundlage des Buddhadharma.

Die Gesellschaft wird gestaltet von Gruppen und Menschen, die sich nicht selbst geklärt haben. Beginne ich etwas in der Gesellschaft ändern zu wollen, werde ich zwangsläufig in den Strudel von Macht, Politik, Medien, etc und aufgesogen von all dem Ärger und Kampf.

Die grundlegende Lehre ist laut K. Uchiyama ein erwachsener Mensch werden. Das heisst wir müssen unser Leben erst einmal richtig ausrichten. Einer der Menschen werden, der sein Leben ausgerichtet hat.

K. Sawaki sagte: Die Gründe, die eine Orgnisation/Gruppe bildeten sind dieselben, die sie auseinander fallen lassen. Jeder einzelne Person sollte möglichst ehrenvoll und einfach handeln.

Deshalb ist es wichtig, dass auch die hier in Sanko-ji Übenden nicht eine Gruppe bilden, oder eine Mitgliedschaft anstreben. Sondern, die, die kommen, kommen und die, die nicht kommen, kommen nicht. Es sollte nichts geben, das sagt, es ist erforderlich, dass du hier bist. Meistens, wenn Menschen etwas gründen oder organisieren, etablieren sie eine Mitgliedsgebühr/pass. Hab ich den Kinoeintritt bezahlt, guck ich auch mal einen schlechten Film zuende und gehe nicht raus. Es sollte aber so sein, dass wenn es jemanden auf dem sesshin nicht gefällt oder meine Vorträge blöd sind, er sofort gehen kann. Solche Mitgliedsgebühren haben die Macht ,Menschen zu binden. Aber Menschen binden, was soll daran gut sein? Das ist ein riesen Fehler. Auch wenn wir hier in Sanko-ji einen Verein haben, ist es der einzige Zweck es steuergünstiger zu machen, und einfacher zu verwalten. Sollte dieser Zweck verfehlt werden, müssen wir diesen sofort auflösen.