Ziemlich sicher kennt jeder von uns Zeiten, in denen die Welt sich gegen uns zu richten scheint. In diesem Sommer hatte ich definitiv den Eindruck, nun wäre ich an der Reihe. Ohne Unterlass passierten in meinem näheren Umfeld Unfälle (drei), Todesfälle (drei) und eine Naturkatastrophe (Eifelhochwasser) und vieles mehr. Auch konnte ich nicht zum Ango in die USA reisen konnte, auf das hatte ich 1,5 Jahre hingearbeitet. Kurz ich wurde aus meinem gewohnten, glücklichen Leben gerissen und es wurde sehr anstrengend den Alltag zu bewältigen. Die Emotionen schlugen unablässig Wellen und es schien kein Ende zu nehmen. Immer wenn ich glaubte, das eine Unglück verarbeitet zu haben, kam schon die nächste Hiobs Botschaft. Kennt ihr solche Phasen?…
Wir werden wieder sehr auf uns selbst und unsere Praxis zurückgeworfen. Die Fundamente unseres Lebens zumindest angesägt. In der buddhistischen Lebenswelt redet man von Mara oder den Dämonen, die uns prüfen oder das Leben schwer machen. Mein alter Lehrer Missen Bovay sagte immer – frei zitiert: Vor jedem Sesshin oder Lebensabschnitt legt uns Mara Hindernisse in den Weg und wir müssen jedes Mal das Tor des Drachens hindurchschreiten, um auf unserem Weg weiterzukommen.
Grundsätzlich eine gute Art und Weise mit den Schwierigkeiten des Lebens umzugehen, so meine Erfahrung und so konnte beispielsweise bisher auch jedes Sesshin hier in Sanko-ji stattfinden.
Aber steckt wirklich Mara dahinter oder ist das alles nur Karma? Diese Frage beschäftigte mich mal wieder aufs Neue diesen Sommer und ich befragte meinen, in Buddhas Lehre sehr bewanderten Lehrer Okumura Roshi. Hier Auszüge seiner Antwort von mir so gut es geht übersetzt:
Shakyamuni Buddha, Nagarjuna und Dogen sagten, dass Mara unsere eigenen fünf Aggregate sind.
Wenn uns verschiedene negative Dinge gleichzeitig geschehen, haben wir das Gefühl, dass es jemanden geben muss, der den Plan macht und uns solche Dinge passieren lässt.
Ich glaube, dass die Dinge durch Ursachen und Bedingungen geschehen.
Es gibt niemanden, der die Puppen bedient.
In Samyutta Nikaya, Kapitel II, 23 Radhasamyutta (Verbundener Diskurs mit Radha) 1. Mara
Bei Savatthi. Dann näherte sich der Ehrwürdige Radha dem Erhabenen, huldigte ihm, setzte sich an eine Seite und sagte zu ihm: „Ehrwürdiger Herr, es heißt: ‚Mara, Mara.’ Auf welche Weise, ehrwürdiger Herr, könnte Mara sein?”
„Wenn Form da ist, Radha, könnte es Mara oder den Mörder oder den Getöteten geben. Deshalb, Radha, sieh als Mara, sieh sie als die Mörderin, sieh sie als diejenige, die getötet wird als Krankheit, als Tumor, als Pfeil, als Elend, als echtes Elend: Wer es so sieht, sieht richtig.
“Wenn Gefühle vorhanden sind … Wenn Wahrnehmungen vorhanden sind … wenn Willensformationen vorhanden sind … Wenn Bewusstsein vorhanden ist, Radha, könnte es Mara oder den Mörder oder denjenigen geben, der getötet wird. Daher, Radha, Sehen Sie das Bewusstsein als Mara, sehen Sie es als den Mörder, sehen Sie es als den Getöteten, sehen Sie es als Nebeneffekt, als Tumor, als Pfeil, als Elend, als wahres Elend. Wer es so sieht, sieht richtig.
Als Shakyamuni die Mara unter dem Bodhibaum eroberte, tötete er Mara nicht.
Mara, seine fünf Aggregate, wurden in den Körper und Geist des Buddhas verwandelt und unterstützten seine Lehrtätigkeit für den Rest seines Lebens.
Macht dies Sinn für dich?»
2
Die manchmal schwer auszuhaltende Lehre der Buddhas ist, wir alle unterliegen dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Und dieses Gesetz ist aus unserer Sicht nicht unbedingt gerecht. Die gute Nachricht ist, zur gleichen Zeit – in der Verwirklichung der Leerheit desselben Augenblicks – existiert der Weg Buddhas unter unseren Füssen. Ob wir hier und jetzt Buddhas werden, liegt in unserer Hand. Wir können uns ändern, wir können die Welt nicht ändern. Deshalb ist unser tägliches Tun so wichtig. Die Verwirklichung unseres Tuns in unserem Alltag.
Durch unsere Praxis und unseren Wunsch nach Änderung können wir sofort Buddha werden und uns gleichzeitig Schritt für Schritt allmählich ändern.
So ist zum einen die Buddhapraxis – Zazen! – so entscheidend und gleichzeitig unseren stetigen Wunsch uns und unser Umfeld heilsam zu verändern. Schauen wir zurück, dann sehen wir deutlich, wie sehr wir uns auf unserem Weg der Praxis zum Positiven verändert haben. Und ich glaube kein Buddhaschüler möchte zurück in die Vergangenheit wandern, wenn er zum Beispiel durch Naikan schaut, wie er früher war. Da ist nur noch Scham über seine Taten und Dankbarkeit für die vielen Helfer, allen voran die Eltern, die uns immer unterstützten.
Deshalb ist es auch sehr förderlich für unsere Sichtweise, wenn Menschen auf dem Weg wegen ihres Verhaltens verurteilen, zu schauen: «Wo und wie ist diese Person gestartet?» Wenn jemand zum Beispiel aus einem verkorksten Milieu stammt, kriminell und drogensüchtig war. Wie sehr hat er sich doch durch die Praxis positiv verändert und wie wenig vielleicht einer, der aus dem goldenen Käfig startete!
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