Wie jedes Jahr möchte ich euch an das in vielen Kulturen gepflegte alte Ritual erinnern, eine Rückschau zu halten. Ich persönlich habe dies vor mehr als 30 Jahren von meinem Ordination Lehrer Missen Meiho Bovay, übernommen und als ungemein hilfreich erlebt.

In dieser dunklen Zeit die Gelegenheit nutzen, sich hinzusetzen und aufzuschreiben, was so in diesem Jahr passiert ist, Monat für Monat…

Oder wer Tagebuch führt, liest dieses nochmals und formuliert am Ende vielleicht ein Resümee.

Ich persönlich habe diesen Rückblick mit hilfe der Naikanmethode strukturiert und ziehe Bilanz:

Was habe ich dieses Jahr erhalten?
Was habe ich gegeben?
Was habe ich für Schwierigkeiten bereitet?

Oft erkennen wir dann, wie viel wir erhalten haben von Freunden, der Familie, von Unbekannten, vom Leben, ja sogar vom Staat! Die vielen wunderbaren Momente kommen uns in Erinnerung.

Und merken vielleicht, dass wir mehr erhalten haben als gegeben. Stattdessen haben wir der ein oder anderen Person warum auch immer Schwierigkeiten gemacht. Vielleicht haben wir uns gestritten, uns beschwert, ermahnt oder geschimpft. War es richtig, dies so zu tun? Wie sehen wir es jetzt aus dem Rückblick, aus der Distanz heraus?

Durch das Rückblickritual erinnern wir uns vielleicht auch an alte Freunde, Arbeitskollegen und Familienmitglieder. Vielleicht können wir eine Weihnachtskarte schreiben, oder anrufen, oder auch nur eine SMS schreiben und alles Gute und Liebe wünschen. Weihnachten ist das Fest der Liebe und gut feiern wir es jedes Jahr, damit wir an diese Liebe als Grundprinzip menschlichen Lebens erinnert werden

Weihnachten ist auch ein Fest des Friedens, zumindest im 1. Weltkrieg schwiegen die Waffen auf beiden Seiten des Schützengrabens an Weihnachten. Dieser brutale, mit allen Mitteln geführte, absolute Krieg konnte dank der Kraft der Weihnacht anhalten, wie wunderbar!

Vielleicht können wir auch unsere Konflikte mit den Menschen unseres Umfeldes anhalten. Vielleicht können wir sogar erkennen, dass die Ursache für den Konflikt sich längst erledigt hat, vielleicht können wir unsere Verletztheit und Wut vergessen. Vielleicht können wir verzeihen und uns versöhnen.