Und schon steht vom 30.11. – 08.12.2025 das jährliche Highlight, das Rohatsu an. Acht Tage, 13 Stunden am Tag nutzlos in Zazen sitzen, ist die höchste Praxis, die wir anlässlich der Erleuchtung Buddhas, das wir am 08.12. zelebrieren, tun können.

Unsere Welt braucht das, da sind wir uns einig. Leider höre ich von vielen Praktizierenden, die ich treffe, oft folgendes:

“Das ist nix für mich, zu hart, zu extrem, zu anstrengend,…”

Gerade wenn solche Äusserungen von seit langem Praktizierenden kommen, finde ich das sehr bedauerlich. Was kann ich dann erwidern?

Was sagt mein Dharma Grossvater Kosho Uchiyama Roshi in seinem 1971 geschriebenen Buch “Das Leben meistern durch Zazen” dazu:

 

“Weil Zazen die Kürze oder Länge der Zeit überschreitet, sollte man möglichst viel Zazen üben. Auch wenn bei uns in Antaiji lange und viel Zazen geübt wird, geschieht dies doch keinesfalls, um anderen etwas zu beweisen oder irgendwelche Verdienste anzuhäufen. Wir üben es einfach in dem Bewusstsein, dass Zazen in keinem Verhältnis zur Länge oder Kürze der Zeit steht. Es geht hingegen nicht an zu sagen, ein Anfänger sollte mit nur 30 Minuten oder einer Stunde beginnen, da Zazen ohnehin in keinem Verhältnis zur Länge oder Kürze der Zeit steht. Denn wenn er dann begreift, was Zazen ist, wird er womöglich grosse Angst vor lang andauerndem Sitzen bekommen. Wenn man dagegen von Anfang an gleich voll und ganz einsteigt, entwickelt man keine Furcht vor Zazen. Deshalb halte ich es für viel besser, wenn man von Anfang an über möglichst lange Phasen übt.

 

Der grundlegende und entscheidende Punkt am Zazen ist, dass wir das von der Wechselbeziehung zu anderen abhängige Ich aufgeben und dagegen dass Selbst das Selbst das Selbst sein lassen. Bei unseren Sesshin sind neben den japanischen Teilnehmern und den fünf oder sechs Ausländern, die fast unschlagbar gut sitzen, auch immer eine Reihe Ausländer anwesend, die die Beine nicht für sehr lange verschränken können. Diese sollen, wenn sie während des Sesshin den Schmerz gar nicht mehr tragen können, ihre Beine umlegen (Seza), dabei jedoch darauf achten, dass sie ihre Nachbarn nicht stören. Sie halten zwar in diesem Fall nicht die Formen des Zazen ein, aber wenn Sie den Eifer für die fünf Tage eines zusammenhängenden Sesshin aufbringen, so führen sie in dieser Zeit zumindestens kein Leben des Umgangs mit anderen, der gesellschaftlichen Verpflichtungen und der Arbeit. Wenigstens sind sie dann von all jenem abgeschnitten und fast ohne jedes Sprechen ganz für sich. Allerdings werden in dieser Haltung, also wenn man etwa die Beine umlegt oder den Rücken rundet, verschiedenste Gedanken durch den Kopf ziehen und aus diesen Gedanken wird nur zu leicht ein Nachdenken entstehen, weil wir uns dann mit den Fantasien unseres Kopfes unterhalten und es auch, wenn wir uns noch so bemühen nicht gelingen kann, das selbst das selbst das selbst sein zu lassen, ist es unbedingt wichtig, uns wieder um die Richtigstellung der Form, der Haltung des Zazen zu bemühen. Ich denke, es ist auch für Ausländer gut, wenn sie sich immer wieder um die rechte Form des Zazen bemühen, weil gerade diese, wenn man die Gedanken loslässt, die allerbeste Haltung ist und das selbst das selbst das selbst sein zu lassen. Und wenn man sich stetig um diese bemüht, so werden sich unterdessen auch die Beine daran gewöhnen und man wird es leicht ertragen können, über lange Zeit Zazen zu üben. Wichtig ist, das Zazen nicht etwas ist, das man durch äussern Zwang, sondern aus der Entdeckung der eigenen Lebenskraft des Selbst heraus macht, so dass man von selbst übt, wenn man selbst merkt, dass es Zeit dafür ist. 

 

Bis heute waren die Menschen auf Erden materiell sehr arm und die meisten hatten so ums Überleben zu kämpfen, dass sie sowohl zeitlich wie geistig kaum den Raum hatten, ihr aufs höchste verfeinerte Selbst verwirklichen zu wollen. Da künftig die Zahl der wohlhabenden Menschen überall zunehmen wird, hoffe ich, dass diese das Leben ihres Selbst zu verfeinern trachten und damit gleichzeitig auch das Leben der Menschen auf Erden – auf dass ihr Leben nicht nur das Leben von luxuriösen Tieren sei, sondern sich zu wirklichen Werten erhebe und die Zahl derer, die sich der Lebenskraft ihres Selbst bewusst werden, zunehme. Zazen wird dabei sicher nicht über Lautsprecher verbreitet, sondern vielmehr von einzelnen Zen-Praktizierenden an Freunde weitergegeben und sich so ganz still ausbreiten. Ich glaube, dass es so irgendwann auf jeden Fall zu einer die Menschheit in aller Welt weisenden Kraft werden wird.”

 

Nun haben wir 2025, wir leben in einem der reichsten Teile der Welt, wo sind  sie, die das Leben ihres Selbst zu verfeinern trachten und damit gleichzeitig auch das Leben der Menschen auf Erden. Ich hoffe sehr, dass Uchiyama Roshi sich nicht irrte.

 

Niemand, der ein Rohatsu in unserem Stil nicht erlebt hat, sollte Furcht davor haben.