Unmittelbar nach dem Sesshin, stiess ich auf der homepage meiner Dharmaschwester Shodo Spring (www.mountainandwateralliance.org) auf den folgenden kleinen Text meines Lehrers Shohaku Okumura Roshi. Und er passte so gut zu meiner Stimmung nach diesem Sesshin, das ich, offenbar gar nicht alleine praktiziert hatte …
Unser Leben ist ein Muster des Stoffes, der durch den Webstuhl von Zeit und Raum erzeugt wird.
Wenn wir die einzelnen Dinge sehen, ist jedes unbeständig und verändert sich ständig, ohne eine feste unabhängige Einheit.
Aber diese Webarbeit geht weiter. Unser Leben ist ein Ergebnis und ein Geschenk von Menschen und Dingen aus der Vergangenheit.
Was wir jetzt tun, beeinflusst spätere Generationen, ob positiv oder negativ.
Der Webstuhl webt den alten Brokat der Ewigkeit, während der Frühling jedes Jahr neu, frisch und anders ist.
Die Quelle des gesamten Himmels und der Erde manifestiert sich in einer winzigen Pflaumenblüte in der kalten Luft.
Die winzige Blüte verwirklicht den Frühling des gesamten Himmels und der Erde.
Alle einzelnen Dinge arbeiten als Ganzes zusammen, ohne dass etwas ausgeschlossen wird.
Es gibt keinen Beobachter und keine Beobachtung von außen. Shohaku Okumura
Wie treffend und poetisch ausgedrückt… Das Wunderbare ist, dass der Mensch nicht den Frühling braucht, um sich als Himmel und Erde zu verwirklichen. In jedem Zazen, in das er sich aus eigenem Antrieb hinsetzt, aufs Neue verwirklicht sich die Quelle des gesamten Himmels und Erde in dem winzigen, alleine sitzenden Menschen in der trostlosen Stille des Zendo.
Genau dann, wenn der Beobachter seine Bemühungen stoppt …und einfach «ist». Er von seiner hohen Warte herabsteigt, um einfach mit seinem Körper, ohne Hoffnung auf Erkenntnis, den echten Moment seines aktualisierten Lebens zu verwirklichen. In unserer heutigen Gesellschaft scheinen wir vergessen zu haben, wie wir von diesem hohen Sitz des Beobachtens und Analysierens der Wirklichkeit hinunterkommen, um einfach nur eins zu sein mit der Wirklichkeit.
Genau das ist Shikantaza. Einfach Sitzen jetzt hier. Wirklich mit meinem Körper.
Unsere persönlichen und gesellschaftlichen Probleme sind vielleicht deswegen so gross und unlösbar, weil wir heutzutage schon sehr früh anfangen, die Dinge verstehen zu wollen, zu analysieren. Schon in der Grundschule beginnen wir eine Fülle von Instrumenten zur Selbstreflektion und Analyse zu lernen. Als Erwachsener, im Rahmen des «personal fittings» lernen wir durch Coaching oder Achtsamkeitstechniken neue Methoden, uns noch bewusster, präziser und von noch Höherem Standpunkt aus zu beobachten und uns in unserer Wirklichkeit zu analysieren. Je mehr wir bewusster Leben und Verstehen wollen, glaube ich, desto mehr entfernen wir uns von der wahren Wirklichkeit.
Bitte versteht mich nicht falsch, diese Achtsamkeitstechniken beispielweise helfen nachgewiesenermassen vielen kranken Menschen ihren Alltag zu bewältigen…. Ich selber unterrichte ja «Mindfullness» an der Hochschule für Wirtschaft.
Doch der Buddhaweg ist zu 90% unbewusst, (so Dogen Zenji). Doch dem Unbewussten steht der in «wissenschaftlich Denken» orientierte und geschulte Mensch kritisch gegenüber und damit auch der wirklichen Wirklichkeit. Menschen, die das Glück haben sehr nah an und mit der Natur zu leben, haben eher noch einen Zugang zum Unbewussten.
Wieder mehr Wirklichkeit sein – Shikantaza – und dieses kleine Wesen in der Zazenhaltung sitzend verwirklicht «jetzt» den Frühling des ganzen Himmels und der Erde.
Und dann gibt es eben Wegsuchende, die das Bedürfnis haben sehr viel zu sitzen, wie in meiner Linie (Shanjin-ji/Antai-ji Style) und für die, denen 30 Minuten am Morgen reichen. Sanko-ji ist für die Personen, die es wichtig finden, möglichst oft und viel mit der ganzen Erde und dem Himmel gemeinsam mit allen Wesen den Frühling zu verwirklichen
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