Viele denken: 14 Stunden/Tag sitzen, das ist extrem! Besser ich geh zu denen, da hab ich ein Einzelzimmer, da kann ich mich austauschen, mich erholen. Die haben Buffet, da ist ein grosser Meister! Ich leide und mache doch schon so viel für Familie und die Welt und nun soll ich freiwillig nachmehr leiden! Ah und ausserdem hab ich Knie!”
Sind wir etwas Besseres deswegen, weil wir simpel unserer überlieferten Praxis unserer Lehrer folgen. Sicher nicht! …. doch gibt es viele Menschen, die aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht zu so einer Praxis in der Lage sind. Insofern können wir uns besonders glücklich schätzen, auf das Dharma gestossen zu sein und es sogar praktizieren zu können. Dafür sollten wir dankbar sein, aber sicher nicht stolz oder gar arrogant. Sondern “Normal”! Unsere Praxis ist es ja, sie immer während in Frage zu stellen, da wäre kein Platz für besser oder höher. Auf der anderen Seite befinden wir unsere Praxis nach Überprüfung für völlig korrekt, dann werden Lob und Tadel anderer ohne Bedeutung sein. Wir dürfen unseren Geist folglich nicht nach Aussen richten, müssen uns nicht fragen, was denken sie über uns? Und brauchen nicht nach Gewinn und Anerkennung streben.
“Nun kommt kein Schwein, keine Sau ruft mich an”…. soll man in Sanko-ji diese uralte Praxis aufweichen, soll man sich anpassen an den Wandel der Gesellschaft, den Bedürfnissen des modernen Menschen?` …Der moderne Mensch an sich, wie ich ihn erlebe, ist sehr beschäftigt wieder in Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen und auf sich und seinen Körper zu hören. Die ist sicher gut. Doch er hat grosse Sorge um seine Zukunft bei gleichzeitiger maximaler Bedürfnisbefriedigung plus Personal Fitting. (Das bietet Zazen genau nicht!) Damit ist er vollends beschäftigt. Das eigene Erleben drängt in Vordergrund und so auch Ängste, die vielleicht nichts anderes sind als die Sorge, dass ich “meine” Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Gefühle als Ratgeber?! Gibt es in unserer Gesellschaft ein Recht auf Reisen, auf Party, gute Gefühle, die perfekte Nahrung… . Fragt man nach, warum möchtest du in die Ferien nach Griechenland fliegen, bekommt man die Antwort, weil ich es will, brauche, ich muss hier weg, ich habs verdient! Die meisten Menschen wissen nicht einmal, warum sie handeln. Ich hab Bock auf Party…so reden Kinder. Wie redet und handelt der spirituelle Erwachsene? Wissen wir nicht aus der Resilienzforschung, dass gerade das Meistern schwierigere Aufgaben hier und jetzt uns stark und glücklich machen!?
In einem Zengedicht heisst auch:
“Wer das “Hier” flieht, um das “Anderswo” zu finden, der brütet ohne Unterlass “morgen” aus. Anderswo existiert nicht”
“Stille Einkehr, heitere Einfachheit” heisst es im Shodoka. Kodo Sawaki schreibt dazu:
“Kein Geräusch erreicht die Person, die in rechter Haltung sitzt, bei der die Knie auf den Boden gedrückt sind. Die Menschen sind ständig am Machen. Sie benehmen sich, als würden von allen Seiten Feuerwerkskörper abgeschossen, als wüssten sie nicht wohin mit sich… “Ich habe keine Zeit… ich bin sehr beschäftigt… ich bin ausgelastet” ihr Kopf ist voller Widersprüche und sie nehmen sich nie die Zeit, das in Ordnung zu bringen. Je komplizierter die Welt wird, desto wichtiger wird es, sie zu vereinfachen, zu vereinen und ihre grundlegende Einheit wiederzuentdecken. …
…Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr und heitere Einfachheit. Sawaki isst, um Zazen zu machen, er schert sich das Haupt und trägt die okesa, um seinem Zazen mehr Kraft zu geben. Das ist alles. Er praktiziert Zazen und bringt andere dazu Zazen zu üben. Er besitzt nur einfache, unverzichtbare Dinge. der Rest ist nur Geschwätz, selbst wenn man ein Jahr oder Jahrhunderte drüber redet.”
Ja, aber …wird da mancher sagen, ich muss doch die Welt retten, Co2-Ausstoss, Menschenrechte, Trump-USA, Corona und v.a. Mitgefühl praktizieren, ich … und der hat gesagt und jener jenes, dass…!….ihr Kopf ist voller Widersprüche…was ist wirklich wichtig, ganz tief wichtig, essentiell in unserem Leben? Wer nimmt sich die Zeit dazu dies wirklich festzustellen?
Dogen sagt im Fukanzazengi: “Halte alle Bewegungen des bewussten Denkens an, stoppe die Funktion deiner Intelligenz, lass den Gedanken fallen. ein Buddha zu werden.”
Soll man also sich den Gegebenheiten der Gesellschaft, des Menschen anpassen…hier in Sanko-ji finden wir, dass wir hier das grosse Glück haben Zen und Naikan in seiner klassischen Form zu praktizieren weiter zu geben. Natürlich machen wir finanziellen Verlust, natürlich können wir nicht viele Jahre so weiter machen. Wir brauchen uns weder dem ökonomischen Druck und den Winden der Gesellschaft (Kodo Sawaki würde “Fürze” sagen, hahaha) beugen. Noch müssen wir nicht um euer Money betteln! So wie das Kesa wollen wir die Shikantazapraxis solange praktizieren und weitergeben bis wieder mehr Menschen in dieser Welt erscheinen, die das “verborgene Juwel” in Ihnen erkennen. Mein Wunsch wäre, dass mindestens eine Person Sanko-ji weiterführt. Niemand weiss dies aber….wir machen weiter so lange es geht…mit voller Energie und im tiefen Wissen….” Man braucht nur eine Sache im Kopf behalten: In der Stille jede Aufregung meidend, müssen wir unsere einzigartige und schlichte Mission erfüllen. Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr, heitere Gelassenheit.” Kodo Sawaki
Hahaha…das ist lustiger, besser, spannender und sinnvoller als du jemals denken könntest. Und das Staunen:”Das bin Ich!? und wie unbedeutend bin ich?! hört nie auf!
In diesem Sinne gutes Staunen auf eurem Weg!
Würde mich freuen mal wieder mit euch Körper an Körper, Geist an Geist zu praktizieren. “Den Vorgaben der staatlichen Covid 19 Regelungen wird hier bestmöglich gefolgt”
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