Nachtrag zum letzten Brief August – zum Thema Alkohol und AZI.
Von einem Leser wurde folgendes kritisiert:
…“ Was aber viel schlimmer war, ich entdeckte den Alkohol als Genussmittel und alternativen Stresslöser. Er wurde in dem Zenverein AZI, in dem ich damals praktizierte, als zum Zen dazugehörend, im Alltag gepflegt. Wie dumm!!! Ich habe darüber schon oft geschrieben. Gerne nahm ich diese “Zenweisheit” als Buddhadharma an, wie frei und revolutionär wir doch waren.”…
Er meinte, ich stellte den AZI als Haufen Saufköppe dar.
In meiner Antwort riet ich der Person, Personen zu fragen, die in den 80/90er Jahren auf dem Sommerlager in La Gendronniere waren und beschrieb ihm einen typischen, von mir selbst erlebten Tagesablauf:
Hier eine typischer Alkoholpraxis-Tagesablauf in einem sogenannten Sommer Ango, später Sommerlager genannt, in La Gendronniere.
Während dem Morgensamu wurde schon teilweise Bier in den Wald zum Holztragen gebracht. Gegen 12.00 Uhr Apero an der Bar, Mittagessen 12.45 Uhr, auf jeden Tisch eine Flasche Rotwein, bei Bedarf konnte man eine zweite ordern. Vor dem Abendessen Apero an der Bar, nach dem Zazen traf man sich an der Bar, die meist gegen 23.00 Uhr, danach wurde je nachdem privat weiter getrunken, schloss. Morgens beim ersten Kinhin kam es vor, dass der eine oder andere zum Kotzen zügig rausgehen musste… Viele der Schüler Deshimarus waren Alkoholiker und starben an Alkoholismus. Ich könnte dir viel Namen nennen. Ob Deshimaru selber auch Alki war, daran scheiden sich die Geister. Mein erster Lehrer, der Assistent von Deshimaru, meinte nein, doch eine Whiskyflasche war wohl doch oft in der Nähe, deshalb wurde auch gerne viel Whiskey abends an der Bar getrunken. Die Feste auf La Gendronniere zum Abschluss eines Sommerlagers waren berühmte und berüchtigte, exzessive wunderbare Partys im Wald, viele kamen, so hieß es, nur deswegen zum Zen. Dieses Alkohol Karma im Zen möchte ich nicht verharmlosen und nicht verschweigen, ich habe es selber erlebt und zugeschaut wie einige noch heute an der Flasche hängen. In Japanischen Tempeln ist Alkohol auch immer Thema und es wird exzessiv gesoffen, aber immerhin nicht täglich.
Ich möchte aber betonen, dass nicht alle Anwesenden dem Alkohol frönten. Ich denke, dass es besser ist, wie normalerweise in buddhistischen Tempeln üblich, innerhalb der Praxis ganz auf Alkohol zu verzichten. Nicht umsonst stellte der Buddha den Verzicht auf Drogen als fünftes Precepts auf. Außerhalb eines heiligen Rahmens kann ja jeder so handeln, wie er möchte. So wird es heute auch meines Wissens mehrheitlich auf Sesshins der AZI gehandelt.
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