Jijuyu Zanmai
(wörtl. der Samadhi des sich selbst Empfangens und Benutzens)
Wir schlafen, wir verdauen, unser Herz schlägt und lässt das Blut zirkulieren, deswegen atmen wir und vieles mehr. Millionen von Zellen verrichten ihren Dienst, ohne dass wir einen großen Einfluss darauf haben. Mit Hilfe all unserer geistigen Fähigkeiten, Denken, Gefühlen und Ideen können wir dies nicht kontrollieren. Diese Lebenskraft wirkt jenseits unseres Denkens. Und obwohl sie das tut, gehört diese Kraft zu mir. Wir nennen sie Lebensenergie. Und so lange diese Kraft in mir funktioniert, ist sie die Wirklichkeit in mir.
Umgekehrt gilt das für die Gedanken, Gefühle und Ideen, die ständig in meinem Kopf entstehen. Sie sind meine Gedanken, aber die Kraft, die sie aufsteigen lässt, ist weit jenseits meines gesamten Intellekts.
Uchiyama Roshi sagt: “Die Wirklichkeit des Lebens meines Selbst vollzieht sich jenseits der Gedanken dieses kleinen Individuums, sie ist aber gleichzeitig genau die Kraft, die als dieses kleine Individuum fungiert.”
Auf der einen Seite existiert also ein individuelles Selbst, das sich durch die Gesamtheit seiner Gedanken und Gefühle definiert. Wir merken, dass dieses Ego einzigartig ist. Außerdem sind wir sicher, dass jedes Wesen ein anderes individuelles Ego besitzt. Und deshalb fühlen wir uns oft nicht verstanden oder es gibt sogar Streit, weil die Gedanken und Ideen eines jeden Lebewesens anders sind. Kodo Sawaki sagt: “Deswegen können wir noch
nicht mal einen Furz teilen.” Wir können deswegen nur unser eigenes individuelles Leben führen, aus unseren Gedanken und Ideen heraus.
Auf der anderen Seite bestehen alle lebenden Wesen aus der Kraft dieses großen, alles durchdringenden Lebens heraus. Obwohl alle Lebewesen unterschiedlich sind, wirkt sie in jedem Individuum und durchdringt alles. Und dieses universelle Selbst, des einen, alles durchdringenden Lebens bezeichnet Meister Dogen als Jijuyu Zanmais, das “frei empfangende und wirkende Selbst.
Okumura Roshi bringt oft den Vergleich mit dem Bild, in dem gleichzeitig zwei Frauengesichter existieren, ein altes und ein junges Frauengesicht.
Das “universelle Selbst” und das “individuelle Selbst” existieren gleichzeitig in der Wirklichkeit unseres Lebens.
Uchiyama formuliert das Wirken der beiden Selbst folgendermaßen: “Beim Zazen lassen wir unsere Gedanken los und das befähigt uns zu erwachen und die ungeteilte Wirklichkeit des Lebens zu leben, die das ganze Universum durchzieht. Weil wir innerhalb der Gedanken des kleinen Ichs leben, werden wir von ihnen herumgezerrt und ein anderes, das nicht ich ist, kesselt uns ein. Wenn wir diese Gedanken loslassen, erwachen und die ungeteilte Wirklichkeit des Lebens leben, die jenseits dieser Gedanken wirkt, entdecken wir das Selbst eines universalen, nondualen Lebens, das alle lebenden Kreaturen und die ganze Existenz durchdringt.”
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