von Kosho Uchiyama von mir ins Deutsche übesetzt

Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet, wie eine von ihnen”MT 6, 28-29

Uchiyama schreibt: Hier erscheint einfach die Pracht des Lebens. Auf dieselbe Weise blüht das Veilchen als Veilchen, und die Rose drückt ihr Leben als Rose aus. Die Blumen, die auf dem Feld blühen, sind nicht der Meinung, dass sie in einem Schönheitswettbewerb den ersten Preis gewinnen sollten; sie fühlen sich auch nicht in Konkurrenz mit den anderen Blumen. Das Veilchen entwickelt keinen Minderwertigkeitskomplex und denkt:«Die Rosen sind groß und prächtig, aber ein kleines Veilchen wie ich ist nutzlos.”

Es sagt nicht gierig und ungeduldig: «Ich muss effektiver werden.”Es manifestiert einfach seine Lebenskraft mit all seinem Vermögen.

Wenn natürlich eine Veilchen Pflanze kein kleines Veilchen hervorbringen kann, dann kann sie keine Samen bilden und sich fortpflanzen. Aber wenn sie blüht, dann tut sie das nicht zu persönlichen Zwecken. Ihr Leben besteht darin, Blüten hervorzubringen. Eine Passage im Lotos Sutra lautet: “Alle Dinge sind in sich selbst wahr.»

Im Zen gibt es einen Ausdruck: ” Eine Weide ist grün, eine Blume ist rot.”

Kurz gesagt steht der Buddhismus als religiöse Lehre dafür, die Welt des Lebens zu manifestieren, in der ein Veilchen als Veilchen blüht und eine Rose als Rose.

Im Amitayus Sutra wird das Paradies folgendermaßen beschrieben:”Blaue Dinge sind blau, rote Dinge sind rot.” Dieser Punkt verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit. Ohne intensiv darüber nachzudenken,stellen wir uns möglicherweise vor, wie wundervoll es wäre, wenn blaue Dinge rot werden könnten oder arme Leute glücklich wären, wenn sie nur reich wären.

Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass es für arme Leute schlecht wäre, reich zu werden. Aber das Glück kommt nicht unbedingt mit Reichtum oder Unglück mit Armut. Wenn sich bei dir im Kopf festsetzt, dass die mit materiellen Gütern Ausgestatteten glücklich und arme Menschen unglücklich seien, dann wirst du garantiert unglücklich sein, wenn du arm bist. Sich an solch eine Perspektive zu halten, ist falsch. Für Menschen, die so denken, wird die Zeit kommen, in der das Geld nutzlos ist, ganz gleich, wieviel sie davon haben. Bei ihrem Tod fallen diese Menschen ins tiefste Elend. Wir können auf gar keinen Fall eine Linie ziehen und sagen, die Menschen oberhalb dieser Linie seien reich und darunter jeder Arm. Reich und Arm sind lediglich relative Vergleiche, und wenn wir den Vergleich sein lassen, können wir uns immer in unserem universellen Selbst einrichten.

Auch wenn mich manche Menschen arm nennen und andere reich, vergleichen sie mich bloß mit jemandem anders und versuchen, mir ein Etikett anzuhängen. Das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die ich bin. Die Bedeutung des Satzes, dass blaue Dinge blau sind und rote Dinge rot, bedeutet, dass ich zu der Wirklichkeit meines Lebens, als ich selbst zurückkehre und einfach nur dieses Leben manifestiere. Das ist das Paradies.

Mit anderen Worten; Wenn ich mich nicht von meinen persönlichen Gefühlen und Ideen herumschleudern lasse und zum Leben meines wahren Selbst zurückkehre – ohne Neid oder Arroganz, ohne Selbstverachtung oder Konkurrenz gegenüber den anderen, aber auch nicht in die Fallen von Trägheit, Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit tappe und einfach nur das Leben meines Selbst mit all meiner Kraft manifestiere – dann erwachsen daraus die Herrlichkeit des Lebens und der Schein von Buddhas Licht. Das religiöse Licht erstrahlt, wenn wir unser ureigenes Leben manifestieren.

Im Buddhismus ist die Welt, die sich durch das Niederlassen des Selbst im wahren Selbst entfaltet, keine Welt, in der die Starken die Schwachen verschlingen oder wo die Menschen ums bloße Überleben kämpfen. Es ist auch nicht eine Welt des Eskapismus oder der Absonderung, in der man vergessen hat, die Blume seines Lebens hervorzubringen. Diese Welt öffnet einzig den gegenwärtigen Augenblick. Der buddhistische Samādhi, also Zazen, ist die Grundlage für die Manifestation dieses Lebens.

Im Buddhismus werden oft Bilder von Pflanzenmanifestationen benutzt, hier ein Beispiel von Dogen, der etwas sehr Grundlegendes für das Zen in einem Gedicht ausdrückt.