Das Gedicht des Vaters

Während des Naikans Anfang April las ich das Gedicht von Peter Miki “Das Gedicht des Vaters” und ich fand es wunderbar, wie treffend er formuliert, wie es ist mit Menschen in engem Kontakt zu sein und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Das Gedicht des Vaters

Das ist ein Gedicht für meinen Sohn Peter, den ich tausendmal verletzt habe

Dessen grosse und verwundbare Augen schmerzerfüllt meinem Wüten folgten – schmale Gelenke und Finger hingen in knochenloser Verzweiflung.

Den bleichen und sommersprossigen Rücken verloren gekrümmt. Das Kopfkissen durchtränkt mit meiner Unfähigkeit zu verstehen.

Meine Schwäche und Ungeduld haben für immer Wunden in dein zerbrechliches Vertrauen gerissen.

Denn wenn ich streng sein wollte, warst du da, um verletzt zu werden.

Und weil ich dachte, du wüsstest, wie schön du bist und klar, mit hellen Augen und hellem Haar.

Aber jetzt weiss ich, dass niemand das über sich sagen kann, sondern es muss gesagt werden, bis es sitzt.

Denn alles kann irgendwann getötet werden, besonders die Schönheit.

Deshalb schreibe ich dies für das Leben, für die Liebe, für dich, Peter meinem ältesten Sohn, zehn Jahre alt und bald elf….

Ich entschied mich, nicht Vater zu werden, um meine Energie mehr auch ausserhalb von Familie, wenn man so will allen fühlenden Wesen zu widmen. Trotzdem, da ich mit Kindern und Jugendlichen schaffe, Menschen auf den Weg des Naikan und Zen begleite, trifft das Gedicht es wunderbar gut, wie es ist – “das Begleiten und Helfen” von fühlenden Lebewesen. Dazu gehört offensichtlich auch ganz natürlich das Verletzen und leider gehört es auch oft dazu, nicht immer sagen zu können, dass der

andere “Schön” ist oder er ein “lieber, einzigartiger” Mensch ist.

Im Naikan beschäftigt man sich mit der Frage: Welche Schwierigkeiten habe ich der Person bereitet? Viele sind, wenn sie sich ernsthaft so prüfen, erstmal erschlagen von der Erkenntnis wie massiv “ich” andere, gerade die Menschen, die “ich” besonders liebe, verletzte und Schwierigkeiten bereitete. Es ist ein grosser Schritt auf dem Weg, zu verstehen: Ich bereite und verletze immer jemanden, sobald ich handle. Doch war oder ist uns das nicht in seiner Totalität bewusst. Im Naikan, kann uns diese Erkenntnis wie in Blitz treffen und es zerreisst uns das Herz, das unser tolles Selbstbild nicht stimmen kann, unser Ego brennt im Feuer der Reue und das ist natürlich und heilsam. Die erste Reaktion ist jedoch, wie immer wenn “wir” angegriffen werden, Rückzug, Verdrängung. Das kann nicht sein, ich bin doch ein “Guter”, da mag ich nicht hinschauen, doch wir verdrängen den Fakt, dass alles mit allem verbunden ist. Wir Verdrängen dadurch die grosse Befreiung eines Buddhas, das Erwachen

gemeinsam mit allen fühlenden Wesen. Wir sind nicht solitär, wir sind gemeinsam und das ist wunderschön.

Für den Begleiter auf dem Weg ist es selber immer wieder auch schmerzhaft zuzusehen, wie die sich Prüfenden leiden, man leidet mit und erinnert sich der eigenen “Schändlichkeit”, die Verletzungen die man selber immer wieder anrichtete oder zukünftig zufügen wird. Weine ich dann um mich, um die mir Anvertrauten, ich weiss es nicht, aber es ist so und es muss so sein – das kosmische Gesetz! Es gehört zum wirklichen, normalen oder echten Leben!

Am 29.04. um 14.00 Uhr findet die Vereinsgründung in Elbenschwand. Ich freue mich sehr, dass es soweit ist. Denn es ist ein entscheidender Schritt hin zur Gemeinnützigkeit, Offenheit, allen fühlenden Wesen helfen wollen und Mitgefühl. Vor allem bin ich froh, das die Ziele von Sanko-ji nicht mehr “meine Eigenen” sind, sondern künftig durch uns alle getragen werden und somit auch der Fortbestand über meine sterbliche Person hinaus gesichert ist.

Alle die noch spontan Gründungsmitglied werden wollen, herzlich willkommen (7 Personen sind notwendig). Getränke stelle ich, Picknick bringt jeder etwas mit. Im Anschluss besteht die Möglichkeit bei schönem Wetter noch spazieren zu gehen oder gemeinsam zu sitzen.

You must face it! Have confidence and courage! Herzlich und Gassho