Hachi Dainin Gaku 6 – Shoyoku IV

1. Shoyoku – Wenige Wünsche haben Kommentar zum 2. Abschnitt:

Der Buddha erläutert: Mönche und Nonnen, hier ist etwas, auf das ihr aufmerksam sein solltet. Eine Person mit vielen Sehnsüchten und Begierden leidet proportional stärker und zwar deswegen, weil er oder sie stärker persönlichen Zielen folgt oder andere Vorteile sucht.

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Die kühle, trockene Luft erfrischt und verhindert ein Wegdösen beim Zazen im Dojo. Dafür ist es sehr still, das sonst rauschende Wasser der Pauja ist auf den ersten Blick erstarrt. Doch drunter fließt es unsichtbar weiter, geht man näher heran, sind ab und zu sehr seltsame, interessante Geräusche aus dem Eis zu hören. Manchmal sehr unheimlich, manchmal zum Lachen lustig. Ein neue spannende Welt, die sich auftut.

Die Konturen der Landschaft sind rein und klar, nur weiss, schwarz und blau, und manchmal alles verschwommen und in Grautönen gehalten, und manchmal auch ein unheimliches oder freudiges Glitzern von Sonnenstrahlen an Orten, die überraschen.

Vieles, was im Sommer durch die üppige, grüne Pflanzenwelt überdeckt ist, zeigt sich jetzt und zeigt seine tiefe eigene Schönheit. Es lohnt sich, hinauszugehen. Manchmal bin ich in Gedanken, dann merke ich plötzlich, dass ich an einer Hecke stehe und in die Ferne schaue. Häufig, wenn auch nur kurz, gehe ich hinaus. einfach weil es hilft die Gedanken loszulassen und manchmal gehe ich länger hinaus, um Brennholz zu machen oder lange Spaziergänge zu machen.

Jeden Morgen und Abend gehe ich draussen pinkeln und lausche, schaue, spüre und halte Inne, jedes Mal anders, mal Regen, mal Schnee, mal eiskalt, Schneeflocken tanzen vor den Augen, während mein Pipi Formen in den Schnee zeichnet und dampft. Die Kälte vertreibt Müdigkeit und Träumereien. Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit und man sieht nach und nach erstaunliches. Eine Taschenlampe brauche ich nicht, es reicht zum Gehen. Scheint der Mond auf dem Schnee, herrscht eine wunderschöne Art von Helle eines Lichts, das selbst schon reflektiert wurde, es ist besonders und nur auf Schnee so einzigartig. Der Blick zu den Sternen am Firmament macht einen mal ganz gross, mal winzig klein im Angesicht der gewaltigen Unendlichkeit und Ewigkeit. Ehrfurcht und Freude begleiten einen beim Betrachten.

Das Entleeren der Blase brachte die ersehnte Erleichterung, freudig stapfe ich vorsichtig zum Dojo, bloß nicht ausrutschen, um in aller Ruhe Zazen zu beginnen. Welches Glück ich habe.

Letztens las ich in einem Zeitungsartikel darüber, warum die Menschen in früheren Zeiten, in unseren Breiten und in Nordeuropa sogar heute noch, nicht unter der Kälte, der Dunkelheit oder dem Winter litten und auch weniger krank wurden als wir.

Als erstes ist die Einstellung zur Kälte zu nennen, als zweites der Umgang mit ihr und als drittes eine Art Kältetraining.

Heute, wo wir es uns leisten können, heißt eine auftretende Kälte draußen für viele von uns, wir drehen automatisch die Heizung hoch, ziehen uns wärmer an und bleiben drinnen in der Wärme. Bloß nicht raus gehen. Die Kälte und die kalte Jahreszeit sind oft zu einer Art Unzeit oder gar Gegner geworden, die man überstehen muss.

In Skandinavien und hier in den Alpen dagegen erfreuen sich die Menschen am Winter. Auch in Japan hat man eine eigene Art mit der Kälte und dem Winter umzugehen, bis heute gibt es in japanischen Häuser kaum Zentralheizungen, sondern nur einzelne Orte die geheizt werden, beispielsweise die Klobrille oder der Esstisch, wo die Familie zusammen kommt.

Auch hier in der Zenklause ist nur die kleine Stube gut geheizt, sonst nichts. Ich erfreue mich an der intensiven, punktuellen Wärme des Kaminofens, der Dämrigkeit, weil die Kerzen flackern und alles in schönes Licht tauchen, der Ruhe, des mehr Schlafens.

Neben der besseren Einstellung zur Kälte und Dunkelheit hilft dir sicher auch das Zurückziehen ins Haus, wenn es dunkel wird, die Gemütlichkeit im Inneren und das Verlangsamen des Lebensrhythmus. Wenn du so weitermachst wie im Sommer, gehst du gegen das Natürliche. Du kannst von der Natur lernen, alles zieht sich zurück, v.a. die Pflanzen und die Tiere verlangsamen ihren Stoffwechsel. Sie fahren runter. Die Lebenskraft fährt einen Gang herunter, die indigenen Völker meditieren viel in dieser Zeit; meine Eltern berichteten, dass die Nachbarschaft in der Nachkriegszeit abends auf dem Lande in der guten, warmen Stube zusammen kam und alte Geschichten/Märchen erzählte.

Es ist erwiesen, wenn wir die Nacht durch künstliches Licht zum Tag machen oder in das Licht unserer Endgeräte schauen, um zu konsumieren, dass wir oft nur schlecht schlafen können.
In alter Zeit wusste man um die heilende Kraft der Kälte, wie zum Beispiel um die positive Wirkung des Eisbadens, dass man immer noch in Ost- und Nordeuropa pflegt und mehr und mehr auch bei uns wieder populär wird. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kälte heilt und gesund macht und zwar psychisch und physisch. Natürlich macht man wieder einen Hype darüber und ein Geschäft, aber es hilft dir, aus deinem Gedankengefängnis herauszukommen, dich zu beleben, deine Lebenskraft zu aktivieren.

Ich habe dreißig Jahre lang damit kokettiert, dass ich “bekennender Warmduscher” bin und habe kaltes Wasser ausgelassen. Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass Kneippbäder meinen müden Beinen und Füßen gut tun. Diesen Winter habe ich sogar angefangen, mich für 10-20 Sekunden in die eiskalte Pauja zu setzen. Tief und langsam ein- und ausatmend zähle ich langsam bis 10 oder 20, je nach Tagesform. Danach bin

ich erfrischt und aufgeheizt und sitze noch, in eine Decke gehüllt, viele Minuten draußen und genieße die Abendstimmung und das wohlige Körpergefühl. Ich weiss von Freunden, die täglich kalt duschen und darauf schwören.

Die Art und Weise des Lebens hier in den Bergen zwingt mich immer raus zu gehen, schon nur um das Brennholz rein zu holen oder Schnee zu schippen. Aber auch sonst gehe ich jeden Wintertag länger hinaus, sei es, um langsam zu joggen, durch den Schnee zu stapfen oder eine Schneeschuhwanderung zu machen. Im Winter reichen 30-60 Minuten täglich draußen sein, völlig aus. In Bern fahre ich 30 Minuten bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule und zurück. Das Draußen sein und die Bewegung, auch das ist alles wissenschaftlich längst erwiesen, halten dich gesund, weil du an deine Bestimmung und Lebenskraft anknüpft.

Das Bewegen ist in unserem DNS angelegt. Wir sind auf dieser Welt, um uns zu bewegen und v.a. zu laufen und zu gehen. Wir wurden durch den aufrechten Gang zur überlegenen Spezies dieses Planeten. Denn wir konnten laufen oder stehen und hatten die Hände frei, um andere Dinge zu tun. (Unser vermeintlich überlegenes Denkvermögen dagegen führt wahrscheinlich zu unserem Aussterben).

In ihrem Bestseller “Bewegung liegt in deiner DNA” beschreibt die Biomechanikerin Katy Bowmann wie man lernt, sich wieder natürlich zu bewegen und dadurch gesund zu werden.
Mehr noch als Ernährung zeigen alle wissenschaftlichen Studien, dass der Schlüssel zu einem vitalen Leben die Bewegung ist, in meinem Fall zu weniger Schmerzen und mehr Lebenskraft.

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Diese Lebenskraft macht, dass sich unsere Wunden (psychische und auch physische) meist von selbst heilen, dass Tiere teilweise weite Strecken zurücklegen, um an wichtige Mineralien zu kommen, dass sich das Gras wieder aufrichtet, wenn ich darüber gelaufen bin. Diese Lebenskraft macht, dass wir Menschen uns viel natürlich Bewegen wollen oder uns mit Kälte heilen wollen, dass es uns hinauszieht in die Berge oder Wildnis, das wir empathisch sind und soziale Wesen, dass wir kreativ sein möchten und nach einem spirituellen Sinn suchen.

Diese Lebenskraft macht, dass gerade eine dicke Hummel bei knapp über Null Grad an mir vorbei brummt, diese Primel blüht und am von der Sonne beschienenen Felsen hinter mir eine Grille leise zirpt.

Im Unterschied dazu ist Begierde, wenn wir auf ein Ziel ausgerichtet sind, das uns von unserem gegenwärtigen Ich weg bringt, hin zu einem außerhalb von uns und in der Zukunft liegenden Ziel bringt.
Die meisten Menschen beginnen Zazen oder sonst irgendeine spirituelle Praxis, um sich selbst voranzubringen. K. Uchiyma sagt: “Und weil die Begierde bei der Verfolgung dieses Zieles zu unserem Lebenszweck wird, entfernen wir uns beträchtlich von der Lebenswirklichkeit unseres wahren Selbst. Dies sagt auch Dogen Zenji im Shobogenzo Genjo-Koan: Die Leute, die sich um das Dharma bemühen, entfernen sich unweigerlich vom Umfeld des Dharmas.”

Meiner Ansicht nach, das größte Hindernis auf dem Weg, denn ich beobachte dieses große Missverständnis bei vielen Wegsuchenden und auch ich selbst war lange in dieser Falle. Ich dachte, wenn ich mich sehr um das Dharma bemühe, noch mehr mache als andere, noch aktiver praktizieren, Gutes tue, mich bemühe Bodhisattva zu sein, mich noch mehr engagiere, dann….Erst S. Okumura öffnete mir die Augen, als er mir in einer unserer ersten Begegnungen, wo ich beschrieb wie wenig Zeit ich hätte, weil ich ja noch dies und jenes Dharmische tuen müsste, dass dem nicht so sei, wörtlich: “Du hast alle Zeit der Welt, nicht nötig dich zu bemühen und zu hetzen.”

Uchiyama fährt fort: Demgegenüber kann man es nicht Begierde nennen, wenn man weiss, dass eine Erhöhung des wirklichen Selbst nicht auf eine ausserhalb oder in der Zukunft liegende s Ziel aus ist, sondern nur bedeutet, hier und jetzt die Realität des Seins des Selbst zu verwirklichen

Denn eine solche Haltung richtet sich nicht auf ein außen stehendes Ziel, sondern ist eine Seins-Verwirklichung des Nur-Selbst.
Die Lebenskraft, mit der wir dagegen Zazen praktizieren, ist eine Kraft, die sich keinen Zielen verschreibt, sondern die Realität des Seins des Selbst zur Entfaltung und Verwirklichung bringt.

Viel Zeit geht heute bei vielen Menschen verloren mit allen möglichen Handlungen zur Selbstoptimierung. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch warum machen wir das? Ist es nicht so, weil wir denken, wir dürften keine Schwächen haben, sondern auf all diesen unendlich vielen Gebieten Leistungsstärke zeigen, um Anerkennung zu finden.

Super Food Essen, fitter, leistungsfähiger Körper, ansehnlicher Körper, effizientes Arbeiten, Brain-Gym, Kommunikationstraining, Weiterbildungen, um unser Portfolio zu erweitern, Anti-Stress -Training, um nur einige der populären Möglichkeiten der Selbstoptimierung zu nennen.

Das klingt gut und ist vielleicht auch sinnvoll. Aber ist es sinnvoll, wenn wir das nur aus Pflicht- und Leistungsbewusstsein tun? Dürfen wir keine Schwächen haben, müssen wir in allem gut sein?
Wäre es nicht besser, deine Schwächen als das zu akzeptieren, was sie sind: Schwächen. So sehr du dich auch anstrengst, du wirst nie gut sein in diesem Bereich.

Was wäre, wenn du dich auf deine Stärken konzentrierst. Hier sind immer 100% Leistung möglich. Deine Stärken sind Sachen und Fertigkeiten, die du gerne ausführst, die dir vielleicht sogar Spass machen. Du bist motiviert, Aufgaben in diesem Bereich zu übernehmen, lernst rasch, hast Spass, Verbesserungen zu entwickeln und auszuprobieren. Wenn ich mit Menschen arbeite, beginne ich immer damit, die Stärken herauszuarbeiten oder, wie man es auch nennt, Ressourcen festzustellen..

Denn das macht Freude, die Schwächen kann man getrost loslassen, denn diese Aufgaben machen keinen Spass, man schiebt sie vor sich her, weil man sich nicht motivieren kann und Fortschritte zu erreichen, muss man krampfen. Wenn du dich auf deine Stärken konzentrierst, hast du plötzlich viel mehr Zeit und kannst öfter mal rausgehen, dein Leben verlangsamen, deine Umgebung wahrnehmen. Du wirst deswegen zufriedener, auch weil du mehr Erfolgserlebnisse hast und weil, dass, was du tust, mehr Sinn macht und du hast wahrscheinlich mit der Zeit weniger Wünsche.

Letztlich agierst du dann auch ganz Nahe aus deiner ureigenen Lebenskraft heraus, deshalb heißt es ja auch immer im Zen: Just do! aus deiner Lebenskraft heraus.

 

Handeln als der Andere

Der Schnee der Nacht überdeckt all die Blumen und Knospen des Frühlings. Ausser den hungrigen Vögeln an der Futterstation ist alles für kurze Zeit im Frost erstarrt. Auch ich unterbreche das geschäftige Frühlingswerkeln rund um die Klause und in der Permakultur und schreibe am warmen Ofen lieber den April Brief.

Eigentlich habe ich seit dem letzten Brief nichts Neues zur aktuellen gesellschaftlichen Situation zu sagen, ich probiere es aber anders aus zu drücken und bediene mich dabei ungeniert an den unzähligen Zitaten unserer Vorgänger. Heute bediene ich mich v.a. beim Buch «Ryokan interpreted» von Shohaku Okumura.

Auf dem Weg des Zen, des Naikan, des Buddhismus und vieler anderen spirituellen Weges richtet man seinen Focus auf sich selber und nicht danach was die anderen machen und tun.

Beispielsweise empfahl der Herr Shakyamuni die Praxis der vier Wege zum Aufbau einer unterstützenden und tragenden Beziehung. (Von Dogen auch Shishobo genannt. Kapitel «Bodaisatta Shishobo» im Shobogenzo)

Anderen Geben, wohlwollende Rede (Worte der Liebe für Andere), Vorteils- Taten (für Andere) und Gleichheits-Taten ( Handeln als wäre man der Andere)

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Alle oben genannten Praktiken helfen uns, unseren kriegerischen, gierigen, nach unserem Vorteil zielenden Geist zu verändern. Heute möchte ich gerne über die Praxis „Handeln als der Andere“ schreiben.

In einem der frühsten buddhistischen Schriften dem Dhammapada schreibt Shakyamuni Buddha:

Alle zittern vor der Rute der Strafe, alle fürchten den Tod, vergleicht man andere mit sich selbst, sollte man weder töten noch töten lassen.

Alle zittern vor der Rute der Strafe, denn alles Leben ist teuer, vergleicht man andere mit sich selbst, sollte man weder töten noch töten lassen.

Im späteren Samyutta Nikaya dichtet Shakyamuni:

Nachdem man mit dem Geist alle vier Ecken durchquert hat, findet man nirgends etwas Lieberes als sich selbst.

Ebenso liebt sich jeder am meisten; daher sollte jemand, der sich selbst liebt, anderen nicht schaden.

Shakyamuni sagt, dass wir uns alle selbst lieben und wir verstehen müssen, dass wir uns nicht von anderen unterscheiden. Deswegen sollte wir anderen nicht schaden. Dieses Erwachen zur Wirklichkeit, dass wir und andere gleich sind, ist der Ursprung des Gleichheits-Tun.

Wie wir alle wissen, sagte Jesus, man solle den anderen so Lieben wie sich selbst. Das ist exakt der gleiche Geist.
Um das zu können, muss man zunächst seine Selbstliebe verifizieren und dann sich in den anderen hineinversetzen bis hin zur Selbstaufgabe.

Shakyamuni setzte die Selbstliebe voraus, in meiner Arbeit mit Menschen merke ich, dass es einige Menschen gibt, die diese Selbstliebe erst entdecken müssen. Viele immer durch äussere Bewertung funktionierende Menschen, konnten diese bisher nicht entdecken und müssen diese erst Lernen, indem sie ihren Fokus nach Innen richten, z.B. durch Zazen oder Naikan.

Durch die drei Fragen des Naikan können wir Menschen Selbstliebe entdecken, erfahren dass wir geliebt wurden und werden und uns in andere reinversetzen lernen. Denn die drei
Fragen erzwingen einen

Perspektivwechsel. Wir schauen mit Hilfe der Augen eines Anderen auf uns selbst.

 

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Praktizieren sie sich selbst?

“Praktizieren sie sich selbst? von  Shohaku Okumura
 
Dogen Zenji schreibt, dass unsere Praxis nicht vom Zustand der Welt abhängig ist, sondern dass wir in unserer Praxis unseren ureigenen Familienschatz verwenden und unsere Praxis die Welt beeinflussen kann. Der Schatz kommt nicht von außen; Die Schatzkammer befindet sich in unserem eigenen Haus. Es ist unser Familienschatz. Es ist kein Schatz, den wir finden müssen. Wir erhalten und nutzen unseren eigenen Familienschatz, er hängt nicht von den Bedingungen der Gesellschaft ab. Wir üben mit unserer eigenen Lebenskraft, es liegt also nicht an den Bedingungen der Welt oder den Bedingungen des Zeitalters, in dem wir leben.
 
Es ist nicht so, dass wir nicht praktizieren oder Erleuchtung erlangen können, weil dies eine entartete, böse Welt ist, sondern dass wir die Welt verändern können, wenn wir wirklich in diesen fünf Skandhas praktizieren. Hier ist Dogen sehr optimistisch oder positiv.
 
In Genjokoan sagt Dogen, den Buddha zu studieren, heißt, das Selbst zu studieren, und das Selbst zu studieren, heißt, das Selbst zu vergessen, und das Selbst zu vergessen, heißt, von allen unzähligen Dharmas verifiziert zu werden. Der wichtige Punkt ist, dass in all diesen unzähligen Dharmas (bunpo) das Selbst oder diese Person enthalten ist. Das bedeutet, dass alle unzähligen Dharmas alle unzähligen Dharmas verifizieren. Also verschwindet dieses Selbst; in unserer Praxis sollte dieses Selbst vergessen werden. Das ist es, was Dogen mit Zenki meinte, in der Übersetzung von Katagiri Roshi bedeutet der Ausdruck Zenki, “totale Funktion” oder “totale dynamische Arbeit” . Das heißt, ki ist ein Teil dieses Netzwerks der voneinander abhängigen Entstehung, ein Knoten dieses Netzwerks der Vernetzung, nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit. Alles ist mit allem in der dreifachen Welt und der Zehn-Richtungen-Welt verbunden
 

Der Weg des Brennholzes

Achtung – Praxis kann zum Wahn werden….

Ich liebe diese körperliche Arbeit draußen, ich liebe es, im Winter am heißen Ofen zu sitzen! Brennholz ist ein ökologischer Brennstoff, man kann es gut anfassen, es ist schwer und es ist etwas Fundamentales, denn jeder Mensch hat das Grundbedürfnis, warm zu haben und etwas zu kochen. Jeder Mensch benötigt also ein gewisses Maß an Energie und die Natur gibt das gerne, der Wald schenkt es her, das Wasser, die Sonne, der Wind, … wäre da nicht wieder der Mensch, der meint, mehr zu brauchen und für schlechte Zeiten vorzusorgen.

Einen wie ich – mich treibt das ganze Jahr die Gier um, wie komme ich an Brennholz, wo finde ich es, wo ist ein Baum umgestürzt, ein Ast abgebrochen. Dabei überschreite ich durchaus auch die Grenzen des Legalen, da ist ein Baum z.T auf ein anderes Grundstück gefallen und ich nehme ihn ganz oder der armdicke Ast, den ich gesetzlich erlaubt sammeln darf, hat die Armdicke eines Bodybuilders. Jeder kennt diese Form der moralischen Anpassung und sie ist nicht das Grundproblem. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es ist sogar eine wichtige Fähigkeit, die jedes Kind lernen sollte. Die heilige Pflicht zu Lügen, nennt es der Schriftsteller A. Muschg. Denn im wirklich Heiligen ist die Inkonsequenz enthalten. Wir sollten nicht nach starren Regeln handeln, wie auch das alltägliche Zenleben im Kloster zeigt. Alles ist streng geregelt und im nächsten Moment wird alles anders (.-)

Nun hatte ich damals in Sanko-ji die Aufgabe, für große Mengen Brennholz zu sorgen, brauchten wir doch 10-20 Ster Holz pro Jahr.( 1 Ster ist ein Raummeter und ist das Maß für ein Tagwerk, die Menge, die eine Arbeitskraft am Tag schaffen kann). Unser Wald gab zu wenig her, also waren sogenannte Schlagräume die Lösung, die man für wenig Geld ersteigern konnte. Kurz gesagt, man nimmt das, was die Forstunternehmen im Wald liegen lassen. So ersteigerte ich erstmal 1-2 Schlagräume, dann kam plötzlich das Angebot von unglaublich günstigen Schlagräumen in der Nähe und ich schlug zu und kaufte sie sehr günstig, dies geschah wieder und wieder. Holzmengen ungeahnten Ausmaßes mussten nun plötzlich von Hand aus dem Wald gezogen werden, gesägt, aufgeladen, transportiert, abgeladen, gespalten, kleingesägt, gestapelt, etc… 

Da aber Buchenholz, das beste der Brennhölzer, nicht lange liegen darf, weil es sonst stockt, verpilzt, war zudem noch Eile geboten. Man schlägt das Holz im Herbst/Winter und wenn es warm wird kommen die Pilze, da sollte das Holz also in Sicherheit sein. So hieß es über Jahre, jede Minute Freizeit in den Wald zu gehen und zu raffen und zu retten, was möglich war.

Dies hatte Auswirkungen auf meinen Körper, er litt und tat oft nur noch weh, einschließlich irreparabler Schäden, und die Zazenpraxis litt auch. Jeder, der auf dem Land lebt, Land und Wald hat und bewirtschaftet, kennt diese Zeiten der Überarbeitung. Manchmal ist es nötig, doch was ist normales Mass? Aus der Praxis des Holzsamu war ich auf dem Weg des unsinnigen Holzraffens gelandet.

Diese harte Arbeit hatte natürlich auch Vorteile, denn ich konnte abends viel Essen, was ich sehr gerne tue und hatte so das Recht nach Feierabend auf „Foodkoma“, einen Begriff den mir meine Dharmaschwester Kido aus USA beibrachte, das wohlige Gefühl mit vollem Bauch auf einem Sofa zu liegen und nichts mehr machen zu können und müssen. Das liebte ich, und ich kannte es aus meiner Zeit als Leistungssportler.

Außerdem war die Arbeit draußen im Wald für mich etwas Wunderbares, denn es gab einen Grund im Wald zu sein, ich durfte Feuer zu machen, grillieren, mich ausbelasten und die Technik des Holz Machens von Hand zu perfektionieren, ohne sich zu verletzen. Den Weg des Holzes gehen ist und war eine grosse Freude:

  •  das Sägen, so Sägen, ohne dass sich die Kettensäge verkeilt, gleichmäßige Stücke sägen, ökonomische Sägen, ohne sich in Gefahr zu bringen, eingeklemmt zu werden.
  •  Spalten mit dem Spalthammer, mit wenigen Schlägen, am besten nur mit einem. ein Rundholz spalten, dafür muss man das Holz lesen lernen: Wo genau hinschlagen?! Außerdem den Hammer technisch geschickt und mit wenig Kraft schwingen.
  •  Stämme rücken und Holz aufbiegen, ohne viel Kraftaufwand und mit guter Technik

Für mich ist das Brennholzmachen ein wirklicher Weg, der wohl hauptsächlich Männern vorbehalten ist. Doch bloße Stärke ist nicht das Kriterium. Ab und zu boten sich mir junge, starke Männer als Hilfe an. Gerade das Spalten großer Rundhölzer ist von Hand die größte Kunst. Ohne zu fragen, wie man es macht, schlugen sie oft auf das Holz ein und es geschah – richtig nichts. Nur wenige kamen auf die Idee, dass sie etwas falsch machten und fragten nach. Wenn ich merkte, dass die anderen müde wurden oder frustriert waren, frug ich sie, ob ich Ihnen einen Tipp geben solle. Oft willigen sie ein und einige wenige fanden Freude daran und begannen die Faszination zu verstehen und begaben sich auf den Weg. Meist aber hörten sie frustriert und erschöpft nach 1-2 Stunden auf und kamen nie wieder.

Man wird, wenn man das Brennholz selbst erwerbt, sehr dankbar für das, was die Natur gibt und es war ein wunderbarer Ausgleich zu dem stressigen Job der Begleitung von Systemsprengern, der einen psychisch an die Grenzen bringt.

Zu Beginn saß ich abends noch lange am Feuer, bereitete mir ein Essen darauf vor und genoss nur noch die Natur und war dankbar für mein Tagwerk. Doch irgendwann hatte ich keine Zeit mehr dafür, ich war im Wahn angekommen. Eines Tages hatte ich zusätzlich noch 40 Festmeter Eschenholz im Wald sehr günstig gekauft, was mindestens 80 Stere bedeutet.

Erst da wachte ich langsam aus meiner Gier auf und begann einmal zu zählen, wieviel Holz ich überhaupt schon hatte. Ich kam auf über 300 Ster Brennholz, die ich auf Vorrat angelegt hatte! Ohne die zukünftigen 80 Ster Esche! Eine unglaubliche Menge, die keinen Sinn macht. 

Das Gute war, der Holzpreis war gerade sehr hoch und ich konnte das meiste Holz gut verkaufen. Doch wer von Hand Holz macht, weiss dass er nie den Gegenwert zu seiner Arbeit bekommt. 1 Ster – ein Tagwerk – 100€:-) Es gehört viel Leidenschaft und Freude dazu, dann wir das Holz machen zum Weg.

Bei mir wurde es zu meiner Variante, die Gier zu leben, gespeist aus der Angst, eine gute Gelegenheit auszulassen, bloß nicht frieren zu müssen, vorzusorgen. Die Gründe sind mannigfaltig und oft wird aus guten Gründen, Praxis und Freude etwas Gieriges und Ungutes. Unbewusst war ich da als Zenmönch hinein geschlittert. 

Jeder hat so etwas ähnliches schon mal erlebt: beim Spielen, beim Sparen für die Rente, oder eines Hauses, etc. Einem Tier kann das nicht passieren, nur dem Mensch mit dem Denkorgan geschieht es. Warum das so ist und wie es funktioniert, erforschen gerade Psychologen und Hirnforscher.

Der Buddha empfiehlt – wenig Wünsche haben:-), macht Sinn oder?

 


Intuition oder…?

Letzthin hatte ich wieder einmal den ganzen Vormittag und Mittag am Laptop gearbeitet, um meine Website, www.staerkestattmacht.ch, die ich für meine Selbstständigkeit erstelle, zu kreieren. Da alles neu ist, Website erstellen und meine Selbstständigkeit als Berater, Coach, Supervisor konzipieren, bin ich voll in der Kopfarbeit. Vieles ist verwirrend und aufregend.

Ich beschloss am Nachmittag eine kleine Wanderung zu machen, um den Kopf frei zu kriegen. Ich wählte die steile Variante zu Beginn nach ganz oben auf den Wolfsacker, in der Hoffnung, dass mich die Anstrengung, aus dem Samsara leiten würde. Ich wusste aus meiner langjährigen Erfahrung, das beständige Loslassen und die Konzentration auf meinen Körper, würde mich irgendwann aus meinem Sorgen-Karussell herausführen. Doch die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt wollte sich nicht sogleich einstellen, ich wählte deshalb eine neue Variante, einen Weg, den ich erst einmal gelaufen war. Doch auch diese Maßnahme brachte mich nicht aus den Gedankenwolken heraus. Ich lief und dachte und lief und dachte. …

Plötzlich schaute ich unvermittelt auf den Boden links von mir. Ein riesiger Spitzmorchel stand da. Spitzmorchel, eine der leckersten Speisepilze, sind hier in der Gegend äußerst selten. So dachte ich zumindest bisher, denn in den letzten 25 Jahren, seit ich im Schwarzwald Pilze suche, fand ich vielleicht eine Handvoll. Beglückt und erfreut beugte ich mich, um ihn zu bestaunen und zu pflücken. Und! Daneben stand noch einer und noch einer und…ich war auf eine Morchel Mine gestoßen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. 1,5 kg waren es am Ende.

Wie passiert so etwas? Man sagt, die Pilze rufen einen. Wahrscheinlich ist dies die Intuition, die unbewusst abläuft, auch wenn unser Denken sich mal wieder voll und ganz mit sich selbst beschäftigt. Für mich ist klar, auch wenn

dies nicht beweisbar ist, dass die Praxis von Zazen zu einer verstärkten Intuition führt. Diese These wird von vielen Aussagen der alten Meister belegt.

Was auch immer, ich fühlte mich als “Glückspilz”, meine Gedanken waren nun im steinzeitlichen “Jagd und Sammlermodus”, was sehr angenehm war. Auf einen Schlag waren meine Sorgen verschwunden.
Seit meiner Kindheit fühle ich mich in diesem Modus gut und wohl, so entkam ich als Kind immer kurzfristig meinen Problemen. Vorbilder wie Lederstrumpf und ähnliche Idole taten ihre Wirkung. Ich erinnere mich, dass ich in Socken durch den Wald lief, um keine Geräusche zu machen und hoffte mit meinem selbstgebastelten Bogen, ein Tier zu erlegen, was mir aber Gott sei Dank nie gelang. So eins und wach wie als Kind im Wald, werde ich nie mehr, da gibt es kein zurück. Aber ich freue mich diebisch darauf, dass ich, wenn ich Sanko-ji mit dem grossen Grundstück verkauft habe, wieder Zeit habe, in der Natur herum zu streifen, um Pflanzen und Tiere zu “jagen” und meine Sinne zu schärfen und meine Wachheit und meine Intuition mehr zu leben.


Alleine Sitzen 2

K:Wenn ich Sie lese, habe ich das Gefühl, dass ich meine Vorfahren lese, was mich in meiner Anfängerpraxis inspiriert. Sie wissen, dass ich vor zwei Tagen erst drei Jahre Ordination abgeschlossen habe. Es ist mehr Zeit für mich geworden.

Ich glaube, ich stimme mit allem überein, was Sie schreiben. Ich stelle mir auch vor, dass eine Praxis mit wenigen Leuten die beste ist, und hier waren wir immer wenige, aber es gibt ein Ideal des Wachstums, das mir seltsam erscheint, und manchmal werden diese Bestrebungen mit Geschäftsidealen, Produktion und Unternehmen verwechselt, was mir etwas Übelkeit verursacht. Wie Sie sagen, ist das Armutsgelübde relevant. Wenn ich zu Shikantazas Einfachheit zurückkehre, bricht jeder Eifer für Produktion und Geschäft zusammen. Ich habe keine großen Erwartungen an ein Leben im Wald, wie Thoreau, ich würde diese Praxis gerne allein verstehen, ohne irgendjemandem etwas zu beweisen, ohne den Geist, zu überzeugen oder Lob zu erregen. Es ist das Richtige, es ist der Weg der Vorfahren, auch des Buddha. Ich war immer ein Einsiedler in der Stadt und habe daher keine Fähigkeiten, die ich in ein Leben auf dem Land einbringen könnte. Ich weiß nicht, wie man erntet, ich weiß nicht, wie man sät, ich weiß nichts über Bäume oder Pflanzen, ich weiß nicht, wie man das Land bearbeitet, das habe ich nie gewusst. Vielleicht ist es an der Zeit, damit anzufangen und es zu lernen. Ich kann nur mit Fäden und Nadeln umgehen, mit den Tasten eines Computers und mit einem Stift auf Papier. Aber flinke Hände müssen für irgendetwas gut sein.

G: Das Bearbeiten eines Stück Lands und das Säen, Pflegen und Ernten ist kein Hexenwerk. Schau einfach bei deinen Nachbarn zu oder befrage sie. Sie wissen wie es geht. Ich selber habe ja eine Permakultur, vielleicht kannst du ein Buch über Permakultur lesen.

Übrigens ist das Bearbeiten eines Stück Landes, das Säen, Pflegen und Ernten eine Analogie für das Wirken eines Zenlehrers. Mein Hossenshiki Lehrer Shoken Winecoff verwendet oft dieses Bild und kommt so mit Farmern und einfachen Leuten ins Gespräch. Wir bearbeiten das weite Feld des Denkens, wir bearbeiten den Boden unseres Umfeldes mit unserer Praxis und säen die Praxis von Zazen. Die zarten Pflänzchen pflegen und hegen wir als Lehrer und vielleicht gibt es sogar eine Ernte:-)

K: Von dort aus würde ich gerne weiterschreiben. Hier in Bogota habe ich die Gewohnheit verloren. Schreiben Sie noch?

G: Ich schreibe gerade sogar sehr viel, es sind jedoch eher Ratgebergeschichten aus meiner Lebenserfahrung, als tiefe Zenphilosophie, für die tiefe Auseinandersetzung mit den alten Meistern fehlt mir die Motivation und Sinn. Ich möchte den Menschen konkret im Alltag helfen, Die Meister sind of sehr elitär. Das scheint nicht mein Weg zu sein, aber gerade hält Okumura Roshi wieder einmal den 10 Tage virtual intensive study Kurs, da bin ich dabei und erfreue mich an seinem Wissen, das reicht mir. So langsam verstehe ich die Grundprinzipien Dogens. Ich bin sehr froh macht Okumura das und ich schätze ihn ungemein dafür, aber es ist definitv nicht mein Weg. Er ist Bücherwurm, sagt er selber, und ich nicht, mein Weg ist Bewegung, Tun, Begegnung und Natur. Die Lehrer, den Begriff Meister mag ich nicht, sind, so erklärte gerade gestern Todo-san (Okumura) haben das Dharma in sich aber auch das Karma. Aufgabe des Schülers ist dies zu erkennen und zu trennen. Das ist aber gerade zu fast unmöglich, ein Koan. Da wir das Dharma, gerade als Schüler oder Anfänger, nie wirklich erkennen können, müssen wir zunächst davon ausgehen, dass der Lehrer recht hat mit seinem Tuen. Viele Jahre braucht es, um zu erkennen ob jemand wirklich eine Dharma Lehrer ist oder nicht.Trotz seinem Karma ist jeder Dharma Lehrer, der die Übertragung von Okumura bekam, ein wahrer Dharma Lehrer. Wir sollten sein Handeln nicht kommentieren oder verurteilen, sondern zweifeln an dem was er sagt und Fragen darüber stellen. Ein guter Lehrer sei einer, der auch zweifelt und Fragen stellt. Nach einer angemessenen Zeit ist es sowieso üblich unter anderen Lehrern zu praktizieren und sie zu befragen. Ein guter Lehrer schickt seinen Schüler auch zu anderen, so sandte mich Todo-san zu Shoken. Im schlimmsten Fall sucht man sein Leben lang. Ich hatte Glück und fand Okumura, daneben fand ich auf meiner Wanderschaft viele sehr gute Lehrer wie Hokan Saito und Godo Roshivon Kotai-ji, Shoken Winekoff in Ryumonji, Shodo Harada und Tenshin Anderson. Wirklich Schüler sein, könnte ich neben Okumura, aber nur von Shoken und Harada. Das Problem von Harada ist aber, das er Rinzai Lehrer ist und ich müsste ganz neu beginnen.

Da viele Lehrer ein schwieriges Karma haben, galt für Uchiyama zuletzt das Prinzip, er pflegte Kodo Sawaki bis zu seinem Tod: „Lass einzig Zazen dein Wahrer Lehrer sein.“

Du kannst Menschen grundsätzlich nicht ändern, noch nicht mal deine eigenen Kinder oder Freunde, das ist meiner Meinung nach ein menschliches Grundprinzip, deinen Lehrer erst recht nicht.

Mein Ordinationslehrer wurde im Alter, durch Erfolg, durch Intrigen, aber auch durch seine schwere Krankheit immer schwieriger. Ein Jahr vor seinem Tod trennte ich mich von ihm, es war im Nachhinein ein Fehler, denn er war zu krank und unter starkem Morphium. Ich bereue dies sehr und schäme mich wegen meines Egoismus, es war der falsche Zeitpunkt, zu spät, obwohl der Schritt im Grunde richtig war. Ich praktizierte 13 Jahre mit ihm zusammen. Doch ohne diesen Schritt wäre ich nicht hier, wo ich stehe, hätte dich und Okumura nicht kennen gelernt.

K: Ich erinnere mich sehr gut an die Tagebücher, die ich in Kotaiji geschrieben habe. Ich habe noch diese 49 Texte der Tage, die wir vor dem Verlassen der Klausur gezählt haben. Ich habe sie zwar nicht beendet, ich habe mich dem Nähen der Kutte meines Meisters gewidmet und damit waren alle meine Gedanken an das Leben in einem Ausbildungskloster dahin, das ich so schnell wie möglich beenden wollte. Tatsächlich hat einer der Gründe für meinen Wegzug mit meinem Meister zu tun. Wissen Sie, es ist ruhig, aber ich fühle mich im Widerspruch zu ihm. Es ist nicht so, dass ich ihn als Lehrer nicht bewundere, aber ich denke, meine Praxis ist etwas anderes. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht wie er sein könnte und auch nicht wie er sein möchte. Vielleicht hilft mir eine Zeit fern von meinem Meister, mich selbst als Mönch in meiner eigenen Praxis zu finden. Vielleicht haben Sie das schon erlebt, sicher begann sich die innere Arbeit zu entwickeln, als Sie ohne Ihren ursprünglichen Meister waren. Ich weiß, dass ich meinen Lehrer nicht ändern kann, na ja, vielleicht kann ich das, aber ich habe mich irgendwie damit abgefunden und möchte weder wieder von vorne anfangen, noch Konflikte schaffen.

Ich akzeptiere einfach unsere Abstammung, die wunderbar ist, wissen Sie. Vielleicht fange ich irgendwann an, die farbige Robe zu nähen. Ich möchte nähen, aber ich möchte nicht weitermachen. Das ist jetzt eine weitere meiner Fragen: Was bedeutet es, das Dharma von Ihrem Lehrer zu erhalten, und welche Konsequenzen hat das?

G: Diese Frage ist eine sehr wichtige Frage. Todo-san sagt mir, dass ich, wenn ich sein Schüler werde, würde ich auch Dharma Transmission bekommen wie alle seine Schüler. In anderen Linien ist es anders. Du weisst in Japan heisst das oft alles gar nicht, da die Personen wie Kosho san, schon mit 12 Jahren ordiniert wurden.

Hier ist das, was mir Todo-san einmal zu einer ähnlichen Frage von mir antwortete (bitte gebe den Text nicht weiter):

.Another thing might be, to make sure if the person has a clear understanding about the meaning of receiving shukketokudo in Japanese Sotoshu.
Sometimes it is called "priest ordination" in English, that sounds like the authorization as a priest.
But in the system of Japanese Sotoshu, even a kid older than 10 years old can receive shukketokudo.
By receiving shukketokudo, the person becomes a novice.
After that, the person needs to study Buddhism at Komazawa or another University and practice at a monastery for a certain period of time.
After completing the study and practice process, the person might receive dharma transmission and receive kyoshi (teacher) qualification from Sotoshu Shumucho.
Even Receiving dharma transmission and Kyoshi qualification does not mean to be authorized as a Zen teacher.
It is simply to be qualified to become a temple priest, one of more than 15000 Sotoshu priests.
I think you have found that most Sotoshu priests in Japan are not even zazen practitioners.
I received dharma transmission and kyoshi qualification when I was 26 years old, because it was necessary to come to the USA as a missionary.
But no one, including myself, thought that I was ready to teach Zen.
I had to practice 30 more years until I and other people thought I could be a teacher.
In meinem Fall, obwohl ich schon seit meiner Mönchsordination 1997 Zazen unterrichte, ist das anders. In vielen Dingen, was die Praxis von Zazen betrifft und viele Formen, sehe ich mich selbst und andere sehen mich auch mittlerweise als Lehrer: In anderen Dingen fühle ich mich wie ein Baby und ganz und gar nicht wie ein Zenlehrer. Ich bin so froh, darf ich Todo-san befragen. Ich denke Zenlehrer werden ist die Gelübde zu erfüllen und ernsthaft die Verantwortung zu übernehmen. Letzthin heisst es aber wie Uchiyama sagt: Erst einmal 30 Jahre still vor die Wand sitzen.

Gerne bleibe ich mit dir in Kontakt, denn es hilft mir auch meine Praxisprinzipien zu hinterfragen und auf den Punkt zu bringen.Vielen Dank!

Zum Schluss noch ein Buchtipp. Viktor Frankl, yes to life inspite of everything.

K: Wie auch immer, bitte bleiben Sie mit mir in Kontakt. Eines Tages würde ich Sie gerne in Ihrem Tempel besuchen und von Ihnen lernen.

 

Dōgens chinesische Gedichte (80)

Dōgens chinesische Gedichte (80)

übersetzt und kommentiert von Shohaku Okumura unv von Gyoriki ins Deutsche übertragen

Ein Frühstücksgemälde waschen – 436. Dharma-Hallenrede

Frühstück gegessen

Grüner Bambus und Pfirsichblüten sind ein Gemälde. Flaschenkürbisranken sind mit Kürbissen verschlungen.

Der Bart des Barbaren ist rot, und es gibt auch einen Barbaren mit rotem Bart.

Nachdem ihr gefrühstückt habt, wascht eure Schüsseln.

Dies ist Vers 79 in Kuchūgen und Dharma-Hallenrede (上堂, jōdō) 436 in Band 6 von Eiheikōroku (Dōgens ausführliche Aufzeichnung). Diese Rede wurde zwischen dem 27. Tag des 5. Monats und dem 5. Tag des 7. Monats während der Sommerübungsperiode 1251 gehalten. Dieser Vers in Manzans Version ist derselbe wie in Monkakus Version. In Dōgens ausführlicher Aufzeichnung, S. 392, heißt es in der ersten Zeile dieses Gedichts „Pflaumenblüten“, aber hier habe ich es in „Pfirsichblüten“ geändert. In allen Texten von Eiheikōroku heißt es 桃花 (Pfirsichblüte) und nicht 梅華(Pflaumenblüte). Dies war ein Tippfehler.

Ein Gemälde des Frühstücks waschen- 436. Dharma-Hallenrede. Dies ist eine kurze Dharma-Hallenrede. Zu Beginn seiner Rede stellt Dōgen Zenji das Kōan vor:

“Ich kann mich erinnern, dass ein Mönch Zhaozhou fragte: „Dieser Schüler ist gerade ins Kloster eingetreten. “Bitte, Meister, geben Sie mir einige Anweisungen.“ Zhaozhou fragte: „Hast du gefrühstückt?“ Der Mönch sagte: „Ich habe gegessen.“ Zhaozhou sagte: „Wasche deine Schalen.“ Dann fuhr Dōgen fort: „Der alte Buddha Zhaozhou hat so gesprochen.

Jetzt habe ich, Eihei, einen Bergvers.“ Nach einer Pause rezitiert er dieses Gedicht.

Dieses Kōan über Zhaozhous (趙州從諗, Jōshu Jūshin, 778–897 n. Chr.) Unterweisung eines Neulings ist eine der beliebtesten Geschichten in Kōan-Sammlungen. Für alle Novizenmönche, die noch keine Erfahrung mit der Klosterpraxis haben, ist eines der ersten Dinge, die sie lernen müssen, wie man ōryōki-Schalen verwendet und die Essensgesänge aus dem Gedächtnis rezitiert. Dōgen Zenji beschreibt den gesamten Ablauf formeller ōryōki-Mahlzeiten im Dharma der Nahrungsaufnahme (赴粥飯法, Fushukuhanpō), dem dritten Abschnitt des Eihei Shingi. Solange wir das Ritual der ōryōki-Mahlzeit nicht beherrschen, ist es nicht möglich, die Speisen und den Rest des Klosterlebens zu genießen.

Diese Geschichte ist Fall 7 von „Torlose Barriere“ (無門関, Mumonkan), zusammengestellt von Wumen Huikai (無門慧開, Mumon Ekai, 1183–1260), und Fall 39 von „Buch der Gelassenheit“ (従容録, Shōyōroku), zusammengestellt von Hongzhi Zhengjue (宏智正覚, Wanshi Shōgaku, 1091–1157). In „Torlose Barriere“ lautet der Kommentar des Kompilators Wumen: Jōshū öffnete seinen Mund und zeigte seine Gallenblase und enthüllte sein Herz und seine Leber. Wenn dieser Mönch, der dies hörte, die Wahrheit nicht begreifen würde, würde er eine Glocke mit einem Topf verwechseln. Wumen machte sich Sorgen, ob der Mönch die tiefere Bedeutung von Zhaozhous Anweisung verstanden hatte oder nicht. Ich nehme an, dass Zhaozhou dasselbe meinte wie des Laien Pangs Ausspruch: „[Meine] übernatürliche Kraft und wunderbare Tätigkeit – Wasser schöpfen und Brennholz tragen. Alltägliche, gewöhnliche Tätigkeiten wie Wasser schöpfen und Brennholz tragen sind die Manifestation der göttlichen Kraft und wunderbaren Funktion der Gesamtfunktion der wechselseitigen

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Entstehung. Der Mönch könnte jedoch verstanden haben, dass Zhaozhous Ausspruch einfach bedeutete, dass es wichtig war, die tägliche Routine gemäß den klösterlichen Vorschriften durchzuführen. Wenn dem so war, ergriff der Mönch nur einen kleinen Topf und dachte, es sei eine große Tempelglocke, was bedeutet, dass er das eine mit dem anderen verwechselte, weil die Form ähnlich ist.

Dōgen erzählt die Geschichte von Mayu Baoches Verwendung eines Fächers am Ende des Shōbōgenzō Genjōkōan:

Ein Mönch fragte: „Die Natur des Windes ist allgegenwärtig und durchdringt alles. Warum verwenden Sie einen Fächer?“

Der Meister sagte: „Sie wissen nur, dass die Natur des Windes allgegenwärtig ist – Sie wissen nicht, dass er überall durchdringt.“

Der Mönch sagte: „Wie durchdringt der Wind überall?“ Der Meister benutzte den Fächer einfach weiter.

Der Mönch verneigte sich tief.

In dieser Geschichte ist „einen Fächer verwenden“ dasselbe wie „Wasser schöpfen und Brennholz tragen“ und „allgegenwärtige Windnatur“ ist gleichbedeutend mit „übernatürlicher Kraft und wunderbarer Aktivität“. Mayu warnte, dass der Mönch nur wisse, dass die Natur des Windes allgegenwärtig sei, aber er wisse nicht, dass sie überall durchdringt, wenn er hier und jetzt einen Fächer verwende. Wumens Frage ist das Gegenteil: ob dieser neue Mönch nur die Bedeutung des „Waschens der Schüssel nach dem Essen“ (dasselbe wie „Verwendung eines Ventilators“) verstand, ohne die „allgegenwärtige Windnatur“ zu kennen. Es gibt andere Interpretationen dieses Kōan. Zenkei Shibayama Rōshi sagte beispielsweise, dass dieser Mönch ein Neuling in Zhaozhous Kloster war, aber kein Anfänger im Zen-Training, sondern vielmehr ein erfahrener Praktizierender. Zhaozhous Frage: „Hast du gefrühstückt?“ ist eine Frage, die darauf abzielt, ob er den Weg bereits erreicht hat. Daraufhin sagte der Mönch: „Ja, habe ich.“ Zhaozhous Anweisung „Dann wasche deine Schüssel!“ bedeutet, dass der Mönch die Spur der Erleuchtung wegwaschen soll.

In diesem Fall ist Zhaozhous Lehre dieselbe wie in einem anderen bekannten Kōan:

Ein Mönch fragte: „Was ist, wenn ich nichts habe?“ Der Meister sagte: „Wirf es weg.“

In diesem Dialog sprachen Zhaozhou und der Mönch nicht darüber, tatsächlich täglich zu frühstücken und die Schalen zu waschen; der Sinn des Kōan war, dass unsere Praxis und Verwirklichung spurlos sein sollten. Diese Interpretation macht für mich mehr Sinn, weil ich mir nur schwer vorstellen kann, dass ein neuer Mönch nach dem Frühstück und vor dem Waschen seiner Schalen einen Dialog geführt hätte. Während einer formellen

ōryōki-Mahlzeit in einem Zen-Kloster dürfen Mönche ihre Plätze nicht verlassen, bevor sie ihre Schalen gewaschen haben, und ein Novize kann während der Mahlzeit nicht mit dem Abt sprechen. Aus diesem Grund denke ich, dass es mehr Sinn machen könnte, wenn die Frage lautet: „Wie ist das Selbst dieses Schülers?“ Im Buch der Gelassenheit ist der Sinn dieses Kōan derselbe wie in Torlose Barriere: die tiefere Bedeutung alltäglicher, gewöhnlicher Aktivitäten. In der Unterweisungspassage heißt es:

Wenn Essen kommt, öffnest du deinen Mund; wenn Schlaf kommt, schließt du deine Augen. Wenn Sie Ihr Gesicht waschen, finden Sie Ihre Nase, wenn Sie Ihre Schuhe ausziehen, fühlen Sie Ihre Füße. Wenn Sie dabei nicht verstehen, was gesagt wird, nehmen Sie eine Fackel und suchen Sie tief in der Nacht nach etwas. Wie können Sie Einheit erreichen?

Diese Anweisung bedeutet, dass wir, wenn wir die tiefere Bedeutung gewöhnlicher Dinge nicht verstehen, eine Fackel nehmen und tief in der Nacht nach etwas suchen sollten. „Fackel“ bezieht sich auf Licht (明) und „tiefe Nacht“ bezieht sich auf Dunkelheit (暗). Dies ist jeweils konkrete, konventionelle Wahrheit (事, ji) und die ultimative Realität (理, ri) jenseits der Trennung. In „Sandōkai“ werden diese beiden Konzepte als „verzweigte Ströme“ und „spirituelle Quelle“ beschrieben. Wir sollten die Bedeutung unserer gewöhnlichen, nicht besonderen praktischen Aktivitäten als Manifestation der göttlichen Kraft der ultimativen Realität studieren. Hongzhis Vers lautet:

Nach dem Frühstück wird die Schüssel gespült. Der Geist findet seinen Weg von selbst.

Und jetzt, ein Gast des Klosters, der alles studiert hat – Aber war da Erleuchtung oder nicht?

Der neue Mönch im Kloster von Zhaozhou konnte seinen Geist öffnen und seinen Geistesgrund (心地) durch Zhaozhous Unterweisung entdecken. In der letzten Zeile seines Verses stellte Hongzhi jedoch eine Frage an die Mönche seiner Zeit. Es gab viele sehr erfahrene Mönche in seinem Kloster, aber wie viele von ihnen hatten dieselbe Art von Erleuchtung wie der Mönch in der Kōan-Geschichte? Es wird gesagt, dass es im Kloster von Zhaozhou weniger als zwanzig Mönche gab, aber ein paar hundert Jahre später in der Song-Dynastie, als Hongzhi Abt im Kloster Tiantong war, hatte er mehr als tausend Mönche. Zen-Klöster waren zu großen Institutionen geworden, die vom Kaiser unterstützt wurden. Hongzhi fragte, ob in einem so scheinbar wohlhabenden Zustand mehr erleuchtete Mönche hervorgebracht werden könnten oder nicht.

Sowohl in „Torlose Barriere“ als auch in „Buch der Gelassenheit“ geht es in diesem Kōan darum, ob der neue Mönch (oder einer der Mönche in Hongzhis Kloster) Erleuchtung erlangt hat oder nicht.

Grüner Bambus und Pfirsichblüten sind ein Gemälde.

Flaschenkürbisranken sind mit Kürbissen verschlungen.

Dōgen beschreibt die Art von Zhaozhous Anweisung: „Nach dem Essen soll man seine Schüsseln waschen.“ Die erste Zeile dieses Gedichts, „Grüner Bambus und Pfirsichblüten sind ein Gemälde“, stammt aus einer Zeile von Tiantong Rujings Dharma-Hallenrede; Dōgen hat die Worte und die Bedeutung etwas geändert. Rujing sagte: Lange Bambusse und Bananenpflanzen sind in ein Gemälde eingedrungen. Dōgen ändert lange Bambusse (脩竹) in grüne Bambusse (翠竹) und Bananenpflanzen (芭蕉) in Pfirsichblüten (桃花). In Rujings Ausspruch sind lange Bambusse und Bananenpflanzen Symbole der Leere. Und „in ein Gemälde eindringt“ bedeutet, dass sich Leere in Form ausdrückt. In Dōgens Gedicht bezieht sich „grüne Bambusse“ auf die Geschichte von Xiangyan Zhixians (香巌智閑, Kyōgen Chikan ?–898), der aufwacht, als er hört, wie ein Stein auf einen Bambus fällt, und „Pfirsichblüten“ bezieht sich auf Lingyun Zhiqins (霊雲志 勤, Reiun Shigon, o. D.), der den Weg erkennt, als er Pfirsichblüten sieht. Dōgen bespricht beide Geschichten in Shōbōgenzō „Klänge von Talströmen und Farben der Berge“ (渓声山色, Keisei Sanshoku). Diese Klänge und Farben sind Ausdruck der Lehren und des Dharma-Körpers des Buddha durch phänomenale Dinge. Es gibt eine weitere, ähnliche Zeile in Rujings Dharma-Worten anlässlich der Einäscherung eines Arztes:

Das ursprüngliche Gesicht ist ohne Leben und Tod.

Der Frühling ist in den Pflaumenblüten und ist in ein Gemälde eingegangen.

Das ursprüngliche Gesicht ist die wahre Realität, die schon vor der Geburt unserer Eltern existierte, die kein Entstehen und Vergehen, Leben und Sterben, Kommen und Gehen, Leere, Nicht-Trennung und wechselseitiges Entstehen kennt. Der Frühling ist das Symbol der universellen Realität, die alle Wesen einschließt, ohne etwas auszuschließen. Solch ein universeller Frühling manifestiert sich in den winzigen Formen von Pflaumenblüten und in vielen anderen Formen. Die Realität jenseits jeglicher Trennung und Unterscheidung braucht ein bestimmtes phänomenales Ding wie eine Pflaumenblüte, um sich zu verwirklichen. Das ist es, was das Betreten eines Gemäldes bedeutet. In seinen Antworten an den Mönch zeigte Zhaozhou ein solches Gemälde: die gegenseitige Durchdringung der absoluten Realität und der konventionellen Realität in unseren alltäglichen, nicht besonderen Aktivitäten unserer Praxis, wie Frühstücken und Waschen der Schüssel.

„Flaschenkürbisranken sind mit Kürbissen verschlungen.“ ist auch Rujings Ausdruck aus einer Dharma-Hallenrede am Tag der Erleuchtung Buddhas. Er verwendete diesen Satz, um auszudrücken, wie das Erwachen Buddhas von Generation zu Generation weitergegeben wurde, bis hin zu Rujing selbst. Ein Flaschenkürbis sieht aus wie der rasierte Kopf eines buddhistischen Mönchs. Die Ranke der Mönche mit den rasierten Köpfen war umschlungen, ohne dass die Ranke abgeschnitten wurde. Jede Pflanze ist unabhängig, aber die Ranke des Erwachens war umschlungen, ohne abgeschnitten zu werden. Dōgen meint, dass die Tradition der Weitergabe der Realität der

gegenseitigen Durchdringung der absoluten Realität und der konventionellen Realität, durch Rujing und Dōgen, in diesen nicht besonderen Alltagsaktivitäten wie Frühstücken und Schüssel Waschen weitergegeben wurde.

Der Bart des Barbaren ist rot, und es gibt auch einen Barbaren mit rotem Bart.

Nach dem Frühstück wasch deine Schüsseln.

„Der Bart des Barbaren ist rot, und es gibt auch einen Barbaren mit rotem Bart“, lautet Baizhang Huaihais (百丈懐海, Hyakujō Ekai, 720–814) Ausspruch in der Geschichte von Baizhang und dem wilden Fuchs. „Der Bart des Barbaren ist rot“ und „ein Barbar mit rotem Bart“ bedeutet dasselbe. Hier meint Dōgen, dass die nicht besonderen Alltagshandlungen, wie das Waschen der Schüsseln nach dem Frühstück, und die ultimative Realität, die in solchen Aktivitäten verwirklicht wird, seit der Antike jeden Tag wiederholt wurden.


Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen

Als ich ein Anfänger war und im Sommer im Zentempel La Gendronniere in Frankreich an den sog. Sommerlagern teilnahm, war es dieser Satz, den die uns einführenden Nonnen und Mönche benutzten, damit wir Anfänger härter arbeiteten. Sie beobachteten uns gut und gaben Anweisungen, bevor sie meist, um sehr wichtige Dinge zu erledigen, verschwanden. Ganz wichtig war zum Beispiel, Trinkwasser für uns Arbeitende für die vorgesehene Pause zu organisieren. Erst kurz vor der vorgesehenen Zeit erschienen sie ganz geschäftig wieder und erklärten uns ausführlich, warum dieser Wasserholprozess so lange gedauert hatte und auf was für Hindernisse sie dabei alles gestoßen waren. Nach der Pause mussten sie natürlich das Geholte wieder versorgen und das dauerte natürlich bis …. richtig – zum Ende des Samu!

Zentempel la Gendronniere

Diese berühmte Phrase, das erklärte ich schon im letzten Sanko-ji Brief, bezieht sich auf den großen Zenmeister Hyakujo, den Entwickler der ersten monastischen Regeln für Zenklöster. Wie ich ebenfalls schon erklärte, wurde manuelle Arbeit von da an als notwendig für das Klosterleben angesehen, page2image74715616 

vorher wurden die Mönche als Lehrende für die Menschen angesehen und die körperliche Arbeit entsprach nicht ihrer Position. Sie lebten allein vom Support der Laien.

Wir Neulinge hörten diese Unterweisung Hyakujos so oft, dass sie in uns nicht mehr den Geist erweckte, den der “Alte Patriarch” intendierte. Für uns wurden die Leitmönche zur privilegierten Klasse, während wir in der stechenden Sommersonne schufteten, hatten von ihnen nur einige wenige Schweißperlen auf der Stirn. Wir hofften irgendwann, durch brave Arbeit in diese privilegierte Position aufzusteigen.

Schauen wir uns diese Parole und die Geschichte, aus der diese Phrase entnommen wurde, deshalb genauer an: Hyakujo war schon über 90 Jahre alt und ging trotzdem jeden Nachmittag auf das Feld arbeiten. Die anderen Mönche machten sich Sorgen um die Gesundheit des Alten. Der Shusso versuchte, ihn zu überreden, mal einen Tag Pause zu machen. Doch Hyakujo

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blieb dabei, die harte Feldarbeit fortzusetzen. Andere Mönche hatten ebenfalls keine Chance, ihn davon abzuhalten.

Aus Sorge vor zu großer Erschöpfung, die leicht zum Tod des Abtes hätte führen können, berieten sich die Mönche und beschlossen die Werkzeuge des Alten zu verstecken. Am nächsten Tag ging Hyakujo wie alle zur Feldarbeit und wollte seine Werkzeuge holen, doch sie waren nicht am vorgeschriebenen Ort. Er suchte überall und schaute sogar auf dem Feld nach, weil er dachte, dass er sie vielleicht aus Unachtsamkeit dort vergessen hatte. Doch vergebens, letztlich ging er zurück in seinen Raum, um dort Zazen zu üben. Zum sich an das Samu anschliessenden Abendessen erschien er nicht. Die im Esssaal versammelten Mönche warteten eine zeitlang auf ihn, bevor der Shusso zum Abtzimmer ging, um den Meister an das Abendessen zu erinneren. Er fand ihn in Zazen sitzend vor und erwiderte auf die Erinnerung des Shusso – “ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen.”

Ein wahrer Meister oder Lehrer, so lehren wir und praktizieren es zumindest in Sanshin-ji, sieht keinen Unterschied zwischen sich selbst und seinen Schülern. Wenn die Praktizierenden für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, sollte keiner ausgenommen werden. Kodo Sawaki sagte einst: “Wenn wir nicht arbeiten, um unser Leben zu unterhalten, verstehen wir nicht die Bedeutung von wahrer, erwachter Lebensführung.”


Zen und Ausdauersport

Viele von meinen ehemaligen Sportfreunden treiben noch heute Leistungssport, einige wenige, die Meditation kennen, stellen die These auf, dass die Zazenerfahrung das Gleiche sei, was sie im Sport erleben. Leider muss ich da immer verneinen, und erklären warum:

1. Ende der 80er Jahre, auf dem Höhepunkt meiner Leistungsfähigkeit, 10 Platz bei einem Ironman, las ich ein Buch über einen von mir verehrten amerikanischen Triathleten, namens Mark Allen. Er erhielt den Beinamen, the Zenrunner, weil er es schaffte, auch den abschließenden Marathon gleichmäßig und konstant schnell in

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Rekordzeiten zu laufen. Es hiess, er habe sich dieses durch die Zenpraxis angeeignet. Ich muss kurz einschieben, dass Triathlon damals eine sehr neue Sportart war und Triathleten besonders offen für neue Methoden waren. So revolutionierten sie die Zeitfahrmaschinen mit neuartigen Lenkern und Helmen, sie beschäftigten sich mit Ernährung, und sie beschäftigten sich mit psychologischen Strategien. Als Studierender der Sportpsychologie war ich besonders offen für Letzteres, suchte ich doch auch einen Lebensheil/-sinn im Sport. Ich kaufte mir also das einzig erhältliche Buch über Zen und erfuhr so, dass Zazen wichtig sei. Ich holte mir, wie beschrieben, ein paar Telefonbücher und setzte mich, so wie beschrieben, auf mein improvisiertes Zafu und begann mit Zazen. Nach unendlich langer Zeit schaute ich auf die Uhr und traute meinen Augen nicht. Gerade eine Minute hatte ich ausgehalten. Was ist dieses Zazen!? Etwas ganz anderes offensichtlich, meine Neugier war geweckt, sollte dort die Antwort auf meine Suche liegen?! Ich brauchte Monate, um 20 Minuten am Stück zu sitzen. Für den Sport nutzen konnte ich es nie, denn es ist auf diese Zazenhaltung beschränkt (s. auch Punkt 7).

  1. Zazen ist keine Meditation.
  2. Leistungssport Treiben ist nicht Mushotoku, es hat mit Ziel erreichenzu tun. Mushotoku heißt, ich kann die gleiche Konzentration und Arbeit in jede Handlung stecken, beim Zähneputzen, Scheißen und Putzen, wie auch bei meinem Sport – 100% Herz, Körper und Geist Aktion ohne Zweck und Sinn zu verfolgen.
  3. Viele Sporttreibende, dissoziieren beim Sport, träumen so dahin, betrachten beim Radfahren die Landschaft, hören Musik, lassen den Tag vorüber ziehen. Sie wollen sich entspannen, abschalten…Es soll auch Zazen Praktizierende geben, die dies zwischenzeitlich tun;-). Auch das ist nicht Heart Body Mind Praxis.
  4. Sehr gute Profisportler dagegen sind während der Bewegung voll im Hier und Jetzt. In meiner Diplomarbeit „Körper, Körperwahrnehmung und Flow Erlebnis im extremen Ausdauersport“ konnte ich dies 1993 anhand einer Studie mit 100 männlichen Teilnehmern verifizieren. Die Kadersportler berichteten von voll im Hier und Jetzt sein, nahmen während des Wettkampfs ständig ihren ganzen Körper wahr, Atmung, Herzschlag, Signale aus dem Energiebereitstellungstrakt und mit dieser 100% Aufmerksamkeit konnten sie ihre Bewegungen feinjustieren, die Belastung anpassen, antizipieren, etc…, so kamen sie auch häufiger ins Flow. Sie schweiften seltener ab, beachteten nicht, was der Gegner tut oder die Zuschauer, sie tagträumen nicht, sie waren bei einem ganzen langen Ironman immer voll da. Sie denken nicht ans Ziel, sondern fokussieren sich ganz auf ihren Körper. Dies machte offensichtlich den Unterschied, denn die Hobbysportler waren in der Bewegung hochsignifikant häufiger am Dissoziieren.
  5. Gehen wir einen Schritt weiter, dann können wir sehen, wie wichtig diese Fähigkeit der Aufmerksamkeit für unser Leben sein kann. Es ist diese Aufmerksamkeit, die Buddha meinte, als er auf die Frage zur Essenz der buddhistischen Praxis antwortete: Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit!!! Goethe sagt: „Aufmerksamkeit ist Leben.” Viele Menschen beginnen mit der Zazenpraxis aufgrund von Leiden, sei es körperlich oder psychisch oder seelisch, sie leiden oder anders ausgedrückt, sie haben in irgendeiner Form Schmerzen. Und suchen einen Weg aus diesem Schmerz heraus. Doch gerade, wenn man intensiv den Zenweg geht, begegnet man sehr häufig Situationen, die zu Schmerzen führen, führen sollen? Während Sesshins oder auch beim längeren Samu oder langen Zeremonien im Seza treten mit 100% Sicherheit bei fast jedem Schmerzen auf. Nehmen wir einmal an, diese Schmerzen könnten man mit Schwierigkeiten, Widrigkeiten und Herausforderungen, die ein jeder hat oder noch auf uns zukommen werden, gleichstellen. In meiner Studie damals, die inzwischen hundertfach und tiefgreifender bestätigt wurde, konnte gezeigt werden, dass mit zunehmender Intensität der Schmerzempfindung durch Sport die Wirksamkeit von Aufmerksamkeitsstrategien zunehmen, während die Wirksamkeit von Ablenkungsstrategien zur Schmerzbewältigung abnehmen. Sich auf den Schmerz einlassen, ihn nicht emotional werden lassen, stattdessen sich auf die Körperwahrnehmungen fokussieren, ist demnach wirksamer als versuchen, ihn auszublenden oder zu bekämpfen. Im Hochleistungssport und auch im Sesshin oder Samu können wir das Lernen, das sind die Vorteile von Praxis von Herz und Körper und Geist, sozusagen die Benefits.
  6. Ausdauersport und Zazenpraxis tragen zum Wohlbefinden bei. Es gibt sehr viele Studien, die das belegen. Die positiven Auswirkungen von körperlicher Bewegung und der Zazenpraxis auf Körper und Geist sind mannigfaltig und unmittelbar spürbar.
  7. Im Unterschied zum Sport, während dem wir in Bewegung handeln, nehmen wir im Zazen eine unbewegliche Haltung ein. Und gehen wir noch einen Schritt weiter, nehmen wir ein Sesshin. In einem Sesshin nehmen wir für 3-8 Tage ausschließlich die Zazenhaltung ein, im Sanshinji Stil sind es 14 Stunden. In so einem Sesshin beobachten wir in jedem einzelnen Moment welche Wahrnehmungen sich in unserem Körper einstellen, ohne sie abzulehnen noch zu fördern. Wir sitzen einfach aufmerksam und unbeweglich und folgen nicht irgendwelchen Impulsen, die aus Emotionen entstehen. Und wir stellen fest, dass Schmerzen ihre Wichtigkeit verlieren bzw. sich sogar auflösen, ohne dass sich die Ursache die Zazenhaltung geändert hat. Wer einmal solche Erfahrungen gemacht hat, der wird die Angst vor Herausforderungen, Schwierigkeiten und Widrigkeiten verlieren können. Er hat die Erfahrung gemacht, dass auch das Schlimmste vorbeigehen kann. Wie mein Lehrer, der oft die folgende Geschichte erzählte, die sich zu Meister Deshimarus Zeiten während eines Sesshins abspielte. Auf einem Sesshin verließ einst Deshimaru während einem Zazen das Zendo. Das war nicht ungewöhnlich, so dachte sich niemand etwas dabei, aber er kam nicht zurück, 1h, 2 Stunden….Da alle höchsten Respekt vor Deshimaru hatten, wagte keiner der Assistenten die Glocke zu schlagen. Erst Recht nicht Missen Bovay, der Sekretär war. Es war der letzte Sesshin Tag und alle hatten starke Schmerzen vom langen Sitzen. Mein Lehrer dachte bei sich: „Noch eine Minute länger, dann sterbe ich“, wenigspäter beschloss er“ Ok, dann sterbe ich halt!”“ und schmiss seine ganze Energie in die Haltung, um zu sterben. Er bewegte nicht und plötzlich war er auf eine  Art und Weise gestorben, es wurde friedlich und ruhig, die Schmerzen nicht mehr dominant. Nach 2h und 30 Minuten traute sich der Shusso und schlug die Glocke zum Ende des Zazen. In Sanshin-ji Sesshins, v.a. beim 8 tägigen Rohatsu ist ein solches Erlebnis fast garantiert. Es wird so viel und lang gesessen, dass jeder durch allerhand Zustände hindurch geht, wo sein „kleines Selbst“ glaubt, das geht nicht oder ich sterbe. Wir werden im Sesshin ständig eines Besseren belehrt. Nur der Vollständigkeit halber. Zazen ist nicht vollständig unbeweglich, Mikro Korrekturen im Körper zur Herstellung der richtigen Zazenhaltung und des Geistes (Loslassen) sind unbedingt notwendig. Ich habe Leute gesehen, die vor Anstrengung zitterten, weil sie unbedingt unbeweglich sein wollten.
  8. Im Shikantaza sitzt man nicht selber in Zazen, sondern man übergibt, nachdem man die richtige Haltung eingenommen hat, das Zazen an das Dharma. Das Selbst oder ich übergibt dem universellen Selbst. Es ist nicht mehr ich der Zazen mache, sondern der Kosmos oder wie man auch sagt, es ist der Körper der sitzt. Wahrscheinlich der wichtigste Unterschied zum Sport. Man praktiziert nicht für sich, sondern für die Anderen.

Grundsätzlich kann man nach Uchiyama Roshis Definition sagen, es gibt zwei Arten von Zenpraxis. Auf der einen Seite das bonpu Zen, dies ist, wenn

ich das Zazen für ein Vorwärtskommen oder Verbessern der Befindlichkeit und Lebensumstände benutze. Auf der anderen Seite steht das bedingungslose Zazen mit der Haltung, Alle! Gedanken loszulassen, insbesondere diejenigen, wie mir Zazen nützen könnte. Er kritisierte, so mein Lehrer Okumura Roshi, nie, wenn ein Mensch in Not Zen als Hilfe betrieb, er wies aber darauf hin, dass dieses Zen nicht gleichgesetzt werden sollte mit dem Sitzen in Zazen ohne Vorbedingungen oder Ziele. Ich mache auch manchmal bewusst Bonpu Zen, wenn ich in Schwierigkeiten bin. Ich denke, viele Zenpraktizierende, machen das. Es ist aber wichtig, mehr Shikantaza zu praktizieren und dafür setzen wir in Sanko-ji auf langes Zazen und intensive Sesshins, denn so die Erfahrung der Alten. Das Ego wird müde, Zazen benutzen zu wollen und gibt, wie oben beschrieben, irgendwann auf.

“Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, diesen Weg des Selbst selbstlos und ohne jeden Wunsch nach Gewinn zu verfolgen. Weil wir ganz konkret das universale Selbst sind, hat es keinen besonderen Wert, darüber zu sprechen. Aber wenn wir nicht alles daran setzen, es zu manifestieren, ist es völlig nutzlos, davon zu wissen. Es ist unsere Aufgabe, das Ewige konkret zu machen. Auch wenn wir eine Tasse mit kühlem, klarem Wasser vor uns haben, stillt es unseren Durst nicht, wenn wir es nicht wirklich trinken. Das universelle Selbst zum Ausdruck zu bringen, ist eine Praxis, die ewig ist, aber das wird nur in dem Ausmaß unser Weg sein, in dem wir ihn wirklich gehen.

Möge dies – die Aktualisierung unseres universalen Selbst – unser aller Lebenswerk sein.” K. Uchiyama

 


Herz-Body-Mind Praxis

Wie ich schon in einem der letzten Briefe berichtete, antwortete mir der Abt von Kotai-ji Hokan Saito Roshi auf die Frage, was ich mit nach Europa bringen solle: Die Praxis von Körper und Geist!

Und tatsächlich ist es das, woran es auch nach meiner Erfahrung in Europa mangelt. Die Praxis von Körper und Geist, jeden Akt, jede Handlung mit ganzem Herzen tun, egal was. Ich selber kann da selbst viel lernen jeden Tag, und sehe es als eines meiner grössten Übungsfelder an. Gerade als ADHSler fällt mir diese Körper-Geist-Praxis sehr schwer und sehr oft gelingt es mir nicht, mich zu konzentrieren, im Alter wird es nicht leichter, da ich immer vergesslicher werde, ohje…;-). Außerdem fehlt mir, so glaube ich, in Sanko-ji das Korrektiv der Sangha. Wenn man zusammen Samu macht oder eine Zeremonie durchführt, muss man sich mehr konzentrieren, als wenn ich alleine bin. Aber es geht ja auch nicht darum, perfekt zu werden, sondern es geht darum, dies neben der Zazenpraxis als wichtigstes Übungsfeld anzunehmen, es geht immer wieder, wie Okumura Roshi sagt, um das: „Just do it!“.

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Dogen schrieb das Tenzo Kyokun, um am Beispiel des Tenzos (Koch im Tempel) diese Herz-Körper-Geist-Praxis zu erläutern. K. Uchiyama kommentierte dies in „Anleitungen für den Koch“ in einfacher und deutlicher Sprache. Natürlich geht es bei dieser Herz-Körper-Geist-Praxis auch darum, unsere buddhistische Haltung gegenüber den Dingen auszudrücken. Die Wichtigkeit sollte also bekannt sein, umso erstaunlicher ist jedoch, was ich in Sanko-ji und anderen Übungsorten erlebe. Ich möchte hierbei, bitte nicht

missverstehen, nicht anklagen, sondern auf ein Defizit in unserer Praxiskultur hinweisen, deren Teil ich bin. Letztlich sind wir alle Lehrer der anderen, ob wir es wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht. Dennoch einige Beispiele:

Der Koch kocht, doch nach dem Kochen sieht die Küche chaotisch und schmutzig aus, viele Abfälle liegen herum. Ist nicht meine Aufgabe…?

Beim Fensterputzen sehen die Fenster nachher verschmiert aus. Ich versuchte ja mein Bestes…?

Das Samu wird früher beendet. Ich bin ja schon fertig…? Oder umgekehrt, es wird verlängert, ich muss noch fertig werden…?

Nach einer Stunde Holzhacken ist gerade mal ein Korb voll. Ich habe sehr achtsam gehackt?

Die Blumen auf dem Altar sind lieblos in der Vase. Mit Blumen habe ich es nicht so…?

Der Ino stockt häufig beim Eko Rezitieren? Ich hatte keine Zeit zum Üben?

Abwaschende holen einen Beistelltisch aus dem Aufenthaltsraum, um dort das abgewaschene Geschirr abzulegen. Nachher ist der Tisch voller irreparabler Wasserflecken, er muss abgeschliffen und neu geölt werden. Er wird zurückgestellt, ohne etwas zu dem angerichteten Schaden zu sagen. Wo gehobelt wird, fallen Späne?

Diese Beispiele sollen auf einen Mangel von Heart Body Mind Praxis aufzeigen und verdeutlichen, wie wichtig die Praxis ist. Jeden Tag passieren viele solche Unachtsamkeiten mit und das ist wichtig zu verstehen – Folgen für andere Wesen!

Interessant ist hierbei v.a. wie gehe ich damit um, wenn ich so handle, wenn ich offensichtlich Fehler mache. Was heißt es, Verantwortung zu übernehmen? Mein Ordination Lehrer Missen Bovay war ein sehr strenger Lehrer, wenn es um diese Sache ging. Wenn man bei einer Verantwortung einen Fehler machte, dann hörte er nicht auf nachzufragen, wie konnte dies passieren? Als Shusso war ich einmal für das bekannte Sesshin in Urnäsch mit mehr als 100 Teilnehmern im Winter verantwortlich, zu den Aufgaben des Shusso gehörte die Temperaturregelung im Zendo. Ich wusste, er hatte das Zendo im Winter gerne gut gelüftet und kühl. Folgerichtig drehte ich am Abend nach dem Zazen die Heizung ganz ab. Am nächsten Morgen kam ich als erstes ins Zendo, es war sehr warm, jemand hatte die Heizung wieder angedreht. Ich drehte alles wieder ab und machte alle Fenster auf. Die ersten strömten schon warm angezogen, als Schutz vor der Kälte ins Zendo. Während des Zazen fiel eine Person wegen des Wärmestaus in Ohnmacht vom Kissen. Nach dem Zazen wurde ich von ihm für diesen Fehler verantwortlich gemacht, ich bereute von Herzen, und war froh, dass sich diese schon alte Person schnell wieder erholte. Nach längerer Zeit und bohrenden Fragen akzeptierte mein Lehrer schließlich meine sehr

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authentische Entschuldigung. Ich ließ eine Ansage machen, die den Teilnehmenden klar machen sollte, was es für Folgen haben kann, wenn sie eigenmächtig handelten und die Heizung aufdrehten. Bei einem anderen Fehler, den ich in einer Pressemitteilung gemacht hatte, erinnerte er gerne unablässig über 8 Jahre vor mehreren Personen an diesen Fehler, bis zu seinem Tod. Zeigte ich nicht genug Reue? Wahrscheinlich …

Wir dürfen nie vergessen, dass wir mit jeder Handlung Verantwortung für ihre Folgen übernehmen. Auch wenn wir es mit guten Absichten tun, dürfen wir das Ergebnis nicht außer Acht lassen. Als Nonne/Mönch bin ich verantwortlich. Wir dürfen Fehler machen, wir werden Fehler machen, das ist normal…, aber wir sollen lernen, zu unseren Fehlern zu stehen, ohne ein Drama zu machen. Handlung, Fehler, Reue, Handlung, …. einfach eine unablässige Linie von Handlungsmomenten auf unserem Weg.

Besonders herausfordernd ist die, eine Handlung bis zum Schluss mit 100% Konzentration zu Ende zu bringen. Missen Bovay legte darauf immer sehr viel Wert. Wenn wir Schüler beispielsweise ein großes Sesshin wie Urnäsch oder gar ein Sommerlager durchführten, so brauchte das viel Energie und unablässiges Bemühen. War die Zazenpraxis mit der Abschlusszeremonie beendet, hatten viele das Gefühl, es ist vorbei, man entspannte sich. Doch eine der größten Aufgaben lag noch vor uns: das Aufräumen, das Putzen, das Packen, das Transportieren und wieder ausladen. Immer wieder ermahnte er uns, „Zen ist volle Konzentration bis zum Schluss“, doch plötzlich verschwanden Helfer, durch Unkonzentriertheiten passierten Fehler mit Folgen, …. Kurz, hier lag die eigentliche Bewährungsprobe und trennte sich die Spreu vom Weizen bei den Praktizierenden.

In einer digitalen Arbeitswelt, wo man nur noch selten aufstehen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, wird der Körper unwichtiger. Erst wenn er nicht mehr so will wie wir wollen, merken wir schmerzhaft, dass da ja noch ein anderer Teil von mir ist. Besser wäre, wir würden ihn immer als gleichberechtigten Teil ansehen und uns um ihn kümmern. Ich gehe noch einen Schritt weiter, wahrscheinlich wäre es besser, wir würden uns um unseren Herz-Körper-Geist kümmern. Da ist für den Anfang ein ganz einfach Motto nützlich: „Was mir wirklich gut tut, tut auch anderen gut.“