Zazen = Universum

Yoko Shibata war Schüler des neben Kocho Uchiyama wohl berühmtesten Schülers Kodo Sawakis – Sodo Yokoyama – Auszug aus einem Interview das Arthur Bravermann, Laien Schüler von Kodo Sawaki, mit ihm vor wenigen Jahren führte.

Während Sawaki Roshi unentwegt reiste, um Sesshin und Vorträge zu halten, war Yokoyama Roshi hingegen ein Einzelgänger, der durch seinen Lebensstil lehrte. Er lebte in Metaphern, ausgedrückt in Poesie und Gesang. Sein Lebensstil war elegant. Jeden Morgen ging er nach Kaikoen und richtete seinen Tempel unter einem selbstgebauten Zelt zwischen drei Bäumen ein – mit Teekanne, tragbarem Grill (Hibachi), Teeblättern in einer Schale mit Wasser, Teetassen, Pinseln, Tuscheblock usw. 

Menschen, die ihm begegneten, waren inspiriert von der Einfachheit seines Lebens und der scheinbaren Liebe zu seiner Tätigkeit. Wie der Mönch Ryōkan, von dem er deutlich beeinflusst war, spielte er gern mit kleinen Kindern, und diese spielten mit ihm. Wie sein Lehrer sprach er von Zazen als dem Mittelpunkt seines Lebens, und sein Verhalten bezeugte dies. 

Angesichts von Sawaki Roshis Dynamik und Charisma sowie Yokoyama Roshis Eleganz und künstlerischem Feingefühl hatte Jōkō ein beachtliches Erbe zu erfüllen. Er ist nicht charismatisch, er komponiert oder malt keine Gedichte und kann nicht das Blatt spielen (zumindest hat er es nicht bewiesen). Sein Glaube an Zazen ist jedoch so stark wie der seiner beiden Vorgänger, und er profitiert von deren Lehre. Obwohl er wenig von der Einzigartigkeit dieser beiden kreativen Köpfe zeigt …

Joko: Glaubst du an Zazen?

A: Ich weiß nicht, inwieweit ich sagen kann, dass ich daran glaube.

Jōkō: Glaubst du, dass es das Universum ist?

A: Ich habe diese Aussage oft gelesen, aber wie tief sie mich doch durchdrungen hat …

Jōkō: Aber du glaubst es doch, oder? Wie Sawaki Roshi sagte: „Es führt dich an einen Ort, wo du nichts anderes tun kannst (yuki tsuku tokoro o yuki tsuita …).“

A: Ich mag es, mit meinem Verstand glauben, aber …

Jōkō: Es führt dich wirklich an einen Ort, an dem du nichts anderes tun kannst.

A: Selbst wenn ich sage, ich verstehe es, wird es immer noch Fragen geben.

Jōkō: Die Menschen denken und unterscheiden zwischen diesem und jenem … Indem wir unseren Verstand so benutzen, erschaffen wir die Existenz eines „Ich“. Doch ursprünglich gab es nur das Universum. Im Herz-Sutra heißt es: „Es gibt keine Geburt und keinen Tod”, nicht wahr? In Wahrheit wird nichts geboren und nichts stirbt.

Der Ausdruck „Leben und Tod des Universums“ (uchû shôji) bedeutet, dass du nicht lebst und stirbst – das Universum tut es. Das ist sehr schwer zu verstehen. Wenn du es verstehst, wirst du inneren Frieden finden. Deshalb solltest du Zazen praktizieren. Es ist wirklich schwer zu begreifen.

Zazen ist keine religiöse Praxis. Man versucht nicht, Größe zu erlangen oder etwas zu erreichen.

Mit Worten sieht man nur eine Seite der Medaille. Sawaki Roshi sagte, dass einmaliges Zazen ewiges Zazen sei. Das stimmt absolut. Wer die Bedeutung von ewigem Zazen wirklich versteht, wird es wiederholen. Das ist die Wahrheit.

A: Man macht es, weil es ewig ist?

Jōkō: Ja. Wer versteht, dass es ewig ist, wird es wiederholen. „Wenn ich es einmal mache und es ewig ist, brauche ich es nicht wieder zu machen“ – das ist ein Trugschluss. Man sagt das nur, weil man es nicht versteht. Wer es wirklich versteht, möchte es wiederholen. Wenn wir leckeres Essen essen, wollen wir mehr essen, nicht wahr? Man praktiziert ein wahres Zazen, weil man es versteht. Menschen, die es nicht verstehen, machen es einmal und rationalisieren dann: „Ich habe einmal Zazen gemacht, also …“

A: Jōkō-san, sitzen Sie nicht die letzten achtzehn Jahre allein da? (Yokoyama Roshi starb vor achtzehn Jahren.)

Jōkō: Ja. Jetzt fällt mir das Sitzen leichter; ich sitze viel länger. Zazen geht immer tiefer. Je mehr man übt, desto tiefer dringt man ein. Es ist immer noch einfach Zazen – die Tiefe …

A: Machen Sie Sesshin allein?

Jōkō: Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit Sesshin meinen, aber wenn Sie meinen, vierzehn Stunden am Tag zu sitzen (er bezieht sich auf den Antai-ji-Zeitplan), kann ich nicht vierzehn Stunden am Tag sitzen. Normalerweise sitze ich zwischen acht und zehn Stunden. Mehr schaffe ich nicht. Ich werde müde, wenn ich länger als zehn Stunden sitze. Nach elf Stunden habe ich genug. Egal wie wunderbar mein Zazen ist, irgendwann ist es einfach zu viel (lacht). Ich habe dann einfach genug (lacht).

A: Vor Jahren saßen Sie mit anderen zusammen – mit Shûsoku-san und anderen.

Jōkō: Ja, ja.

A: Treffen Sie sich jetzt mit keinem von ihnen mehr?

Jōkō: Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg. Und schließlich praktizieren immer weniger Menschen Zazen.

A: In Japan praktizieren immer weniger Menschen Zazen?

Jōkō: Ich glaube schon. Ich bekomme nicht viel darüber mit, es ist nur so ein Gefühl. Ich weiß nicht, ob es wirklich so ist.

A: Wenn jemand käme und Ihr Schüler werden wollte, würden Sie ihn aufnehmen?

Jōkō: Sicher. Wir würden zusammen leben und arbeiten, und er müsste bereit sein, Zazen so zu praktizieren wie ich. Er könnte nicht rumalbern (lacht). Dies ist ein Ort für Zazen. Wenn jemand hier Zazen praktizieren möchte, ist mir das egal, wer es ist. Es ist ein schöner Ort, nicht wahr? An klaren Tagen kann man den Yatsugatake-Berg sehen.

 


‘Ohne Furcht’ Rohatsu – besonders für Anfänger zu empfehlen.

Und schon steht vom 30.11. – 08.12.2025 das jährliche Highlight, das Rohatsu an. Acht Tage, 13 Stunden am Tag nutzlos in Zazen sitzen, ist die höchste Praxis, die wir anlässlich der Erleuchtung Buddhas, das wir am 08.12. zelebrieren, tun können.

Unsere Welt braucht das, da sind wir uns einig. Leider höre ich von vielen Praktizierenden, die ich treffe, oft folgendes:

“Das ist nix für mich, zu hart, zu extrem, zu anstrengend,…”

Gerade wenn solche Äusserungen von seit langem Praktizierenden kommen, finde ich das sehr bedauerlich. Was kann ich dann erwidern?

Was sagt mein Dharma Grossvater Kosho Uchiyama Roshi in seinem 1971 geschriebenen Buch “Das Leben meistern durch Zazen” dazu:

 

“Weil Zazen die Kürze oder Länge der Zeit überschreitet, sollte man möglichst viel Zazen üben. Auch wenn bei uns in Antaiji lange und viel Zazen geübt wird, geschieht dies doch keinesfalls, um anderen etwas zu beweisen oder irgendwelche Verdienste anzuhäufen. Wir üben es einfach in dem Bewusstsein, dass Zazen in keinem Verhältnis zur Länge oder Kürze der Zeit steht. Es geht hingegen nicht an zu sagen, ein Anfänger sollte mit nur 30 Minuten oder einer Stunde beginnen, da Zazen ohnehin in keinem Verhältnis zur Länge oder Kürze der Zeit steht. Denn wenn er dann begreift, was Zazen ist, wird er womöglich grosse Angst vor lang andauerndem Sitzen bekommen. Wenn man dagegen von Anfang an gleich voll und ganz einsteigt, entwickelt man keine Furcht vor Zazen. Deshalb halte ich es für viel besser, wenn man von Anfang an über möglichst lange Phasen übt.

 

Der grundlegende und entscheidende Punkt am Zazen ist, dass wir das von der Wechselbeziehung zu anderen abhängige Ich aufgeben und dagegen dass Selbst das Selbst das Selbst sein lassen. Bei unseren Sesshin sind neben den japanischen Teilnehmern und den fünf oder sechs Ausländern, die fast unschlagbar gut sitzen, auch immer eine Reihe Ausländer anwesend, die die Beine nicht für sehr lange verschränken können. Diese sollen, wenn sie während des Sesshin den Schmerz gar nicht mehr tragen können, ihre Beine umlegen (Seza), dabei jedoch darauf achten, dass sie ihre Nachbarn nicht stören. Sie halten zwar in diesem Fall nicht die Formen des Zazen ein, aber wenn Sie den Eifer für die fünf Tage eines zusammenhängenden Sesshin aufbringen, so führen sie in dieser Zeit zumindestens kein Leben des Umgangs mit anderen, der gesellschaftlichen Verpflichtungen und der Arbeit. Wenigstens sind sie dann von all jenem abgeschnitten und fast ohne jedes Sprechen ganz für sich. Allerdings werden in dieser Haltung, also wenn man etwa die Beine umlegt oder den Rücken rundet, verschiedenste Gedanken durch den Kopf ziehen und aus diesen Gedanken wird nur zu leicht ein Nachdenken entstehen, weil wir uns dann mit den Fantasien unseres Kopfes unterhalten und es auch, wenn wir uns noch so bemühen nicht gelingen kann, das selbst das selbst das selbst sein zu lassen, ist es unbedingt wichtig, uns wieder um die Richtigstellung der Form, der Haltung des Zazen zu bemühen. Ich denke, es ist auch für Ausländer gut, wenn sie sich immer wieder um die rechte Form des Zazen bemühen, weil gerade diese, wenn man die Gedanken loslässt, die allerbeste Haltung ist und das selbst das selbst das selbst sein zu lassen. Und wenn man sich stetig um diese bemüht, so werden sich unterdessen auch die Beine daran gewöhnen und man wird es leicht ertragen können, über lange Zeit Zazen zu üben. Wichtig ist, das Zazen nicht etwas ist, das man durch äussern Zwang, sondern aus der Entdeckung der eigenen Lebenskraft des Selbst heraus macht, so dass man von selbst übt, wenn man selbst merkt, dass es Zeit dafür ist. 

 

Bis heute waren die Menschen auf Erden materiell sehr arm und die meisten hatten so ums Überleben zu kämpfen, dass sie sowohl zeitlich wie geistig kaum den Raum hatten, ihr aufs höchste verfeinerte Selbst verwirklichen zu wollen. Da künftig die Zahl der wohlhabenden Menschen überall zunehmen wird, hoffe ich, dass diese das Leben ihres Selbst zu verfeinern trachten und damit gleichzeitig auch das Leben der Menschen auf Erden – auf dass ihr Leben nicht nur das Leben von luxuriösen Tieren sei, sondern sich zu wirklichen Werten erhebe und die Zahl derer, die sich der Lebenskraft ihres Selbst bewusst werden, zunehme. Zazen wird dabei sicher nicht über Lautsprecher verbreitet, sondern vielmehr von einzelnen Zen-Praktizierenden an Freunde weitergegeben und sich so ganz still ausbreiten. Ich glaube, dass es so irgendwann auf jeden Fall zu einer die Menschheit in aller Welt weisenden Kraft werden wird.”

 

Nun haben wir 2025, wir leben in einem der reichsten Teile der Welt, wo sind  sie, die das Leben ihres Selbst zu verfeinern trachten und damit gleichzeitig auch das Leben der Menschen auf Erden. Ich hoffe sehr, dass Uchiyama Roshi sich nicht irrte.

 

Niemand, der ein Rohatsu in unserem Stil nicht erlebt hat, sollte Furcht davor haben. 

 


Zazengi

Zazengi (das elfte Kapitel des Shōbōgenzō von Dogen Zenji)

übersetzt von Gyoriki

 “Für Zazen ist ein stiller Ort geeignet. Breite eine dicke Sitzmatte aus. Vor Wind und Wetter geschützt, sollte kein Tau und Regen eindringen. Halte diesen Ort sauber und ordentlich. Es gibt Spuren aus früheren Zeiten, als auf Diamanten und Felsen gesessen wurde. Dabei saß man stets auf dick ausgebreitetem Gras. Der Ort zum Sitzen sollte hell sein, dunkel weder während des Tages noch in der Nacht. Dass er im Winter warm und im Sommer kühl ist, gehört zur Kunst dazu. Löse dich aus allen Bindungen, lasse die zehntausend Angelegenheiten ruhen. Denke nicht an gut und böse. Es geht weder um Geist noch um Bewusstsein, weder um Gedanken noch um Anschauungen. Versuche nicht einen Buddha aus dir zu machen, lass Sitzen und Liegen fallen. Halte Maß beim Essen und Trinken, nutze den Tag wie die Nacht. Übe Zazen so als wolltest du ein Feuer auf deinem Haupt auslöschen. Der fünfte Patriarch auf dem Berg Ôbai (Huang-mei) widmete sich Zazen als seiner einzigen Aufgabe, er kannte kein anderes Geschäft.

Trage das äußere Mönchsgewand (Kashāya) während Zazen und sitze auf einem Kissen. Lege das Kissen nicht unter das ganze Gesäß, sondern lass es zur Hälfte nach hinten herausragen. Auf diese Weise befindet sich die Matte unter den Füßen und das Kissen unter dem Rückgrat. Dies ist die Art und Weise, auf die die Buddhas und Patriarchen beim Zazen sitzen. Sitze entweder im halben Lotussitz oder im vollen Lotussitz. Beim vollen Lotussitz lege den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Die Fußspitzen liegen dabei in einer Linie mit dem Oberschenkel, sie sollten nicht darüber hinausragen. Beim halben Lotussitz lege einfach den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Trage das innere und äußere Gewand locker und ordentlich. Lege die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand. Die Spitzen der beiden Daumen sind gegeneinander gestützt. Plaziere die beiden Hände auf diese Weise nahe am Körper. Die sich berührenden Daumenspitzen sollten dem Nabel gegenüber liegen.

Sitze gerade, in der richtigen Haltung. Sitze nicht nach links oder rechts ge krümmt, vornüber gebeugt oder zurückgelehnt. Ohren und Schultern sollten stets in einer Linie sein, während die Nase dem Nabel gegenüberliegt. Die Zunge sollte am Gaumen anliegen. Atme durch die Nase. Halte Lippen und Zähne geschlossen. Halte die Augen geöffnet, weder zu weit und noch zu schmal. Sind Körper und Geist auf diese Weise eingestimmt, dann atme einmal tief durch den Mund aus. Sitze reglos wie ein mächtiger Berg in Konzentration und denke auf dem Grund des Nicht-Denkens. Wie denkt man auf dem Grund des Nicht-Denkens? Lass die Gedanken los! Dies macht die Kunst des Zazen aus. Zazen bedeutet nicht, etwas von Meditation zu lernen – es ist das Tor des großen Friedens und Glücks der Lehre. Es ist unbeflecktes Üben und Erweisen.”


Die Beziehung zu anderen beenden

(homepage Sanshin-ji, von Gyoriki übersetzt)

„Anfangs ist es ganz natürlich, dass wir verstehen wollen, was geschrieben steht oder was der Lehrer sagt“, erklärte Okumura Roshi, „aber nach einer gewissen Zeit verliert es an Bedeutung. Wenn wir mit einem richtungsweisenden Geist praktizieren, werden wir irgendwann erkennen, dass unsere Praxis aufgrund dieses Wunsches, etwas zu erreichen, anders ist als das, was Uchiyama Roshi beschreibt.“

Tatsächlich ist ein Sesshin ein Raum, in dem wir uns nur sehr eingeschränkt auf andere verlassen können. Er demonstrierte dies selbst, indem er während des Zazen wie alle anderen zur Wand blickte. Dies wich von der üblichen Anordnung ab, bei der der Tempelleiter und einige andere Übungsleiter in den Raum blickten und die Praktizierenden beim Sitzen im Auge behielten. Da keine Autoritäten zusahen, mussten sie sich selbst entscheiden, die Haltung beizubehalten, die Augen offen zu halten, tief zu atmen und die Hand des Denkens zu öffnen. Wenn sie stattdessen schlafen, tagträumen, mit Wahnvorstellungen spielen oder Geschichten über sich selbst schreiben wollten, gab es niemanden, der sie davon abhielt. Es gab keine Wir-und-Sie-Beziehung, keine Subjekt-und-Objekt-Beziehung zwischen den Menschen im Zendo. Jeder war allein. In gewisser Weise erinnert dieser Stil an das buddhistische Indien, wo sich die Praktizierenden nicht in einem Sodo zum Üben versammelten, sondern in ihren eigenen Hütten oder Einsiedeleien saßen. Auch Sawaki Roshis Schüler, darunter Uchiyama Roshi, führten ihre Sesshin-Praxis fort, wenn er nicht da war, um sie im Auge zu behalten. Uchiyama Roshi spürte, dass sich die Qualität der Praxis veränderte und sie den Kontakt zu ihrem inneren Streben verloren, wenn sie von jemandem oder etwas anderem abhängig waren, das sie zum Aufwachen zwang.

„Uchiyama Roshis Vorstellung von Sesshin bestand darin, sich wirklich auf sich selbst zu konzentrieren, nur der Wand, sich selbst und dem Buddha zuzuwenden, ohne Ablenkung oder Beziehung zu der Person, die hinter ihnen ging, oder dem Lehrer, der sie beobachtete“, erinnerte sich Okumura Roshi.

Niemand hilft uns beim Aufwachen, also müssen wir uns anstrengen und uns selbst gegenübertreten. Niemand zwingt uns aufzuwachen oder uns hinzusetzen. Im Alltag definieren wir, wer wir sind und was wir in Bezug auf unsere Beziehungen zu anderen tun sollen, doch während des Sesshin gibt es keine anderen, daher sind wir von dieser Beziehung zwischen uns selbst und anderen befreit. Wenn wir befreit sind, haben wir die Verantwortung, allein zu sein und aufzuwachen. Wenn der Lehrer mit dem Gesicht zur Wand steht und nicht alle anderen beobachtet, gibt er sein eigenes Zazen nicht auf, nur um andere anzuleiten. Er steht nicht in einer solchen Beziehung zu ihnen. Ebenso haben Praktizierende keine Angst davor, von anderen beobachtet zu werden, und sie stehen nicht in einer Beziehung zu Beobachtern. Alle Praktizierenden, vom Lehrer bis zum Anfänger, kümmern sich um ihre eigene Praxis. Uchiyama Roshis Anweisung an die Sesshin-Teilnehmer lautete, sich unabhängig von anderen ihrer eigenen Praxis zu widmen. Andere bewerten einen nicht, und man selbst bewertet andere nicht. Man übt einfach allein zusammen. Diese Herangehensweise an Sesshin ist eine direkte Manifestation von Sawaki Roshis Verständnis von Dogens Lehren über Jijuyu Zammai, die Gesamtheit des Universums. Sawaki Rochi erklärte es so: „Zazen ist das Selbst, das sich selbst durch sich selbst tut.“ Im Zazen gibt es keine Trennung zwischen Selbst und anderen oder Subjekt und Objekt. Okumura Roshi sagte, dies sei ein wesentlicher Punkt dieser Art von Sesshin sowie unserer Zazen-Praxis insgesamt.

„Laut Uchiyama Roshi ist unser Leben als Ganzes von der Geburt bis zum Tod dasselbe: Das Selbst tut das Selbst für das Selbst mit dem Selbst. Unser gesamtes Leben, von der Geburt bis zum Tod, ist gewissermaßen eine einzige Zazen-Periode.“

Das Sesshin, vom ersten Glockenschlag am ersten Tag bis zur letzten Glocke am letzten Tag, als eine zusammenhängende Zazen-Periode zu betrachten, ist unbedingt notwendig, um zu verstehen, warum unsere unmittelbaren Vorfahren so von dieser ungewöhnlichen Form begeistert waren – und warum die Entscheidung, den Behälter zu zerbrechen, so hinderlich ist. Uchiyama Roshi wies darauf hin, dass diese Art von Sesshin durch zwei Dinge ungewöhnlich ist: Erstens wird überhaupt nicht gesprochen, und zweitens steht der Lehrer der Wand gegenüber. Diese beiden Elemente sollten es den Teilnehmern ermöglichen, das zu erleben, was er „das Selbst, das nur das Selbst ist“ (jiko giri no jiko) nannte. Dies ist das Selbst, das wir erkennen, wenn wir aus dem Tagtraum des „Ich“ erwachen. Sesshin hilft uns, diesem Selbst zu begegnen, indem es unsere Interaktionen und Beziehungen zu anderen minimiert und uns mit unserer Praxis allein lässt. Mit dem Gesicht zur Wand stehen wir nur uns selbst gegenüber. Wir haben keine andere Wahl, als zu erkennen, dass uns niemand zur Praxis zwingt und niemand unsere Praxis für uns übernehmen kann. Wenn wir das im Sesshin erkennen, können wir auch erkennen, dass wir stets unser eigenes Leben leben, unsere eigenen Entscheidungen treffen, Verantwortung für uns selbst übernehmen und auf unseren eigenen Beinen gehen müssen. Dies ist ein Aspekt des Selbst, der nur das Selbst ist. Der andere Aspekt ist der des Selbst, der alles umfasst. Es gibt nichts, das vom universellen Selbst getrennt ist.

Wie Okumura Roshi sagte: „Es gibt keine Interaktion mit anderen, aber dieses Selbst, das keine Interaktion mit anderen hat, umfasst alles in sich. Das eine ist das Selbst ohne Beziehung zu anderen, und das andere ist das Selbst, das alles umfasst.“

Während des Sesshin, wenn wir nicht in einer Welt agieren, die von unseren Beziehungen zu anderen bestimmt wird, kann unsere Selbstdefinition verschwinden. Ich bin kein Lehrer und du bist kein Schüler. Ich bin kein Senior und du bist kein junger Mensch. Ich bin kein Geistlicher und du bist kein Laie.Ich bin kein Amerikaner und du hast keine Nationalität. Es gibt kein Vergleichen, Kategorisieren und Trennen. Wenn wir keine Energie darauf verwenden müssen, den Schein zu wahren und die Fiktion von uns selbst aufrechtzuerhalten, selbst vor uns selbst, können wir in diesem Moment ruhen und einfach das Selbst sein, das nur das Selbst ist. Verschönerungen und Bilder sind nicht nötig. Wir leben unsere Praxis nicht dadurch, dass wir glauben, wir könnten unsere Oryoki-Schalen besser bewältigen als andere, sondern indem wir alle Vorstellungen von der Realität solcher Vergleiche fallen lassen.Genau das bedeutet es laut Okumura Roshi, über Subjekt und Objekt hinauszugehen. „Wenn wir einfach nur sitzen, ohne zu sprechen, ohne mit irgendetwas zu interagieren, spüren wir, wie wir uns vom Rest der Welt absondern und allein sind. Lehren die buddhistischen Lehren das? So zu leben? Nein. Wenn wir allein sitzen und wirklich für uns sind, ohne Trennung oder Interaktion mit anderen, entdecken wir in unserem Zazen, dass mit dem Verschwinden des Objekts auch das Subjekt verschwindet, weil das Subjekt in der Beziehung zu anderen erfasst wird. Mit dem Verschwinden des Objekts verschwindet auch das Subjekt.“ So ist das Selbst vollkommen allein, vollkommen vereint mit allen Wesen und funktioniert konventionell in der Gesellschaft.

Siehe auch Kapitel 4, „Alles, was dir begegnet, ist dein Leben“, in Uchiyama Roshis Buch „Wie du dein Leben kochst“.

Okumura Roshi über Selbstlosigkeit und Sesshin
 
Während des Sesshins verlässt sich jeder von uns auf andere, und andere Menschen unterstützen uns. Als Dharma-Lehrer verlasse ich mich auf die Anwesenheit anderer. Es ist sehr schwierig, allein Sesshin zu halten. Ich habe noch nie fünf Tage Sesshin allein gesessen. Ich habe es drei Tage lang gemacht, und glücklicherweise kam an einem dieser Tage jemand und setzte sich; das war eine große Erleichterung für mich. 14 Stunden am Tag allein zu sitzen ist sehr schwierig, egal wie viel Praxiserfahrung man hat. Wir sind wirklich auf andere angewiesen. Das heißt, wir können Sesshin nur halten, weil wir Unterstützung von anderen Menschen bekommen. Wenn wir diese Sangha jedoch als Einheit betrachten, dann gibt es keine Abhängigkeit, obwohl innerhalb der Abhängigkeit viele Wünsche bestehen. Das ist das Mitgefühl unserer Sangha. Dogen sagte: „Praxis nicht allein, praktiziere innerhalb der Sangha.“ Er empfahl nicht, ein Pratyekabuddha zu sein, ein Praktizierender, der allein in den tiefen Bergen lebt und praktiziert. Abhängigkeitslosigkeit, Abhängigkeitslosigkeit und Abhängigkeitslosigkeit sind stets miteinander verbunden.(Aus einem Vortrag vom 4. Mai 2025)
 
Das Selbst ohne Beziehung zu anderen erkennen  (Nicht-Abhängigkeit), was alles einschließt (Verbundenheit) von Tomon o’Connor

Wenn wir die obige Aussage zum ersten Mal lesen, reagieren wir vielleicht, dass es keinen Sinn ergibt, zu behaupten, wir könnten ohne Beziehung zu anderen und gleichzeitig miteinander verbunden sein. Um zu verstehen, wie dies geschehen kann, ist es hilfreich, einen Moment darüber nachzudenken, was wir mit dem Wort „Selbst“ meinen. Das Selbst, das ich allgemein erkenne, ist in erster Linie ein Reaktionsmechanismus, der in ständiger Beziehung zum jeweiligen Moment steht, sei es die Meinung anderer über mich, mein eng gefasstes Selbstbild, meine konzeptionellen Formulierungen oder die Anforderungen meiner physischen Umgebung. Was wir gemeinhin „Ich“ nennen, ist ein Bündel von Reflexionen und stets abhängig von etwas anderem für seine momentane Existenz. Kodo Sawaki Roshi hingegen spricht vom „Selbst, das nur das Selbst ist“ oder vom „Selbst, das das Selbst selbst macht“. Dieses „Selbst, das nur das Selbst ist“ ist unser fundamentales Selbst, das entsteht, wenn wir die Beziehungen auflösen, durch die wir üblicherweise ein „Selbst“ erschaffen. Das „Selbst, das das Selbst selbst macht“ ist dasselbe fundamentale Selbst, das sich selbst erschafft, ohne von irgendetwas anderem abhängig zu sein. Doch wie entsteht dadurch ein Selbst, das alles umfasst? Die Antwort ist, dass die Beziehungen unseres alltäglichen Selbst zu anderen Ballast erzeugen, der sich wie eine Mauer auftürmt und eine Verbindung mit der größeren Welt der Verbundenheit verhindert. Entfernt man diese Barrieren, erscheint das Selbst der gegenseitigen Abhängigkeit, das alles umfasst. Durch unsere Praxis des Shikantaza erkennen wir dieses vernetzte Selbst. Wir sitzen mit dem Gesicht zur Mauer, die uns nichts bietet, worauf wir uns verlassen können, und öffnen die Hand des Denkens, um unsere Abhängigkeit von mentalen Konstruktionen zu lösen. Während wir einfach nur sitzen, öffnen wir uns allmählich auf neue Weise für unsere Umgebung und spüren, wie die Membran des Denkens und der Abhängigkeit von anderen allmählich dünner wird, sodass wir uns als integraler Bestandteil des Ganzen und mit allem verbunden fühlen. Deshalb wird Shikantaza manchmal als der Ort bezeichnet, an dem wir uns zu Hause fühlen.

 
 

Alleine Sitzen 2

K:Wenn ich Sie lese, habe ich das Gefühl, dass ich meine Vorfahren lese, was mich in meiner Anfängerpraxis inspiriert. Sie wissen, dass ich vor zwei Tagen erst drei Jahre Ordination abgeschlossen habe. Es ist mehr Zeit für mich geworden.

Ich glaube, ich stimme mit allem überein, was Sie schreiben. Ich stelle mir auch vor, dass eine Praxis mit wenigen Leuten die beste ist, und hier waren wir immer wenige, aber es gibt ein Ideal des Wachstums, das mir seltsam erscheint, und manchmal werden diese Bestrebungen mit Geschäftsidealen, Produktion und Unternehmen verwechselt, was mir etwas Übelkeit verursacht. Wie Sie sagen, ist das Armutsgelübde relevant. Wenn ich zu Shikantazas Einfachheit zurückkehre, bricht jeder Eifer für Produktion und Geschäft zusammen. Ich habe keine großen Erwartungen an ein Leben im Wald, wie Thoreau, ich würde diese Praxis gerne allein verstehen, ohne irgendjemandem etwas zu beweisen, ohne den Geist, zu überzeugen oder Lob zu erregen. Es ist das Richtige, es ist der Weg der Vorfahren, auch des Buddha. Ich war immer ein Einsiedler in der Stadt und habe daher keine Fähigkeiten, die ich in ein Leben auf dem Land einbringen könnte. Ich weiß nicht, wie man erntet, ich weiß nicht, wie man sät, ich weiß nichts über Bäume oder Pflanzen, ich weiß nicht, wie man das Land bearbeitet, das habe ich nie gewusst. Vielleicht ist es an der Zeit, damit anzufangen und es zu lernen. Ich kann nur mit Fäden und Nadeln umgehen, mit den Tasten eines Computers und mit einem Stift auf Papier. Aber flinke Hände müssen für irgendetwas gut sein.

G: Das Bearbeiten eines Stück Lands und das Säen, Pflegen und Ernten ist kein Hexenwerk. Schau einfach bei deinen Nachbarn zu oder befrage sie. Sie wissen wie es geht. Ich selber habe ja eine Permakultur, vielleicht kannst du ein Buch über Permakultur lesen.

Übrigens ist das Bearbeiten eines Stück Landes, das Säen, Pflegen und Ernten eine Analogie für das Wirken eines Zenlehrers. Mein Hossenshiki Lehrer Shoken Winecoff verwendet oft dieses Bild und kommt so mit Farmern und einfachen Leuten ins Gespräch. Wir bearbeiten das weite Feld des Denkens, wir bearbeiten den Boden unseres Umfeldes mit unserer Praxis und säen die Praxis von Zazen. Die zarten Pflänzchen pflegen und hegen wir als Lehrer und vielleicht gibt es sogar eine Ernte:-)

K: Von dort aus würde ich gerne weiterschreiben. Hier in Bogota habe ich die Gewohnheit verloren. Schreiben Sie noch?

G: Ich schreibe gerade sogar sehr viel, es sind jedoch eher Ratgebergeschichten aus meiner Lebenserfahrung, als tiefe Zenphilosophie, für die tiefe Auseinandersetzung mit den alten Meistern fehlt mir die Motivation und Sinn. Ich möchte den Menschen konkret im Alltag helfen, Die Meister sind of sehr elitär. Das scheint nicht mein Weg zu sein, aber gerade hält Okumura Roshi wieder einmal den 10 Tage virtual intensive study Kurs, da bin ich dabei und erfreue mich an seinem Wissen, das reicht mir. So langsam verstehe ich die Grundprinzipien Dogens. Ich bin sehr froh macht Okumura das und ich schätze ihn ungemein dafür, aber es ist definitv nicht mein Weg. Er ist Bücherwurm, sagt er selber, und ich nicht, mein Weg ist Bewegung, Tun, Begegnung und Natur. Die Lehrer, den Begriff Meister mag ich nicht, sind, so erklärte gerade gestern Todo-san (Okumura) haben das Dharma in sich aber auch das Karma. Aufgabe des Schülers ist dies zu erkennen und zu trennen. Das ist aber gerade zu fast unmöglich, ein Koan. Da wir das Dharma, gerade als Schüler oder Anfänger, nie wirklich erkennen können, müssen wir zunächst davon ausgehen, dass der Lehrer recht hat mit seinem Tuen. Viele Jahre braucht es, um zu erkennen ob jemand wirklich eine Dharma Lehrer ist oder nicht.Trotz seinem Karma ist jeder Dharma Lehrer, der die Übertragung von Okumura bekam, ein wahrer Dharma Lehrer. Wir sollten sein Handeln nicht kommentieren oder verurteilen, sondern zweifeln an dem was er sagt und Fragen darüber stellen. Ein guter Lehrer sei einer, der auch zweifelt und Fragen stellt. Nach einer angemessenen Zeit ist es sowieso üblich unter anderen Lehrern zu praktizieren und sie zu befragen. Ein guter Lehrer schickt seinen Schüler auch zu anderen, so sandte mich Todo-san zu Shoken. Im schlimmsten Fall sucht man sein Leben lang. Ich hatte Glück und fand Okumura, daneben fand ich auf meiner Wanderschaft viele sehr gute Lehrer wie Hokan Saito und Godo Roshivon Kotai-ji, Shoken Winekoff in Ryumonji, Shodo Harada und Tenshin Anderson. Wirklich Schüler sein, könnte ich neben Okumura, aber nur von Shoken und Harada. Das Problem von Harada ist aber, das er Rinzai Lehrer ist und ich müsste ganz neu beginnen.

Da viele Lehrer ein schwieriges Karma haben, galt für Uchiyama zuletzt das Prinzip, er pflegte Kodo Sawaki bis zu seinem Tod: „Lass einzig Zazen dein Wahrer Lehrer sein.“

Du kannst Menschen grundsätzlich nicht ändern, noch nicht mal deine eigenen Kinder oder Freunde, das ist meiner Meinung nach ein menschliches Grundprinzip, deinen Lehrer erst recht nicht.

Mein Ordinationslehrer wurde im Alter, durch Erfolg, durch Intrigen, aber auch durch seine schwere Krankheit immer schwieriger. Ein Jahr vor seinem Tod trennte ich mich von ihm, es war im Nachhinein ein Fehler, denn er war zu krank und unter starkem Morphium. Ich bereue dies sehr und schäme mich wegen meines Egoismus, es war der falsche Zeitpunkt, zu spät, obwohl der Schritt im Grunde richtig war. Ich praktizierte 13 Jahre mit ihm zusammen. Doch ohne diesen Schritt wäre ich nicht hier, wo ich stehe, hätte dich und Okumura nicht kennen gelernt.

K: Ich erinnere mich sehr gut an die Tagebücher, die ich in Kotaiji geschrieben habe. Ich habe noch diese 49 Texte der Tage, die wir vor dem Verlassen der Klausur gezählt haben. Ich habe sie zwar nicht beendet, ich habe mich dem Nähen der Kutte meines Meisters gewidmet und damit waren alle meine Gedanken an das Leben in einem Ausbildungskloster dahin, das ich so schnell wie möglich beenden wollte. Tatsächlich hat einer der Gründe für meinen Wegzug mit meinem Meister zu tun. Wissen Sie, es ist ruhig, aber ich fühle mich im Widerspruch zu ihm. Es ist nicht so, dass ich ihn als Lehrer nicht bewundere, aber ich denke, meine Praxis ist etwas anderes. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht wie er sein könnte und auch nicht wie er sein möchte. Vielleicht hilft mir eine Zeit fern von meinem Meister, mich selbst als Mönch in meiner eigenen Praxis zu finden. Vielleicht haben Sie das schon erlebt, sicher begann sich die innere Arbeit zu entwickeln, als Sie ohne Ihren ursprünglichen Meister waren. Ich weiß, dass ich meinen Lehrer nicht ändern kann, na ja, vielleicht kann ich das, aber ich habe mich irgendwie damit abgefunden und möchte weder wieder von vorne anfangen, noch Konflikte schaffen.

Ich akzeptiere einfach unsere Abstammung, die wunderbar ist, wissen Sie. Vielleicht fange ich irgendwann an, die farbige Robe zu nähen. Ich möchte nähen, aber ich möchte nicht weitermachen. Das ist jetzt eine weitere meiner Fragen: Was bedeutet es, das Dharma von Ihrem Lehrer zu erhalten, und welche Konsequenzen hat das?

G: Diese Frage ist eine sehr wichtige Frage. Todo-san sagt mir, dass ich, wenn ich sein Schüler werde, würde ich auch Dharma Transmission bekommen wie alle seine Schüler. In anderen Linien ist es anders. Du weisst in Japan heisst das oft alles gar nicht, da die Personen wie Kosho san, schon mit 12 Jahren ordiniert wurden.

Hier ist das, was mir Todo-san einmal zu einer ähnlichen Frage von mir antwortete (bitte gebe den Text nicht weiter):

.Another thing might be, to make sure if the person has a clear understanding about the meaning of receiving shukketokudo in Japanese Sotoshu.
Sometimes it is called "priest ordination" in English, that sounds like the authorization as a priest.
But in the system of Japanese Sotoshu, even a kid older than 10 years old can receive shukketokudo.
By receiving shukketokudo, the person becomes a novice.
After that, the person needs to study Buddhism at Komazawa or another University and practice at a monastery for a certain period of time.
After completing the study and practice process, the person might receive dharma transmission and receive kyoshi (teacher) qualification from Sotoshu Shumucho.
Even Receiving dharma transmission and Kyoshi qualification does not mean to be authorized as a Zen teacher.
It is simply to be qualified to become a temple priest, one of more than 15000 Sotoshu priests.
I think you have found that most Sotoshu priests in Japan are not even zazen practitioners.
I received dharma transmission and kyoshi qualification when I was 26 years old, because it was necessary to come to the USA as a missionary.
But no one, including myself, thought that I was ready to teach Zen.
I had to practice 30 more years until I and other people thought I could be a teacher.
In meinem Fall, obwohl ich schon seit meiner Mönchsordination 1997 Zazen unterrichte, ist das anders. In vielen Dingen, was die Praxis von Zazen betrifft und viele Formen, sehe ich mich selbst und andere sehen mich auch mittlerweise als Lehrer: In anderen Dingen fühle ich mich wie ein Baby und ganz und gar nicht wie ein Zenlehrer. Ich bin so froh, darf ich Todo-san befragen. Ich denke Zenlehrer werden ist die Gelübde zu erfüllen und ernsthaft die Verantwortung zu übernehmen. Letzthin heisst es aber wie Uchiyama sagt: Erst einmal 30 Jahre still vor die Wand sitzen.

Gerne bleibe ich mit dir in Kontakt, denn es hilft mir auch meine Praxisprinzipien zu hinterfragen und auf den Punkt zu bringen.Vielen Dank!

Zum Schluss noch ein Buchtipp. Viktor Frankl, yes to life inspite of everything.

K: Wie auch immer, bitte bleiben Sie mit mir in Kontakt. Eines Tages würde ich Sie gerne in Ihrem Tempel besuchen und von Ihnen lernen.

 

Alleine sitzen

Alleine sitzen

Im Folgenden möchte ich euch einen Teil eines Briefwechsel wiedergeben mit einem Mönch namens Kosho (Name geändert) aus Südamerika, mit dem ich das Glück hatte, ca. 5 Monate in Kotai-ji zu praktizieren. Da wir zeitweise die einzigen Westler waren, hat uns das zusammen geschweißt. Kosho war während des Ango (Nov-Feb) Shuso und hat die Hossenshiki Zeremonie auf japanisch gemacht, was schon eine für mich unvorstellbare Leistung war. Außerdem beinhaltet die Shusofunktion in einem Sermon Sodo verantwortlich zu sein – für wirklich alles, was unseren Klosteralltag ausmacht: Zeremonien aller Art, Samu, Arbeitseinteilungen, Konflikte…., der Shuso ist wirklich für alles verantwortlich – Tag und Nacht. Für einen jungen Mann mit Mitte zwanzig eine große Leistung, die einen zwangsläufig zum Leader macht und dies ist ja auch die Absicht, denn Shuso sein und Hossenshiki zu machen ist der erste Schritt zum Zenlehrer. Ich bin ihm sehr dankbar, er schaute sehr gut nach mir, war ich doch sein Dharmaonkel, denn er ist Schüler eines Dharmabruders von mir. Und ich unterstütze ihn so gut es ging, denn der Shuso wird immer verantwortlich gemacht und das nicht immer auf konstruktive Art. Er ist immer unter Druck und man fordert immer noch mehr von ihm. Er wird gefordert bis über die Grenzen hinaus.
Vor drei Jahren war er nach seinem Studium zum Mönch ordiniert worden, er lebt vom Nähen von Okesa und Roben. Sein Lehrer schickte ihn für ein Jahr nach Kotai-ji, seine Freundin verließ ihn nach ein paar Monaten und die

Frage nach dem Wohin? und Wie weiter?- ohne Geld und Job beschäftigen ihn. Also eine ganz normale Biographie eines Wegsuchenden aus meiner Dharmafamilie. Ich versuchte ihm der Unterstützer zu sein, den ich in diesem Stadium gerne gehabt hätte. Er schickte mir noch Tonaufnahmen von interessanten Zeremonien und ein paar Bilder vom Beginn eines Takuhatsu (Bettelgang) und von der Neujahrszeremonie, die ich in den Text einflechte.

(die Briefe von ihm sind mit google translator übersetzt worden) Lieber Dharma Onkel

Ich bin dabei, in die Berge zu ziehen, um in einem Tempel, den die Gemeinde vor kurzem erworben hat, mit der Praxis zu beginnen. Ich werde in Ihre Fußstapfen treten. Ich werde wahrscheinlich sehr einsam praktizieren, aber ich hoffe, dass ich jeden Monat fünf Tage lang Sesshin im Stil von Uchiyama Roshi abhalten kann. Gyoriki, Sie haben viel Erfahrung, für jeden Rat, den Sie mir geben können, bin ich sehr dankbar. Ich hoffe, wir können in Kontakt bleiben. In drei Wochen werde ich in den Bergen sein. Dass es besser ist, allein zu sitzen, teile ich Ihnen von Herzen mit.

Lieber Dharma Neffe

Alleine zu sitzen hat große Vor- und Nachteile. Ich habe am Anfang ein paar bedeutende Fehler gemacht. Ich denke, es ist gut, Okumura Roshi sagte mir dasselbe, solche Schritte mit allen Beteiligten gut zu besprechen. Familie, Freunde, Sangha usw., denn du wirst Phasen erleben, in denen du sehr einsam bist und es ist gut, diese Leute an Bord zu haben. Auch ist es gut, etwas Energie darauf zu verwenden, in deinem neuen Zuhause neue Freunde und Kontakte zu gewinnen. Voraussetzung ist natürlich, aber daran habe ich in deinem Fall keinen Zweifel, das Feuer des Zazen. Wenn du das hast, dann

ist sogar ein Rohatsu alleine einfach. Das erste Rohatsu allein war das Beste, was ich je gemacht habe.

Die tägliche Praxis erfordert Disziplin, also ist es meiner Erfahrung nach gut, sich an einen Zeitplan zu halten und ihn strikt einzuhalten. Es ist nicht einfach, eine tägliche Zazen-Praxis einzuführen. Ich denke, es ist gut, jeden Morgen und oft auch abends zu sitzen. Ich komme im normalen Alltag auf etwa zwei – drei Stunden pro Tag, aber Ausnahmen sind Normalität. Wiem Tempel, es kommt immer was dazwischen;-). Auch viele berühmte Dichter, Künstler und Philosophen führten einen strengen Tageszeitplan.

Okumura Roshi empfiehlt mindestens eine Stunde Spaziergang am Tag, für junge Leute sind meiner Meinung nach zwei besser. Ich habe mit dem Joggen angefangen und neben der Permakultur Arbeit liebe ich es auch, Pilze usw. zu sammeln. Durch den Wald zu pirschen ist eine gute Verbindung zur Natur und das ist mehr wert als Gold. Manchmal kann es gut sein, etwas Abwechslung zu haben, zum Beispiel einkaufen zu gehen, in ein Café zu gehen, Freunde zu besuchen oder eine lange Wanderung zu machen. Früher, zu Dogens Zeiten, hat man nur die zwei Angos (drei Monate) im Jahr gemacht und ist dann auf Reisen gegangen, von Tempel zu Tempel oder zur Familie und Freunden.

Lieber Onkel

Ich habe es sofort gelesen, als Sie mir Ihre Antwort geschickt haben. Es war gut, zu diesem Zeitpunkt Ihre Empfehlungen zu haben, die alle sehr genau waren. Ich werde jeden einzelnen berücksichtigen. In letzter Zeit denke ich viel über die Zazen-Praxis allein nach. Warum sagen Sie, dass es besser ist, allein zu sitzen? Die Wahrheit ist, dass ich das denke, aber ich würde gerne Ihre Meinung und Ihre Erfahrung erfahren. Ich habe Weggefährten, die praktisch nicht sitzen, wenn sie nicht begleitet werden, das ist hier sogar sehr üblich. Die Menschen lieben es, zu teilen, was mich dazu bringt, die Einsamkeit zu bevorzugen, was mir etwas fremd ist. Ich werde meine Praxis in den Bergen höchstwahrscheinlich mit einem einsamen Rohatsu-Sesshin beginnen. Ich habe nur Ideen in meinem Kopf, ich muss es erleben, um

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Ihnen zu sagen, wie es war.
Ich sage nicht, dass es der beste Weg ist, ich genieße auch Gesellschaft in der Praxis, aber ich denke, im Moment neige ich zu den Wäldern und Bergen. Deshalb werde ich bald abreisen. In drei Wochen. Sag mir, wie du dein Rohatsu machen wirst.

Lieber Kosho

Ich bewundere deine Entschlossenheit, in die Berge zu gehen und Shikantaza zu praktizieren. Es gibt wenige wie dich, die so überzeugt sind, das Zazen der Schlüssel zu einer besseren Welt ist und alles dafür geben, sowie auf Macht, Anerkennung und Geld verzichten. Aus deinen Erzählungen weiss ich, dass das Zen in Südamerika sehr viel Zulauf hat. Die Menschen glauben offensichtlich daran, dass die buddhistische Praxis die Welt zum Guten führen kann, etwas bewirken kann. Was sie ja auch tut, weil sie die Probleme des Leidens an der Wurzel packt. Offensichtlich ist der Acker in Südamerika gut vorbereitet für die Saat des Zen. In Europa ist der Acker vielleicht eher überdüngt und ausgelaugt. Vielleicht sind wir zu reich und selbstgefällig. Auch wenn alle Jammern und Klagen, wie schlecht alles sei oder werden könnte, ist es doch ein Jammern auf hohem Niveau. Es geht nie um die Existenz, es geht nur um die Sorge, den Wohlstand nicht zu verlieren, oder nur noch 1x statt 2x in Urlaub/Jahr zu fahren, u.ä.. Der Buddhismus ist zum Discounter geworden, man geht hin schaut, was kann ich für meine Leben, mein Wohlbefinden gerade brauchen und holt und benutzt es, bis es nicht mehr funktioniert, dann shoppt man aufs Neue ein:“ Ah, Selbstliebe lernen, super, oh das tut gut, denn ich bin ein Armer. Ich muss so viel arbeiten, damit ich meine 10000€/Monat aufbringe. Keiner sieht, wie viel ich schufte, ich bin kurz vor dem Burn-out. Da gehe ich doch zu einem Selbstliebe-Retreat in einem Wellnesshotel. Sobald die Lehre anstrengend wird oder unangenehm oder Verantwortung, vermeiden viele die Praxis.

Entschuldige ich, ich bin abgeschweift; Ich denke nicht, „alleine sitzen“ ist besser, sondern das „Alleine praktizieren“ hat nach meiner Erfahrung und Praxis Geschichte Vor- und Nachteile. Ich bevorzuge die Praxis alleine, gehe aber auch auf Sesshins, wo recht viele Leute zusammenkommen.

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Eigentlich habe ich alles Wichtige schon im letzten Brief gesagt, jeder geht im Zen den Weg allein und es ist wichtig seine eigene Erfahrung zu machen. Wie Todo-san (Okumura) immer sagt: Just do it! Trotzdem habe ich mal meine Gedanken formuliert, die mir zu dem Thema kamen. Es wurden ein paar viele, weil dieses Thema auch mich beschäftigt. Du kannst aber gerne nach hinten switchen, dort habe ich das Rohatsu-Sesshin im Stile Sanko-jis vorgestellt.

Die Praxis alleine macht es oft einfacher, sich auf das Shikantaza zu konzentrieren. Denn wenn man alleine sitzt, sitzt man nicht wegen der anderen Anwesenden oder der Atmosphäre oder dem Lehrer. Man sitzt, weil man das Bedürfnis danach hat oder wegen des Gelübde. In jedem Fall wird die Sinnlosigkeit des Sitzens beim „Alleine praktizieren” deutlich, mehr als in einer Gruppe. Es gibt keine Ablenkung, es gibt keine Ermunterung, es gibt kein Kyosaku oder Ermahnung. Nur du selbst, der schnell lernen wird, sich dem Dharma übergeben zu müssen. Sich fallen lassen. Das wirst du hoffentlich im Rohatsu erleben, denn dies ist nötig, wenn du denkst, du bist es, der praktizierst, dann wird das alles ein langer Kampf. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum viele Praktizierende diese Herausforderung, ein Sesshin alleine zu praktizieren, nicht annehmen, sie können sich nicht dem Buddha ergeben, sich fallen lassen. Sie wollen die Kontrolle behalten, doch das führt nur zu Schmerzen. Eines der wichtigsten Prinzipien ist die Impermanence, alles ist ständig veränderlich, es gibt kein Fundament, erst recht nicht während eines Sesshins. Just flow, wie das Wasser in Dogens Sansuikyo Kapitel; es kann sogar bergauf fließen, indem es als warmer, winziger Wassertropfen nach oben steigt und die wunderbaren Wolken bildet. Es durchdringt alles, da es in der Luft ist, in der Erde, alles ist Wasser, selbst wir Menschen sind zu 90% H2O, wie wundervoll! Das Wasser ist natürlich die Metapher für das Buddha Dharma. Nur im JETZT manifestiert sich der Buddha in uns; JETZT, JETZT,….

Allerdings kann es beim alleine praktizieren zu einem Phänomen kommen, den Kodo Sawaki mit: „Der Schmerz nimmt zu“ beschrieb. Unser

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Urgroßvater zog sich, genau wie du jetzt, für drei Jahre in einen kleinen Tempel zurück, um nur Shikantaza ohne Ablenkung zu praktizieren. Doch durch die mangelnde Ablenkung durch andere, nehmen die Gedanken zu oder anders ausgedrückt bekommen eine größere Bedeutung. Das Loslassen wird schwieriger. In meinem Fall gibt es ab und an auch eine innere Instanz, die auftaucht und richtet: „Mehr Zazen! Du schweifst zu viel ab! “Du arbeitest zu langsam!”“ Das ist wahrscheinlich eine Typsache, aber diese innere Stimme kann zeitweise ziemlich quälen. Ebenso können Gefühle des Glücks sehr stark und groß werden, aber auch Ängste und Sorgen. So hat man den Eindruck, das Leiden oder der Schmerz in der Einsamkeit nimmt zu. In so einem Fall hilft ein Spaziergang, Zazen oder ein Gespräch mit Nachbarn oder Freunden. Wie du weißt, sind es nicht die Umstände des Alleinseins, die zu solchen Geisteszuständen führen, sondern es ist dein Geist, der dies kreiert. Es liegt an dir, diese wieder loszulassen. Also bitte auch die Zustände, von „ich bin so allein und ein Armer“ loslassen. Du hast das alleine sitzen gewählt, du bist verantwortlich… sei erwachsen. Zenpraxis kann erwachsen machen, ob alleine oder in der Gruppe.

In einer Gruppe ist es vielleicht einfacher zu sitzen, aber auch in einer Gruppe kann man sich einsam fühlen, vielleicht kennst du das. Du bist auf eine Art immer alleine und gleichzeitig doch mit allem verbunden. Ob Lehrer oder Schüler, immer bist du es alleine, der praktiziert. Außerdem gibt es in größeren Gruppen oft soziale Phänomene, die in die Zazenpraxis hineinreichen. Man reibt sich aneinander oder umgekehrt, man genießt die Gruppe oder die Anwesenheit bestimmter Personen, man hat Verantwortung in einem Sesshin und kann zeigen was man drauf hat, man kann auch im Zen Karriere machen, etc.. Alles Dinge, die einen abhalten oder es erschweren, sich ausschließlich auf die Praxis von Shikantaza zu konzentrieren. Das war der Grund, warum ich in die Berge des Schwarzwalds ging. Ich leitete 20 Jahre ein großes Zentrum in Basel mit täglicher Zazenpraxis.

Wir organisierten Sesshins für bis zu 90 Personen, immer hatte ich dort eine Verantwortung, Tanto, Ino, Tenzo, Organisator,…. Ich konnte das alles gut, es

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lag mir, ich war erfolgreich, aber Erfolg bringt auch Neider und wahrscheinlich wurde ich auch arrogant oder ignorant. Ich merkte in meinem ganzen Aktionismus nicht, wie sich der Wind drehte. Ich merkte nicht, wie andere die Gefäße, die ich schuf, für ihre eigenen Ideen und Ziele nutzen. Ich bin vom Typ eher naiv und wahrscheinlich aufgrund meiner Aufmerksamkeitsschwäche eingeschränkt, was soziale oder zwischenmenschliche Signale angeht. Ich merkte nicht, wie ich in die Falle von Erfolg und Karriere ging. Ich war sogar erfolgreich im Job und im Zen. Ich merkte nicht, wie ich genauso aktionistisch wurde wie der Rest der Gesellschaft – schneller, höher, besser, weiter…

Dazu gab es nach dem Tod meines Ordinationslehrers 2009 große politische Umwälzungen, Machtkämpfe, Mobbing, Konflikte… in der Sangha.

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Der Erfolg machte Zenlehrer der AZI neidisch und sie begannen, mich mal offen, mal versteckt zu intrigieren und Gerüchte in die Welt zu setzen, leider fielen die Gerüchte auf einen Nährboden. Die Handlungen dieser Personen waren aus ihrer Sicht nicht einmal verwerflich. Niemand weiss, was richtig und falsch ist. Und niemand weiss, wofür es letztlich gut ist. Ohne ihr eingreifen, wäre ich heute nicht hier. Deshalb gibt es nie schlechte Lehrer, selbst wenn einer ein Arschloch ist. Du weißt nie, wofür er gut ist.

Auf der einen Seite stärkten meine Präsenz und große Verantwortung meine Praxis, denn ich musste mich entwickeln und sehr aufmerksam sein. Außerdem brauchte man mich bzw. ich musste jeden Morgen ins Dojo oder auf Sesshin. Oft leitete ich sieben Zazen Termine die Woche, ging auf Sesshins, suchte europaweit Zenlehrer auf. Ich schuf einen Rahmen, in dem ich viel praktizieren konnte. Auf der anderen Seite schwächte das Alles meine Praxis, da zu viele Phänomene, Aktivitäten, Intrigen und Probleme ständig zu lösen waren und ich während des Zazen oft abgelenkt war .

Wenn du wissen willst, wie solche spirituellen oder sozialen Systeme funktionieren, empfehle ich das Buch „Gierige Institutionen“ von Lewis A. Coser – ein soziologisches Standardwerk. Ungemein interessant und leicht verständlich. Danach weißt du, wie es läuft;-) leider erst danach. oder es gibt den Film “Guru” über Bhagwan Sangha, sehr interessant…

Deswegen, seit alters her, haben sich die alten Patriarchen in die Berge zurückgezogen, um ungestört zu praktizieren, teilweise auch aus Angst vor Anschlägen. Auch Dogen Zenji zog sich deswegen in die Berge zurück, aber auch um unabhängig und frei und dem Dharma treu zu bleiben. Immer wieder betont er in seinen Schriften, wie wichtig es ist, eher arm als reich zu sein, nicht nach Anerkennung oder Macht zu streben. Wie Kodo Sawaki sagt: „Gewinn ist Illusion und Verlieren Erleuchtung.“ Das Grundprinzip des Soto Zen im Sinne Dogens war und ist: “Halte dich von Profit und Anerkennung fern.”

Dogen Zenji gründete mehrere Tempel, um Shikantaza den wenigen Getreuen zu lehren. Mehr als 7-8 Schüler hatte er nach Okumura Roshi auch nicht. Als ich Sanko-ji konzipierte, dachte ich, ein Ort für 12 Personen wäre ideal für die Praxis, wie die 12 Apostel;-). Ich ließ aus Altholz einen Tisch bauen für 12 Personen. Naja einer verriet Jesus, einer leugnete ihn…vielleicht besser unter 10 Personen:-). Ich denke immer noch, dass eine kleine Gruppe, die zusammen den Weg praktiziert, die beste Lösung ist. Aber es kommen kaum noch Menschen, um mit mir zu praktizieren. Einzig an Sesshins sind wir drei-fünf Personen.

Die Geschichte des Soto Zen zeigt, dass es nach Dogens Tod zu Konflikten und Spaltungen unter den wenigen Schülern kam. Jeder hatte wohl trotz allem sehr eigene Vorstellungen und Erfahrungen durch Zazen gemacht und lebte in einer eigenen Welt.

Die eigentliche Frage muss also sein, warum willst du in die Berge und alleine praktizieren?! Okumura Roshi sagt immer: „You must always face the question!“ Ehrlich hinschauen, sich nicht selbst verarschen, das ist mir doch einige Male passiert;-)

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Ryokan ging in die Berge, weil er sich in den damaligen Klöstern und in deren Praxis nicht wiederfand. In seinen Gedichten kritisierte er die Praxis in den Klöstern, die auf weltliche Dinge ausgerichtet waren. Er fühlte, er würde dort das Dharma verraten, er war als bescheidene, ehrliche Person, nicht kompatibel mit dem Klosterleben seiner Zeit. Stattdessen führte er lieber ein Leben in absoluter Armut und war v.a. für die Kinder ein großer Bodhisattva.

Auch mir sind die mir bekannten Soto Zen Tempel in Europa ein Greuel. Auch ich bin mit dem Klosterleben nicht kompatibel. Vielleicht ist eine übertriebene Vorstellung vom richtigen Dharma der Grund von Ryokan gewesen und vielleicht auch bei mir. Okumura Roshi betont immer wieder es gibt keine gute und schlechte Zenpraxis! Er findet es aber auch wichtig, dass einige den Weg Dogens gehen, damit er nicht ausstirbt.

Im Soto-Zen, wenn Keizan das Zen nicht für Laien und breite Bevölkerungsschichten geöffnet hätte, Zeremonien und Rituale für das Volk, wäre das Soto-Zen wahrscheinlich schnell ausgestorben. Denn Dogens Zen ist sowas von elitär und ausschließend und nur für wenige gemacht, dass es mich oft inspiriert und ankotzt zugleich. Wie du weißt, führt das wie in Kotai-ji dazu, dass Zazen nicht im Vordergrund steht, sondern die Tempelgemeinde mit ihren Ritualen und Zeremonien. Immerhin supportet die Gemeinde den Tempel und die Mönche und Nonnen. Wer kann schon so praktizieren wie Dogen?

Erinnern wir uns auch an Buddhas Koan nach seiner Erweckung – „Keiner kann das, was ich erfuhr, verstehen, deswegen bringt es nichts, dass Dharma zu lehren!“ Doch die Götter überzeugten ihn aus Mitgefühl, es trotzdem zu tun. Und Buddha brachte das Dharma Rad ins Rollen. Es gibt ein tolles Buch von Katagiri Roshi– „You have to say something!“-was sich mit diesem Thema beschäftigt. Es kann keiner das Dharma verstehen, du selbst kannst es auch nicht in Worte fassen, aber du musst es trotzdem lehren, wenn du ein echter Bodhisattva sein willst.

Es gibt wenige wie dich, die so überzeugt sind, dass Zazen der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit in der Welt ist und alles dafür geben, auf Macht, Anerkennung und Geld zu verzichten.

Auf der anderen Seite kann man komisch werden, wenn man zu viel alleine ist – ich zum Beispiel;-). Der Kontakt und das Auseinandersetzen mit anderen sind ein wichtiges Korrektiv, dass die eigene Praxis nicht egoistisch oder seltsam wird. Es gibt Vorwürfe von anderen Zenmönchen, die ich gehört habe, die sagen, wenn man zuviel Shikantaza macht, wird der Geist dumpf. Man sagt, man sollte nicht zuviel in Ku bleiben, immer wieder zu shiki zurückkehren. Nach meiner Erfahrung geschieht das automatisch. Es gibt in der Welt von Shikantaza keine fixen Zustände, auch wenn wir uns das oft wünschen. Alles geht vorbei, die unangenehmen, wie die Angenehmen. Leute die das sagen, haben wahrscheinlich keine intensive und kontinuierliche Zazenpraxis.

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Okumura Roshi hatte in der Zeit, als er in einer Krise ein paar Jahre alleine praktizierte, das Studium von Dogen Texten in seine Praxis eingeführt. Es half ihm, auf Kurs zu bleiben. Weitere wichtige Pfeiler der Zen Praxis nach Dogen Zenji sind die Bodhisattva Gelübde, Okumura fördert die Formulierung eines eigenen Hotsuganmon (Gelübde) und die Reue, wenn ich Fehler mache. Außerdem, damit die Praxis nicht kalt und apersonal wird, legt er sehr Wert auf Sanshin, die drei Geistesarten, den freudigen Geist, den elterlichen Geist und den großen, unbegrenzten Geist oder Großeltern Geist. Der Unterschied zur Praxis in Antai-ji, der ja auch im weitesten Sinne zu unserer Linie gehört und wo ich 2009 war, liegt genau hierin. Auch dort sitzen sie viel, aber in Antai-ji war der Umgangston rau und rechthaberisch, viele junge, westliche Männer, die wussten wie es geht oder wie sie sich Zenpraxis vorstellen, dominierten mit ihrer Kraft die Stillen und Neuen und v.a. die Frauen. Sie schrien herum, legitimiert mit dem Recht, dass sie ein paar Tage länger dort waren als andere. Mitgefühl, Selbstreflexion, Reue und die drei Geiste fehlten. Nach drei Tagen war ich wieder weg, nach dem Tod meines Meisters und den Machtkämpfen suchte ich die Abgeschiedenheit und wahre Praxis in Antai-ji und kam vom Regen in die Traufe, alles schlimmer als in Europa und der Abt Muho war überfordert damit. Wir können froh sein, dass unsere Heimat Sanshin-ji ist und Okumura Roshi unser Lehrer. Er verkörpert das, was er lehrt, wie kein Zweiter, den ich kenne, und ich habe sehr lange nach einem neuen Lehrer gesucht.

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Wenn jemand nur in der Gruppe praktizieren kann, dann hat er nach Kodo Sawaki nicht wirklich eine erwachsene Praxis sondern praktiziert wegen der anderen. Er steckt im Gruppenwahn fest und kommt aus anderen Gründen zum Sesshin, wegen hübschen Frauen, Gesellschaft, gutes Essen, großer Lehrer … Kodo Sawaki sagt, aber auch viele Holzstücke geben ein größeres Feuer. An diesem letzten Satz habe ich ein bisschen Zweifel. Während eines Sesshins oder nach einem Sesshin stellt sich ein euphorisches Gefühl ein, von Gemeinschaft und dem Gefühl, etwas Großes und richtiges zu tun. Für mich gehört das zum Phänomen „Gruppenwahn“, wenn man mit dieser Energie zurück nach Hause kommt, kann man einiges nicht so Gutes in seiner Familie oder an seinem Arbeitsplatz anrichten. Das habe ich oft bei anderen und mir erlebt. Denn man handelt aus dem Gefühl der Überlegenheit heraus und nicht auf Augenhöhe. Ich denke nicht, dass viele Hölzer ein größeres Feuer geben, aber es ist gut, wenn viele Menschen während des Zazen zu Buddha werden. Denn es gilt „eine Minute Zazen, eine Minute Buddha!“. Deswegen ist es nur logisch, dass die Sesshins unserer Linie, die auf Kodo Sawaki zurückgeht, sich ausschließlich auf die Praxis von Shikantaza konzentriert. Wenn das angenehme soziale Ambiente die Menschen dazu bringt Zazen zu praktizieren, dann ist das gut. Viele Lehrer setzen darauf und tue alles dafür, um Menschen zu fischen. Reb Tenzin Anderson Roshi befragte ich offen dazu und er sagte offen, dass es sein Bodhisattvapflicht als Zenlehrer sei, die Menschen mit allen Mitteln zu fischen, um sie auf den Weg zu bringen und zu halten. Er tat alles dafür, dass die Menschen sich wohlfühlen auf den Sesshins, von ihm gesehen und wertgeschätzt wurden und war sehr erfolgreich damit. Und ich muss betonen, ich halte Anderson Roshi für einen der wichtigen Zenlehrer unserer Zeit. Andere Lehrer, hier nenne ich lieber keine Namen ….fischen ihre Schüler für Geld, Anerkennung und Macht. Es kommt zu Missbrauch, da gibt es viele Beispiele, auch unter dem Deckmantel des Zen….HashtagGURU…

Solche Ansätze sind ganz andere als Okumura Roshis. Er fischt null, er wundert sich sogar, dass einer ihn als Lehrer möchte. In unserer Sangha verzichten wir auf das Fischen von Menschen, wir setzen auf erwachsene Praxis. Wie es in den Büchern von Sawaki, Uchiyama und Okumura Roshi

mannigfaltig beschrieben ist, braucht es nur die intensive Praxis von Shikantaza. Wenn wir im Rohatsu im Zazen sitzen braucht es nichts anderes, denn die Zazenhaltung, die Stille, das Schweigen, die mangelnde Ablenkung tuen es von ganz allein oder anders ausgedrückt. Das Dharma übernimmt oder das Selbst selbstet das Selbst. Wir gehen durch alle physischen und psychischen Zustände, werden müde, haben Schmerzen, Unruhe, Langeweile. Alles nur Zustände unseres Geistes die sich manifestieren und wieder vergehen Wenn wir voller Vertrauen sitzen, geht alles vorbei. Nichts bleibt, auch die Erleuchtung nicht;-). Der Schmutz im Wasserglas setzt sich oder „Eko hensho“, wie es auf unseren Rakusus steht, die wir in Kotai-ji nähten und von Hokan Saito Roshi kalligrafiert wurden und überreicht bekamen.

„Wir zünden das Licht im Inneren an und beginnen von selbst zu leuchten.” Dabei ist es unerheblich, ob wir es bemerken oder nicht. Denn es ist immer beides und darüber hinaus, die gewöhnliche Welt, die wir sind und die Welt des Buddha, die wir sind. Praktizieren wir alleine oder ist der Rahmen so, dass wir maximal ungestört sitzen können, können wir das erfahren. In meinem Zendo hängt übrigens eine Kalligrafie von Taisen Deshimaru mit dem Titel“Der gewöhnliche Geist ist der Weg“

Die Sangha gehört zu den drei Schätzen und wir sollten die Sangha als einen Schatz sehen und zum großen Schatz machen, aber nicht zu jedem Preis. Doch auf der anderen Seite kann die Praxis zusammen, wie Milch und Honig zu werden, eine ganz wichtige Sache sein. Dogens Eihei Shinghi handelt wie du weisst ausschließlich davon. In Kotai-ji habe ich viel gelernt darüber und gestaunt ob dieser Kraft! Nach vier Monaten hatte ich wirklich oft das Gefühl „wir viele“ sind nur noch „wir eins“. Ich vermisse dieses Gefühl sehr.

Hier in Sanko-ji, ich hänge dir den Zeitplan des Rohatsu an, praktizieren wir im Sanshin-ji Stil. Okumura Roshi hat den Zeitplan von Uchiyama Roshi übernommen und der von Sawaki Roshi. Ich habe ihn mit Zustimmung von Okumura an die Bedingungen in Sanko-ji angepasst. Was ist anders? Da wir nur wenige sind, verzichten wir auf einen Tenzo. Wir kochen vor, drei verschiedene Gerichte. Morgens Reis und Gemüse, Mittags Porridge und abends Kürbissuppe.