Gelübde Gyoriki
Mein Karma
Aufgrund meines schlechten Karmas und das meiner Familie nehme ich auf ewig Zuflucht zu den drei Schätzen in allen drei Zeiten, denn ich möchte nicht herumgeschubst werden durch das Karma.
Mein Grossvater väterlicherseits erfand die Pille danach und mein Vater durfte nicht aufs Gymnasium, meine Mutter wollte nur weg aus der Armut, als einziger Sohn wurde ich inmitten der Wirtschaftswunderzeit der 60er Jahre in einer 1-Zimmerwohnun in Aachen 1965. Wir waren arm, denn mein Vater, der eigentlichen einen Gutshof erben sollte, musste nach dem Krieg 1951 eine Schlosser Lehre bei Krupp machen, weit weg von zuhause. Denn sein Vater, der Gutshofbesitzer entschied, dass der Älteste und Erbe ein sinnvolle Handwerk erlernen muss, während die jüngeren Brüder freie Wahl hatten.
Nach vorschriftsmässigem Lehrabschluss beschloss mein Vater den Weg des Techniker und Ingenieur berufsbegleitend zu gehen, anstatt in die Landwirtschaft einzutreten, denn erstens hatte er schlichtweg keine Lust den Weg des Bauerns, den seine Familie seit 1300 Jahren ging, weiter zu verfolgen und zum anderen hatte er wenig Lust, quasi als Knecht, seines grössenwahnsinnigen Vaters, der seine Frau und Kinder wie Angestellte behandelte, zu arbeiten. Vor allem ahnte er wahrscheinlich auch, dass die etwas zu merkwürdigen Ziele meines Grossvaters zum Scheitern verdammt waren. Denn im Sibirien Deutschlands, wie Heinrich Heine die Eifel nannte, auf den schlechtesten Böden Deutschlands im grossen Stil Kartoffeln für die Volksversorgung anzubauen, sie ahnen welche Gesinnung mein Grossvater während des Krieges nachhing, war nun wirklich nicht sehr geschickt. Das lag nicht nur daran, dass mein Grossvater, der gerne gehabt hat, dass man ihn als Sohn oder Tochter siezte, keine Ahnung vom Bauern hatte, sondern auch sehr stur, heute würde man sagen, beratungsresistent war. So kam der riesige Gutshof trotz grosser Kapitalreserven recht schnell in die Bredoullie und auch die riesigen Kapitalreserven, wir reden von Millionen DM, wurden, wie gesagt mein Grossvater war beratungsresistent, wurden in Start Ups gesteckt, die sich sehr schnell als Flops herausstellten. Zum Beispiel liess eine Firma mein Grossvater, überall im Rheinland, als Mehrheitsaktionär, in jeder Kneipe Automaten aufstellen, in denen es die Pille danach gab. Eine Pille, die dem alkoholkonsumierenden Menschen, versprach, dass er nach Einnahme jener, bei einem Alkoholtest durch die Polizei, keine Promille angezeigt würden.
Die Kapitalreserven waren weg, der Gutshof wurde verkauft, es blieb ein Einfamilienhaus und ein bisschen Land übrig und mein Vater hatte die richtige Nase mit seinem Ingenieurstraum gehabt. Aus dieser Zeit resultierte ein häufiges Spiel, was unsere Kleinstfamilie häufig bei Autoausflugsfahrten spielten. Was wäre, wenn…und wie würden wir dann leben. Gefühlt wöchentlich bekam ich die Geschichte des Verlusts der Millionen erzählt und dazu die Träume meiner Eltern vermittelt. Bald begann ich selber zu träumen, was ich denn mit dem Reichtum anfangen würde. Und meinen Mitschülern in der Grundschule erzählte ich die Phantasiegeschichte vom künftigen Gutshoferben, im Gymnasium die Geschichte vom tragischen Verlust vom Gutshof und Adelstitel.
Ganz anders die Geschichte der Familie mütterlicherseits, für meine Grosseltern mütterlicherseits war es die grosse Liebe. Gerührt erzählte meine Oma immer wieder, wie ihr Hännes (Johann) jedes Wochenende über 30km zu fuss und per Anhalter in die Südeifel lief, um sie zu freien. Und wie sie diese Liebe erwiderte und diesem armen Schreiner und Schnitzer in die Nordeifel zu folgen. Dies alles in Zeiten der grossen Wirtschaftskrise und des Nationalsozialismusses. Während meine Oma auch später noch von Hitler schwärmte, denn der sei einmal zur Besichtigung des Westwalls durch das ärmliche Dorf gefahren und….bei allen, was der angerichtet hatte, der hatte was… so eine Ausstrahlung, der war etwas Besonderes! War mein Opa, der ein einfacher, lieber Mann war, den alle im Dorf, sehr mochten und schätzen, nicht so gut auf ihn zu sprechen, doch das behielt er lieber für sich, wie so vieles.
Denn er durfte in den Zeiten des von Hitler angesetzten Arbeitsdiensten immer wieder bei jedem Wetter in der Schneifel (Schneeeifel) den Westwall von Hand mitbauen, wie soviele junge Männer, die nicht genug Arbeit hatten. Wer das Wetter da oben an der belgischen Grenze kennt, weiss wie wenig anmächlich dieser Frondienst da oben war. Später wurde er dann noch 1941, als Vater von zwei kleinen Töchtern ( 3 und 2 Jahre alt) an die Ostfront geschickt, um Russland zu erobern. Ein Jahr und später war er zurück in Deutschland, 27 Kilo schwer, und wieder 6 Monate später, als Kriegsversehrter zurück bei seiner Familie, der nun nicht mehr seinen Beruf als Schreiner und Schnitzer nachgehen konnte, weil er voller Narben und Granatsplitter war. Jede Nacht, so berichtete meine Oma schrie er bis zu seinem Tod nachts im Traum und wachte schweissgebadet auf. Niemand hatte er erzählt, was damals passierte oder hatte nie jemand gefragt. So war das in dieser Zeit, denn es ging ums überleben der kleinen Familie. Erst kurz vor seinem Tod schenkte er mir seine Taschenuhr mit gesprungenen Glas, die er vom Russlandfeldzug als einziges Wertstück mit zurück gebracht hatte und erzählte mir ihre Geschichte.
Er sei an vorderster Front in Russland gewesen, jeden Tag wären sie zur Eile angetrieben worden, um mindestens 40km am Tag zu schaffen. Als kleiner wendiger Infrantrist sei er wiederholt mit seinem Kumpel zu Spähaufträgen ausgesandt worden. Schon hinter Moskau seien sie gewesen.
Einmal nachts seien sie wohl entdeckt worden, konnten sich aber noch in einen Stall flüchten. Die russischen Soldaten hätten einfach eine Granate reingeschmissen und wären Gott sei dank nicht nachschauen gegangen. Sein Kamerad hätte das Bein gefehlt und er auch schwer verletzt. Nachdem die Soldaten Weg waren, habe er seinen Kameraden zurück hinter die Front geschleift. Dann begann der eigentliche Alptraum der beiden, über Wochen und Monate ging es zurück nach Leipzig, durch Kälte im Delirium auf Karren und Lastwagen. Er hat es geschafft mit 27 Kilo und sein Kumpel auch, der ihm auf ewig dankbar war. Und die Uhr, die er krampfhaft in der Hand gehalten hatte und mir nun übergab. Denn ständig hatten Sanitäter und andere versucht die Wertgegenstände der Verwundeten zu klauen. Die hatten sie nicht bekommen! Er war nicht wütend auf die russischen Soldaten, denn die taten nur ihren Job, so wie er, aber das die eigenen „Kameraden“ sich an den Toten und Verletzten bedienten, dass trug er ihnen nach, das hat sein Menschenbild erschüttert.
Warum erzähle ich diese Familiengeschichte?
Ich gelobe mit allen Wesen zu praktizieren und zu leben. Zazen ist das Alpha und das Omega. Es ist der Mittelpunkt des Kosmos, jenseits von Raum und Zeit.
Wenn ich ganz einfach unbewegt und friedlich als das wahre Selbst sitzen ist das die fundamentale Weltverbesserung und damit der beste aller Beiträge zur Entwicklung der Gesellschaft. So verändern wir unbemerkt von allen anderen die Gesellschaft. Täglich Zazen praktizieren und es anderen ermöglichen ist deswegen mein wichtigstes Gelübde, welches ich 1995 durch meine Jukai Ordination manifestierte. Täglich, jeden Morgen sitzen. Nach jahrerlanger Mithilfe und Praxis in anderen Dojos (Köln, Aachen) begründete ich 1998 auf Wunsch meines Ordinationslehrer Missen Meiho Boway 1998 das Basler Zen Dojo mit anderen Praktizierenden einen Ort der bis zu acht Mal die Woche Zazen für Jedermann anbot. Das Dojo wuchs und gedeihte und richtete zweimal pro Jahr Sesshins aus. Zum einen, infolge der gesellschaftlichen Veränderungen (unflexiblere Arbeitszeiten, Leistungsdruck, Verschulung der Universitäten, breiteres Angebot zum selbstfitting, etc.), zum anderen weil ich auf meiner Suche wurde das Dojo Basel nach 20 Jahren einvernehmlich geschlossen. Um die intensive und reine Praxis meines Lehrers Shohaku Okumura und unserer Dharmavorfahren (Kosho Uchiyama, Kodo Sawaki) zu praktizieren und weiter zugeben, braucht es einen dementsprechenden Ort in Deutschland, das ist Sanko-ji. Dieser Ort und seine Praxis soll den Eidotter des Dharma umhüllen und beschützen. Ich möchte einen Platz in einer Umgebung aufbauen, an dem eine Praxis möglich ist, wie sie uns von den “alten Buddhas” und von meinem Lehrers Okumura Roshiund dessen Lehrer Uchiyama Roshi und dessen Lehrer Sawaki Roshi überliefert wurde. Man nennt diese Praxis auch „Zen for nothing“, Just sitting oder Antaiji-ji/ Sanshinji Stil. Ich gelobe einige Menschen des Weges hervorzubringen, die sich einer starken Zazen-Praxis verpflichtet fühlen und damit eine Kettenreaktion für die grosse Sache auslösen können.Das Moderne Leben ist künstlich konstruiert und trennt die Gesellschaft immer mehr von ihren Wurzeln ab. Durch das Streben nach absoluter Kontrolle über die Natur und Bequemlichkeit, sowie dem Streben nach Erfüllung aller Wünsche koppelt sich der Mensch ab von seiner eigentlichen Bestimmung. Die moderne Lebensweise entfernt sich immer weiter von der Wirklichkeit der Natur mit der wir leben. Vielfältige Zivilisationskrankheiten, Sucht, Einsamkeit, Ängste und Depression sowie Ohnmacht sind die Folge. Wenn dieses “künstliche Lebenskonstrukt” einmal zusammenbricht, beispielsweise durch Klimawandel, gravierende wirtschaftliche Probleme, Black out, etc., werden die Menschen sehr leiden, weil sie nicht mehr wissen wie “Leben” geht. Der moderne Mensch, v.a. die Jungen, sollten deshalb wieder Lernen im direkten Kontakt mit der Natur zu leben und durch die tägliche Zenpraxis einzugehen in den Rhythmus der Natur. Tiefe Zufriedenheit, Freiheit und Sinnhaftigkeit des Tuns und Inspiration werden dann eine neue Generation prägen. Deshalb möchte ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln einen Platz erschaffen, der die Buddha-Praxis zum Wohle und in Harmonie mit allen Wesen und der Natur möglich macht.Gyoriki 2013
Um alle Dharmatore zu durchschreiten ist das Studium der Texte der Vorfahren nötig. Ich muss nicht nur aus der Praxis heraus Handeln sondern auch Reden. Jeder Praktizierende hat/muss etwas (zu) sagen. Buddha zog sich für Wochen vor seiner ersten Lehrrede zurück, um das Unaussprechliche zur Sprache zu bringen. Auch ich kann mich nicht davor drücken.
In einer digitalen,entdinglichten Welt einen Ort schaffen, der uns wieder in die Realität der Dinge und der Natur bringt. Ich bin mit allen Wesen verbunden und diese Wesen können nicht ohne mich und ich nicht ohne sie leben. Wenn ich in der Natur praktiziere und arbeite mit diesem Körper und Geist bin ich wieder mehr verbunden.
Automatisch möchte ich dann nicht mehr mitmachen bei der Ausbeutung meiner eigenen Umwelt, und sogar einen Ort schaffen der meiner Umwelt und alle Wesen etwas zurückgibt und fördert. Auch hier muss ich die Texte unserer Vorfahren, der Permakultur studieren und möglichst umfassendes Wissen erwerben. Dazu muss ich die Welt wach beobachten, um zu erfahren.
Ich muss aufhören die Dinge nur durch meine, eigene Sichtweise aus zu betrachten, sondern aus möglichst vielen Perspektiven. So wird mein Leben durch Dankbarkeit und Weisheit durchdrungen. Naikan ist die richtige Methode dazu, wenn unserer Karma, unsere Kindheit negativ prägt und ich durch das Karma herumgeschubst werde. Ich möchte Täter sein, nicht Opfer. Mache ich einen Fehler, so bereue ich ihn.
Ich bin, wie alle Menschen, geschaffen um zu laufen. Der Mensch richtete sich auf, um den ganzen Tag laufend zu Sammeln und zu Jagen. Das ist unsere körperliche Bestimmung. Seit dem Zeitalter der Spezifizierung, Arbeitsteilung und Ökonomisierung beuten wir unseren Körper immer einseitiger aus oder entkörperlichen uns. Beides tut uns nicht gut, der Körpergeist ist unsere Grundlage. Buddha war in ständiger Bewegung und lief jeden Tag soweit er konnte, um das Dharma zu verbreiten. Seit altersher pilgern die Menschen. Blockaden, Depressionen, Koans lösen sich durch das laufen, weil wir wieder eins werden und nicht dies nicht nur körper-geist bezogen sondern auch Umwelt-Ego bezogen. Deswegen soll das Laufen wieder täglich Platz haben in meinem Leben. Künstler, Philosophen der Vergangenheit alle liefen sie ebenfalls täglich.