Dogen Zenjis Gelübde

Dogen Zenjis Gelübde

Eihei Hotsuganmon

Ich gelobe mit allen Wesen, von diesem Leben an und durch unzählige Leben hindurch, das Wahre Dharma zu hören; und wenn wir es hören, soll in uns kein Zweifel aufkommen, noch soll es uns an Glauben mangeln; und wenn wir ihm begegnen, sollen wir weltlichen Angelegenheiten entsagen und das Buddha-Dharma bewahren; und indem wir dies tun, sollen die große Erde und alle Lebewesen gemeinsam den Buddha-Weg erreichen.

Obwohl sich unser vergangenes böses Karma angesammelt hat und tatsächlich die Ursache und Bedingung für Hindernisse bei der Ausübung des Weges ist, mögen alle Buddhas und Vorfahren, die den Buddha-Weg erreicht haben, mit uns mitfühlend sein und uns von karmischen Auswirkungen befreien, sodass wir den Weg ohne Hindernisse praktizieren können.

Mögen sie ihr Mitgefühl mit uns teilen, das das grenzenlose Universum mit der Tugend ihrer Erleuchtung und Lehren erfüllt. Buddhas und Vorfahren von einst waren wie wir; wir werden in Zukunft Buddhas und Vorfahren sein. Wenn wir Buddhas und Vorfahren verehren, sind wir ein Buddha und ein Vorfahre; wenn wir den Bodhi-Geist erwecken, sind wir ein Bodhi-Geist. Wenn wir ihr Mitgefühl frei und unbegrenzt auf uns ausdehnen, können wir Buddhaschaft erlangen und die Errungenschaft loslassen. Deshalb sagte der Chan-Meister Lung-ya:

Diejenigen, die in früheren Leben nicht erleuchtet waren, werden jetzt erleuchtet.

Rette in diesem Leben den Körper, der die Frucht vieler Leben ist. Bevor Buddhas erleuchtet wurden, waren sie genauso wie wir. Erleuchtete Menschen von heute sind genau wie die von früher.

Erforsche in aller Stille die entferntesten Bereiche dieser Ursachen und Bedingungen, denn dies ist die genaue Übermittlung eines verifizierten Buddha. Wenn man auf diese Weise Buße tut, erhält man immer tiefe Hilfe von allen Buddhas und Vorfahren. Wenn man seinen Mangel an Glauben und Praxis vor dem Buddha offenbart und offenlegt, schmilzt die Kraft dieser Offenbarung die Wurzel der Übertretungen weg. Dies ist die reine und einfache Farbe der wahren Praxis, des wahren Glaubensgeistes, des wahren Glaubenskörpers.


Eine Weide ist grün, eine Rose ist rot

von Kosho Uchiyama von mir ins Deutsche übesetzt

Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet, wie eine von ihnen”MT 6, 28-29

Uchiyama schreibt: Hier erscheint einfach die Pracht des Lebens. Auf dieselbe Weise blüht das Veilchen als Veilchen, und die Rose drückt ihr Leben als Rose aus. Die Blumen, die auf dem Feld blühen, sind nicht der Meinung, dass sie in einem Schönheitswettbewerb den ersten Preis gewinnen sollten; sie fühlen sich auch nicht in Konkurrenz mit den anderen Blumen. Das Veilchen entwickelt keinen Minderwertigkeitskomplex und denkt:«Die Rosen sind groß und prächtig, aber ein kleines Veilchen wie ich ist nutzlos.”

Es sagt nicht gierig und ungeduldig: «Ich muss effektiver werden.”Es manifestiert einfach seine Lebenskraft mit all seinem Vermögen.

Wenn natürlich eine Veilchen Pflanze kein kleines Veilchen hervorbringen kann, dann kann sie keine Samen bilden und sich fortpflanzen. Aber wenn sie blüht, dann tut sie das nicht zu persönlichen Zwecken. Ihr Leben besteht darin, Blüten hervorzubringen. Eine Passage im Lotos Sutra lautet: “Alle Dinge sind in sich selbst wahr.»

Im Zen gibt es einen Ausdruck: ” Eine Weide ist grün, eine Blume ist rot.”

Kurz gesagt steht der Buddhismus als religiöse Lehre dafür, die Welt des Lebens zu manifestieren, in der ein Veilchen als Veilchen blüht und eine Rose als Rose.

Im Amitayus Sutra wird das Paradies folgendermaßen beschrieben:”Blaue Dinge sind blau, rote Dinge sind rot.” Dieser Punkt verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit. Ohne intensiv darüber nachzudenken,stellen wir uns möglicherweise vor, wie wundervoll es wäre, wenn blaue Dinge rot werden könnten oder arme Leute glücklich wären, wenn sie nur reich wären.

Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass es für arme Leute schlecht wäre, reich zu werden. Aber das Glück kommt nicht unbedingt mit Reichtum oder Unglück mit Armut. Wenn sich bei dir im Kopf festsetzt, dass die mit materiellen Gütern Ausgestatteten glücklich und arme Menschen unglücklich seien, dann wirst du garantiert unglücklich sein, wenn du arm bist. Sich an solch eine Perspektive zu halten, ist falsch. Für Menschen, die so denken, wird die Zeit kommen, in der das Geld nutzlos ist, ganz gleich, wieviel sie davon haben. Bei ihrem Tod fallen diese Menschen ins tiefste Elend. Wir können auf gar keinen Fall eine Linie ziehen und sagen, die Menschen oberhalb dieser Linie seien reich und darunter jeder Arm. Reich und Arm sind lediglich relative Vergleiche, und wenn wir den Vergleich sein lassen, können wir uns immer in unserem universellen Selbst einrichten.

Auch wenn mich manche Menschen arm nennen und andere reich, vergleichen sie mich bloß mit jemandem anders und versuchen, mir ein Etikett anzuhängen. Das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die ich bin. Die Bedeutung des Satzes, dass blaue Dinge blau sind und rote Dinge rot, bedeutet, dass ich zu der Wirklichkeit meines Lebens, als ich selbst zurückkehre und einfach nur dieses Leben manifestiere. Das ist das Paradies.

Mit anderen Worten; Wenn ich mich nicht von meinen persönlichen Gefühlen und Ideen herumschleudern lasse und zum Leben meines wahren Selbst zurückkehre – ohne Neid oder Arroganz, ohne Selbstverachtung oder Konkurrenz gegenüber den anderen, aber auch nicht in die Fallen von Trägheit, Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit tappe und einfach nur das Leben meines Selbst mit all meiner Kraft manifestiere – dann erwachsen daraus die Herrlichkeit des Lebens und der Schein von Buddhas Licht. Das religiöse Licht erstrahlt, wenn wir unser ureigenes Leben manifestieren.

Im Buddhismus ist die Welt, die sich durch das Niederlassen des Selbst im wahren Selbst entfaltet, keine Welt, in der die Starken die Schwachen verschlingen oder wo die Menschen ums bloße Überleben kämpfen. Es ist auch nicht eine Welt des Eskapismus oder der Absonderung, in der man vergessen hat, die Blume seines Lebens hervorzubringen. Diese Welt öffnet einzig den gegenwärtigen Augenblick. Der buddhistische Samādhi, also Zazen, ist die Grundlage für die Manifestation dieses Lebens.

Im Buddhismus werden oft Bilder von Pflanzenmanifestationen benutzt, hier ein Beispiel von Dogen, der etwas sehr Grundlegendes für das Zen in einem Gedicht ausdrückt.


Alleine Sitzen 2

K:Wenn ich Sie lese, habe ich das Gefühl, dass ich meine Vorfahren lese, was mich in meiner Anfängerpraxis inspiriert. Sie wissen, dass ich vor zwei Tagen erst drei Jahre Ordination abgeschlossen habe. Es ist mehr Zeit für mich geworden.

Ich glaube, ich stimme mit allem überein, was Sie schreiben. Ich stelle mir auch vor, dass eine Praxis mit wenigen Leuten die beste ist, und hier waren wir immer wenige, aber es gibt ein Ideal des Wachstums, das mir seltsam erscheint, und manchmal werden diese Bestrebungen mit Geschäftsidealen, Produktion und Unternehmen verwechselt, was mir etwas Übelkeit verursacht. Wie Sie sagen, ist das Armutsgelübde relevant. Wenn ich zu Shikantazas Einfachheit zurückkehre, bricht jeder Eifer für Produktion und Geschäft zusammen. Ich habe keine großen Erwartungen an ein Leben im Wald, wie Thoreau, ich würde diese Praxis gerne allein verstehen, ohne irgendjemandem etwas zu beweisen, ohne den Geist, zu überzeugen oder Lob zu erregen. Es ist das Richtige, es ist der Weg der Vorfahren, auch des Buddha. Ich war immer ein Einsiedler in der Stadt und habe daher keine Fähigkeiten, die ich in ein Leben auf dem Land einbringen könnte. Ich weiß nicht, wie man erntet, ich weiß nicht, wie man sät, ich weiß nichts über Bäume oder Pflanzen, ich weiß nicht, wie man das Land bearbeitet, das habe ich nie gewusst. Vielleicht ist es an der Zeit, damit anzufangen und es zu lernen. Ich kann nur mit Fäden und Nadeln umgehen, mit den Tasten eines Computers und mit einem Stift auf Papier. Aber flinke Hände müssen für irgendetwas gut sein.

G: Das Bearbeiten eines Stück Lands und das Säen, Pflegen und Ernten ist kein Hexenwerk. Schau einfach bei deinen Nachbarn zu oder befrage sie. Sie wissen wie es geht. Ich selber habe ja eine Permakultur, vielleicht kannst du ein Buch über Permakultur lesen.

Übrigens ist das Bearbeiten eines Stück Landes, das Säen, Pflegen und Ernten eine Analogie für das Wirken eines Zenlehrers. Mein Hossenshiki Lehrer Shoken Winecoff verwendet oft dieses Bild und kommt so mit Farmern und einfachen Leuten ins Gespräch. Wir bearbeiten das weite Feld des Denkens, wir bearbeiten den Boden unseres Umfeldes mit unserer Praxis und säen die Praxis von Zazen. Die zarten Pflänzchen pflegen und hegen wir als Lehrer und vielleicht gibt es sogar eine Ernte:-)

K: Von dort aus würde ich gerne weiterschreiben. Hier in Bogota habe ich die Gewohnheit verloren. Schreiben Sie noch?

G: Ich schreibe gerade sogar sehr viel, es sind jedoch eher Ratgebergeschichten aus meiner Lebenserfahrung, als tiefe Zenphilosophie, für die tiefe Auseinandersetzung mit den alten Meistern fehlt mir die Motivation und Sinn. Ich möchte den Menschen konkret im Alltag helfen, Die Meister sind of sehr elitär. Das scheint nicht mein Weg zu sein, aber gerade hält Okumura Roshi wieder einmal den 10 Tage virtual intensive study Kurs, da bin ich dabei und erfreue mich an seinem Wissen, das reicht mir. So langsam verstehe ich die Grundprinzipien Dogens. Ich bin sehr froh macht Okumura das und ich schätze ihn ungemein dafür, aber es ist definitv nicht mein Weg. Er ist Bücherwurm, sagt er selber, und ich nicht, mein Weg ist Bewegung, Tun, Begegnung und Natur. Die Lehrer, den Begriff Meister mag ich nicht, sind, so erklärte gerade gestern Todo-san (Okumura) haben das Dharma in sich aber auch das Karma. Aufgabe des Schülers ist dies zu erkennen und zu trennen. Das ist aber gerade zu fast unmöglich, ein Koan. Da wir das Dharma, gerade als Schüler oder Anfänger, nie wirklich erkennen können, müssen wir zunächst davon ausgehen, dass der Lehrer recht hat mit seinem Tuen. Viele Jahre braucht es, um zu erkennen ob jemand wirklich eine Dharma Lehrer ist oder nicht.Trotz seinem Karma ist jeder Dharma Lehrer, der die Übertragung von Okumura bekam, ein wahrer Dharma Lehrer. Wir sollten sein Handeln nicht kommentieren oder verurteilen, sondern zweifeln an dem was er sagt und Fragen darüber stellen. Ein guter Lehrer sei einer, der auch zweifelt und Fragen stellt. Nach einer angemessenen Zeit ist es sowieso üblich unter anderen Lehrern zu praktizieren und sie zu befragen. Ein guter Lehrer schickt seinen Schüler auch zu anderen, so sandte mich Todo-san zu Shoken. Im schlimmsten Fall sucht man sein Leben lang. Ich hatte Glück und fand Okumura, daneben fand ich auf meiner Wanderschaft viele sehr gute Lehrer wie Hokan Saito und Godo Roshivon Kotai-ji, Shoken Winekoff in Ryumonji, Shodo Harada und Tenshin Anderson. Wirklich Schüler sein, könnte ich neben Okumura, aber nur von Shoken und Harada. Das Problem von Harada ist aber, das er Rinzai Lehrer ist und ich müsste ganz neu beginnen.

Da viele Lehrer ein schwieriges Karma haben, galt für Uchiyama zuletzt das Prinzip, er pflegte Kodo Sawaki bis zu seinem Tod: „Lass einzig Zazen dein Wahrer Lehrer sein.“

Du kannst Menschen grundsätzlich nicht ändern, noch nicht mal deine eigenen Kinder oder Freunde, das ist meiner Meinung nach ein menschliches Grundprinzip, deinen Lehrer erst recht nicht.

Mein Ordinationslehrer wurde im Alter, durch Erfolg, durch Intrigen, aber auch durch seine schwere Krankheit immer schwieriger. Ein Jahr vor seinem Tod trennte ich mich von ihm, es war im Nachhinein ein Fehler, denn er war zu krank und unter starkem Morphium. Ich bereue dies sehr und schäme mich wegen meines Egoismus, es war der falsche Zeitpunkt, zu spät, obwohl der Schritt im Grunde richtig war. Ich praktizierte 13 Jahre mit ihm zusammen. Doch ohne diesen Schritt wäre ich nicht hier, wo ich stehe, hätte dich und Okumura nicht kennen gelernt.

K: Ich erinnere mich sehr gut an die Tagebücher, die ich in Kotaiji geschrieben habe. Ich habe noch diese 49 Texte der Tage, die wir vor dem Verlassen der Klausur gezählt haben. Ich habe sie zwar nicht beendet, ich habe mich dem Nähen der Kutte meines Meisters gewidmet und damit waren alle meine Gedanken an das Leben in einem Ausbildungskloster dahin, das ich so schnell wie möglich beenden wollte. Tatsächlich hat einer der Gründe für meinen Wegzug mit meinem Meister zu tun. Wissen Sie, es ist ruhig, aber ich fühle mich im Widerspruch zu ihm. Es ist nicht so, dass ich ihn als Lehrer nicht bewundere, aber ich denke, meine Praxis ist etwas anderes. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht wie er sein könnte und auch nicht wie er sein möchte. Vielleicht hilft mir eine Zeit fern von meinem Meister, mich selbst als Mönch in meiner eigenen Praxis zu finden. Vielleicht haben Sie das schon erlebt, sicher begann sich die innere Arbeit zu entwickeln, als Sie ohne Ihren ursprünglichen Meister waren. Ich weiß, dass ich meinen Lehrer nicht ändern kann, na ja, vielleicht kann ich das, aber ich habe mich irgendwie damit abgefunden und möchte weder wieder von vorne anfangen, noch Konflikte schaffen.

Ich akzeptiere einfach unsere Abstammung, die wunderbar ist, wissen Sie. Vielleicht fange ich irgendwann an, die farbige Robe zu nähen. Ich möchte nähen, aber ich möchte nicht weitermachen. Das ist jetzt eine weitere meiner Fragen: Was bedeutet es, das Dharma von Ihrem Lehrer zu erhalten, und welche Konsequenzen hat das?

G: Diese Frage ist eine sehr wichtige Frage. Todo-san sagt mir, dass ich, wenn ich sein Schüler werde, würde ich auch Dharma Transmission bekommen wie alle seine Schüler. In anderen Linien ist es anders. Du weisst in Japan heisst das oft alles gar nicht, da die Personen wie Kosho san, schon mit 12 Jahren ordiniert wurden.

Hier ist das, was mir Todo-san einmal zu einer ähnlichen Frage von mir antwortete (bitte gebe den Text nicht weiter):

.Another thing might be, to make sure if the person has a clear understanding about the meaning of receiving shukketokudo in Japanese Sotoshu.
Sometimes it is called "priest ordination" in English, that sounds like the authorization as a priest.
But in the system of Japanese Sotoshu, even a kid older than 10 years old can receive shukketokudo.
By receiving shukketokudo, the person becomes a novice.
After that, the person needs to study Buddhism at Komazawa or another University and practice at a monastery for a certain period of time.
After completing the study and practice process, the person might receive dharma transmission and receive kyoshi (teacher) qualification from Sotoshu Shumucho.
Even Receiving dharma transmission and Kyoshi qualification does not mean to be authorized as a Zen teacher.
It is simply to be qualified to become a temple priest, one of more than 15000 Sotoshu priests.
I think you have found that most Sotoshu priests in Japan are not even zazen practitioners.
I received dharma transmission and kyoshi qualification when I was 26 years old, because it was necessary to come to the USA as a missionary.
But no one, including myself, thought that I was ready to teach Zen.
I had to practice 30 more years until I and other people thought I could be a teacher.
In meinem Fall, obwohl ich schon seit meiner Mönchsordination 1997 Zazen unterrichte, ist das anders. In vielen Dingen, was die Praxis von Zazen betrifft und viele Formen, sehe ich mich selbst und andere sehen mich auch mittlerweise als Lehrer: In anderen Dingen fühle ich mich wie ein Baby und ganz und gar nicht wie ein Zenlehrer. Ich bin so froh, darf ich Todo-san befragen. Ich denke Zenlehrer werden ist die Gelübde zu erfüllen und ernsthaft die Verantwortung zu übernehmen. Letzthin heisst es aber wie Uchiyama sagt: Erst einmal 30 Jahre still vor die Wand sitzen.

Gerne bleibe ich mit dir in Kontakt, denn es hilft mir auch meine Praxisprinzipien zu hinterfragen und auf den Punkt zu bringen.Vielen Dank!

Zum Schluss noch ein Buchtipp. Viktor Frankl, yes to life inspite of everything.

K: Wie auch immer, bitte bleiben Sie mit mir in Kontakt. Eines Tages würde ich Sie gerne in Ihrem Tempel besuchen und von Ihnen lernen.

 

Ein Sesshin leben

Ein Sesshin leben

Ein Text auf der Basis von Texten Kosho Uchiyamas

Als erstes ist ein Sesshin, besonders im Sanshin-ji Stil, ein Rahmen, in dem aus unseren während des Sitzens gemachten Erfahrungen Wahrheiten erkennen. Sie treten ganz deutlich in unser Leben und das nicht als Theorie. Das ist doch schon mal was in unserer virtuellen Welt.

Zum Beispiel wird die Zeit ungeheuer lang. Man sagt: “Die Tage in einem Sesshin sind so lang, wie sie uns in unserer Kindheit erschienen.”

In meinem täglichen Leben, v.a. wenn schlechtes Wetter, wie es jetzt ist, passiert es manchmal, dass ich mich im world wide web verliere. Ich studiere gerne die verschiedenen Wetterberichte, ich lese die aktuellen Schlagzeilen der Tageszeitungen, ich recherchiere ….Ehe man sich versieht, sind ein oder zwei Stunden vergangen. Da alles ständig abrufbar und nachlesbar ist, vergesse ich alles sofort wieder, das heißt ich ertappe mich dabei, wie ich sehr oft den Wetterbericht aufrufe, um wieder und wieder zu schauen, wie es wird – eine ziemlich lächerliche Sache …, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Also, wenn wir den ganzen Tag Zazen praktizieren, vergeht die Zeit oft gar nicht. Unsere Beine tun weh, wir langweilen uns schrecklich oder werden sehr unruhig und nervös. “Das einzige, was wir zu tun haben, ist, die Zeit als Wirklichkeit unseres Lebens durchzustehen” – ” Moment für Moment”, sagt Kocho Uchiyama.

Während eines Sesshins werden all unsere Handlungen durch eine Glocke geregelt. Zwei Schläge der Glocke und wir stehen alle auf und beginnen zu gehen. Während des Kinhins steigen Gedanken auf, wie satt wir das Sitzen in Zazen bereits haben und dann erkennen wir entmutigt, dass es immer noch der Morgen des zweiten Tages ist und noch nicht einmal die Hälfte des Sesshins vorbei ist. Ich bin mir sicher, dass jeder, der bereits an Sesshins teilgenommen hat, schon einmal diesen Gedanken hatte. Wie um alles in der Welt kommen wir durch die verbleibende Zeit? Was mach ich hier, ich könnte doch…? Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, müssen wir über die Zeit hinaus gelangen oder wie mein verstorbener Lehrer Bovay sagte – “Sterben.” Wenn wir dieses Ding genannt Zeit nicht vergessen, wird es uns unmöglich sein, all die übrigen Stunden des Sesshins weiterzumachen.

Die Zeit ist eine menschliche Erfindung. Eine Minute und eine Stunde sind menschliche Standards, die eingerichtet wurden, um die fließende Schnelligkeit, die wir Zeit nennen, zu messen. Dass nur 5 Minuten vergangen sind oder dass es sich anfühlt, als seien fünf Minuten vergangen, ist darauf zurückzuführen, dass wir ein relatives Phänomen namens Zeit festgelegt und in unsere Standard-Wertvorstellungen eingebaut haben. wie z.B: “ Zeit ist Geld”, sie sollte gefälligst sinnvoll und effektiv genutzt werden. Denn Effektivität und Ökonomisierung sind wichtige Prinzipien der heutigen

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Gesellschaft. Aber wenn wir diesen Vergleichsstandard loslassen, gibt es keine Zeit als solch eine festgelegte Einheit.

Wenn wir über die Zeit hinaus gelangen und die Zeit vergessen, dann begegnen wir tatsächlich der frischen Wirklichkeit von “Hier und jetzt” in unserem Leben. Zeit existiert für uns, weil wir jeden Moment mit dem Nächsten vergleichen und in unserem Wahrnehmungs- und Aktivitätstrubel haben wir das Gefühl, dass die Zeit schnell vergeht. Wenn wir nicht mehr vergleichen und einfach nur noch das Selbst sind, das nichts als das selbst ist, können wir diese Geschwindigkeit, dieses Abgleichen überwinden, dass wir Zeit nennen. Wir machen weiter mit dem Sesshin und erinnern uns nicht mehr an die Zeit. Wir hören einfach nur drei Gongschläge und beginnen mit dem Zazen, bei zwei Gongschlägen mit den Kinhin. Wieder drei Gongschläge lassen uns wieder sitzen und nach weiteren zwei Schlägen geht es wieder zum Kinhin. Wir machen das Sesshin immer so weiter wie es ist und folgen den Signalen der Glocke.

Dass ein Sesshin so wie es ist voranschreitet, ist eine Übersetzung des Ausdrucks kaku no gotoku. Damit ist gemeint, dass das Sesshin unabhängig von unserer Zeitvorstellung weiterläuft.

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Niemand denkt mehr darüber nach, ob die Zeit lang oder kurz ist. Schließlich sind die fünf Tage vorbei und das Sesshin ist zu Ende, ohne dass wir darüber nachgedacht haben. Erst dann wird uns bewusst, dass wir beim Zazen vollkommen die Zeit vergessen haben. Genauer formuliert: Das Fünf Tage Sesshin ist von sich selbst aus vergangen, während wir uns dem Zazen gewidmet haben. Es sind nicht wir, die das tun, es tut einfach. Aber wie immer wir es auch ausdrücken, nichts ist wirklich passend. wir müssen ein Sesshin einfach persönlich erleben

Diese Art Erfahrung zeigt uns, was Zeit eigentlich ist und was vor der Zeit ist. Normalerweise halten wir es für gegeben, dass wir alle in der gleichen Zeit leben, aber während eines Sesshins können wir die Erfahrung machen, dass dem nicht so ist. Eigentlich ist es das Leben des Selbst, das die Zeit hervorbringt. Beim Zazen kreuzen wir die Beine, sitzen, ohne uns zu bewegen, und halten vollkommen still.

Wenn wir dies mit unserer alltäglichen, üblichen Lebensweise vergleichen, inder wir uns bewegen, wie immer wir möchten, finden wir das schmerzhaft. Wenn wir aber beim Zazen anfangen, darüber nachzudenken, wie schmerzhaft es ist und wie wir durchhalten und die Schmerzen ertragen, werden wir nie die fünf Tage ruhig sitzen können. Wir können dann vielleicht zwei Stunden Zazen praktizieren oder sogar vier oder fünf, wenn wir es nur mit unserer Fähigkeit tun durchzuhalten, die Schmerzen zu ertragen. Aber nur mit Durchhalten können wir nie ein fünf Tage Sesshin sitzen. nur Kraft und unsere egoistischen Ideen, über unsere Fähigkeit Schmerzen zu ertragen. können wir auch nie jeden Monat ein solches Sesshin absolvieren oder ein gar ein Zazen zentriertes Leben praktizieren. Und selbst wenn wir das können, wäre es total sinnlos. Wir würden nur unsere eigene Fähigkeit uns zu disziplinieren durchzuhalten mit der der anderen vergleichen und unsere Zazen würden lediglich zu einer Fortsetzung unserer Neigung, mit anderen in Wettbewerb zu treten. Die wichtigste Sache während eines Sesshins besteht darin, alle Gedanken darüber hinter uns zu lassen, wie schmerzhaft es ist oder wie wir mitten im Schmerz durchhalten und uns nur in Zazen versenken, so wie es ist. Nur dadurch, dass wir still sitzen und alles der Haltung überlassen, wird die Zeit von selbst vergehen. Nur wenn wir unsere Vorstellungen von Schmerz und Ausdauer hinter uns lassen, können wir ein Sesshin ohne Angst sitzen. Durch Sesshins erleben wir tatsächlich, was es bedeutet, dass der Boden so aus unseren Vorstellungen von Ausharren und Leiden herausfällt. Und das hat einen enormen Einfluss auf unser Alltagsleben. In unseren alltäglichen Angelegenheiten mögen uns viele Probleme und Missgeschicke begegnen, und normalerweise fangen wir an zu kämpfen, wenn wir damit konfrontiert werden. Dadurch bringen wir uns in noch schlimmere Bedingungen. Bei anderen Menschen sehen wir das genau. Wenn andere in unglückliche Umstände geraten sind, sagen wir als Beobachter oft, sie sollten “einfach aufhören, um sich zu schlagen” oder “sich einfach beruhigen”. Als Beobachter anderer können wir das ganz kühl sagen, aber wenn es sich um unsere eigenen Schwierigkeiten handelt, klappt es plötzlich überhaupt nicht mehr, uns zu beruhigen. Wie können wir dieses selbst – das nichts anderes kann als zu kämpfen – dazu bringen, damit aufzuhören und zur Ruhe zu kommen? Das geht erst, wenn der Boden aus unseren Vorstellungen von Leiden und Durchhalten herausbricht. Genau das erfahren wir beim Sesshin. Das Sesshin besteht aus der Fortsetzung der Praxis vor jeder Unterscheidung zwischen unserer eigenen Kraft und der Kraft anderer. Vor jeder Zeit, vor jedem Durchhalten.

Als ich 1990 mit der Zazenpraxis anfing, war ich in einer Sinnkrise. Ich hatte schon fast alles ausprobiert und erfuhr trotz der grossen Schwierigkeiten die

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mir das Sitzen als Bewegungsmensch und Zappelphilipp machte, zeitweise tiefen Frieden und Einheit.

Heute nach 34 Jahren suche ich nichts mehr. Alle meine Hoffnungen und Wünsche wurden zerschlagen, ich bin ernüchtert.

Täglich muss ich mich nur mit mir selbst auseinandersetzen und mich auf das konzentrieren, was geschieht. Immer wieder gab und gibt es schwierige Zeiten in meinem Leben. Der Zen-Buddhismus verspricht dir nichts. Er lädt dich einfach dazu ein, sich zu sammeln und mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen.

Shoken Winecoff schreibt: Mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, kann ein entmutigender Prozess sein. Das Leben verläuft nicht immer nach deinen Vorstellungen. Es erfordert Mut, sich der Wand des Alltags zu stellen. Die Frage ist, ob wir uns in jeder Situation, der wir begegnen, manifestieren können. Manchmal finden wir uns in schlammigem Wasser wieder. Die Lotusblume blüht jedoch in schlammigem Wasser.

Es gab einen buddhistischen Mönch namens Eihei Dogen, der vor etwa 800 Jahren lebte. Er übertrug den Soto-Zen-Buddhismus von China nach Japan. Unsere Wurzeln gehen auf ihn zurück. Er schrieb diesen Text, Dogen Zenjis Gelübde. Ich möchte ihn mit euch teilen.

Wir gehen gemeinsam miteinander, mit der großen Erde und mit allen Lebewesen.

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Jijuyu Zanmai

Jijuyu Zanmai

(wörtl. der Samadhi des sich selbst Empfangens und Benutzens)

Wir schlafen, wir verdauen, unser Herz schlägt und lässt das Blut zirkulieren, deswegen atmen wir und vieles mehr. Millionen von Zellen verrichten ihren Dienst, ohne dass wir einen großen Einfluss darauf haben. Mit Hilfe all unserer geistigen Fähigkeiten, Denken, Gefühlen und Ideen können wir dies nicht kontrollieren. Diese Lebenskraft wirkt jenseits unseres Denkens. Und obwohl sie das tut, gehört diese Kraft zu mir. Wir nennen sie Lebensenergie. Und so lange diese Kraft in mir funktioniert, ist sie die Wirklichkeit in mir.

Umgekehrt gilt das für die Gedanken, Gefühle und Ideen, die ständig in meinem Kopf entstehen. Sie sind meine Gedanken, aber die Kraft, die sie aufsteigen lässt, ist weit jenseits meines gesamten Intellekts.

Uchiyama Roshi sagt: “Die Wirklichkeit des Lebens meines Selbst vollzieht sich jenseits der Gedanken dieses kleinen Individuums, sie ist aber gleichzeitig genau die Kraft, die als dieses kleine Individuum fungiert.”

Auf der einen Seite existiert also ein individuelles Selbst, das sich durch die Gesamtheit seiner Gedanken und Gefühle definiert. Wir merken, dass dieses Ego einzigartig ist. Außerdem sind wir sicher, dass jedes Wesen ein anderes individuelles Ego besitzt. Und deshalb fühlen wir uns oft nicht verstanden oder es gibt sogar Streit, weil die Gedanken und Ideen eines jeden Lebewesens anders sind. Kodo Sawaki sagt: “Deswegen können wir noch

nicht mal einen Furz teilen.” Wir können deswegen nur unser eigenes individuelles Leben führen, aus unseren Gedanken und Ideen heraus.

Auf der anderen Seite bestehen alle lebenden Wesen aus der Kraft dieses großen, alles durchdringenden Lebens heraus. Obwohl alle Lebewesen unterschiedlich sind, wirkt sie in jedem Individuum und durchdringt alles. Und dieses universelle Selbst, des einen, alles durchdringenden Lebens bezeichnet Meister Dogen als Jijuyu Zanmais, das “frei empfangende und wirkende Selbst.

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Okumura Roshi bringt oft den Vergleich mit dem Bild, in dem gleichzeitig zwei Frauengesichter existieren, ein altes und ein junges Frauengesicht.

Das “universelle Selbst” und das “individuelle Selbst” existieren gleichzeitig in der Wirklichkeit unseres Lebens.

Uchiyama formuliert das Wirken der beiden Selbst folgendermaßen: “Beim Zazen lassen wir unsere Gedanken los und das befähigt uns zu erwachen und die ungeteilte Wirklichkeit des Lebens zu leben, die das ganze Universum durchzieht. Weil wir innerhalb der Gedanken des kleinen Ichs leben, werden wir von ihnen herumgezerrt und ein anderes, das nicht ich ist, kesselt uns ein. Wenn wir diese Gedanken loslassen, erwachen und die ungeteilte Wirklichkeit des Lebens leben, die jenseits dieser Gedanken wirkt, entdecken wir das Selbst eines universalen, nondualen Lebens, das alle lebenden Kreaturen und die ganze Existenz durchdringt.”


Mein Gelübde 2022

Gelübde Gyoriki

Mein Karma

 

Aufgrund meines schlechten Karmas und das meiner Familie nehme ich auf ewig Zuflucht zu den drei Schätzen in allen drei Zeiten, denn ich möchte nicht herumgeschubst werden durch das Karma.

Mein Grossvater väterlicherseits erfand die Pille danach und mein Vater durfte nicht aufs Gymnasium, meine Mutter wollte nur weg aus der Armut, als einziger Sohn wurde ich inmitten der Wirtschaftswunderzeit der 60er Jahre in einer 1-Zimmerwohnun in Aachen 1965. Wir waren arm, denn mein Vater, der eigentlichen einen Gutshof erben sollte, musste nach dem Krieg 1951 eine Schlosser Lehre bei Krupp machen, weit weg von zuhause. Denn sein Vater, der Gutshofbesitzer entschied, dass der Älteste und Erbe ein sinnvolle Handwerk erlernen muss, während die jüngeren Brüder freie Wahl hatten.

Nach vorschriftsmässigem Lehrabschluss beschloss mein Vater den Weg des Techniker und Ingenieur berufsbegleitend zu gehen, anstatt in die Landwirtschaft einzutreten, denn erstens hatte er schlichtweg keine Lust den Weg des Bauerns, den seine Familie seit 1300 Jahren ging, weiter zu verfolgen und zum anderen hatte er wenig Lust, quasi als Knecht, seines grössenwahnsinnigen Vaters, der seine Frau und Kinder wie Angestellte behandelte, zu arbeiten. Vor allem ahnte er wahrscheinlich auch, dass die etwas zu merkwürdigen Ziele meines Grossvaters zum Scheitern verdammt waren. Denn im Sibirien Deutschlands, wie Heinrich Heine die Eifel nannte, auf den schlechtesten Böden Deutschlands im grossen Stil Kartoffeln für die Volksversorgung anzubauen, sie ahnen welche Gesinnung mein Grossvater während des Krieges nachhing, war nun wirklich nicht sehr geschickt. Das lag nicht nur daran, dass mein Grossvater, der gerne gehabt hat, dass man ihn als Sohn oder Tochter siezte, keine Ahnung vom Bauern hatte, sondern auch sehr stur, heute würde man sagen, beratungsresistent war. So kam der riesige Gutshof trotz grosser Kapitalreserven recht schnell in die Bredoullie und auch die riesigen Kapitalreserven, wir reden von Millionen DM, wurden, wie gesagt mein Grossvater war beratungsresistent, wurden in Start Ups gesteckt, die sich sehr schnell als Flops herausstellten. Zum Beispiel liess eine Firma mein Grossvater, überall im Rheinland, als Mehrheitsaktionär, in jeder Kneipe Automaten aufstellen, in denen es die Pille danach gab. Eine Pille, die dem alkoholkonsumierenden Menschen, versprach, dass er nach Einnahme jener, bei einem Alkoholtest durch die Polizei, keine Promille angezeigt würden.

Die Kapitalreserven waren weg, der Gutshof wurde verkauft, es blieb ein Einfamilienhaus und ein bisschen Land übrig und mein Vater hatte die richtige Nase mit seinem Ingenieurstraum gehabt. Aus dieser Zeit resultierte ein häufiges Spiel, was unsere Kleinstfamilie häufig bei Autoausflugsfahrten spielten. Was wäre, wenn…und wie würden wir dann leben. Gefühlt wöchentlich bekam ich die Geschichte des Verlusts der Millionen erzählt und dazu die Träume meiner Eltern vermittelt. Bald begann ich selber zu träumen, was ich denn mit dem Reichtum anfangen würde. Und meinen Mitschülern in der Grundschule erzählte ich die Phantasiegeschichte vom künftigen Gutshoferben, im Gymnasium die Geschichte vom tragischen Verlust vom Gutshof und Adelstitel.

Ganz anders die Geschichte der Familie mütterlicherseits, für meine Grosseltern mütterlicherseits war es die grosse Liebe. Gerührt erzählte meine Oma immer wieder, wie ihr Hännes (Johann) jedes Wochenende über 30km zu fuss und per Anhalter in die Südeifel lief, um sie zu freien. Und wie sie diese Liebe erwiderte und diesem armen Schreiner und Schnitzer in die Nordeifel zu folgen. Dies alles in Zeiten der grossen Wirtschaftskrise und des Nationalsozialismusses. Während meine Oma auch später noch von Hitler schwärmte, denn der sei einmal zur Besichtigung des Westwalls durch das ärmliche Dorf gefahren und….bei allen, was der angerichtet hatte, der hatte was… so eine Ausstrahlung, der war etwas Besonderes! War mein Opa, der ein einfacher, lieber Mann war, den alle im Dorf, sehr mochten und schätzen, nicht so gut auf ihn zu sprechen, doch das behielt er lieber für sich, wie so vieles.

Denn er durfte in den Zeiten des von Hitler angesetzten Arbeitsdiensten immer wieder bei jedem Wetter in der Schneifel (Schneeeifel) den Westwall von Hand mitbauen, wie soviele junge Männer, die nicht genug Arbeit hatten. Wer das Wetter da oben an der belgischen Grenze kennt, weiss wie wenig anmächlich dieser Frondienst da oben war. Später wurde er dann noch 1941, als Vater von zwei kleinen Töchtern ( 3 und 2 Jahre alt) an die Ostfront geschickt, um Russland zu erobern. Ein Jahr und später war er zurück in Deutschland, 27 Kilo schwer, und wieder 6 Monate später, als Kriegsversehrter zurück bei seiner Familie, der nun nicht mehr seinen Beruf als Schreiner und Schnitzer nachgehen konnte, weil er voller Narben und Granatsplitter war. Jede Nacht, so berichtete meine Oma schrie er bis zu seinem Tod nachts im Traum und wachte schweissgebadet auf. Niemand hatte er erzählt, was damals passierte oder hatte nie jemand gefragt. So war das in dieser Zeit, denn es ging ums überleben der kleinen Familie. Erst kurz vor seinem Tod schenkte er mir seine Taschenuhr mit gesprungenen Glas, die er vom Russlandfeldzug als einziges Wertstück mit zurück gebracht hatte und erzählte mir ihre Geschichte.

Er sei an vorderster Front in Russland gewesen, jeden Tag wären sie zur Eile angetrieben worden, um mindestens 40km am Tag zu schaffen. Als kleiner wendiger Infrantrist sei er wiederholt mit seinem Kumpel zu Spähaufträgen ausgesandt worden. Schon hinter Moskau seien sie gewesen.

Einmal nachts seien sie wohl entdeckt worden, konnten sich aber noch in einen Stall flüchten. Die russischen Soldaten hätten einfach eine Granate reingeschmissen und wären Gott sei dank nicht nachschauen gegangen. Sein Kamerad hätte das Bein gefehlt und er auch schwer verletzt. Nachdem die Soldaten Weg waren, habe er seinen Kameraden zurück hinter die Front geschleift. Dann begann der eigentliche Alptraum der beiden, über Wochen und Monate ging es zurück nach Leipzig, durch Kälte im Delirium auf Karren und Lastwagen. Er hat es geschafft mit 27 Kilo und sein Kumpel auch, der ihm auf ewig dankbar war. Und die Uhr, die er krampfhaft in der Hand gehalten hatte und mir nun übergab. Denn ständig hatten Sanitäter und andere versucht die Wertgegenstände der Verwundeten zu klauen. Die hatten sie nicht bekommen! Er war nicht wütend auf die russischen Soldaten, denn die taten nur ihren Job, so wie er, aber das die eigenen „Kameraden“ sich an den Toten und Verletzten bedienten, dass trug er ihnen nach, das hat sein Menschenbild erschüttert.

Warum erzähle ich diese Familiengeschichte?

Ich gelobe mit allen Wesen zu praktizieren und zu leben. Zazen ist das Alpha und das Omega. Es ist der Mittelpunkt des Kosmos, jenseits von Raum und Zeit.

Wenn ich ganz einfach unbewegt und friedlich als das wahre Selbst sitzen ist das die fundamentale Weltverbesserung und damit der beste aller Beiträge zur Entwicklung der Gesellschaft. So verändern wir unbemerkt von allen anderen die Gesellschaft. Täglich Zazen praktizieren und es anderen ermöglichen ist deswegen mein wichtigstes Gelübde, welches ich 1995 durch meine Jukai Ordination manifestierte. Täglich, jeden Morgen sitzen. Nach jahrerlanger Mithilfe und Praxis in anderen Dojos (Köln, Aachen) begründete ich 1998 auf Wunsch meines Ordinationslehrer Missen Meiho Boway 1998 das Basler Zen Dojo mit anderen Praktizierenden einen Ort der bis zu acht Mal die Woche Zazen für Jedermann anbot. Das Dojo wuchs und gedeihte und richtete zweimal pro Jahr Sesshins aus. Zum einen, infolge der gesellschaftlichen Veränderungen (unflexiblere Arbeitszeiten, Leistungsdruck, Verschulung der Universitäten, breiteres Angebot zum selbstfitting, etc.), zum anderen weil ich auf meiner Suche wurde das Dojo Basel nach 20 Jahren einvernehmlich geschlossen. Um die intensive und reine Praxis meines Lehrers Shohaku Okumura und unserer Dharmavorfahren (Kosho Uchiyama, Kodo Sawaki) zu praktizieren und weiter zugeben, braucht es einen dementsprechenden Ort in Deutschland, das ist Sanko-ji. Dieser Ort und seine Praxis soll den Eidotter des Dharma umhüllen und beschützen. Ich möchte einen Platz in einer Umgebung aufbauen, an dem eine Praxis möglich ist, wie sie uns von den “alten Buddhas” und von meinem Lehrers Okumura Roshiund dessen Lehrer Uchiyama Roshi und dessen Lehrer Sawaki Roshi überliefert wurde. Man nennt diese Praxis auch „Zen for nothing“, Just sitting oder Antaiji-ji/ Sanshinji Stil. Ich gelobe einige Menschen des Weges hervorzubringen, die sich einer starken Zazen-Praxis verpflichtet fühlen und damit eine Kettenreaktion für die grosse Sache auslösen können.Das Moderne Leben ist künstlich konstruiert und trennt die Gesellschaft immer mehr von ihren Wurzeln ab. Durch das Streben nach absoluter Kontrolle über die Natur und Bequemlichkeit, sowie dem Streben nach Erfüllung aller Wünsche koppelt sich der Mensch ab von seiner eigentlichen Bestimmung. Die moderne Lebensweise entfernt sich immer weiter von der Wirklichkeit der Natur mit der wir leben. Vielfältige Zivilisationskrankheiten, Sucht, Einsamkeit, Ängste und Depression sowie Ohnmacht sind die Folge. Wenn dieses “künstliche Lebenskonstrukt” einmal zusammenbricht, beispielsweise durch Klimawandel, gravierende wirtschaftliche Probleme, Black out, etc., werden die Menschen sehr leiden, weil sie nicht mehr wissen wie “Leben” geht. Der moderne Mensch, v.a. die Jungen, sollten deshalb wieder Lernen im direkten Kontakt mit der Natur zu leben und durch die tägliche Zenpraxis einzugehen in den Rhythmus der Natur. Tiefe Zufriedenheit, Freiheit und Sinnhaftigkeit des Tuns und Inspiration werden dann eine neue Generation prägen. Deshalb möchte ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln einen Platz erschaffen, der die Buddha-Praxis zum Wohle und in Harmonie mit allen Wesen und der Natur möglich macht.Gyoriki 2013

Um alle Dharmatore zu durchschreiten ist das Studium der Texte der Vorfahren nötig. Ich muss nicht nur aus der Praxis heraus Handeln sondern auch Reden. Jeder Praktizierende hat/muss etwas (zu) sagen. Buddha zog sich für Wochen vor seiner ersten Lehrrede zurück, um das Unaussprechliche zur Sprache zu bringen. Auch ich kann mich nicht davor drücken.

In einer digitalen,entdinglichten Welt einen Ort schaffen, der uns wieder in die Realität der Dinge und der Natur bringt. Ich bin mit allen Wesen verbunden und diese Wesen können nicht ohne mich und ich nicht ohne sie leben. Wenn ich in der Natur praktiziere und arbeite mit diesem Körper und Geist bin ich wieder mehr verbunden.

Automatisch möchte ich dann nicht mehr mitmachen bei der Ausbeutung meiner eigenen Umwelt, und sogar einen Ort schaffen der meiner Umwelt und alle Wesen etwas zurückgibt und fördert. Auch hier muss ich die Texte unserer Vorfahren, der Permakultur studieren und möglichst umfassendes Wissen erwerben. Dazu muss ich die Welt wach beobachten, um zu erfahren.

Ich muss aufhören die Dinge nur durch meine, eigene Sichtweise aus zu betrachten, sondern aus möglichst vielen Perspektiven. So wird mein Leben durch Dankbarkeit und Weisheit durchdrungen. Naikan ist die richtige Methode dazu, wenn unserer Karma, unsere Kindheit negativ prägt und ich durch das Karma herumgeschubst werde. Ich möchte Täter sein, nicht Opfer. Mache ich einen Fehler, so bereue ich ihn.

Ich bin, wie alle Menschen, geschaffen um zu laufen. Der Mensch richtete sich auf, um den ganzen Tag laufend zu Sammeln und zu Jagen. Das ist unsere körperliche Bestimmung. Seit dem Zeitalter der Spezifizierung, Arbeitsteilung und Ökonomisierung beuten wir unseren Körper immer einseitiger aus oder entkörperlichen uns. Beides tut uns nicht gut, der Körpergeist ist unsere Grundlage. Buddha war in ständiger Bewegung und lief jeden Tag soweit er konnte, um das Dharma zu verbreiten. Seit altersher pilgern die Menschen. Blockaden, Depressionen, Koans lösen sich durch das laufen, weil wir wieder eins werden und nicht dies nicht nur körper-geist bezogen sondern auch Umwelt-Ego bezogen. Deswegen soll das Laufen wieder täglich Platz haben in meinem Leben. Künstler, Philosophen der Vergangenheit alle liefen sie ebenfalls täglich.


Sieben Leitsätze

 
Letzthin stiess ich im neuen Buch über Kodo Sawaki – Discovering the true self auf folgenden Text.  Kosho Uchiyama Roshi brachte die Essenz der Lehre seines Meisters Kodo Sawaki in sieben Leitsätzen unter. Ohne um diese Leitsätze vorher zu wissen, finde ich, haben wir in Sanko-ji schon vieles davon umsetzen können und ich finde deswegen, sie passen sehr gut in unser Leitbild!:
 
  •  Gewinnen ist Illusion, Verlieren ist Erleuchtung
  • Versuche nicht irgendwelche Vorteile zu erreichen, sei nicht gierig und bedaure es nicht, zu verlieren. 
 
  • Etabliere nie eine Organisation. Dinge, die von einer Institution erreicht werden, werden aufgrund dieser Institution zusammenbrechen. Der Aufstieg und Fall von Errungenschaften ist nichts anderes als die Transmigration in Samsara. Dies war Sawaki Roshis fundamentale Haltung. 
 
  • Unterrichte Einzelpersonen nacheinander. Anstatt Menschen allgemein innerhalb eines Systems zu erziehen, müssen wir jeden einzeln ansprechen, da jeder einzigartig ist. 
 
  • Bittet nicht um Spenden. Die Leute haben die Idee, dass sie gebeten werden, zu spenden, wenn sie an einem Tempel beteiligt sind. Dies hat den Buddha Dharma ernsthaft verletzt. Wir bitten nie um Spenden. Auf diese Weise können Menschen kommen, ohne sich um Geld sorgen zu müssen.
 
  • Sei nicht flatterhaft. Handle nicht getrieben von deinen selbst zentrierten Gedanken.
 
  • Wenn du nachlässig bist, wirst du berühmt und erreichst eine hohe Position. bemühe dich, nicht in der Welt aufzusteigen. Besonders nach dem vierzigsten Lebensjahr werden Ruhm und Profit verlockend sein.
 
Passt auf euch auf, bleibt gesund, bleibt “tres Zen”- also lasst euch nicht von der Angst anstecken, nutzt die ruhige Zeit und gute Praxis.
 
Ganz herzlich und tiefes Gassho
 
Gyoriki

Stille Einkehr, heitere Einfachheit

Viele denken: 14 Stunden/Tag sitzen, das ist extrem! Besser ich geh zu denen, da hab ich ein Einzelzimmer, da kann ich mich austauschen, mich erholen. Die haben Buffet, da ist ein grosser Meister! Ich leide und mache doch schon so viel für Familie und die Welt und nun soll ich freiwillig nachmehr leiden! Ah und ausserdem hab ich Knie!”

Sind wir etwas Besseres deswegen, weil wir simpel unserer überlieferten Praxis unserer Lehrer folgen. Sicher nicht! …. doch gibt es viele Menschen, die aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht zu so einer Praxis in der Lage sind. Insofern können wir uns besonders glücklich schätzen, auf das Dharma gestossen zu sein und es sogar praktizieren zu können. Dafür sollten wir dankbar sein, aber sicher nicht stolz oder gar arrogant. Sondern “Normal”! Unsere Praxis ist es ja, sie immer während in Frage zu stellen, da wäre kein Platz für besser oder höher. Auf der anderen Seite befinden wir unsere Praxis nach Überprüfung für völlig korrekt, dann werden Lob und Tadel anderer ohne Bedeutung sein. Wir dürfen unseren Geist folglich nicht nach Aussen richten, müssen uns nicht fragen, was denken sie über uns? Und brauchen nicht nach Gewinn und Anerkennung streben.

“Nun kommt kein Schwein, keine Sau ruft mich an”…. soll man in Sanko-ji diese uralte Praxis aufweichen, soll man sich anpassen an den Wandel der Gesellschaft, den Bedürfnissen des modernen Menschen?` …Der moderne Mensch an sich, wie ich ihn erlebe, ist sehr beschäftigt wieder in Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen und auf sich und seinen Körper zu hören. Die ist sicher gut. Doch er hat grosse Sorge um seine Zukunft bei gleichzeitiger maximaler Bedürfnisbefriedigung plus Personal Fitting. (Das bietet Zazen genau nicht!) Damit ist er vollends beschäftigt. Das eigene Erleben drängt in Vordergrund und so auch Ängste, die vielleicht nichts anderes sind als die Sorge, dass ich “meine” Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Gefühle als Ratgeber?! Gibt es in unserer Gesellschaft ein Recht auf Reisen, auf Party, gute Gefühle, die perfekte Nahrung… . Fragt man nach, warum möchtest du in die Ferien nach Griechenland fliegen, bekommt man die Antwort, weil ich es will, brauche, ich muss hier weg, ich habs verdient! Die meisten Menschen wissen nicht einmal, warum sie handeln. Ich hab Bock auf Party…so reden Kinder. Wie redet und handelt der spirituelle Erwachsene? Wissen wir nicht aus der Resilienzforschung, dass gerade das Meistern schwierigere Aufgaben hier und jetzt uns stark und glücklich machen!?

In einem Zengedicht heisst auch:

“Wer das “Hier” flieht, um das “Anderswo” zu finden, der brütet ohne Unterlass “morgen” aus. Anderswo existiert nicht”

“Stille Einkehr, heitere Einfachheit” heisst es im Shodoka. Kodo Sawaki schreibt dazu:

“Kein Geräusch erreicht die Person, die in rechter Haltung sitzt, bei der die Knie auf den Boden gedrückt sind. Die Menschen sind ständig am Machen. Sie benehmen sich, als würden von allen Seiten Feuerwerkskörper abgeschossen, als wüssten sie nicht wohin mit sich… “Ich habe keine Zeit… ich bin sehr beschäftigt… ich bin ausgelastet” ihr Kopf ist voller Widersprüche und sie nehmen sich nie die Zeit, das in Ordnung zu bringen. Je komplizierter die Welt wird, desto wichtiger wird es, sie zu vereinfachen, zu vereinen und ihre grundlegende Einheit wiederzuentdecken. …

…Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr und heitere Einfachheit. Sawaki isst, um Zazen zu machen, er schert sich das Haupt und trägt die okesa, um seinem Zazen mehr Kraft zu geben. Das ist alles. Er praktiziert Zazen und bringt andere dazu Zazen zu üben. Er besitzt nur einfache, unverzichtbare Dinge. der Rest ist nur Geschwätz, selbst wenn man ein Jahr oder Jahrhunderte drüber redet.”

Ja, aber …wird da mancher sagen, ich muss doch die Welt retten, Co2-Ausstoss, Menschenrechte, Trump-USA, Corona und v.a. Mitgefühl praktizieren, ich … und der hat gesagt und jener jenes, dass…!….ihr Kopf ist voller Widersprüche…was ist wirklich wichtig, ganz tief wichtig, essentiell in unserem Leben? Wer nimmt sich die Zeit dazu dies wirklich festzustellen?

Dogen sagt im Fukanzazengi: “Halte alle Bewegungen des bewussten Denkens an, stoppe die Funktion deiner Intelligenz, lass den Gedanken fallen. ein Buddha zu werden.”

Soll man also sich den Gegebenheiten der Gesellschaft, des Menschen anpassen…hier in Sanko-ji finden wir, dass wir hier das grosse Glück haben Zen und Naikan in seiner klassischen Form zu praktizieren weiter zu geben. Natürlich machen wir finanziellen Verlust, natürlich können wir nicht viele Jahre so weiter machen. Wir brauchen uns weder dem ökonomischen Druck und den Winden der Gesellschaft (Kodo Sawaki würde “Fürze” sagen, hahaha) beugen. Noch müssen wir nicht um euer Money betteln! So wie das Kesa wollen wir die Shikantazapraxis solange praktizieren und weitergeben bis wieder mehr Menschen in dieser Welt erscheinen, die das “verborgene Juwel” in Ihnen erkennen. Mein Wunsch wäre, dass mindestens eine Person Sanko-ji weiterführt. Niemand weiss dies aber….wir machen weiter so lange es geht…mit voller Energie und im tiefen Wissen….” Man braucht nur eine Sache im Kopf behalten: In der Stille jede Aufregung meidend, müssen wir unsere einzigartige und schlichte Mission erfüllen. Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr, heitere Gelassenheit.” Kodo Sawaki

Hahaha…das ist lustiger, besser, spannender und sinnvoller als du jemals denken könntest. Und das Staunen:”Das bin Ich!? und wie unbedeutend bin ich?! hört nie auf!

In diesem Sinne gutes Staunen auf eurem Weg!

Würde mich freuen mal wieder mit euch Körper an Körper, Geist an Geist zu praktizieren. “Den Vorgaben der staatlichen Covid 19 Regelungen wird hier bestmöglich gefolgt”

 


Roshi zerstören wir die Welt?

In diesem Zusammenhang las ich heute im neusten Sanshin-ji newsletter, in der Rubrik “Fragen an den Zenlehrer Okamura: Roshi“ folgendes:

Frage: Roshi, zerstören “wir” die natürliche Welt?

Die Antwort von Shohaku Okumura: Alles bewegt sich und verändert sich, kommt und geht in dieser großartigen Natur. Innerhalb dieses gesamten Netzwerks von voneinander abhängigen Ursprüngen ist jeder von uns wie eine Wolke am Himmel – erscheinen, eine Weile bleiben, sich ändern und verschwinden. In unserem Zazen werden wir wirklich ein Teil dieser Bewegung. Weiße Wolken behindern nicht das gesamte Netzwerk oder den riesigen Himmel. Aber irgendwie zerstören wir Menschen die Natur. Wir behindern diese ganze Bewegung aufgrund unserer Wünsche, aufgrund unserer Illusion, dass wir das Zentrum der Welt sind und dass es das Richtige ist, unsere Wünsche zu erfüllen. Indem wir versuchen, unsere Wünsche zu erfüllen, stören wir dieses gesamte Netzwerk. Wir zerstören sogar die Natur. Obwohl wir ein winziger Teil der Natur sind, glauben wir, dass wir der Eigentümer der Natur sind. Ich denke, das ist eine sehr grundlegende Täuschung, die wir modernen Menschen haben. Und so schaden wir uns.

Wenn ich selbst erfahrenen Zazenpraktizierden, wie z.B. gestern an der Hauptversammlung, von den Sesshins hier im Old Antai-ji Stil erzähle, dann kommen immer Fragen und spontane Reaktionen, wie:

Warum muss das so hart sein! Geht es nicht sanfter? Das ist doch schwierig, anstrengend, Selbstkasteiung, Askese? Müssen Anfänger denn auch so hart sitzen? Ist es nicht besser sanft einzusteigen? Einsteigersesshins, z.B? Kein Wunder kommt keiner! Auf der anderen Seite berichten sie, dass es in anderen Sanghen zu wenig Zazen, zu lasch, zu sanft, zuviel Geschwätz, etc. gibt! 14 Stunden Zazen am Tag erscheint vielen Menschen als „Hart“! Es macht ihnen Angst, wenn sie ehrlich sind, macht Ihnen schon ein Zazen Angst. So schade!
Zazen gilt als hart, schwierig, nüchtern, gefühlsfeindlich, menschenverachtend, im Zazen sind Freude, Leichtigkeit, wohlfühlen nicht möglich…u.v.m., Zennonnen und mönche gelten als harte „Kerle“ ohne Sinnlichkeit und mit abgetöteten Gefühlsleben! Wenn ich dann antworte das Gegenteil ist der Fall: 14 Stunden Zazen am Tagen machen es erst möglich, wie Dogen sagt, grosse Freude und Leichtigkeit zu empfinden, dann denken sie, der „verarscht uns, der will uns ködern. Ebenso erscheint eine Woche Naikan vielen, auch mir damals, als unvorstellbar anstrengend, hart, schwer und schwierig, ….So scheint es nur wenigen vergönnt zu sein, easy und happy zu praktizieren und ich sitze meist alleine solche Sesshins hier.

Interssanterweise geht Isso Fusshita in seinen Fusnoten zu Zazen 7, die ich heute übersetzte, genau auf dieses Dilemma ein. Viel Freude und Leichtigkeit beim Zazen euch! Gebt Zazen noch eine Chance 🙂

Ganz herrlichen Spätsommer euch!

Gassho Volker


ANGYA (Das Wandern des Unsui)

ANGYA (Das Wandern des Unsui)

Sanko-ji -das friedliche Verweilen in den Bergen – das ist coming home! Sollte mich jemand fragen, nach welchem Prinzip ich mich richte, dann antworte ich: Nach der Kraft der Weisheit! Dieser Satz ist aus dem Shodoka von Meiser Daichi entnommen und ist unglaublich stark und treffend. Kodo Sawaki kommentiert diesen Satz folgendermassen:

Die meisten Menschen glauben, eine Religion sei das Festhalten einer sozialen Gruppe an ein Glaubenssystem. In Wirklichkeit hat jedes Individuum seine eigene Religion. Religion ist die eigene Geistesruhe, die man fühlt, wenn man wirklich man selbst ist. Sie strukturiert unser Alltagsleben, doch können wir sie weder erklären oder jemanden zeigen. Ich denke Religion ist diese Sicherheit, die in den tiefen des Selbst verborgen und für jeden verschieden ist und die es erlaubt, ohne fremde Hilfe auf dem Weg zu bleiben. Shigetsu erwiderte: Es ist die Essenz von uns selbst, die in uns wohnt. Ich denke auch, dass Religion die wahre Wirklichkeit ist, die in uns lebt. Von Grund auf ohne Täuschungen, ohne Satori, universell, von derselben Wurzel wie Himmel und Erde, erfüllt sie das Universum. So muss unsere Religion sein. Vollkommen lächerlich Shakyamuni oder Meister Soundso nachzuäffen. Andere Zeiten, andere Sitten. Das Wesentliche ist, dass wir alle unsere Geistesruhe erfassen, hier und jetzt. Mit anderen Worten: Die Kraft der grossen Weisheit. (Kodo Sawaki – Zen is für nix gut)

Wunderbar treffend formuliert, schade das so wenig Menschen es schaffen Zazen in ihren Alltag zu integrieren – sie verpassen Gott zu sein.

Kodo Sawaki schreibt weiter: Angya (Wandern) – früher hatten die meisten Nonnen und Mönche keine Zeit und Geduld, einem Lehrer zu hören, der ihnen nicht zusagte. Sie verbrachten eine Nacht im Tempel und stellten dem Meister Fragen; wenn sie nicht zufrieden waren, machten sie sich auf zum nächsten Tempel. Eines Tages fanden sie einen Lehrer, bei dem sie blieben.

Heute kommt es mir so vor, als würden viele zum nächst besten Lehrer ( am besten zu dem, der zu ihnen kommt oder in die Nähe) gehen und gleich dort bleiben. Auch beobachte ich, dass Lehrer versuchen ihre Schüler von Angya abzuhalten. Ich selber hatte einmal so einen Lehrer M. Bovay und folgt ihm brav, ich habe viel von ihm lernen können und bin ihm deswegen sehr dankbar! Doch viele Fragen konnte er nicht beantworten und ich wurde zunehmend unglücklich, fühlte mich wie in einer Sekte. Ging ich zu anderen Lehrern, so wurde dies von ihm und den MitschülerInnen mit Sanktionen bestraft. Man wurde abgestraft oder ignoriert oder verleumdet. So vergeudete ich mindestens 5 von 10 Jahren, ich schaffte es nicht mich von diesen falschen Lehren zu lösen. In Europa gibt es leider einige Lehrer, die so Druck ausüben, von ihnen bekam ich dann auch keine Impulse zu Angya, im Gegenteil, sie versuchten mich abzuwerben und versprachen mir vieles, wenn ich wechseln würde ( Vom Regen in die Traufe:-). 2008 fuhr ich dann endlich zu Abt Muho nach Antai-ji und ich befragte ihn, da ich sehr unglücklich über diesen Zustand war und er antwortete mir: Lehrer sind dazu da, das man profitiert. Du nimmst was du brauchen kannst und ziehst weiter!“ BUMM! – Am nächsten Tag zog ich weiter. Diese Begegnung gab mir die Kraft wieder auf Angya zu gehen und seitdem entwickelt sich meine Praxis viel schneller, ist frischer, freudiger und voller unerschöpflicher Energie und v.a. traf ich wundervolle Lehrer (auch in Europa), offen und weit, wie Zazen. Auch dieses Jahr freue ich mich nach Schweden „Wandern“ zu gehen und Reb Tenshin Anderson zu treffen, einem Dharma Nachfolger von S. Suzuki, der viele Jahre das Zenzenter in San Franzisco sowie den Tempel Tassajara, etc. leitete. Ich las ein Buch von ihm, das bei mir ungelesen im Regal stand – Ein warmes Lächeln vom kalten Berg – eine wunderschöne Art Zazen zu beschreiben.

Die Zeit ist heute genauso knapp wie damals, und mit dem Bodhisattva-Gelübde habe wir u.a. das Gelübde abgelegt, soviele Dharmatore wie möglich zu durchschreiten. Nach meiner Erfahrung öffnet die Begegnung mit einem anderen Lehrer neue Dharmapforten – ein Plädoyer für Angya:-). Und wenn nicht, weiter. Den Arsch hoch und los gehts, es lohnt sich! 🙂 Verliert aus Ängstlichkeit nicht soviel Zeit wie ich! Danke!

Herzlich und Gassho und weiterhin einen wundervollen Sommer! Volker Gyoriki