„Aber bitte geben Sie weiterhin Ihr Bestes.“

Bild: Jamie fährt den “Firewoodtruck” nach Sanko-an

 

Hallo und Bonjour Sanko-an Sangha!

Ich schreibe euch nach 20 Tagen Übung mit Gyoriki in Sanko-an im Mai und Juni. Mein Name ist Jaime – ich bin ein amerikanischer Praktizierender und lebe in Rhode Island, USA (dem kleinsten Bundesstaat, etwa 1,5 Stunden von Boston, Massachusetts entfernt). Ich bin über die Website der Sanshin Zen-Gemeinschaft auf Gyoriki und Sanko-an aufmerksam geworden, da dort mehrere Übungszentren innerhalb ihres Netzwerks aufgeführt sind. Seit einigen Jahren treffe ich mich regelmäßig mit Shodo Spring, sowohl online als auch persönlich; sie praktiziert in Minnesota und ist eine Schülerin von Shohaku Okumura. Vor etwa zwei Jahren habe ich Gyoriki kontaktiert, um über Deutschland an Rohatsu teilzunehmen – obwohl wir uns damals nicht getroffen haben, habe ich mit Philipp im Schwarzwald geübt.

Nun, in diesem Jahr, verspürte ich den Ruf zu einer intensiven Praxis im Sanshin-Geist, die über die Grenzen meines Zuhauses hinausgeht. Nachdem ich die Website von Sanko-an erneut gelesen hatte, sah ich den Umzug in die Schweiz und spürte eine neue Verbundenheit mit dieser Lebensweise: Wandern in den Bergen, Holz hacken und tragen, Zazen praktizieren, in tiefer Verbundenheit mit der Natur leben.

 

Es fällt mir schwer, meine Gefühle und Erfahrungen in Worte zu fassen. Gyoriki, ich fühle mich so privilegiert, dass mir diese Möglichkeiten geboten wurden und ich hier mit dir üben, sowie Sesshin mit dir und Romeo praktizieren konnte. Ich werde weiterhin daran arbeiten, meine Dankbarkeit mit dem japanischen Sprichwort „Otsukaresama desta“ (Danke für deine Bemühungen/Anstrengungen) auszudrücken. Du hast mir diese Möglichkeit mit Herzlichkeit, Vertrauen und Ermutigung eröffnet. Ich habe mich hier wie ein Mensch gefühlt – frei zu gehen, zu arbeiten, zu riechen und zu genießen. Danke für das köstliche Butterbrot, den Käse, den Kaffee, die Bergwanderungen, die Dharma-Vorträge auf der Terrasse und andere unvergessliche Schweizer Erlebnisse, um nur einige zu nennen.

 

Am Sonntagabend beim Essen sagtest du „Ganbatte kudasai“ (Bitte tue dein Bestes) und erzähltest mir die Geschichte hinter diesem japanischen Ausdruck. Der ältere Mann, der sich mühsam, aber beharrlich die steilen Stufen zum Friedhof hinauf quälte, den er besuchte. Du sagtest mir, es sei eine Ermutigung, weiterzumachen: „Ich weiß, du bist müde, aber bitte gib dein Bestes.“ Ich sehe es so, dass unsere Menschlichkeit anerkannt wird, dass wir Widerstand oder Schwierigkeiten erleben und den Betroffenen dennoch ermutigen, weiterzumachen, nicht aufzugeben oder die Aufmerksamkeit zu verlieren. Kurz zuvor hatte ich erwähnt, wie müde und schmerzend meine Beine nach einem Sonntagsspaziergang waren. Ich wollte mich beschweren und dachte, ich sei der Einzige auf der ganzen Welt, der damit zu kämpfen hat; allen anderen geht es gut, nur ich leide… Was für eine absurde Annahme! Und es ist komisch, diese Geschichte jetzt zu erzählen. Ich muss zugeben, dass ich mich auch oft beklagte – meine Worte dienten nur dazu, mich als Opfer darzustellen, mich in der Liste derer, die sich beschweren, einen Vorteil zu verschaffen und nur aus einer sehr egozentrischen Perspektive zu sprechen. Dieser Satz und die Geschichte haben mich aufgrund meiner eigenen Lebenserfahrungen sehr berührt. Es schnitt mir tief ins Herz, zu erkennen, dass dies die Übung ist, kein Wettbewerb nach logischen Regeln. Es ist in Ordnung, müde zu sein und zu erkennen, dass ich nicht jemand anderes bin, den ich mir vorstelle, oder gar mein früheres Ich. Dies ist Übung im Umgang mit vergänglichen Bedingungen, im Annehmen von Ursachen und Umständen, wie sie sich in diesem Moment entfalten, darüber reflektierte ich später. Ich muss nicht aussetzen, denn dies ist kein Wettbewerb.

Während meiner Zeit im Sanko-ji las ich Kosho Uchiyamas Kommentar zu Dogens „Die Wurzeln des Guten: Meister Dogens Lehre über die acht Eigenschaften eines großen Menschen“. Nummer 5 lautet: Den wahren Dharma nicht aus den Augen verlieren. Uchiyama kommentiert und unterscheidet zwischen gesellschaftlichen Werten (Nerzmantel, Diamanten, Schatzanweisungen) und absoluten oder wahren Werten (Ich wurde geboren, ich lebe, ich werde sterben). Er sagt, wir verwechseln das, und im Allgemeinen halten viele von uns den gesellschaftlichen Wert (Wettbewerb, Überleben, Aufstieg) für den wichtigsten. Er spricht davon, wie Kindern eine Überlebens Mentalität beigebracht wird – der aggressive Wettbewerb um einen guten Platz in der Schule, das Ausstechen der Mitmenschen um Chancen, um sich einen luxuriösen Lebensstil zu sichern; die Unterscheidung von Entscheidungen nach Marktwerten.

Die Realität von Geburt, Leben und Tod – jeder Mensch und jedes Wesen ist Teil dieser Lebenskraft. Alles ist miteinander verbunden; es ist natürlich, zu lieben und ein fürsorgliches Herz zu haben, wenn unser Geist im Einklang mit sich selbst ist.

Mir wird dabei die Realität des Flusses La Raspille bewusst. Seine Lebenskraft erhält mein menschliches Dasein hier – zum Trinken, Putzen, Kaffeekochen, Waschen, Essen – sowie die unzähligen Tiere, Pflanzen, Bäume und Insekten. In meinem Heimatland und meiner Heimatstadt könnte ich nicht genau sagen, woher mein Wasser kommt und wohin es fließt – ich kaufe Trinkwasser und bezahle für die Wassernutzung, die mir von der Stadt bereitgestellt wird. Ich habe dazu beigetragen und trage weiterhin dazu bei, diese Gewässer zu vergiften, weil es einfacher ist, sie als Ware zu behandeln als als Lebewesen. „Ich bin müde und möchte mir die lästige Pflege dieses Wesens ersparen.“ Ich mache mir viel mehr Sorgen um meine Altersvorsorge und schaue lieber YouTube-Videos als mich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Ich teile das. Dies ist eine Reflexion über meine Zeit hier. Ich bin tief beeindruckt von der historischen Bedeutung der Menschen, die gemeinsam daran gearbeitet haben, La Raspille zu bewahren und seinen Werten gerecht zu werden. Mein Aufenthalt hier konfrontiert mich mit Fragen wie: Was ist wirklich genug? Welcher Realität gebe ich Priorität? Wie kann ich sie in jedem Augenblick verkörpern? Ich möchte diese Haltung mitnehmen: „Bitte gebt weiterhin euer Bestes.“

Herzliche Grüße, Jaime


Gedanken zur 2. Eigenschaft einer erwachsenen Person – Wissen, man hat genug II

Von Gyoriki Herskamp, Juni 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Qualitäten einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

2. Wissen, dass man genug hat – Chisoku so

Die zweite Erkenntnis eines großen Menschen ist zu wissen, wann man genug hat. Die Akzeptanz der bereits erhaltenen Dharmas (Dinge) zu begrenzen, bedeutet zu wissen, dass man genug hat.”

Fußnoten von Gyoriki zum 1. Absatz . Ich beziehe mich in meinen Gedanken zum Thema dabei auf einen Vortrag von Okumura Roshi mit dem Titel “Zazen ist zu nichts gut”.

Der chinesische taoistische Philosoph Zhuangzi erzählte von einem riesigen Baum, der zu nichts nütze war, der weder für Bauholz noch für irgendetwas anderes verwendet werden konnte, da er zu schwach und krumm und wirklich für nichts geeignet war. Aber weil er zu nichts nütze war, fällte ihn kein Mensch, sodass er riesig werden und den Menschen Schatten spenden konnte. Dieser Baum war zu nichts nütze, aber das genügte.

Ich wollte so leben wie dieser Baum, als ich nach Sanko-an kam, denn wir müssen nicht zu etwas nütze sein. Shohaku Okumra schreibt: “Zazen ist gut, und das genügt. Unser Zazen muss keinem anderen Zweck dienen. Zazen ist gut, Punkt. Das ist für mich die Bedeutung von „Zazen ist zu nichts gut“. Zazen ist gut, aber um nichts zu erreichen. Das heißt, Zazen ist gut, so wie es ist, an sich. Ich glaube nicht, dass ich einem anderen Zweck dienen muss. Wenn mein Leben gut ist, genügt das. Ich muss nicht den Ideen anderer oder gar meinen eigenen hinterherjagen. Einfach ich selbst sein und einfach leben. Es gibt einen anderen Ausdruck, den Katagiri Roshi und mein Lehrer Uchiyama Roshi verwenden: einfach das Feuer der Lebenskraft entfachen. Nichts, als das Feuer oder die Flamme der Lebenskraft zu entfachen. Wir müssen nichts verbrennen. Einfach das Brennen selbst sein, oder wie es im Titel des Buches mit Suzuki Roshis Anekdoten „Einen Winkel der Welt erhellen“ heißt – einfach leuchten, selbst in einem winzigen Winkel. Das genügt. Wir müssen nicht wie eine Sonne sein; wir können nur eine kleine Kerze oder sogar eine kleine Räucherstäbchenspitze sein. Das genügt. Ich glaube, das ist der wirklich wichtige Punkt in unserem Zazen – Zazen ist zu nichts gut. Wir sitzen einfach da. Wir müssen keinen Marktwert dafür finden. Wir müssen unserem Zazen keinen Wert hinzufügen. Es ist sehr einfach, sehr friedvoll.

Doch genau darin liegt das Problem, glaube ich. Ich weiss das und habe Vertrauen in diese Praxis. Trotzdem habe ich eine Frage. Ich bin nicht mehr jung und voller Energie. Ich kam aus Deutschland in die einsamen Walliser Alpen, um mit tief katholischen Wallisern zu üben, aber es kommt kaum jemand, um mit mir zu praktizieren. Genau so ging es mir vorher in Sanko-ji im Schwarzwald. Hatte ich den gleichen Fehler nochmals gemacht? Uchiyama Roshi empfahl seinen Schülern: Keine Werbung zu machen, keine großen Menschenmengen versammeln, kein Geld zu sammeln, sondern einfach nur zu üben, mindestens zehn Jahre lang in Stille. Ich folge seinem Rat – wir machen keine Werbung. Außer einer homepage und dem monatlichen Newsletter dringt nichts von uns nach außen.

 

Also muss ich 2 Tage an einer Sonderschule arbeiten. Ich versuche einfach, still dazusitzen und nutzloses Zazen zu praktizieren, aber es kommen nicht viele und die, die kommen, bleiben nicht lange. Es ist ein wunderbarer Ort und ich bin gerne hier, aber meine Frage ist: Warum bin ich hier, warum soll ich auf diese Weise in diesem Land üben?

Ich könnte wieder in eine große Stadt ziehen und ein Dojo aufbauen, wie einst in Basel. Wenn ich es diesmal geschickter machen würde und es viele Menschen anziehen würde, ich viel Werbung machen würde, social media, youtube einbeziehen würde, den leidenden Menschen ein bisschen Achtsamkeit, Zencoaching und/oder Zentherapy anbieten und verkaufen würde, könnte ich meinen Lebensunterhalt so bestreiten. Es gibt Klöster, Anbieter, wo der Abt Lohn bezieht, ebenso wie einige Angestellte. Auch wenn sie manchmal soziale Projekte unterstützen, sind diese Organisationen wie moderne Firmen organisiert und verkaufen “Zen” als nützliches Projekt für Manager, Wegsuchende und Hilfsbedürftige.

Das ist ein Koan für mich. Wie können wir den Dharma oder diese einfache Praxis mit mehr Menschen teilen?. Es scheint also, dass diese beiden Ansätze einander stark widersprechen. Shohaku Okumura schreibt: Wenn wir an einer Seite festhalten, könnten wir die Lebendigkeit unserer Praxis verlieren. Wenn wir an der nutzlosen Seite festhalten, können wir genauso gut allein praktizieren – wir brauchen nicht mit anderen zu praktizieren. Aber wenn wir zu viel Wert darauf legen, mit vielen Menschen zu praktizieren oder den Dharma vielen Menschen zugänglich zu machen, könnten wir die nutzlose Seite unserer Praxis vergessen. Um Menschen anzuziehen, müssen wir darüber sprechen, warum wir hier sind und wozu diese Praxis gut ist. Das ist sehr schwierig, und ich habe diesen Widerspruch tatsächlich noch nicht aufgelöst, und ich glaube nicht, dass ich es in diesem Leben schaffen werde. Ich arbeite gerade daran, Sanko-an zu etablieren. Das Zendo wurde auf der Basis einer Scheune von Grund auf ausgebaut. Vor 14 Jahren habe ich in Elbenschwand dasselbe getan, nur größer und mit großer Permakultur. 2003 rodete ich ein Stück Wald und setzte eine Hütte dahin, um ein Aussendojo für die Basler Sangha zu etablieren. 1998 begann ich mit anderen Nonnen und Mönchen das Zen Dojo Basel zu einem der lebendigsten Praxisorte in Europa aufzubauen. Wir konnten jeden Morgen Zazen und Frühstück anbieten, sowie diverse Zazen-Abendtermine, etc.. Ich denke, es muss mein Karma sein, etwas von Grund auf neu zu beginnen. Jedes Mal versuche ich, aus Fehlern zu lernen und das Koan auf die richtige Weise zu beantworten.

Ich begann in einer Sangha der AZI, in der das “Zazen is good for nothing” nicht im Mittelpunkt stand. Das Quantitative stand über dem Qualitativen. Taisen Deshimarus Leistung war es, 100 Praxiszentren in Europa gegründet zu haben, sowie den riesigen Tempel La Gedronniere. In diesem Tempel fanden Sesshin mit 450 Menschen statt. Die verschiedenen Schüler, die Meister Deshimaru beerbten, richteten allen Energie darauf, möglichst viele Menschen zu Zazen zu bewegen, möglichst viele und große Sesshin zu veranstalten. In dieser Tradition stand auch ich, und wir versuchten erfolgreich Zazen in Basel zu verbreiten und halfen mit, die sehr großen Sesshins meines Lehrers Missen Meiho Bovay zu organisieren. Je mehr Leute teilnahmen, um so erfolgreicher galt der Lehrer und damit auch das Zen. Dies führte dazu, dass auch die SchülerInnen, die sich besonders engagieren konnten, eine Art Karriere machten. Es gab Posten und Stellungen zu vergeben. Die Vergabe oblag dem Meister und dem Inner Circle. Man strengte sich also an, um aufzusteigen. Es gab Intrigen und Machtkämpfe wie in vielen weltlichen Firmen. Dem war ich nicht gewachsen und es entsprach zwar meinem weltlichen Denken nach Karriere und Erfolg, aber nicht meinem tiefsten spirituellen Verständnis und nicht der Lehre Meister Dogens.

Schon während der Lebzeiten meines Lehrers begab ich mich diskret auf die Suche nach dem “wahren Dharma”. Ich las die Bücher K. Sawakis, K.Uchiyama, S.Okumura und traf mich mit Muho Noelke, dem ehemaligen Abt von Antai-ji, um mit ihm über meine Zweifel zu sprechen. Er bestärkte mich, dem ‘Zazen ist genug’ zuzuwenden. Ich bin ihm sehr dankbar für die Gespräche mit ihm.

Als mein Lehrer starb, implodierte das aufgebaute Macht-System folgerichtig schnell und ich konnte mich offen “Zazen is good for nothing” zuwenden. Dies traf aber auf sehr großen Widerstand bzw. Ignoranz innerhalb der Sangha und ich ging in den Schwarzwald, um ein kleines Antai-ji aufzubauen. Doch das ganze geriet eine Nummer zu groß, und Corona setzte dem Experiment ein Ende. So, nun auf ein neues im Wallis, klein, abgelegen und ‘Zazen is good enough! ‘ ( Eine sehr verkürzte Zusammenfassung der Ereignisse)

… Aber wir müssen den Mittelweg finden, den Mittelweg, die Praxis mit anderen teilen und gleichzeitig unsere Praxis nutzlos halten. Wie können wir das erreichen? Das ist unser Koan, für jeden Einzelnen von uns und für uns als Sangha. Das ist also der Punkt: Shohaku Okumura schreibt: “Selbst in unterschiedlichen Traditionen, Kulturen oder Gesellschaften müssen wir unser Wissen ohne Missverständnisse oder Fehlinterpretationen weitergeben! Wir suchen den Mittelweg, und dieser Mittelweg ist ständig in Bewegung. Er ist kein fester Pfad, sondern im Wandel begriffen und umfasst zwei scheinbar gegensätzliche Seiten. Der Mittelweg ist kein fixer Punkt. Wenn wir an einem Fixpunkt festhalten, begehen wir einen Fehler. Wir müssen in jeder Situation, in jedem Augenblick stets achtsam und wachsam sein. Deshalb sagte Dogen Zenji, unsere Praxis sei endlos. Wir können nicht sagen, dass wir auf diese Weise sicher und für immer gut sein werden. Wir müssen in jedem Augenblick vorsichtig sein – sonst verfehlen wir den Mittelweg. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt.”

 

Der aktuelle Mittelweg Sanko-ans steht auf der Startseite der homepage:

Ort des friedlichen Verweilens in den Bergen” bedeutet Sanko-an auf japanisch und ist eine Metapher für die Zazenpraxis.

Die Zen-Einsiedelei Sanko-an ist ein kleiner Ort der Zazen-Praxis inmitten der Schweizer Alpen im Kanton Wallis. Mit atemberaubendem Blick auf die Walliser Alpen und eingebettet in die historische Alm Raspille, bietet Sanko-an eine natürliche und heilsame Umgebung – ideal für die Zen-Praxis.

Erreichbar über einen schmalen Feldweg, spiegeln die Einrichtungen des Zendo die rustikale Umgebung wider. Um die Integrität der Antaiji-Tradition zu bewahren, war das Leben im Zendo von Anfang an einfach. Im Winter werden das Zendo und die Wohnräume (in denen der Lehrer lebt) mit Holzöfen beheizt. Das Brennholz wird von Hand von umgefallenen Bäumen aus der Umgebung gesägt und gespalten. Trink- und Duschwasser kommt aus einer nahen Quelle, Baden kann man im nahen Bach, Strom wird in einer Photovoltaikanlage produziert.

Jeden Sommer ergänzen Kräuter, Pilze und Beeren der alpinen Vegetation die Mahlzeiten im Alltag und während der Sesshin-Zeit.

Dank des Engagements der Bewohner und Spenden von Laienpraktizierenden kann Sanko-an weiterhin Menschen, die an der Zazen-Praxis interessiert sind, seine Dienste anbieten. Sanko-an möchte auch weiterhin Shikantaza-Unterricht anbieten und Menschen dazu ermutigen, die Zazen-Praxis in ihren Alltag zu integrieren. Das Zendo strebt keine hierarchische Struktur an. Wir verstehen die Sangha des Zendo als ein Netzwerk unabhängiger Praktizierender.

Die Praxis im Sanko-an zielt darauf ab, den Geist der alten Lehren des Shakyamuni Buddha und des Eihei Dogen Zenji durch die zeitgenössischen Soto-Zen-Praxisstile von Kosho Uchiyama Roshi und seinem Dharma-Erben Shohaku Okumura Roshi zu verwirklichen.

Wir sind eine sehr kleine Gemeinschaft. Wir bieten keine Dienstleistungen an. Einige von uns sind Laienpraktizierende, nur wenige ordinierte Mönche oder Nonnen, aber wir alle praktizieren die gleichen Praktiken und gehen gemeinsam den Weg des Zen. Jeder, ob Anfänger oder erfahrener Praktizierender, ist willkommen.”

 

Ich glaube, das ist der wirklich wichtige Punkt in unserem Zazen – Zazen ist zu nichts gut. Wir sitzen einfach da. Wir müssen keinen Marktwert dafür finden. Wir müssen unserem Zazen keinen Wert hinzufügen. Es ist sehr einfach, sehr friedvoll.” S. Okumura

Sanko-ans Art zu wissen, dass man genug hat – Chisoku so.


Grundprinzipien der Tiefenökologie (Ecosophy)

Auch von vielen buddhistischen Lehrern anerkannte Grundprinzipien für einen angemessenen Umgang mit allen Wesen. Ich kann dem viel Positives abgewinnen und sie ähneln dem Standards Sanko-ans, deshalb hier mal abgedruckt.

(A.Naess, et al 1984)

1. Alle Lebewesen haben einen Eigenwert.

2. Die Vielfalt und der Reichtum des Lebens haben einen Eigenwert.

3. Außer zur Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse haben Menschen nicht das Recht, diese Vielfalt und diesen Reichtum zu reduzieren.

4. Es wäre besser für die Menschen, wenn es weniger von ihnen gäbe, und viel besser für andere Lebewesen.

5. Das Ausmaß und die Art der menschlichen Eingriffe in die verschiedenen Ökosysteme sind heute nicht nachhaltig, und die mangelnde Nachhaltigkeit nimmt zu.

6. Entscheidende Verbesserungen erfordern erhebliche Veränderungen: soziale, wirtschaftliche, technologische und ideologische.

7. Ein ideologischer Wandel würde im Wesentlichen bedeuten, eine bessere Lebensqualität anzustreben, anstatt einen höheren Lebensstandard.

8. Diejenigen, die die oben genannten Punkte akzeptieren, sind dafür verantwortlich, direkt oder indirekt zu den notwendigen Veränderungen beizutragen.


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (VI)

Von Gyoriki Herskamp, April 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Eigenschaften einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

Wer mit wenigen Wünschen handelt, ist stets in Frieden und hat wenig Sorgen oder Bedenken. Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Kosho Uchiyama Roshi schreibt zu diesem letzten Abschnitt des Kapitels ‚Shoyoku – Wenig Wünsche haben‘: „Bitte bedenke, dass Sorgen und Bedenken, oder Qual und Leiden ist nicht etwas, das außerhalb von dir aufgrund irgendeines Vorfalls entstand. Sondern, all diese Emotionen sind darauf zurückzuführen, was du in deinem Leben oder Lebenseinstellung als wertvoll erachtest. Deswegen, wenn wir unsere Werte ändern, unsere Einstellungen zum Leben auswechseln, dann werden all die Sorgen und die Leiden verschwinden.“

Häufig ist es so, dass innere Verstimmungen und äußere Missstände als von uns nicht veränderbar betrachtet werden, als etwas von außen auf uns Erlegtes, als Bürde, als Ungerechtigkeit oder gar Gemeinheit bzw. Mobbing von anderen. Etwas, das uns angetan wird und wir nicht ändern können.

Dies ist oft nicht die korrekte oder hilfreiche Einstellung, auf Sorgen und Leiden zu reagieren.

In diesem Fall bin ich empört oder niedergeschlagen, weil die Regierung zulässt, dass die Benzinpreise steigen – Unverschämtheit!; der Chef sieht nicht wieviel ich arbeite – ich Arme; meine Arbeitskollegen arbeiten weniger als ich – Ungerechtigkeit; meine Eltern haben mich immer unterdrückt – Opfer. Aus Sicht der Lehre des Buddhas/ des Zen jedoch bin ich alleine für die Bewertung der äußeren Phänomene verantwortlich, die menschliche Grundeigenschaft, alles in gut und schlecht, nützlich und nicht nützlich, bedrohend und fördernd einzuteilen führt zum Leiden.

Passe ich meine Werte an Lebensumstände und meine Person an und lebe sie durch mein engagiertes Handeln, verschwinden nach und nach meine Sorgen und Leiden.

Interessanterweise habe ich im letzten Jahr die Weiterbildung in ACT – (Acceptance and Commitment Therapy) abgeschlossen – ein relativ neues Psychotherapie Verfahren, das zur 3. Welle der Verhaltenstherapie gezählt wird. Neben der sogenannten Akzeptanz der Lebensumstände u.a. Pfeilern des Verfahrens sind das selbstständige Herausfinden und – arbeiten der ureigenen, mir entsprechenden Werte und das Commitment, danach engagiert zu handeln, die Basis der Therapie, die zu einem nachgewiesenermaßen glücklicheren Leben führt. Ich finde meine eigenen Werte heraus, lerne sie kennen und lebe aktiv danach, führt zu Glück und Wohlbefinden. Ich engagiere mich beispielsweise für benachteiligte Personen in der Gesellschaft, helfe Ihnen und tue ihnen Gutes und empfinde mich infolgedessen in der Gesellschaft als selbstwirksam und wichtig. (s. dazu www.staerkestattmacht.ch)

Allerdings muss man da ganz klar Menschen ausnehmen, die unter starken Schmerzen leiden oder psychische, diagnostizierte Störungen haben.

Wer einmal sehr starke Schmerzen hatte, wie zum Beispiel infolge eines Migräneanfalls oder einmal einen stark vereiterten Zahn hatte, weiss wovon ich rede. Die Schmerzen sind so stark, dass wir nicht anders als Dösen oder Schlafen können. Da hilft dann auch kein Zazen oder Beten. Der Schmerz ist einfach der Schmerz und wir sind nicht mehr in der Lage, groß zu handeln.

Ähnliches passiert laut Uchiyama Roshi im Angesicht des Todes, Trauer und Angst werden einfach da sein, etwas ganz Natürliches, das wir nicht ändern können. Da ich die Ehre hatte, zwei- oder dreimal beim Sterbeprozess zugegen zu sein, ist meine Erfahrung, dass sich viele Menschen erst im unmittelbaren Prozess des Sterbens entspannen oder loslassen können. Aus welchem Grund das auch immer ist, so hat die Natur dieses Hinübergleiten gestaltet. Zunächst ist Trauer, Leiden oder Angst einfach Teil des Ganzen, es sei denn ich lasse mir die entsprechenden Betäubungsmittel verabreichen, was jedermanns gutes Recht ist. Irgendwann findet aber unbewusst, natürlich und automatisch der Prozess des Loslassens statt.

Uchiyama erklärt in seinem Kommentar auch ganz klar, dass davon auch keine Zazenpraktizierende ausgenommen sind, die gehofft hatten,dass sie sich durch Zazen auf den Tod vorbereiten können. Eine langsame, intensive Zazenpraxis bewahrt einen nicht vor dem notwendigen Leiden angesichts des Todes. Dies hatte ich schon im Falle des Todes von Shunryu Suzuki Roshi, als auch Katagiri Roshi gelesen, die angesichts ihrer Krebserkrankung und ihrer freien Entscheidung so weit es geht auf Betäubungsmittel zu verzichten, zeitweise unglaublich litten und so ihren SchülerInnen ein wertvolles, unvergleichliches Beispiel gaben.

Ich selbst durfte dies bei meinem, eigenen Lehrer Missen Meiho Bovay erleben, der an unheilbaren Knochenkrebs verstarb. Die Wirbel seiner Wirbelsäule zerbarsten durch den Krebs, die Schmerzen unvorstellbar und über alle Maßen hinaus, sein Leben war nur mit starken Morphinen einigermaßen aushaltbar. Seine starke, langjährige Zazenpraxis bewahrte ihn nicht vor diesem Leiden und frühen Tod (mit 64 Jahren); er war nicht mehr in der Lage sich in irgendeiner Form ‘zenmeisterlich’ zu verhalten, sondern ganz und gar einfach nur ein normaler Mensch.

Eine große Unterweisung für mich, die in mir viele Verblendungen zerstörte: Im Angesicht des Todes sind wir alle gleich und nackt.

Ähnliches gilt laut Uchiyama Roshi für ungewöhnliche Verhaltensweisen im Angesicht von lebensbedrohender Gefahr ( Raketenangriff im Krieg, Gewaltandrohung von Kriminellen oder Naturgefahren (Lawinen, Fluten, Erdbeben, etc.). Wer hier meint, heldenhaft sein zu müssen, statt sich in Sicherheit zu bringen oder zu schützen, muss sich darüber im Klaren sein, dass dieses Verhalten nichts mit dem Dharma zu tun hat.

Ein Beispiel aus meinem Lebensbereich: Ein psychisch kranker Jugendlicher bedrohte mich in seiner Not während des Corona-Lockdowns zweimal mit dem Messer. Die Psychischen Kliniken waren in dieser Zeit überfüllt und nahmen nur Jugendliche mit akuter Suizidgefahr auf. Eine Selbsteinweisung des Jugendlichen wurde aus ebendiesen Gründen abgelehnt. Es bestand weiterhin die Beschulungspflicht für unsere Institution. Nun stand dieser Jugendliche in seiner großen Wut und Not mit dem Messer vor mir und wollte mich abstechen, wie er sagte. Er habe nichts mehr zu verlieren. Ich blieb trotz größter Angst äußerlich ruhig, ging rückwärts, versuchte vorschriftsmäßig zu deeskalieren. wie ich das gelernt hatte, bis andere zu Hilfe kamen und ihn festhielten und beruhigten. Dabei provozierte und bedrohte er mich weiter: Er werde mich finden, er werde mir auflauern und mich abstechen, etc..

Ein lebensbedrohliches Ereignis, das jeden Menschen zutiefst erschüttert. Zwar nässte ich mich nicht ein oder ähnliches, aber ich hatte tagelang Mühe mich zu beruhigen, weiter zu arbeiten, dieses Erlebnis zu verarbeiten und bis heute, wenn ich diese Zeilen schreibe, wühlt mich dieses Ereignis emotional und psychosomatisch auf und ich fühle mich so, als hätte ich emotional versagt. Zu diesem Prozess gehörte auch, dass ich mich zeitweise dafür verurteilte, mich nicht samurai-haft oder zen-meisterlich verhalten zu haben. Ich hätte diesem doch körperlich und mental unterlegenen Jugendlichen das Messer abnehmen sollen und wäre so ein Mann mit ‚Eiern‘ geworden, den die anderen delinquenten Jugendlichen künftig als Anführer ansehen könnten.

In diesem Moment Angst zu haben und aufgebracht zu sein ist also vollkommen normal und alles andere wäre widernatürlich. Es kann eine große Verblendung von Zazenpraktizierenden sein, dass sie Glauben vor solchen urmenschlichen Leiden gefeit zu sein. Obacht – Zazen is for nothing!

Daß ich aber, während ich diese Zeilen schreibe und mich an diese Situation erinnere, in mir ähnliche Emotionen ausgelöst werden wie damals, zeigt lediglich auf, wie unser menschliches Gehirn funktioniert. Das bloße Denken oder Vorstellen eines Erlebnisses löst Emotionen aus, als wäre es real, obwohl es in keinster Weise etwas mit Wirklichkeit zu tun hat. Ich wurde beim notwendigen Erinnern an diese Situation, denn ich wollte ja dies so genau wie möglich beschreiben, von meinen Gedanken in den Griff genommen und da ich als Zazenübender gewohnt bin, alle Gedanken, die auftauchen, loszulassen, kann ich das jetzt tun.

Uchiyama Roshi betont in diesem Zusammenhang, dass es entscheidend ist, aus eine wahren religiösen Leben hinaus lebend, unser ganzes Leben ohne illusorisches bzw. verblendetes Leiden zu leben.

Und er verweist auf die Eingangssätze Dogens (s.o):“Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Nirvana wird im Zen als der Zustand definiert, in dem weder Geburt noch Tod eine Bedeutung haben oder wie Sawaki Roshi und andere Zenlehrer es immer wieder beschrieben, sein Leben im eigenen Sarg liegend anzuschauen.

Uchiyma Roshi empfiehlt denjenigen, die jetzt nicht losgehen möchten, einen Sarg einzukaufen, ihn nach Hause zu bringen und ins Wohnzimmer zu stellen, um darin zu liegen, stattdessen einfach ein Kissen zu holen und Zazen zu praktizieren.

In Kürze: Zazen machen ist auf sein Leben schauen, während man im eigenen Sarg liegt. Oder über die Frage reflektieren: „Wo wäre ich jetzt, wenn mich meine Eltern abgetrieben hätten?“

Zu guter Letzt des Kapitels definiert Uchiyama Roshi einen Dainin als einen Menschen, der sein Leben aufräumt und putzt, ohne rumzujammern. Ein wahrer Erwachsener ist also der, der nicht rumjammert und folglich die Fähigkeit hat ‚wenig Wünsche‘ zu haben.

Wir sind deswegen laut Dogen Zenji alle aufgefordert, das ‚wenig Wünsche haben‘ zu praktizieren, und dies zu leben, um dann ein Vorbild für alle Kinder und alle gierigen Geschöpfe sein zu können.


Fressen oder Moral

 

“…zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.” Berthold Brecht.

Viktor Frankl sagte schon in den 70er Jahren dazu: ”Wir machen uns diesbezüglich auch gar nichts mehr vor. Aber wir wissen in einem, wie sinnlos Fressen ohne alle Moral ist und wie katastrophal diese Sinnlosigkeit dem nur aufs Fressen Bedachten zu Bewusstsein kommen kann; und wir wissen nicht zuletzt, wie sehr nur eine “Moral”- will heissen der unerschütterliche Glaube an einen unbedingten Lebenssinn, so oder so das Leben erträglich macht. Denn wir haben es erlebt, dass der Mensch auch ehrlich bereit ist zu hungern, wenn das Hungern nur einen Sinn hat.”

Wenn der überwiegende Teil der Menschen sich nicht an einem Lebenssinn orientiert, wenn sie sich nicht an ethische und moralische Leitplanken orientieren, sondern nur an der Gier des “Fressens”, dann werden wir an den atemberaubenden Herausforderungen des 21 Jhdt. scheitern.

“Wird hingegen ein großer Teil der Menschen trotz verringerter “Fress Ressourcen” an der “Moral” festhalten, wird die Würde siegen!” Elisabeth Lukas


Das Sammeln von Gräsern

Dōgen’s Chinesische Gedichte (78)

Das Sammeln von Gräsern

übersetzt und kommentiert von Shohaku Okumura aus dem Japanischen und von mir ins Deutsche.

Jetzt sammeln sich Hunderte von Gräsern tatsächlich für den Sommer. Von der ganzen Erde gepflückt, [wären] es zehn Millionen Halme.
Eine Blume mit fünf Blütenblättern öffnet sich am Himmel und im Schlamm. Ohne Zweifel wird sie auf natürliche Weise Früchte tragen.

In der Interpretation von Dōgen sind eine Blume und die fünf Blütenblätter dasselbe. Eine Pflaumenblüte öffnet sich als fünf Blütenblätter. Das ist dasselbe wie eine Hand und fünf Finger. Er verwendet eine Blume und die fünf Blütenblätter als Symbol für das voneinander abhängige Entstehen. Aus einer Perspektive ist es einfach eine Blume, aber aus einer anderen Perspektive sind es fünf Blütenblätter. Das gesamte Netzwerk der gegenseitigen Abhängigkeit ist ein einziges Netz von Indra, aber es hat unzählige Wesen als seine Teile.

Alle Pflaumenblüten sind Teile eines Zweiges, und unzählige Zweige sind Teile des alten Pflaumenbaums. Wenn dieser eine Pflaumenbaum blüht, wird die ganze Welt zum Frühling. Alle Wesen in der ganzen Welt, einschließlich einer Blume mit fünf Blütenblättern, sind Teil des Frühlings der ganzen Welt als Einheit. Sie sind nicht “stolz”, das heißt, sie sind nicht egozentrisch.

Dōgen betrachtet eine Sangha als ein Miniaturmodell des gesamten Netzwerks des voneinander abhängigen Entstehens. Die Mitglieder dieser Sangha, die zusammen praktizieren, sind wie die fünf Blütenblätter einer Blume. Die Praktizierenden und ihre Praxis und Funktionen sind alle voneinander abhängig und unterstützen sich gegenseitig. Das Praktizieren in Frieden und Harmonie ist die Dharma-Blüte und die natürliche Frucht der Sangha, die das spirituelle Wachstum jedes einzelnen Mitglieds und der Gemeinschaft als Ganzes fördert. In diesem Vers drückt Dōgen die

letztendliche Bedeutung der gemeinschaftlichen Praxis als Ausdruck des interdependenten Entstehens aus, in dem jedes Mitglied als Bodhisattva wächst. Die gemeinschaftliche Praxis drückt sich seit alters her im Zusammenkommen aller Nonnen und Mönche zum Ango aus. Buddha Shakyamuni lud alle Ordinierten während der indischen Regenzeit zur 90 tägigen Praxisperiode ein. Diese essentielle Praxis wird bis heute von den Lehrern des Zen .weitergegeben

So schrieb Dogen im Jahr 1245, während der ersten Sommerübungsperiode in Daibutsuji (大仏寺, später umbenannt in Eiheiji), das Shōbōgenzō Die Klausur (安居, Ango), in der er die Bedeutung der Sommerübungsperiode mit den Worten hervorhebt:

“In allen drei Ländern gibt es keinen einzigen Menschen unter den Nachkommen der Buddhas und der Vorfahren, der diese jemals nicht ausgeführt hat; die anderen Pfade haben sie nie gelernt. Da sie die ursprüngliche Absicht der “einen großen Sache” der Buddhas und Vorfahren sind, ist das, was sie verkünden, vom Morgen ihrer Erlangung des Weges bis zum Abend ihres nirvāṇa, nichts anderes als der wesentliche Punkt des Retreats…. Diejenigen, die niemals in ihrem Leben die neunzigtägige Sommerklausur praktizieren, sollten nicht Schüler des Buddha oder Mitglieder des Bhiksu-Samgha genannt werden.”

In diesem langen Faszikel beschreibt Dōgen die Zeremonien und Rituale zu Beginn und am Ende der Sommerübungszeit. Ich nehme an, er schreibt so detailliert, weil es in Kōshōji nicht möglich war, eine so formale Praxis durchzuführen, wie sie in den chinesischen Klosterregeln (清規, Shingi) beschrieben wird, aber er möchte die traditionelle Praxis im neuen Kloster dennoch etablieren. Später in diesem Faszikel ermutigt Dōgen die Menschen:

Menschen, Devas und Drachen sollen, wenn auch nur für einen Zeitraum von neunzig Tagen, Bhiksu oder Bhiksuni werden und die Klausur einhalten; dies wäre an sich schon ein Sehen des Buddha. Einer Versammlung der Buddhas und Ahnen beizutreten und die neunzigtägige Klausur zu halten, ist, den Buddha gesehen zu haben.

Dōgen ermutigte auch Laien, sich an der Praxisperiode zu beteiligen. So weit übersetzt und kommentiert mein Lehrer Shohaku Okumura


Eröffnung Sanko-an

So! Eröffnet!”

Am 23.08. fand bei schönem Wetter die Eröffnung der Zenklause Sanko-an statt.

Obwohl recht abgelegen, kamen doch einige von weit her, wie Kyoku aus Hannover, oder Romeo und Roland aus Liechtenstein und Peter und Philipp aus Basel. Gefreut haben wir uns auch sehr darüber, dass Jean, Rosalie und Prisca vom Dojo Sierre/Siders teilnahmen.

Nach dem Zazen und dem Kampai ergaben sich schöne Gespräche. Wir alle waren uns einig, dass dies ein guter Start gewesen sei und wir wünschen uns, dass sich das Dharma weiter im Wallis etabliert.

In meiner kurzen Eröffnungsrede zitierte ich die erste Zeile aus einem Gedicht über das Wallis von R.M. Rilke, der unterhalb der Zenklause viele Jahre lebte:

Dieses Land ist masslos und sanft”

In Anlehnung an dieses Gedicht wünschte ich für das Sanko-an:

Die Praxis hier wird masslos und sanft”


Neuanfang des Sanko-an im Wallis

Nach dem Sanko-ji im Schwarzwald, wagen wir einen Neustart in Sanko-an im
Wallis. Dies wollen wir anders gestalten. Philipp und ich haben uns
zusammengesetzt, ausgetauscht und unsere Vision formuliert. Das Folgende
soll diese Gedanken wiedergeben.
 
In den letzten Jahren wurden Gyoriki und Sanko-ji mangels Helfer immer mehr
zum Dharma-Dienstleister. Sesshins wurden zu einem Angebot ähnlich wie im
Wellness- und Mental Health Dienstleistungsbereich. Es gab Veranstaltungen,
man konnte sich anmelden und teilnehmen, dann ging man wieder nach
Hause. Es wurde gekocht und die Zimmer sind vorbereitet. Hinterher wird
nachbereitet, gewaschen, etc.. Es gibt dafür einen Unkostenbeitrag und den
bezahlt man. Der Unkostenbeitrag war so niedrig, dass er die Fixkosten nie
ganz deckte. Verluste wurden durch Gyorikis Spenden und Samu
ausgeglichen.
 
Im Vorfeld investierten Gyoriki und Regula Zeit und Geld, um den Umbau einer
Scheune in einen Mehrzweckraum/Dojo zu finanzieren. Das Haus gehört
Regula, sie stellt es aber für die Zazen Praxis/Sesshin zur Verfügung.
Die komplette Tempelausrüstung wurde mit Spenden finanziert, v.a. mit Geld
des ehemaligen Zen Dojo Basel. Den Umzug des Tempel Equipment nach
Sanko-an finanzierte Gyoriki.
 
Mit dem Schritt zurück zu den Wurzeln zu kommen, entstand auch der
Wunsch, mit einem neuen “alten” Geist anzufangen. Wir möchten an den Geist
unserer Gründerväter anknüpfen. Kosho Uchiyama und Shohaku Okumura
berichteten, wie jeder etwas Reis oder Pickles zu den ersten Sesshins Kodo
Sawakis mitbrachte. Überschüsse aus den Spenden wurden insbesondere in
Kopien von Dharmatexten und zum Unterhalt des Tempels investiert.
 
Wir möchten folgende Veränderungen schaffen:
-Weg vom Dienstleister, hin zum Gemeinsamen.
-Weg vom Bezahlen, hin zum Spenden und Mitbringen; mit sich
einbringen und mitarbeiten.
 
Mit folgenden Leitsätzen formulieren wir das positiv im Sinne von, was wir
wollen und nicht was wir nicht wollen.
– Sangha: Wir sind eine Gemeinschaft (Sangha) und organisieren
Sesshins gemeinschaftlich und führen diese gemeinsam durch.
– Dhana:Wir machen das möglich mit freiwilligen Spenden:
Geld, Materialien, Nahrungsmittel, Meditationsbedarf und Zeit.
 
Das bedeutet:
-Keine fixe Teilnehmerbeiträge
-Die Spenden sollten die Fixkosten decken und eine Spende an
das Haus Sanko-an ermöglichen.
-Nahrungsmittel mitbringen, respektive den Einkauf organisieren
​- Gemeinsam Vorbereiten, Kochen
 
Nächste Schritte (erste Vorschlag):
 
Wie kaufen wir ein?
– Einkauf durch eine Person
-Volker stellt die Basis (Gewürze, …)
– alle bringen Snacks und Getränke für Zwischendurch
 
Wie kochen wir?
– Es gibt keinen Kühlschrank. Evtl. keinen Strom bei schlechtem
Wetter.
– Vereinfachter Menüplan: am Morgen Müesli, am Abend Instant
Suppe, Reis im Reiskocher, Pasta, …
 
Wer macht was?
– Liste was es zu tun gibt und wir tragen uns ein
Herbstsesshin
– Ist ein erster Test, wir wollen gleich so starten
 
Rückmeldungen erwünscht.

Hindernisse auf dem Weg

 

1. Viele Lehrer/Meister/Gurus betonen: Zazen machen reicht! ….einfach alles vorbeiziehen lassen, hier und jetzt! …Vergangenes/Negatives vergessen, stattdessen im Jetzt leben,…. und so weiter. Oft passiert dem braven Zenadepten folglich das, was Prof. Akira Ishii im Folgenden beschreibt: “Viele Menschen, die in ein Meditationszentrum kommen, um dort die Gegenwart zu erleben, haben etwas, das sie vergessen möchten – auch wenn sie das manchmal selbst nicht bemerken.Sie bemühen sich auf das Hier und Jetzt konzentriert zu sein, um sich nicht mit dieser Angelegenheit zu konfrontieren. Die Ursache dafür ist oft, dass man sein Problem nur von einer einseitigen Sichtweise aus ansieht und nicht gelernt hat, es von verschiedenen Seiten her zu betrachten. Dann kann man das vergangene Geschehene nicht aktzeptieren. Um es zu akzeptieren braucht man Naikan. Wenn man Naikan macht, dann konfrontiert man sich direkt mit dem Geschehen. Insofern ist es harte Arbeit. Wenn man aber mutig das Geschehen als Realität akzeptiert hat, dann wird man davon frei. Naikan machen heisst, sich von den Verflechtungen der Vergangenheit zu befreien und das gegenwärtige Selbst völlig zu akzeptieren. Wenn man das geschafft hat, dann hat man sich von den selbst geschaffenen Verflechtungen befreit und kann wirklich im Hier und Jetzt leben. Wenn man sich nur bemüht im Hier und Jetzt zu sein, ohne sich von der Vergangenheit befreit zu haben, dann ist man auf eine sehr eingeschränkte Art in der Gegenwart. Wenn man dagegen von der Vergangenheit befreit ist, dann kann man die Gegenwart voll geniessen, das gute Essen oder die Musik. Wenn man nicht befreit ist, dann bemüht man sich nur, das Hier und Jetzt wahrzunehmen, ohne wirklich zu erfahren, was das ist. Eine andere Gefahr dieser Haltung ist übrigens, dass man alles ohne Überlegung macht. Man macht alles nur aus dem “Hier und Jetzt” und verstrickt sich dadurch immer tiefer in die Verflechtungen der Vergangenheit.”

2. Ein weiteres ist, dass wir uns zu leicht von der Praxis ablenken lassen. Eingefügeltes Zensprichwort, das mein Lehrer Missen Michel Bovay oft benutzte, lautet: Es gibt tausend Hindernisse um zu praktizieren, aber keinen Grund nicht zu praktizieren. Unser Alltag ist in der Regel dicht getaktet, erkennen Sie an, dass sie keine Zeit zur Praxis haben, also müssen Sie sie erschaffen, also morgens z.B. eine Stunde früher aufstehen oder auf ein Sesshin fahren. Sie müssen auch nicht in Topform sein, um Zazen zu praktizieren, gerade wenn sie kränkeln oder in der Krise sind, ist es hilfreich Shikantaza oder Naikan zu machen.

3. Seien sie misstrauisch gegenüber sogenannten “Meistern”, lassen Sie sich von Ihnen nicht überreden etwas zu tun, was Ihnen nicht entspricht, glauben Sie Ihnen nicht. Ganz gemäss der letzten Unterweisung Buddhas – Nehmt Zuflucht zu euch selbst, zu eurem Gesetz. Nehmt zu niemanden Anderen Zuflucht – vertrauen Sie jedoch in erster Linie tief der täglichen Praxis und den Verdiensten des Zazen.

4. Viele Lehrer mit ihren Schülern geraten oft sehr schnell ohne böse Absicht in ein paar Fallen, die sektenähnliche Strukturen, Mission, wirtschaftliche Interessen, Meister-/Gurugedöns zur Folge haben. Die Gründe liegen sowohl auf Seiten des sog. Meisters als auch beim sog. Schüler.

  • Lehrer: Viele Lehrer sind sehr vertraut mit dem Zen, ihre Praxis, ihrer Methode, haben sehr viel gegeben, wissen sehr viel, sind erleuchtet und erwachtet, haben Charisma. Doch sie haben sich und ihre Bedürfnisse nicht selbst geklärt, ihe Schattenseiten das Unterbewusste nicht angeschaut oder ihre Ausbildung zu früh für beendet erklärt. Deshalb sollte jeder Lehrer, Therapeut, Meister zum Beispiel Naikan gemacht haben, um eine ganze, erwachsene Person (Buddha) zu werden, die fähig ist Schüler anzuleiten, ohne sich in Beziehungen verstricken, ohne unterschwellige Ziele aus den Bereichen Wirtschaft, Macht, Anerkennung zu verfolgen. Es geschieht das was Chögyam Trungpa Rinpoche als “spiritueller Materialismus” bezeichnet hat. Jeder Lehrer/Therapeut/ Meister sollte daraufhin volle Verantwortung für Geschehnisse in seiner Sangha übernehmen. Der Lehrer sollte die Rolle eines Bergführes übernehmen, nicht mehr – den besten Weg auf den Gipfel zeigen, vor Irrwegen und Gefahren warnen.
  • Schüler: Viele Schüler suchen sich einen Lehrer und geben aus welchen Gründen auch immer sämtliche Verantwortung an den Lehrer/Meister/Therapeut ab. Ausserdem aus Gründen des o.g. spirituellen Materialismus verfolgen sie ähnliche, unbewusste Ziele wie der “Chef”, sonnen sich im Rampenlicht des grossen und besten Meisters, der reinen Lehre, geben sich selbst für die Ziele des Gurus auf und vergessen dabei wie hinderlich dieses eigentlich kindliche Verhalten für ihre eigene spirituelle Entwicklung ist. Auch der Schüler muss selbst seinen Weg gehen, das Unbewusste, die Schattenseiten gnadenlos anschauen, ansonsten schlägt dieser Part immer wieder im Leben des Schülers gnadenlos zu. Und oft kommt es nach Jahren treuer “Hundedienste” zum bösen Erwachen. Stattdessen sollte der Schüler “Erwachsen werden”.
  • Um Sektenähnliche Strukturen zu vermeiden sollten Lehrer und Schüler aufeinander aufpassen, – es darf keine Tabus geben über die man reden kann – und unbedingt sich selber von allen Seiten überprüft haben und selbst geklärt haben, inklusive ihre oft unbewussten, tiefer liegenden Bedürfnisse und folglich z.B. Naikan gemacht haben. Hilfreich sind folgende Medien: Der Film “Guru”, Die Klassiker  “Gierige Institutionen” von Lewis A. Cosen und “Spirituelle Materialismus” von C. Trungpa und diese Homepage.

5. Der Missbrauchskandal hat sich von der christlichen Kirche längst auf die buddhistischen Meister auch des Zen ausgeweitet. Gehen sie auf entsprechende websites wie twitter#metooguru,  die Missbrauch von Lehrern öffentlich gemacht haben. Falls sie Betroffener sind, legen sie Zeugnis im Sinne von “bearing witness”  ab. Es ist wichtig solche Fälle öffentlich zu machen, um die “Täter” zu motivieren ihre Schattenseiten anzuschauen und sich nicht hinter Priester/Lehrer/ Gurustatus und ihren Sekten/Institutionen/Rollen zu verstecken. Es gibt keinen dharmischen Grund oder Rechtfertigung für solches Handeln. Wer so etwas tut kann kein Dharma-Lehrer sein! Als ich diese gerade schrieb, kamen mir selber erfahrene sexuelle Übergriffe in den Sinn.

6. Seien sie ehrlich gegenüber sich selber: Warum praktiziere ich? Überprüfen sie ihre Praxis? Verwechseln sie den Schatz der Sangha nicht mit Familie, Verein, etc.. Überlegen sie sich, ob sie nicht bevor sie sich auf einen spirituellen Weg begeben, eine Therapie machen sollten und/oder Naikan, etc..

 


Arbeitslosigkeit und Hunger nach Sinn

Arbeitslosigkeit und Hunger nach Sinn

Aufsatz von Prof. Viktor Frankl

Ich kenne den Hunger. Im Ersten Weltkrieg bin ich zu Bauern um Brot betteln gegangen, und im Zweiten Weltkrieg hab’ ich eine Zeitlang
in einem Konzentrationslager von achthundertfünfzig Kalorien pro Tag gelebt und vierzig Kilogramm gewogen.

Aber auch in der Zwischenkriegszeit habe ich hungernde Menschen kennengelernt, und zwar im Zusammenhang mit einer von der Wiener

Arbeiterkammer gestarteten Aktion »Jugend in Not«,in deren Rahmen ich den Auftrag hatte, junge Arbeitslose psychologisch zu betreuen.

Und es ist jetzt fünfzig Jahre her, dass ich über meine diesbezüglichen Erfahrungen in der Sozialärztlichen Rundschau den Aufsatz veröffentlicht habe. Und zwar konnte ich nachweisen, dass die Depression der jungen Leute darauf zurückzuführen war, dass sie sich sagten: Ich bin arbeitslos, folglich bin ich nutzlos, folglich ist mein Leben sinnlos! Es handelte sich also im Grunde um ein Sinnlosigkeitsgefühl, das die Depression ausgelöst hatte! Und das konnte dadurch nachgewiesen werden, dass in dem Augenblick, in dem es mir gelungen war, diese jungen Leute in irgendeine Jugend- organisation oder in eine öffentliche Bücherei oder in eine Volkshochschule einzuschleusen, wo sie eine unbezahlte, ehrenamtliche Funktion übernehmen konnten, die sie auch persönlich ansprach, im selben Augenblick die Depression verschwunden war – obzwar ihnen der Magen nach wie vor geknurrt hat, und zwar buchstäblich, denn seinerzeit musste ein Arbeitsloser buchstäblich hungern; aber ich werde nie vergessen, wie mir so mancher von diesen jungen Arbeitslosen entgegen geschrien hat: Was wir wollen, was wir brauchen, ist ja nicht nur das Geld, von dem wir leben können, sondern in erster Linie etwas, für das wir leben könnten- etwas, das unserem Leben einen Sinn gibt!

Es gibt also nicht nur einen Hunger nach Brot, sondern sehr wohl auch einen Hunger nach Sinn! Und das wird auch im Wohlfahrtsstaat von heute zu wenig berücksichtigt. Auch im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit. Das sogenannte soziale Sicherheitsnetz, möchte ich sagen, ist zu weitmaschig: Die seelische Not der Arbeitslosen, sein Sinnlosigkeitsgefühl, fällt durch!

KOMMENTAR von Elisabeth Lukas: Nach wie vor sind Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger gewaltige Themen eines Großteils unserer Welt. Der restliche Weltteil hat andere Sorgen, vielleicht nicht weniger grässliche. Aber eine seelische Not verbindet uns alle miteinander, nämlich der Hunger nach Sinn. Dabei gäbe es sinnvolle Aufgaben im Überfluss, zum Beispiel in der sozialen Umverteilung der Güter, ….