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Es ist ….

 
Es ist ein nie endender Kreislauf von Vergehen (Herbst/Winter) und Entstehen (Frühling/Sommer)….
Vergehen/Entstehen lässt sich offenbar nicht so einfach separieren/unterscheiden…
Es ist komplexer, alles miteinander verwoben…
 
“Im Licht ist die Dunkelheit,
Doch haltet sie nicht für Dunkelheit.
In der Dunkelheit ist das Licht,
Doch betrachtet es nicht als Licht.
Licht und Dunkelheit sind Gegensätze“ aus dem Sandokai
 
Es ist etwas, das unabhängig, ausserhalb unserer Kontrolle passiert…
Es ist etwas, was auch passiert, wenn wir nicht mehr da sind….
Es zeigt, wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ein Jahr weniger, um als Bodhisattva erfüllt von Gelübden die Welt/Wesen zu retten? (Also muss ich nochmal wieder kommen;-)
Es ist wieder Zeit mit den DREI Naikanfragen Rückschau zu halten:
Was habe ich alles erhalten?
Was habe ich alles wem gegeben?
Wem habe ich Schwierigkeiten bereitet?

Es ist eine heilige Zeit,… es ist ruhiger und stiller und oft dunkler als sonst..
Es ist die Zeit mit der Familie zu sein..
Es ist die Zeit von Stille und Frieden…
Es ist die Zeit, in der ich gerne draussen bin, das Licht, die Stimmung alles ist anders…
Es ist die Zeit, in der vor 2019 Jahren laut christlichem Glauben “ein Licht” in die Welt geboren wurde?

Wo, was, wie ist meinem Licht?
Produziere ich genug Energie, damit es nach aussen leuchten kann?

 
 
 

Mit gekreuzten Beinen sitzen

Ein Zitat von Kosho Uchiyama Roshi zum Mysterium Zazenhaltung:
„Eines Tages kam ein Westler zu mir und fragte mich: Ich möchte gerne Zazen praktizieren, aber ich kann nicht mit gekreuzten Beinen sitzen. Was denken sie über auf dem Stuhl sitzen während Zazen?
Es ist nicht so gut. Im Halblotus oder Volllotus sitzen ist etwas komplett anderes als auf dem Stuhl sitzen. Wenn sie wirklich richtig sitzen, werden sie den Unterschied merken. Es scheint ähnlich zu sein, aber der mentale Zustand ist anders. Wenn sie mit gekreuzten Beinen sitzen, wird der Körper gerade und der Geist wird auch geradeaus, direkt, unkompliziert, einfach (straightforward).
Im allgemeinen, weil Westler lange Beine haben, können die, die in ihren 20ger Jahren beginnen, oft einfacher sitzen als Japaner; die in den 30er Jahren scheinen oft Schmerzen zu haben, und es sind nur wenige die in ihren 40er mit dem Sitzen beginnen können. Es ist fast unmöglich für Menschen in den 50er Jahren. Wenn Personen aber trotz des Alters sitzen wollen, empfehle ich das Stuhlsitzen als die 2. beste Methode. Der entscheidende Punkt ist, dass sie auch hier die Wirbelsäule so strecken, dass sie sich fühlen als würden sie den Unterleib auf ihren Schoß platzieren. Und dennoch ist das dann eine ganz andere Haltung als die echte Zazenhaltung. Warum wird Körper und Geist „straigthforward“? Ich kann es nicht mit Worten erklären.“


Sesshin = Loslassen

Was sind die Alternativen zu Loslassen während des Zazens? – Kämpfen, Aushalten, Wegträumen/Dösen,….Das Erleben der Freude und Leichtigkeit von Zazen, wie von Meister Dogen beschrieben, insbesondere in einem Sesshin, geht nur über das virtuose Anwenden des Loslassen. Schmerzen körperlicher oder seelischer Art sind doch, so eine Sichtweise, oft Folge von Verspannungen psychischer und/oder muskulärer Art. Wie sollte ein Rohatsu mit 14 Stunden Sitzen/Tag zu Zazen in Leichtigkeit und Freude führen, ohne Loslassen? (abgesehen von der richtigen Zazenhaltung natürlich, s. Fussnoten 1-6):-) Wie sollte vieles andere Leid dieser Welt zu Freude führen?

Eine persönliche Anmerkung mit Beispiel: Persönlich finde ich das Loslassen während eines Sesshin nach fast dreissig Jahren Übung als recht einfach. Das 7Tage Sitzen à 14 Stunden, wie bei einem Rohatsu à la Antaiji führen einen wie von selbst dort hin. Freude und Leichtigkeit werden zur Basis. Doch im Alltag finde ich es immer noch schwierig jederzeit loszulassen, besonders bei körperlichen Schmerzen. Durch eine verkrümmte Wirbelsäule und diverser Schleudertraumen in der HWS kann es bei mir durch Überbelastung/Fehlbelastung oder kleinere Unfälle immer wieder zu sehr starken Verspannungen im rechten Rückenbereich kommen, die wenn ich sie nicht Loslassen kann, zu starken Verspannungskopfschmerzen mit Atemproblemen im schlimmsten Falle gar zu Migräne führen können. Natürlich habe ich in den letzten Jahren meine Dehnübungen entwickelt und es gelingt mir in 99% der Fälle selbst innerste, einst tief verborgene Muskeln zu entspannen; doch fand die Überbelastung auf mehreren Ebenen statt, z.B: Wandern, Holzspalten und noch ein kleiner Ausrutscher beim Wandern, dann können die Verspannungen komplex und unübersichtlich werden und mich zu tagelangem ständigen Loslassübungen führen. In sehr seltenen Fällen (1-2x pro Jahr) hilft aber immer noch gar nix, ausser eine Schmerztablette nehmen,…ergo weiter Loslassen;-)
Doch durch unendliches Loslassen kann ich auch im Alltag ständig aktiv Verspannungen loslassen bzw. die Muskeln der Wirbelsäule aus der Fehlhaltung durch aktives Gegensteuern bei gleichzeitigem Entspannen herausführen. In einem Sesshin führt dieses Loslassen/ aktive Korrektur durch jahrelange Übung zu ununterbrochenen Üben auch im Schlaf, also nonstop….es wird zur heilenden Gewohnheit. Im Arbeitsalltag, kann ein längerer Unterbruch der „aktiven, unbewussten“ Übung allerdings zu immer wieder kehrenden Rückschritten bzw. Stillständen führen, so dass sich der ganze Prozess über Tage hinziehen kann. Das klingt mühsam, doch wie wunderbar ist doch das Gefühl der Selbstkontrolle, ich kann meine Krankheit selber heilen und bin dadurch körperlich auch immer noch recht fit und belastbar. Ein Gefühl grosser Dankbarkeit und Freiheit sind Folge dieses unablässigen Übens körperlichen Entspannens und Autokorrektur. Über die Benefits des Loslassen auf den verschieden geistigen Ebenen mag ich jetzt gar nicht erst eingehen.
Also…, deswegen finde ich die Fussnoten 9 auch ungemein wichtig, versucht er doch diesem wichtigen, schwierigen Thema auf den Grund zu gehen und es uns Nahe zu bringen. Zazen/Sesshin ist keine Askese!

Ein wunderbaren Herbst des Loslassen euch!

Herzlich und Gassho
Gyoriki


Roshi zerstören wir die Welt?

In diesem Zusammenhang las ich heute im neusten Sanshin-ji newsletter, in der Rubrik “Fragen an den Zenlehrer Okamura: Roshi“ folgendes:

Frage: Roshi, zerstören “wir” die natürliche Welt?

Die Antwort von Shohaku Okumura: Alles bewegt sich und verändert sich, kommt und geht in dieser großartigen Natur. Innerhalb dieses gesamten Netzwerks von voneinander abhängigen Ursprüngen ist jeder von uns wie eine Wolke am Himmel – erscheinen, eine Weile bleiben, sich ändern und verschwinden. In unserem Zazen werden wir wirklich ein Teil dieser Bewegung. Weiße Wolken behindern nicht das gesamte Netzwerk oder den riesigen Himmel. Aber irgendwie zerstören wir Menschen die Natur. Wir behindern diese ganze Bewegung aufgrund unserer Wünsche, aufgrund unserer Illusion, dass wir das Zentrum der Welt sind und dass es das Richtige ist, unsere Wünsche zu erfüllen. Indem wir versuchen, unsere Wünsche zu erfüllen, stören wir dieses gesamte Netzwerk. Wir zerstören sogar die Natur. Obwohl wir ein winziger Teil der Natur sind, glauben wir, dass wir der Eigentümer der Natur sind. Ich denke, das ist eine sehr grundlegende Täuschung, die wir modernen Menschen haben. Und so schaden wir uns.

Wenn ich selbst erfahrenen Zazenpraktizierden, wie z.B. gestern an der Hauptversammlung, von den Sesshins hier im Old Antai-ji Stil erzähle, dann kommen immer Fragen und spontane Reaktionen, wie:

Warum muss das so hart sein! Geht es nicht sanfter? Das ist doch schwierig, anstrengend, Selbstkasteiung, Askese? Müssen Anfänger denn auch so hart sitzen? Ist es nicht besser sanft einzusteigen? Einsteigersesshins, z.B? Kein Wunder kommt keiner! Auf der anderen Seite berichten sie, dass es in anderen Sanghen zu wenig Zazen, zu lasch, zu sanft, zuviel Geschwätz, etc. gibt! 14 Stunden Zazen am Tag erscheint vielen Menschen als „Hart“! Es macht ihnen Angst, wenn sie ehrlich sind, macht Ihnen schon ein Zazen Angst. So schade!
Zazen gilt als hart, schwierig, nüchtern, gefühlsfeindlich, menschenverachtend, im Zazen sind Freude, Leichtigkeit, wohlfühlen nicht möglich…u.v.m., Zennonnen und mönche gelten als harte „Kerle“ ohne Sinnlichkeit und mit abgetöteten Gefühlsleben! Wenn ich dann antworte das Gegenteil ist der Fall: 14 Stunden Zazen am Tagen machen es erst möglich, wie Dogen sagt, grosse Freude und Leichtigkeit zu empfinden, dann denken sie, der „verarscht uns, der will uns ködern. Ebenso erscheint eine Woche Naikan vielen, auch mir damals, als unvorstellbar anstrengend, hart, schwer und schwierig, ….So scheint es nur wenigen vergönnt zu sein, easy und happy zu praktizieren und ich sitze meist alleine solche Sesshins hier.

Interssanterweise geht Isso Fusshita in seinen Fusnoten zu Zazen 7, die ich heute übersetzte, genau auf dieses Dilemma ein. Viel Freude und Leichtigkeit beim Zazen euch! Gebt Zazen noch eine Chance 🙂

Ganz herrlichen Spätsommer euch!

Gassho Volker