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Freude auf dem Weg

Freude auf dem Weg

Missen Meiho Bovay war ein begeisterter Radfahrer und wir machten an den Freitagen zwischen den Sommerangos im Tempel La Gendronniere gerne lange Rennradausfahrten. Wir hatten beide das Gefühl, dass nach einem Sesshin dieses Körper/Geist Erlebnis besonders intensiv war. Die Farben, die Gerüche, der Fahrtwind…alles intensiver und schöner. Er betonte sehr, dass dies auch ein wichtiger Aspekt und eine schöne Erfahrung der Praxis sei und er bedauerte vor seinem Tod sehr, dass er dem, wegen seiner vielen Verpflichtungen als Präsident der AZI und Zenlehrer, nicht öfter nachgehen konnte. Er riet mir als Schüler, dem mehr Raum zu geben. Dies versuche ich neuerdings, denn viel Raum für solch schöne Dinge blieb auch mir nicht in den letzten Jahren, neben Berufstätigkeit und Zenpraxis. Doch nun, wo ich es tue, genieße ich jede Minute dieses Geschenks und erhole mich langsam von den Strapazen der letzten Jahre.

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Selbst Meister Dogen schwärmte in Gedichten über intensive Naturerfahrungen außerhalb des Tempels, doch er ging gleichzeitig in diesen wunderschönen Gedichten teilweise hart mit sich ins Gericht und bereute, dass er immer noch auf solche nichtigen, sinnlichen Glückserfahrungen hereinfiel. Im Alter, er starb mit 52 Jahren, wurde er dann milder zu sich selbst. Ich bin mit 59 Jahren eher bei meinem Ordinationsmeister, ohne die wichtigen Aspekte der Praxis, Gyoji und die Leerheit der Geistererscheinungen anzuerkennen, im Gegenteil. Doch die Zeiten haben sich geändert, Dogen lebte Jahr ein Jahr aus inmitten der Natur in Abgeschiedenheit. Er bewegte sich ausschließlich, auch über lange Strecken, wandernd fort. Heute leben die meisten von uns in einer lärmigen Stadt, sind der digitalen Welt und den Medien ausgesetzt, bewegen sich oft

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zu wenig und brauchen die Heilung der Natur und durch Bewegung mehr als früher.

Im Grundsatz hat Meister Dogen natürlich vollständig recht, das Leben eines Zenmönches sollte sich auf die drei Schätze Buddha, Dharma und Sangha und auf die Verwirklichung der Wirklichkeit in jedem Moment an jedem Ort und natürlich dem „Gutes Tun“ konzentrieren. Aber die Freude und das Spielen auf dem Weg sind nicht unerhebliche Faktoren:-), auch lange auf dem Weg zu bleiben. Die meisten Zenpraktizierenden hören spätestens nach 10 Jahre auf, weitere nach 20 Jahren…, kaum jemand erreicht die von Uchiyama Roshi geforderten mindestens 30 Jahre Praxis. Neben denen, die nie in eine tiefe Praxis einsteigen, gibt es auch einige verbitterte, angefressene Nonnen und Mönche auf dem Weg, die vielleicht allzu sehr auf Askese setzen. Insbesondere in Kotai-ji habe ich nebenbei auch gelernt, dass ein Tag ohne Lachen ein vertaner Tag ist und trotz der Fülle der Pflichten und anstrengenden, langen Tagen, gab es viele Momente der ausgelassenen Freude und des Lachens. Mir bereiten deswegen Nonnen und Mönche egal welcher Religion Bedauern, die allzu aufopferungsvoll praktizieren und darauf zu warten scheinen, dass es jemand wertschätzt, was sie alles auf sich nehmen und leisten. Doch alle, die Zuflucht zu Buddha, Dharma, Sangha nehmen, sind auf dem Weg und sind Buddhas, dies sollte jeder Praktizierende tief verinnerlichen. Mögen alle Praktizierende die höchste Zuflucht nehmen.


Wohin mit der Zenpraxis in Europa?

Für uns Praktizierende in Europa ist es schwierig, an einem 90 tägigen Ango teilzunehmen. Es braucht eine lange Vorbereitung, um 90 Tage Sonderurlaub zu bekommen, oder man muss sogar eine lange Zeit Urlaub sparen oder gar den Job kündigen. Doch wenn man die offensichtliche Wichtigkeit und grosse Chance dieser Übungsperiode begreift, die heutzutage übrigens zweimal, Sommer- und Winterango, stattfindet, ist es jedem möglich. Unsere Meister

der Tradition, die alle den Weg des Angos gegangen sind, empfehlen uns dies zu tun. Auch ich kann es nur jedem empfehlen.
Hier in Sanko-ji ist ein Ango nicht möglich, da eher eine Einsiedelei, aber beispielsweise ist es möglich in Sanshin-ji und in Ryumon-ji beide in den USA, an einem Ango teilzunehmen. Ich und jeder, der ein Ango gemacht hat, kann dies nur empfehlen. Aber es braucht Mut und Vertrauen in den überlieferten Weg. Unsere Vorurteile und Vorbehalte beiseite schiebend, einfach der Zenprämisse folgen – Just do it. Wer ganz mutig ist, nimmt gleich an einem Ango in Japan in einem der Sermon Sodos teil, beispielsweise in Kotai-ji, wo ich war. Hier in Kotai-ji wird Wert darauf gelegt, dass Ango so durchzuführen, wie Meister Dogen es einst in Japan eingeführt hat und zwar so, wie er es in China gelernt hatte.Wie gesagt, das Ango Ritual geht auf Buddha zurück und ist bis heute überliefert. Es ist auch in meinem Alter möglich, dort teilzunehmen, doch empfehle ich allen, nicht so lange zu warten, wie ich es tat. Meine Ignoranz ließ mich viel Zeit vergeuden, da ich glaubte, ein solches Ango sei überholt und in der heutigen Zeit nicht mehr nötig bzw. nicht möglich. Eine Illusion, die ich noch rechtzeitig überwinden konnte.

Der Weg des Zen ist sowieso ein einziges Abenteuer, wer ihn ernsthaft geht, ohne das Zazen für seine Lebenskonzepte einzuspannen, führt ein immer wieder frisches, sich neu manifestierendes Leben, ganz so wie das Leben eigentlich ist. Doch neigen wir Menschen dazu, unser Leben kontrollieren zu wollen. Wir wollen Wohlstand, Glück, Anerkennung, das Beste für die Familie, etc.. erlangen, Konzepte, die das Leben für uns nicht immer vorgesehen hat und die uns vom Weg fernhalten. Nonne oder Mönch werden heisst in den Strom des Lebens einzutauchen und lebendig und frisch eins zu werden mit ihm – dem Flow des Zazen folgen. Oder wie Uchiyama im obigen Beitrag schreibt: Der buddhistische Samādhi, also Zazen, ist die Grundlage für die Manifestation dieses Lebens.

Immer noch ist in Europa die Meinung verbreitet, wie ich sie auch lange hatte, dass ein traditionelles Ango, so wie es von Dogen überliefert wurde und bis heute in den Sermon Sodos durchgeführt wird, nicht wichtig sei.
Das hat verschiedene Gründe, ich möchte hier nicht alle darlegen, aber eine Auswahl:

Von Buddha an, bis heute werden unterschiedliche Dharmas für Nonnen/Mönche auf der einen Seite und für Laien auf der anderen Seite gelehrt. Erstere sind bereit wirklich, zumindest zeitweise während eines Angos, aus der normalen Welt herauszutreten und ein vollkommen anderes Leben zu führen und es ist ein vollkommen anderes Leben, wie ich in meinem Artikel “180 Tage Kotaiji versucht habe” im letzten Sanko-ji Brief, darzulegen. Es ist anstrengend und erwartet von jedem bedingungslose Hingabe von Körper und Geist. Das, was wir dort lernen, ist ein Schatz, den wir als Lehrende weitergeben.
Laien können dies normalerweise nicht, sie haben nicht die Zeit und die Hingabe dafür. Sie konzentrieren sich mehr auf das Leben in unserer Gesellschaft, sie praktizieren Zazen, wenn es für sie möglich ist, sorgen für Familie und Kinder und unterstützen im besten Fall Nonnen und Mönche dabei, dass sie die Buddhapraxis auf sich nehmen. Beide sind unbestrittene Buddhas und Bodhisattvas, doch der Fokus ist ein anderer. Beide leben in Sansara, doch Mönche haben die Möglichkeit mehr Zeit in Nirvana zu verbringen, was nicht anders heißt als in Zazen oder in der Praxis von Körper und Geist.

Durch den frühen Tod von Taisen Deshimaru Anfang der 80er Jahre ist die Angopraxis nur in Ansätzen weitergegeben worden. Außerdem hatte er im Gegensatz zu seinem Lehrer Kodo Sawaki gar nicht die Möglichkeit, ein traditionelles Ango zu machen. Um Missverständnissen vorzubeugen, was Deshimaru und seine Schüler erschufen, ist ein wunderbares Geschenk. Er brachte Zazen nach Europa und setzte viele Prinzipien der Praxis um. Doch neben der wenigen Zeit, die er leider hatte, dürfen wir nicht vergessen, dass er unglaublich erfolgreich war, er schuf über 100 Zenzentren, einen der größten Tempel der Welt, etc….Er konzentrierte sich auf das Wichtigste – die Verbreitung von Zazen. Seine Schülerinnen waren oft aus der Hippieszene und Deshimaru wurde schnell zu einer Art Guru. Er brachte das Nähen des Kesas nach Europa und kreierte die Bodhisattva Ordination. Doch zwischen der Praxis eines Mönches und Laiens war fast kein Unterschied. Dies alles erzählte mir mein Ordinationslehrer Michel Bovay, langjähriger Assistent von Deshimaru, der mich auch in dieser Tradition 1997 als Mönch ordinierte. Auf meine Frage, wann ich denn so weit sei, Mönch zu werden, antwortete er damals: “Sobald du darüber nachdenkst, bist du schon soweit”. Dem folgte ich damals, als Voraussetzung musste man nur diesen Wunsch haben, das war es. Diese Ordination war auch nicht offiziell anerkannt, weil die Schüler Deshimarus den Kontakt zur Sotoshu Japans abgebrochen hatten. Der Fokus lag, wie schon gesagt, auf der Verbreitung der Praxis von Zazen und nicht auf der Schulung und Erziehung der Mönch zu Lehrern in der Tradition Buddhas, dazu wurden Kompromisse eingegangen und Fehler gemacht. Erst 2000 beschloss man wieder in die Tradition einzutreten, Michel Bovay als Präsident der AZI war der erste, der nach Japan ging, um Gespräche zu führen und als Lehrer bestätigt wurde. Aber auch er musste keinen traditionellen Weg gehen, lediglich seine Schüler. Seine bisherigen Erfahrungen, Einsatz und Praxis, ob ausreichend oder nicht, wurden anerkannt. Viele der damals von Deshimaru und seinen Schülern ordinierten, haben deshalb oft den Eindruck, dass dieser traditionelle Weg überholt sei und lehnen Ango und traditionelle Praxis ab.

Dahinter steckt aber aus meiner Sicht, und ich darf das sagen, weil ich selber so dachte: Ignoranz und Sorge, Stellung und Privilegien zu verlieren. Ungemein viel verpassen sie.
Trotzdem haben Kritiker auch recht, es gibt wie immer ganz viele verschiedene Seiten. Die traditionelle Zenausbildung ist weit weg von einer modernen Ausbildung. Ähnlich wie beispielsweise in katholischen Kirche läuft vieles schief, ich möchte hier nicht näher eingehen, nur Stichworte: Drill, Erniedrigung, Gewalt, Hierarchien stehen dem Dharma entgegen. Außerdem ist oft eine Geschäftsidee dahinter. Man sollte sich sehr genau den Angotempel aussuchen.

Vieles habe ich ja schon in meinem Artikel 180 Tage Kotai-ji geschrieben. Zusammengefasst, könnte es für das Soto Zen in Europa hilfreich sein, dass wir:

  1. Einen definierten, genauen Unterschied zwischen Laien und Nonnen/Mönche machen.
  2. Ein Sermon Sodo aufbauen unter einem Lehrer, der die Prinzipien der traditionellen Lehre und mit wichtigen Prinzipien moderner Erziehungsmethoden vereint, ohne dass die Essenz der Lehre Buddhas verloren geht.
  3. Dies wird die Schwierigkeit sein, da sich die Lehre und Praxis Buddhas und moderne westliche Erziehungsprämissen oft

ausschließen. Denn letztere führen nicht zu Stärke und Verantwortungsbewusstsein, den ein Bodhisattva haben sollte, sondern ist meist auf Bedürfnisbefriedigung des Auszubildenden orientiert, was aber zu Abhängigkeit und Schwäche und nicht zu Selbstlosigkeit eines Bodhisattvas führt.

  1. Lehrer und Schüler begegnen sich auf Augenhöhe. Vertrauensvoll kann der Schüler den überlieferten Buddha Weg gehen. Das heißt nicht, dass der Lehrer für den Schüler den unendlichen und schwierigen Weg geht. Jeder geht grundsätzlich den Weg allein, der Meister kann Empfehlungen geben oder erklären, wie er mit einer ähnlichen Situation umging. Sanshin-ji Style wäre für mich hier ein Modell. Okumura Roshi ein großes Vorbild.
  2. Starke und richtige Zazenpraxis als Voraussetzung. Wir sollten uns hier an der Praxis des Buddha und Patriarchen ordinieren und nicht an marktorientierten Angeboten, die darauf ausgerichtet sind möglichst viele Menschen anzuziehen.

Eins und Verbunden Sein

Während ich an diesem Brief schreibe, sitze ich in den Walliser Bergen inmitten eines einzigen großen Rauschens der Bäche. Der viele Regen und die Schneeschmelze bewirken, dass das Rauschen diesen Frühsommer tiefer und lauter ist. Nur einzelne Vögel und Grillen schaffen es, dieses Rauschen zu übertönen.

Einzig? – Lauscht man genauer, dann hört man, dass das Rauschen ständig wechselt, immer anders ist, es nicht erfassen kann und man die zwei Bäche deutlich in den Tönen unterscheiden kann, die das Maiensäss La Raspille wie eine Insel umfließen. Denn wenig unterhalb vereinen sie sich zu einem einzigen großen Bach, der aber auch nicht erfassbar sein wird.

Die Dent Blanche im Süden trägt heute einen Wolkenhut. Unterhalb der noch weißen Kämme funkeln einzelne Schneefelder und weisse Häuser inmitten des frischen Grüns der Alpen und den schon freigelegten grauen Schutt Feldern in der Morgensonne.

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Inmitten von all dem sitzend habe ich das Gefühl, dass das Verbundensein mit allem, das “nicht getrennt sein”, spürbarer und eindrücklicher ist, als an anderen Orten.

Das ist auch der Grund, warum ich schon von Kindesbeinen an die Natur, die Bäche und den Wald suchte. Instinktiv, mir ging es oft nicht so gut als Kind, suchte ich die Geborgenheit des Waldes. Inspiriert von Büchern wie Lederstrumpf, Jack Londons Büchern, Winnetou, etc., die ich immer hunderte Male auch als LP und Kasette hörte, pirschte ich, voll damit beschäftigt keine Geräusche zu machen, immer auf der Lauer Tiere zu beobachten durch den Wald, baute an Stellen Hütten wo mich niemand entdecken konnte, ja fasste sogar kleine Quellen ein. Hier war der Schmerz meiner Kindheit und die Einsamkeit erträglich und ich war bloß alleine inmitten des Seins. Dies war mir möglich, weil ich oft bei meinen Grosseltern in der Eifel sein durfte, während meine Mutter im Krankenhaus war. Meine Großeltern ließen mir diese Freiheit, auch wenn es wichtig war, absolut pünktlich zum Essen wieder da zu sein. Mein Großvater drückte auch ein Auge zu, als ich das streng verbotene Beil und anderes Werkzeug entwendete für meine Projekte im Wald. Für das bin ich Ihnen unendlich dankbar. Die Natur, der Wald und das aufmerksame wache Bewegen heilten und führten mich. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes die Wurzel, meinen Weg in schwierigen Zeiten zu gehen. Bis heute!

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Die Sehnsucht nach Einheit, nach Verbunden sein, ist tief in uns verwurzelt. Sie ist einfacher in der schönen Natur zu erfahren, als an anderen Orten. Um sie zu erfahren, ist es besser alleine zu sein oder zumindest zu schweigen ist vonnöten. Genauso, alleine und schweigend, sitzt man in Zazen, auch wenn andere Personen und andere Geräusche da sind, stört das nicht.

Sobald wir jedoch beginnen zu kommunizieren und sei es nonverbal, verschwindet dieses kurze Einheitsgefühl unmittelbar, weil dadurch unser unterscheidender Geist eingreift. Sowohl in der Naikan Übung als auch im Soto-Zen Sesshin ist es deshalb wichtig, jede Kommunikation, die nicht lebensnotwendig ist, auszuschließen, d.h.: ernsthaft schweigen und den Blick senken ist sehr hilfreich.

Sowieso ist es uns Menschen unmöglich, diesen, nennen wir ihn hier – universellen Geist, zu erfassen. Da unser konditionierter Geist nur mit Hilfe von Konstrukten wie Raum und Zeit arbeiten kann. Wir Menschen haben beispielsweise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschaffen, um uns zu orientieren. Selbst im Zen heißt es, sei ständig im Hier und Jetzt. Doch das Hier und Jetzt oder nennen wir es Moment ist so kurz, wie ein Lichtblitz und eh wir Menschen ihn wahrgenommen haben, ist er ja schon vorbei, so dass wir auf der Jagd nach ihm immer hinterher hinken. Durch verschiedene Praktiken können wir uns dem Hier und Jetzt nähern und dies ist sehr wertvoll und doch ist uns Menschen das wirkliche Hier und jetzt versagt. Dies müssen wir anerkennen und wissen.

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Uchiyama Roshi berichtet jedoch, dass er etwa nach dreissig Jahren intensivster Zazenpraxis das Gefühl hatte, dass er sich langsam dieser Einheit annähern würde. Das lässt doch hoffen, oder !?

Außerdem kennt jeder von uns die Momente, diese Besonderen, wo wir dieser Einheit näherkommen können. Diese Momente sind wunderbar und kostbar und wir vergessen sie niemals. Aber Achtung vor der übertriebenen Bewertung dieser Momente. Denn es gilt die Prämisse, uns Menschen ist es versagt, dies wirklich zu erfahren. Dies auch wenn die Zenliteratur, die Texte der Religionen und Esoterik voll von Erleuchtung Berichten sind, die übrigens teilweise in extremen Zuständen oder im Drogenrausch gemacht wurden.

Wir reden im Zen von Kensho oder Satori, jeder Zazenpraktizierende kennt diese Zustände und Erfahrungen. Doch schade! Illusion! – nichts Anderes. Für den Anfänger mag diese Erfahrung frustrierend sein, aber Kodo Sawaki hörte nicht auf zu betonen: Zen is for nothing!

Das müssen wir ehrlicherweise festhalten und seriöse Zenlehrer sollten ihre Schüler darauf vorbereiten. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung, wie wunderbar diese Phasen beispielsweise während eines Sesshin sind. Diese Zustände von Einheit, Stille, Frieden und tiefster Zufriedenheit helfen einem auch weiter auf dem Weg zu gehen und mit mehr Energie zu praktizieren, sie nähren das Feuer der Praxis. Doch ich weiss auch, wenn ich immerzu nach dem Wiedererleben dieser Momenten suche, beim nächsten Sesshin gerne wieder so eine Erleuchtung hätte, dass dann mein Leiden während des Sesshin umso größer würde und die Frustrationen sehr massiv würden und ich kenne viele die deswegen aufhörten Zazen zu praktizieren oder nur noch im Wellnessbereich, so lange es ihnen gut tut, sitzen.

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Deshalb rate ich davon ab, diese Dinge zu suchen, es ist nichts anderes als in einem Drogenrausch sein und weit entfernt von wirklicher Erleuchtung.. Wir können diese Einheit mit allen Wesen nicht erfahren, Punkt, nur Buddha Shakyamuni war es vergönnt. Als er nach seiner langen Zazensitzung erwachte, rief er aus: “Zusammen mit dem ganzen Universum und allen Wesen bin ich erwacht!”

Und doch ist diese Einheit in uns selbst ewig da und das ist ganz sicher und unverrückbar wahr. Das ist die frohe und revolutionäre Botschaft des Buddhismus. Diese tiefe Verbundenheit mit allen Wesen ist ewig und immerwährend in uns und überall am Schaffen. Egal ob wir gerade in einer Depression oder Krise fest stecken oder diese vielen Stimmen in uns, uns zu gerade zerreißen drohen – es ist da – immer!

Dass dies so ist, daran müssen wir dann einfach glauben. Gerade habe ich selber die Erfahrung wieder mal gemacht, wie es ist, zu praktizieren, wenn es mir nicht so gut geht. In den letzten 7 Wochen hatte ich kaum Energie. Von einem Tag auf den anderen war ich körperlich reduziert und nicht mehr belastbar. Da alles mit leichtem Durchfall begann, dachte ich, eine Magen-/Darm-Grippe eingefangen zu haben. Nur das Nötigste konnte ich tun, alles kostete Kraft, ihr kennt das sicher! Der Durchfall verschwand, die Energie kam nicht wieder. Selbst Zazen war schwierig, denn die Gelenke taten außergewöhnlich weh und Muskeln waren so verspannt wie lange nicht. Da ich auch eine wichtige 10 tägige Weiterbildung geplant hatte, die ich erst im nächsten Jahre wieder hätte machen können, fuhr ich trotz Schwäche auf jene, ohne vorher zu einem Arzt zu gehen. Danach hatten wir eine Woche Ferien eingeplant, das ging auch vor, immerhin machte ich, auch durch das Drängen meiner Frau, einen Termin beim Arzt aus, direkt nach meiner Rückkehr. In den Ferien wurde es nicht besser, sondern eine Erkältung mit Fieber und noch größerer Schlappheit packte mich und wurde immer schlimmer. Gerade noch rechtzeitig schleppte ich mich zum Arzt, meine Blutwerte waren sehr schlecht, Borreliose wurden festgestellt und noch andere bakterielle Infekte. Trotz Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten ging es mir nur sehr langsam besser.

Meine Situation zusammengefasst: Ich durfte mich nicht anstrengen, das Wetter war schlecht, Zazen ging maximal 30 Minuten, weil alles so weh tat, im Garten konnte und durfte ich nur das Nötigste machen. Denken war schwierig, selbst lesen ging nicht lange. Den Newsletter schreiben, vielleicht ist es einem aufgefallen, musste ich auf jetzt Juli verschieben, da ich nur in der Lage war, ein paar Texte zu übersetzen (s. Ende des Briefes), aber eigenes zu formulieren war nicht möglich. Gut kam die EM, als Fußballmuffel schaute ich viele Spiele, so schlimm ging es mir:-)