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Das große Rauschen in der Stille

Was für ein Finale des Frühlings!

Jeden Tag seit mehr als drei Wochen Sonnenschein!

Das Bach-Konzert tösend, die Brücke täglich am Abend aufs neue überspült.

Wird sie halten?- so die bange Frage.

Das ist kein Schmelzen mehr, sondern fast ein Kollaps der Schneedecke.

Die Nullgradgrenze auf 4300m Höhe. Im Tal 34 Grad. Was haben wir da losgetreten in unserer Unwissenheit und Gier.

Der Rasen ist trocken und braun, trotz der übervollen Flüsse – August?, denke ich manchmal.

Doch in Sanko-an können wir nicht klagen, immer findet man noch ein kühles Plätzchen in der Samupause und nachts wird es kalt. Das Dojo angenehm kühl, es hat sich beim Frühlingssesshin auch bei hohen Temperaturen bewährt. Schwierig wird langsam die Kühlung der Lebensmittel, der Felsenkeller kühlt nicht mehr wirklich. Gut läuft unsere Quelle einfach weiter.

Immer wieder Dankbarkeit an diesem Platz praktizieren zu dürfen.

Das grosse Rauschen

in der Stille

…muss wohl Sommer sein!

Ich wünsche euch die Muße des Sommers und immer ein kühles Plätzchen in Reichweite!


„Aber bitte geben Sie weiterhin Ihr Bestes.“

Bild: Jamie fährt den “Firewoodtruck” nach Sanko-an

 

Hallo und Bonjour Sanko-an Sangha!

Ich schreibe euch nach 20 Tagen Übung mit Gyoriki in Sanko-an im Mai und Juni. Mein Name ist Jaime – ich bin ein amerikanischer Praktizierender und lebe in Rhode Island, USA (dem kleinsten Bundesstaat, etwa 1,5 Stunden von Boston, Massachusetts entfernt). Ich bin über die Website der Sanshin Zen-Gemeinschaft auf Gyoriki und Sanko-an aufmerksam geworden, da dort mehrere Übungszentren innerhalb ihres Netzwerks aufgeführt sind. Seit einigen Jahren treffe ich mich regelmäßig mit Shodo Spring, sowohl online als auch persönlich; sie praktiziert in Minnesota und ist eine Schülerin von Shohaku Okumura. Vor etwa zwei Jahren habe ich Gyoriki kontaktiert, um über Deutschland an Rohatsu teilzunehmen – obwohl wir uns damals nicht getroffen haben, habe ich mit Philipp im Schwarzwald geübt.

Nun, in diesem Jahr, verspürte ich den Ruf zu einer intensiven Praxis im Sanshin-Geist, die über die Grenzen meines Zuhauses hinausgeht. Nachdem ich die Website von Sanko-an erneut gelesen hatte, sah ich den Umzug in die Schweiz und spürte eine neue Verbundenheit mit dieser Lebensweise: Wandern in den Bergen, Holz hacken und tragen, Zazen praktizieren, in tiefer Verbundenheit mit der Natur leben.

 

Es fällt mir schwer, meine Gefühle und Erfahrungen in Worte zu fassen. Gyoriki, ich fühle mich so privilegiert, dass mir diese Möglichkeiten geboten wurden und ich hier mit dir üben, sowie Sesshin mit dir und Romeo praktizieren konnte. Ich werde weiterhin daran arbeiten, meine Dankbarkeit mit dem japanischen Sprichwort „Otsukaresama desta“ (Danke für deine Bemühungen/Anstrengungen) auszudrücken. Du hast mir diese Möglichkeit mit Herzlichkeit, Vertrauen und Ermutigung eröffnet. Ich habe mich hier wie ein Mensch gefühlt – frei zu gehen, zu arbeiten, zu riechen und zu genießen. Danke für das köstliche Butterbrot, den Käse, den Kaffee, die Bergwanderungen, die Dharma-Vorträge auf der Terrasse und andere unvergessliche Schweizer Erlebnisse, um nur einige zu nennen.

 

Am Sonntagabend beim Essen sagtest du „Ganbatte kudasai“ (Bitte tue dein Bestes) und erzähltest mir die Geschichte hinter diesem japanischen Ausdruck. Der ältere Mann, der sich mühsam, aber beharrlich die steilen Stufen zum Friedhof hinauf quälte, den er besuchte. Du sagtest mir, es sei eine Ermutigung, weiterzumachen: „Ich weiß, du bist müde, aber bitte gib dein Bestes.“ Ich sehe es so, dass unsere Menschlichkeit anerkannt wird, dass wir Widerstand oder Schwierigkeiten erleben und den Betroffenen dennoch ermutigen, weiterzumachen, nicht aufzugeben oder die Aufmerksamkeit zu verlieren. Kurz zuvor hatte ich erwähnt, wie müde und schmerzend meine Beine nach einem Sonntagsspaziergang waren. Ich wollte mich beschweren und dachte, ich sei der Einzige auf der ganzen Welt, der damit zu kämpfen hat; allen anderen geht es gut, nur ich leide… Was für eine absurde Annahme! Und es ist komisch, diese Geschichte jetzt zu erzählen. Ich muss zugeben, dass ich mich auch oft beklagte – meine Worte dienten nur dazu, mich als Opfer darzustellen, mich in der Liste derer, die sich beschweren, einen Vorteil zu verschaffen und nur aus einer sehr egozentrischen Perspektive zu sprechen. Dieser Satz und die Geschichte haben mich aufgrund meiner eigenen Lebenserfahrungen sehr berührt. Es schnitt mir tief ins Herz, zu erkennen, dass dies die Übung ist, kein Wettbewerb nach logischen Regeln. Es ist in Ordnung, müde zu sein und zu erkennen, dass ich nicht jemand anderes bin, den ich mir vorstelle, oder gar mein früheres Ich. Dies ist Übung im Umgang mit vergänglichen Bedingungen, im Annehmen von Ursachen und Umständen, wie sie sich in diesem Moment entfalten, darüber reflektierte ich später. Ich muss nicht aussetzen, denn dies ist kein Wettbewerb.

Während meiner Zeit im Sanko-ji las ich Kosho Uchiyamas Kommentar zu Dogens „Die Wurzeln des Guten: Meister Dogens Lehre über die acht Eigenschaften eines großen Menschen“. Nummer 5 lautet: Den wahren Dharma nicht aus den Augen verlieren. Uchiyama kommentiert und unterscheidet zwischen gesellschaftlichen Werten (Nerzmantel, Diamanten, Schatzanweisungen) und absoluten oder wahren Werten (Ich wurde geboren, ich lebe, ich werde sterben). Er sagt, wir verwechseln das, und im Allgemeinen halten viele von uns den gesellschaftlichen Wert (Wettbewerb, Überleben, Aufstieg) für den wichtigsten. Er spricht davon, wie Kindern eine Überlebens Mentalität beigebracht wird – der aggressive Wettbewerb um einen guten Platz in der Schule, das Ausstechen der Mitmenschen um Chancen, um sich einen luxuriösen Lebensstil zu sichern; die Unterscheidung von Entscheidungen nach Marktwerten.

Die Realität von Geburt, Leben und Tod – jeder Mensch und jedes Wesen ist Teil dieser Lebenskraft. Alles ist miteinander verbunden; es ist natürlich, zu lieben und ein fürsorgliches Herz zu haben, wenn unser Geist im Einklang mit sich selbst ist.

Mir wird dabei die Realität des Flusses La Raspille bewusst. Seine Lebenskraft erhält mein menschliches Dasein hier – zum Trinken, Putzen, Kaffeekochen, Waschen, Essen – sowie die unzähligen Tiere, Pflanzen, Bäume und Insekten. In meinem Heimatland und meiner Heimatstadt könnte ich nicht genau sagen, woher mein Wasser kommt und wohin es fließt – ich kaufe Trinkwasser und bezahle für die Wassernutzung, die mir von der Stadt bereitgestellt wird. Ich habe dazu beigetragen und trage weiterhin dazu bei, diese Gewässer zu vergiften, weil es einfacher ist, sie als Ware zu behandeln als als Lebewesen. „Ich bin müde und möchte mir die lästige Pflege dieses Wesens ersparen.“ Ich mache mir viel mehr Sorgen um meine Altersvorsorge und schaue lieber YouTube-Videos als mich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Ich teile das. Dies ist eine Reflexion über meine Zeit hier. Ich bin tief beeindruckt von der historischen Bedeutung der Menschen, die gemeinsam daran gearbeitet haben, La Raspille zu bewahren und seinen Werten gerecht zu werden. Mein Aufenthalt hier konfrontiert mich mit Fragen wie: Was ist wirklich genug? Welcher Realität gebe ich Priorität? Wie kann ich sie in jedem Augenblick verkörpern? Ich möchte diese Haltung mitnehmen: „Bitte gebt weiterhin euer Bestes.“

Herzliche Grüße, Jaime


Gedanken zur 2. Eigenschaft einer erwachsenen Person – Wissen, man hat genug II

Von Gyoriki Herskamp, Juni 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Qualitäten einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

2. Wissen, dass man genug hat – Chisoku so

Die zweite Erkenntnis eines großen Menschen ist zu wissen, wann man genug hat. Die Akzeptanz der bereits erhaltenen Dharmas (Dinge) zu begrenzen, bedeutet zu wissen, dass man genug hat.”

Fußnoten von Gyoriki zum 1. Absatz . Ich beziehe mich in meinen Gedanken zum Thema dabei auf einen Vortrag von Okumura Roshi mit dem Titel “Zazen ist zu nichts gut”.

Der chinesische taoistische Philosoph Zhuangzi erzählte von einem riesigen Baum, der zu nichts nütze war, der weder für Bauholz noch für irgendetwas anderes verwendet werden konnte, da er zu schwach und krumm und wirklich für nichts geeignet war. Aber weil er zu nichts nütze war, fällte ihn kein Mensch, sodass er riesig werden und den Menschen Schatten spenden konnte. Dieser Baum war zu nichts nütze, aber das genügte.

Ich wollte so leben wie dieser Baum, als ich nach Sanko-an kam, denn wir müssen nicht zu etwas nütze sein. Shohaku Okumra schreibt: “Zazen ist gut, und das genügt. Unser Zazen muss keinem anderen Zweck dienen. Zazen ist gut, Punkt. Das ist für mich die Bedeutung von „Zazen ist zu nichts gut“. Zazen ist gut, aber um nichts zu erreichen. Das heißt, Zazen ist gut, so wie es ist, an sich. Ich glaube nicht, dass ich einem anderen Zweck dienen muss. Wenn mein Leben gut ist, genügt das. Ich muss nicht den Ideen anderer oder gar meinen eigenen hinterherjagen. Einfach ich selbst sein und einfach leben. Es gibt einen anderen Ausdruck, den Katagiri Roshi und mein Lehrer Uchiyama Roshi verwenden: einfach das Feuer der Lebenskraft entfachen. Nichts, als das Feuer oder die Flamme der Lebenskraft zu entfachen. Wir müssen nichts verbrennen. Einfach das Brennen selbst sein, oder wie es im Titel des Buches mit Suzuki Roshis Anekdoten „Einen Winkel der Welt erhellen“ heißt – einfach leuchten, selbst in einem winzigen Winkel. Das genügt. Wir müssen nicht wie eine Sonne sein; wir können nur eine kleine Kerze oder sogar eine kleine Räucherstäbchenspitze sein. Das genügt. Ich glaube, das ist der wirklich wichtige Punkt in unserem Zazen – Zazen ist zu nichts gut. Wir sitzen einfach da. Wir müssen keinen Marktwert dafür finden. Wir müssen unserem Zazen keinen Wert hinzufügen. Es ist sehr einfach, sehr friedvoll.

Doch genau darin liegt das Problem, glaube ich. Ich weiss das und habe Vertrauen in diese Praxis. Trotzdem habe ich eine Frage. Ich bin nicht mehr jung und voller Energie. Ich kam aus Deutschland in die einsamen Walliser Alpen, um mit tief katholischen Wallisern zu üben, aber es kommt kaum jemand, um mit mir zu praktizieren. Genau so ging es mir vorher in Sanko-ji im Schwarzwald. Hatte ich den gleichen Fehler nochmals gemacht? Uchiyama Roshi empfahl seinen Schülern: Keine Werbung zu machen, keine großen Menschenmengen versammeln, kein Geld zu sammeln, sondern einfach nur zu üben, mindestens zehn Jahre lang in Stille. Ich folge seinem Rat – wir machen keine Werbung. Außer einer homepage und dem monatlichen Newsletter dringt nichts von uns nach außen.

 

Also muss ich 2 Tage an einer Sonderschule arbeiten. Ich versuche einfach, still dazusitzen und nutzloses Zazen zu praktizieren, aber es kommen nicht viele und die, die kommen, bleiben nicht lange. Es ist ein wunderbarer Ort und ich bin gerne hier, aber meine Frage ist: Warum bin ich hier, warum soll ich auf diese Weise in diesem Land üben?

Ich könnte wieder in eine große Stadt ziehen und ein Dojo aufbauen, wie einst in Basel. Wenn ich es diesmal geschickter machen würde und es viele Menschen anziehen würde, ich viel Werbung machen würde, social media, youtube einbeziehen würde, den leidenden Menschen ein bisschen Achtsamkeit, Zencoaching und/oder Zentherapy anbieten und verkaufen würde, könnte ich meinen Lebensunterhalt so bestreiten. Es gibt Klöster, Anbieter, wo der Abt Lohn bezieht, ebenso wie einige Angestellte. Auch wenn sie manchmal soziale Projekte unterstützen, sind diese Organisationen wie moderne Firmen organisiert und verkaufen “Zen” als nützliches Projekt für Manager, Wegsuchende und Hilfsbedürftige.

Das ist ein Koan für mich. Wie können wir den Dharma oder diese einfache Praxis mit mehr Menschen teilen?. Es scheint also, dass diese beiden Ansätze einander stark widersprechen. Shohaku Okumura schreibt: Wenn wir an einer Seite festhalten, könnten wir die Lebendigkeit unserer Praxis verlieren. Wenn wir an der nutzlosen Seite festhalten, können wir genauso gut allein praktizieren – wir brauchen nicht mit anderen zu praktizieren. Aber wenn wir zu viel Wert darauf legen, mit vielen Menschen zu praktizieren oder den Dharma vielen Menschen zugänglich zu machen, könnten wir die nutzlose Seite unserer Praxis vergessen. Um Menschen anzuziehen, müssen wir darüber sprechen, warum wir hier sind und wozu diese Praxis gut ist. Das ist sehr schwierig, und ich habe diesen Widerspruch tatsächlich noch nicht aufgelöst, und ich glaube nicht, dass ich es in diesem Leben schaffen werde. Ich arbeite gerade daran, Sanko-an zu etablieren. Das Zendo wurde auf der Basis einer Scheune von Grund auf ausgebaut. Vor 14 Jahren habe ich in Elbenschwand dasselbe getan, nur größer und mit großer Permakultur. 2003 rodete ich ein Stück Wald und setzte eine Hütte dahin, um ein Aussendojo für die Basler Sangha zu etablieren. 1998 begann ich mit anderen Nonnen und Mönchen das Zen Dojo Basel zu einem der lebendigsten Praxisorte in Europa aufzubauen. Wir konnten jeden Morgen Zazen und Frühstück anbieten, sowie diverse Zazen-Abendtermine, etc.. Ich denke, es muss mein Karma sein, etwas von Grund auf neu zu beginnen. Jedes Mal versuche ich, aus Fehlern zu lernen und das Koan auf die richtige Weise zu beantworten.

Ich begann in einer Sangha der AZI, in der das “Zazen is good for nothing” nicht im Mittelpunkt stand. Das Quantitative stand über dem Qualitativen. Taisen Deshimarus Leistung war es, 100 Praxiszentren in Europa gegründet zu haben, sowie den riesigen Tempel La Gedronniere. In diesem Tempel fanden Sesshin mit 450 Menschen statt. Die verschiedenen Schüler, die Meister Deshimaru beerbten, richteten allen Energie darauf, möglichst viele Menschen zu Zazen zu bewegen, möglichst viele und große Sesshin zu veranstalten. In dieser Tradition stand auch ich, und wir versuchten erfolgreich Zazen in Basel zu verbreiten und halfen mit, die sehr großen Sesshins meines Lehrers Missen Meiho Bovay zu organisieren. Je mehr Leute teilnahmen, um so erfolgreicher galt der Lehrer und damit auch das Zen. Dies führte dazu, dass auch die SchülerInnen, die sich besonders engagieren konnten, eine Art Karriere machten. Es gab Posten und Stellungen zu vergeben. Die Vergabe oblag dem Meister und dem Inner Circle. Man strengte sich also an, um aufzusteigen. Es gab Intrigen und Machtkämpfe wie in vielen weltlichen Firmen. Dem war ich nicht gewachsen und es entsprach zwar meinem weltlichen Denken nach Karriere und Erfolg, aber nicht meinem tiefsten spirituellen Verständnis und nicht der Lehre Meister Dogens.

Schon während der Lebzeiten meines Lehrers begab ich mich diskret auf die Suche nach dem “wahren Dharma”. Ich las die Bücher K. Sawakis, K.Uchiyama, S.Okumura und traf mich mit Muho Noelke, dem ehemaligen Abt von Antai-ji, um mit ihm über meine Zweifel zu sprechen. Er bestärkte mich, dem ‘Zazen ist genug’ zuzuwenden. Ich bin ihm sehr dankbar für die Gespräche mit ihm.

Als mein Lehrer starb, implodierte das aufgebaute Macht-System folgerichtig schnell und ich konnte mich offen “Zazen is good for nothing” zuwenden. Dies traf aber auf sehr großen Widerstand bzw. Ignoranz innerhalb der Sangha und ich ging in den Schwarzwald, um ein kleines Antai-ji aufzubauen. Doch das ganze geriet eine Nummer zu groß, und Corona setzte dem Experiment ein Ende. So, nun auf ein neues im Wallis, klein, abgelegen und ‘Zazen is good enough! ‘ ( Eine sehr verkürzte Zusammenfassung der Ereignisse)

… Aber wir müssen den Mittelweg finden, den Mittelweg, die Praxis mit anderen teilen und gleichzeitig unsere Praxis nutzlos halten. Wie können wir das erreichen? Das ist unser Koan, für jeden Einzelnen von uns und für uns als Sangha. Das ist also der Punkt: Shohaku Okumura schreibt: “Selbst in unterschiedlichen Traditionen, Kulturen oder Gesellschaften müssen wir unser Wissen ohne Missverständnisse oder Fehlinterpretationen weitergeben! Wir suchen den Mittelweg, und dieser Mittelweg ist ständig in Bewegung. Er ist kein fester Pfad, sondern im Wandel begriffen und umfasst zwei scheinbar gegensätzliche Seiten. Der Mittelweg ist kein fixer Punkt. Wenn wir an einem Fixpunkt festhalten, begehen wir einen Fehler. Wir müssen in jeder Situation, in jedem Augenblick stets achtsam und wachsam sein. Deshalb sagte Dogen Zenji, unsere Praxis sei endlos. Wir können nicht sagen, dass wir auf diese Weise sicher und für immer gut sein werden. Wir müssen in jedem Augenblick vorsichtig sein – sonst verfehlen wir den Mittelweg. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt.”

 

Der aktuelle Mittelweg Sanko-ans steht auf der Startseite der homepage:

Ort des friedlichen Verweilens in den Bergen” bedeutet Sanko-an auf japanisch und ist eine Metapher für die Zazenpraxis.

Die Zen-Einsiedelei Sanko-an ist ein kleiner Ort der Zazen-Praxis inmitten der Schweizer Alpen im Kanton Wallis. Mit atemberaubendem Blick auf die Walliser Alpen und eingebettet in die historische Alm Raspille, bietet Sanko-an eine natürliche und heilsame Umgebung – ideal für die Zen-Praxis.

Erreichbar über einen schmalen Feldweg, spiegeln die Einrichtungen des Zendo die rustikale Umgebung wider. Um die Integrität der Antaiji-Tradition zu bewahren, war das Leben im Zendo von Anfang an einfach. Im Winter werden das Zendo und die Wohnräume (in denen der Lehrer lebt) mit Holzöfen beheizt. Das Brennholz wird von Hand von umgefallenen Bäumen aus der Umgebung gesägt und gespalten. Trink- und Duschwasser kommt aus einer nahen Quelle, Baden kann man im nahen Bach, Strom wird in einer Photovoltaikanlage produziert.

Jeden Sommer ergänzen Kräuter, Pilze und Beeren der alpinen Vegetation die Mahlzeiten im Alltag und während der Sesshin-Zeit.

Dank des Engagements der Bewohner und Spenden von Laienpraktizierenden kann Sanko-an weiterhin Menschen, die an der Zazen-Praxis interessiert sind, seine Dienste anbieten. Sanko-an möchte auch weiterhin Shikantaza-Unterricht anbieten und Menschen dazu ermutigen, die Zazen-Praxis in ihren Alltag zu integrieren. Das Zendo strebt keine hierarchische Struktur an. Wir verstehen die Sangha des Zendo als ein Netzwerk unabhängiger Praktizierender.

Die Praxis im Sanko-an zielt darauf ab, den Geist der alten Lehren des Shakyamuni Buddha und des Eihei Dogen Zenji durch die zeitgenössischen Soto-Zen-Praxisstile von Kosho Uchiyama Roshi und seinem Dharma-Erben Shohaku Okumura Roshi zu verwirklichen.

Wir sind eine sehr kleine Gemeinschaft. Wir bieten keine Dienstleistungen an. Einige von uns sind Laienpraktizierende, nur wenige ordinierte Mönche oder Nonnen, aber wir alle praktizieren die gleichen Praktiken und gehen gemeinsam den Weg des Zen. Jeder, ob Anfänger oder erfahrener Praktizierender, ist willkommen.”

 

Ich glaube, das ist der wirklich wichtige Punkt in unserem Zazen – Zazen ist zu nichts gut. Wir sitzen einfach da. Wir müssen keinen Marktwert dafür finden. Wir müssen unserem Zazen keinen Wert hinzufügen. Es ist sehr einfach, sehr friedvoll.” S. Okumura

Sanko-ans Art zu wissen, dass man genug hat – Chisoku so.


Gedanken zur 2. Eigenschaft einer erwachsenen Person – Wissen, man hat genug I

Von Gyoriki Herskamp, April 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Qualitäten einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

2. Wissen, dass man genug hat – Chisoku so

“Die zweite Erkenntnis eines großen Menschen ist zu wissen, wann man genug hat. Die Akzeptanz der bereits erhaltenen Dharmas (Dinge) zu begrenzen, bedeutet zu wissen, dass man genug hat.

Der Buddha sagte: „Mönche, wenn ihr euch von Schmerzen und Leiden befreien wollt, müsst ihr euch klar darüber sein, dass ihr genug habt.“ Genau dieses Dharma, zu wissen, wann man genug hat, führt zu größtem Reichtum, Glück und innerem Frieden.
Auch wenn man auf dem Boden schlafen muss, findet jemand, der weiß, wann er zufrieden sein muss, Trost und Geborgenheit. Im Gegenteil: Wer nicht weiß, was genug ist, wird nie ein Scherzkeks sein und immer unzufrieden bleiben, selbst wenn er in einer prächtigen Villa lebt. Wer trotz seines großen Reichtums nicht weiß, wann er zufrieden sein muss, ist in Wirklichkeit verarmt. Andererseits ist jemand, auch wenn er materiell arm ist, wirklich reich, wenn er weiß, was es bedeutet, genug zu haben. Wer nicht weiß, was es bedeutet, genug zu haben, wird immer von seinen fünf Sinnen hin und her getrieben und von denen bemitleidet, die die Bedeutung von „genug haben“ verstehen.

Das nennt man „wissen, dass man genug hat“.

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Alle Wesen/Phänomene unserer Welt sind im großen Netz des Lebens in wechselseitig bedingten Entstehen und Vergehen miteinander verbunden. Wenn eine Kuh Gras frisst, opfert sich das Gras; wenn wir sterben, stellen wir unseren Körper anderen zur Verfügung.

Es ist wie ein Rad des Lebens, das unablässig in Bewegung ist.
Es gibt eine kleine buddhistische Geschichte: “Einst bat der Drachenkönig den Buddha um Hilfe, denn der Garuda, der sich ausschließlich von Drachen ernährte, bedrohte die Drachen Spezies. Der Buddha gab ihm ein kleines Stück seines Kesas und ließ es den Drachenkönig in einzelne kleine Fäden zerlegen. Jeder dieser Okesafäden in Besitz eines Drachen beschützte ihn vor dem Garuda. “
Doch, da sich der Garuda nur von Drachen ernähren kann, würde er anstatt der Drachen sterben….
Diese Geschichte zeigt uns eines unserer menschlichen Grundprobleme auf: Können wir leben, ohne Leben zu nehmen?
Wir könnten auch sagen: Die Drachen geben ihr Leben, um den Garuda zu ernähren. Die Wiesenblumen geben ihr Leben, um die Kuh zu nähren. Die Kuh opfert ihr Leben den Menschen, um ihn zu nähren.

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Gyoriki ist nicht mehr allein und Stille heißt nun Kuhglocken – Batang, batang…pagong! Sechs Walliser Kampfkühe – Ehringer Rasse – zu Besuch.

Das Sterben ist etwas wie ein Opfern, damit andere Leben können. Wenn wir Menschen sterben und als Tote in der Natur liegen bleiben würden, würde unser Körper von ganz vielen Wesen als Nahrung dienen. Wir oder besser: die unzähligen Bestandteile unseres Körpers würden in den unendlichen Kreislauf des Lebens zurückkehren. Unser Tod schenkt oder ermöglicht anderen das Leben.

Shohaku Okumra benutzt gerne die Metapher einer Bergbesteigung, um das menschliche Leben zu beschreiben. Der Mensch wird am Fusse des Berges geboren, er isst und trinkt die dargebotene Nahrung anderer Lebewesen, um

diesen Berg besteigen zu können. Auf dem Gipfel des Lebens angekommen, oft im hohen Alter, stirbt der Mensch oder stürzt sich die Felswand hinunter in den Tod. Durch diesen Prozess übergeben wir unser Leben jemand anderem. In Tibet werden, so habe ich gehört, immer noch menschliche Körper in die Berge an spezielle Plätze transportiert, an denen die verschiedenen Geierarten warten, um sie zusammen mit vielen anderen Wesen restlos zu vertilgen und zu verwerten. Sehr direkt und lehrreich finde ich…, ganz anders als bei uns, wo der Mensch oft im Verborgenen stirbt und klinisch rein, in speziellen Krematorien verbrannt wird, da bleibt nicht viel übrig.

Wer schon einmal in Kathmandu oder Indien war, kann diesen Prozess der Leichenverbrennung noch archaischer und lehrreicher für uns Menschen miterleben. Im Hindu-Tempel Pashupatinath in Kathmandu meditieren viele Menschen in der Morgen- oder Abenddämmerung und schauen den mehr oder weniger gut brennenden Leichen Feuern am Bagmatifluss zu. Ich habe dieses Erlebnis als sehr lehrreich verinnerlicht.

Wie können wir als Buddhist im Einklang mit dem Dharma leben und das Leben anderer nehmen, um uns zu ernähren? Jedes Lebewesen muss essen und jedes Lebewesen hat seine ureigenen Methoden entwickelt, um zu überleben und den Fortbestand seiner Spezies zu gewährleisten.
Was ist notwendig für mich zu nehmen und was nicht? Das ist die tiefe Frage des menschlichen Lebens, die sich jedes Kind Buddhas persönlich tief stellen sollte. Eine sehr schwierige und unbequeme Frage, wenn man in einem Land lebt, wo der Konsum die Religion ersetzt hat. Wo fast jeder sich das für wenig Geld in einem Supermarkt kaufen kann, wo er gerade Lust darauf hat. Das Angebot ist überwältigend, die Bedürfnisse werden von ganzen Industrien versucht auf “Unendlich” hin zu steuern. Wenn ich mit meinen Enkeln in den Supermarkt gehe, ist das jüngste noch ganz erschlagen von dem farbenprächtigen Überangebot und wird ganz still, die älteren Zwei aber sind ganz nervös und gierig und damit beschäftigt mir zu erklären, dass sie dieses ganz dringend brauchen und jenes noch viel mehr! In den anwesenden Erwachsenen, also auch in mir, läuft der gleiche Prozess, einfach sehr still, in meinem Kopf ab. Was ist gerade notwendig? Ich hätte mehr Geld als das Notwendige? Wann habe ich genug, wann bin ich zufrieden? Das ist die tiefe Frage, die jeder Dainin, jeder große Erwachsene im Sinne Buddhas und damit jedes Kind Buddhas tief und immer wieder klären sollte. Ich glaube, dass geht es hier.

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Wir leben inmitten der wechselseitigen Abhängigkeit auf diesem Planeten. Alle Lebewesen werden von allen Lebewesen unterstützt.
Jeder sollte von uns herausfinden, was er zu tun hat und was er nicht tun sollte? Manches ist notwendig, anderes nicht. Das gilt für alle Gebote, nicht nur für das Gebot, des, nicht Leben nehmen. Deshalb sind die Gebote ein wichtiger Leitfaden und die Qualitäten eines großen Menschen, ein wichtiges Hilfsmittel.

Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben jedoch diese Fähigkeit verloren, vollkommen erschöpft, kommen sie und suchen Rat: Sie erzählen mir, was sie alles müssen, was alles von ihnen verlangt wird, das sie bald nicht mehr können. In der Tat, wir alle müssen heute so unglaublich viel oder meinen das zu müssen und deshalb leiden wir. Auch ich!
Wenn wir uns aber Zeit nehmen, dies einmal in Ruhe anzuschauen, dann ist das ein oder andere nicht unbedingt nötig, sondern nur einer der vielen Wünsche und Bedürfnisse, denen wir Menschen in dieser Überflussgesellschaft ausgesetzt sind. Was nicht notwendig ist, muss jeder selber entscheiden. Einige Arbeitskollegen müssen im Winter unbedingt in Thailand Ferien machen, das muss ich gar nicht zum Beispiel. Zu wissen, wann genug ist und mit möglichst wenig zufrieden sein, ist wohl sicher der Schlüssel, meint zumindest der Buddha.

Um zu wissen, wann man genug hat, kann man am besten ein Sesshin machen. Nach zwei bis drei Tagen Zazen merken eigentlich alle: Das Handy vermisst man nicht, Nachrichten braucht man nicht. Der Konsumdurst bleibt aus. Eine Schale Essen pro Mahlzeit, Tee, Kaffee und Wasser; ein Bett zum Schlafen; bequeme einfache Kleidung, ein Zafu zum Sitzen, ein Dach über dem Kopf, nicht zuviel Wärme oder Kälte, eine ruhige Umgebung in der Natur sind: Genug!

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Doch irgendwann sollen/müssen wir wieder zurück in die mondäne Welt, denn hier lebt der Bodhisattva, der gelobt hat, alle Menschen zu retten.

Und dort ist es für jeden von uns nicht einfach. Die Verführungen und Ansprüche und Notwendigkeiten unserer Gesellschaft werden immer mannigfaltiger und es wird immer schwieriger, sich dem zu entziehen. Kann ich noch ohne Handy leben – ich glaube nicht. Hier in den Bergen bietet mir das Smartphone den Internetzugang, für ganz viele Leistungen, wie Bankkonto, Krankenkasse, etc. brauche ich wegen der zwei Faktoren Authentifizierung das Handy.

Gewisse Dinge sind notwendig, andere nicht! Wann habe ich genug? Das ist eines jeden Lebenskoan? Face the question!

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Grundprinzipien der Tiefenökologie (Ecosophy)

Auch von vielen buddhistischen Lehrern anerkannte Grundprinzipien für einen angemessenen Umgang mit allen Wesen. Ich kann dem viel Positives abgewinnen und sie ähneln dem Standards Sanko-ans, deshalb hier mal abgedruckt.

(A.Naess, et al 1984)

1. Alle Lebewesen haben einen Eigenwert.

2. Die Vielfalt und der Reichtum des Lebens haben einen Eigenwert.

3. Außer zur Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse haben Menschen nicht das Recht, diese Vielfalt und diesen Reichtum zu reduzieren.

4. Es wäre besser für die Menschen, wenn es weniger von ihnen gäbe, und viel besser für andere Lebewesen.

5. Das Ausmaß und die Art der menschlichen Eingriffe in die verschiedenen Ökosysteme sind heute nicht nachhaltig, und die mangelnde Nachhaltigkeit nimmt zu.

6. Entscheidende Verbesserungen erfordern erhebliche Veränderungen: soziale, wirtschaftliche, technologische und ideologische.

7. Ein ideologischer Wandel würde im Wesentlichen bedeuten, eine bessere Lebensqualität anzustreben, anstatt einen höheren Lebensstandard.

8. Diejenigen, die die oben genannten Punkte akzeptieren, sind dafür verantwortlich, direkt oder indirekt zu den notwendigen Veränderungen beizutragen.


Rilke Gedicht

Vor zwei Wochen, als in Sanko-an noch ca. 20 cm Schnee lag, machte ich auf dem Rückweg vom Einkaufen in Veyras einen Spaziergang um das Chateau de Muzot aus dem 13 Jhdt. Hier verbrachte Rainer Maria Rilke seine letzten 5 Lebensjahre und erlebte nach eigenen Aussagen einen ‘wilden, kreativen Sturm’.

Das Licht und das Klima des Wallis, das ihn an die Provence erinnerte, gepaart mit den schroffen, hohen Bergen des Hochgebirges machte es ihm möglich, besonders kreativ zu sein.

Das Schloss wurde ihm vom Industriellen W. Reinhart auf seinen Wunsch hin gekauft und zur Verfügung gestellt.

Der Gefangene

I

Meine Hand hat nur noch eine Gebärde, mit der sie verscheucht;

auf die alten Steine

fällt es aus Felsen feucht.

 

Ich höre nur diese Klopfen

und mein Herz hält Schritt

mit dem Gehen der Tropfen

und vergeht damit.

Tropften sie doch schneller,

käme doch wieder ein Tier.

Irgendwo war es heller-,

Aber was wissen wir.

 

(Man achte auch auf die 1. Zeile und ihre Bedeutung für heute)


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (VI)

Von Gyoriki Herskamp, April 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Eigenschaften einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

Wer mit wenigen Wünschen handelt, ist stets in Frieden und hat wenig Sorgen oder Bedenken. Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Kosho Uchiyama Roshi schreibt zu diesem letzten Abschnitt des Kapitels ‚Shoyoku – Wenig Wünsche haben‘: „Bitte bedenke, dass Sorgen und Bedenken, oder Qual und Leiden ist nicht etwas, das außerhalb von dir aufgrund irgendeines Vorfalls entstand. Sondern, all diese Emotionen sind darauf zurückzuführen, was du in deinem Leben oder Lebenseinstellung als wertvoll erachtest. Deswegen, wenn wir unsere Werte ändern, unsere Einstellungen zum Leben auswechseln, dann werden all die Sorgen und die Leiden verschwinden.“

Häufig ist es so, dass innere Verstimmungen und äußere Missstände als von uns nicht veränderbar betrachtet werden, als etwas von außen auf uns Erlegtes, als Bürde, als Ungerechtigkeit oder gar Gemeinheit bzw. Mobbing von anderen. Etwas, das uns angetan wird und wir nicht ändern können.

Dies ist oft nicht die korrekte oder hilfreiche Einstellung, auf Sorgen und Leiden zu reagieren.

In diesem Fall bin ich empört oder niedergeschlagen, weil die Regierung zulässt, dass die Benzinpreise steigen – Unverschämtheit!; der Chef sieht nicht wieviel ich arbeite – ich Arme; meine Arbeitskollegen arbeiten weniger als ich – Ungerechtigkeit; meine Eltern haben mich immer unterdrückt – Opfer. Aus Sicht der Lehre des Buddhas/ des Zen jedoch bin ich alleine für die Bewertung der äußeren Phänomene verantwortlich, die menschliche Grundeigenschaft, alles in gut und schlecht, nützlich und nicht nützlich, bedrohend und fördernd einzuteilen führt zum Leiden.

Passe ich meine Werte an Lebensumstände und meine Person an und lebe sie durch mein engagiertes Handeln, verschwinden nach und nach meine Sorgen und Leiden.

Interessanterweise habe ich im letzten Jahr die Weiterbildung in ACT – (Acceptance and Commitment Therapy) abgeschlossen – ein relativ neues Psychotherapie Verfahren, das zur 3. Welle der Verhaltenstherapie gezählt wird. Neben der sogenannten Akzeptanz der Lebensumstände u.a. Pfeilern des Verfahrens sind das selbstständige Herausfinden und – arbeiten der ureigenen, mir entsprechenden Werte und das Commitment, danach engagiert zu handeln, die Basis der Therapie, die zu einem nachgewiesenermaßen glücklicheren Leben führt. Ich finde meine eigenen Werte heraus, lerne sie kennen und lebe aktiv danach, führt zu Glück und Wohlbefinden. Ich engagiere mich beispielsweise für benachteiligte Personen in der Gesellschaft, helfe Ihnen und tue ihnen Gutes und empfinde mich infolgedessen in der Gesellschaft als selbstwirksam und wichtig. (s. dazu www.staerkestattmacht.ch)

Allerdings muss man da ganz klar Menschen ausnehmen, die unter starken Schmerzen leiden oder psychische, diagnostizierte Störungen haben.

Wer einmal sehr starke Schmerzen hatte, wie zum Beispiel infolge eines Migräneanfalls oder einmal einen stark vereiterten Zahn hatte, weiss wovon ich rede. Die Schmerzen sind so stark, dass wir nicht anders als Dösen oder Schlafen können. Da hilft dann auch kein Zazen oder Beten. Der Schmerz ist einfach der Schmerz und wir sind nicht mehr in der Lage, groß zu handeln.

Ähnliches passiert laut Uchiyama Roshi im Angesicht des Todes, Trauer und Angst werden einfach da sein, etwas ganz Natürliches, das wir nicht ändern können. Da ich die Ehre hatte, zwei- oder dreimal beim Sterbeprozess zugegen zu sein, ist meine Erfahrung, dass sich viele Menschen erst im unmittelbaren Prozess des Sterbens entspannen oder loslassen können. Aus welchem Grund das auch immer ist, so hat die Natur dieses Hinübergleiten gestaltet. Zunächst ist Trauer, Leiden oder Angst einfach Teil des Ganzen, es sei denn ich lasse mir die entsprechenden Betäubungsmittel verabreichen, was jedermanns gutes Recht ist. Irgendwann findet aber unbewusst, natürlich und automatisch der Prozess des Loslassens statt.

Uchiyama erklärt in seinem Kommentar auch ganz klar, dass davon auch keine Zazenpraktizierende ausgenommen sind, die gehofft hatten,dass sie sich durch Zazen auf den Tod vorbereiten können. Eine langsame, intensive Zazenpraxis bewahrt einen nicht vor dem notwendigen Leiden angesichts des Todes. Dies hatte ich schon im Falle des Todes von Shunryu Suzuki Roshi, als auch Katagiri Roshi gelesen, die angesichts ihrer Krebserkrankung und ihrer freien Entscheidung so weit es geht auf Betäubungsmittel zu verzichten, zeitweise unglaublich litten und so ihren SchülerInnen ein wertvolles, unvergleichliches Beispiel gaben.

Ich selbst durfte dies bei meinem, eigenen Lehrer Missen Meiho Bovay erleben, der an unheilbaren Knochenkrebs verstarb. Die Wirbel seiner Wirbelsäule zerbarsten durch den Krebs, die Schmerzen unvorstellbar und über alle Maßen hinaus, sein Leben war nur mit starken Morphinen einigermaßen aushaltbar. Seine starke, langjährige Zazenpraxis bewahrte ihn nicht vor diesem Leiden und frühen Tod (mit 64 Jahren); er war nicht mehr in der Lage sich in irgendeiner Form ‘zenmeisterlich’ zu verhalten, sondern ganz und gar einfach nur ein normaler Mensch.

Eine große Unterweisung für mich, die in mir viele Verblendungen zerstörte: Im Angesicht des Todes sind wir alle gleich und nackt.

Ähnliches gilt laut Uchiyama Roshi für ungewöhnliche Verhaltensweisen im Angesicht von lebensbedrohender Gefahr ( Raketenangriff im Krieg, Gewaltandrohung von Kriminellen oder Naturgefahren (Lawinen, Fluten, Erdbeben, etc.). Wer hier meint, heldenhaft sein zu müssen, statt sich in Sicherheit zu bringen oder zu schützen, muss sich darüber im Klaren sein, dass dieses Verhalten nichts mit dem Dharma zu tun hat.

Ein Beispiel aus meinem Lebensbereich: Ein psychisch kranker Jugendlicher bedrohte mich in seiner Not während des Corona-Lockdowns zweimal mit dem Messer. Die Psychischen Kliniken waren in dieser Zeit überfüllt und nahmen nur Jugendliche mit akuter Suizidgefahr auf. Eine Selbsteinweisung des Jugendlichen wurde aus ebendiesen Gründen abgelehnt. Es bestand weiterhin die Beschulungspflicht für unsere Institution. Nun stand dieser Jugendliche in seiner großen Wut und Not mit dem Messer vor mir und wollte mich abstechen, wie er sagte. Er habe nichts mehr zu verlieren. Ich blieb trotz größter Angst äußerlich ruhig, ging rückwärts, versuchte vorschriftsmäßig zu deeskalieren. wie ich das gelernt hatte, bis andere zu Hilfe kamen und ihn festhielten und beruhigten. Dabei provozierte und bedrohte er mich weiter: Er werde mich finden, er werde mir auflauern und mich abstechen, etc..

Ein lebensbedrohliches Ereignis, das jeden Menschen zutiefst erschüttert. Zwar nässte ich mich nicht ein oder ähnliches, aber ich hatte tagelang Mühe mich zu beruhigen, weiter zu arbeiten, dieses Erlebnis zu verarbeiten und bis heute, wenn ich diese Zeilen schreibe, wühlt mich dieses Ereignis emotional und psychosomatisch auf und ich fühle mich so, als hätte ich emotional versagt. Zu diesem Prozess gehörte auch, dass ich mich zeitweise dafür verurteilte, mich nicht samurai-haft oder zen-meisterlich verhalten zu haben. Ich hätte diesem doch körperlich und mental unterlegenen Jugendlichen das Messer abnehmen sollen und wäre so ein Mann mit ‚Eiern‘ geworden, den die anderen delinquenten Jugendlichen künftig als Anführer ansehen könnten.

In diesem Moment Angst zu haben und aufgebracht zu sein ist also vollkommen normal und alles andere wäre widernatürlich. Es kann eine große Verblendung von Zazenpraktizierenden sein, dass sie Glauben vor solchen urmenschlichen Leiden gefeit zu sein. Obacht – Zazen is for nothing!

Daß ich aber, während ich diese Zeilen schreibe und mich an diese Situation erinnere, in mir ähnliche Emotionen ausgelöst werden wie damals, zeigt lediglich auf, wie unser menschliches Gehirn funktioniert. Das bloße Denken oder Vorstellen eines Erlebnisses löst Emotionen aus, als wäre es real, obwohl es in keinster Weise etwas mit Wirklichkeit zu tun hat. Ich wurde beim notwendigen Erinnern an diese Situation, denn ich wollte ja dies so genau wie möglich beschreiben, von meinen Gedanken in den Griff genommen und da ich als Zazenübender gewohnt bin, alle Gedanken, die auftauchen, loszulassen, kann ich das jetzt tun.

Uchiyama Roshi betont in diesem Zusammenhang, dass es entscheidend ist, aus eine wahren religiösen Leben hinaus lebend, unser ganzes Leben ohne illusorisches bzw. verblendetes Leiden zu leben.

Und er verweist auf die Eingangssätze Dogens (s.o):“Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Nirvana wird im Zen als der Zustand definiert, in dem weder Geburt noch Tod eine Bedeutung haben oder wie Sawaki Roshi und andere Zenlehrer es immer wieder beschrieben, sein Leben im eigenen Sarg liegend anzuschauen.

Uchiyma Roshi empfiehlt denjenigen, die jetzt nicht losgehen möchten, einen Sarg einzukaufen, ihn nach Hause zu bringen und ins Wohnzimmer zu stellen, um darin zu liegen, stattdessen einfach ein Kissen zu holen und Zazen zu praktizieren.

In Kürze: Zazen machen ist auf sein Leben schauen, während man im eigenen Sarg liegt. Oder über die Frage reflektieren: „Wo wäre ich jetzt, wenn mich meine Eltern abgetrieben hätten?“

Zu guter Letzt des Kapitels definiert Uchiyama Roshi einen Dainin als einen Menschen, der sein Leben aufräumt und putzt, ohne rumzujammern. Ein wahrer Erwachsener ist also der, der nicht rumjammert und folglich die Fähigkeit hat ‚wenig Wünsche‘ zu haben.

Wir sind deswegen laut Dogen Zenji alle aufgefordert, das ‚wenig Wünsche haben‘ zu praktizieren, und dies zu leben, um dann ein Vorbild für alle Kinder und alle gierigen Geschöpfe sein zu können.


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (V)

Von Gyoriki Herskamp, März 26

Der Buddha erklärte ….3. Abschnitt:

Wer weniger Wünschen nachgeht, wird weniger Leid und weniger Probleme haben. Persönliche Begierden zu haben, muss gründlich studiert und geübt werden. Darüber hinaus bringt es unzählige Verdienste mit sich diesen Begierden nicht zu folgen. Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln. Auch wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.

(aus The roots of Goodness, Kosho Uchiyama)

„Geld kann man nicht ins Grab nehmen“ oder „Vor dem Herrgott sind wir alle nackt“

Je mehr Geld jemand verdient, umso größer ist das Bestreben, noch mehr haben zu wollen. Es gibt keine Grenzen – Mehr, Mehr, Mehr! …Dies kann dazu führen, dass Leute glauben, sie könnten sich alles kaufen, selbst das Glück oder das Leben.

Ist dem so?

Buddha und andere Weise rieten vielen reichen Menschen, ihr Geld zum Wohle anderen zu verschenken. Glück ist demnach, anderen Menschen Freude zu machen, indem man sie sinnvoll unterstützt.

Auch wenn deine Aktion des Verschenkens dem anderen wieder erwarten nicht hilft, wird es die Welt wieder offener und freundlicher machen.

Das Empfangen von Spenden gehört für jeden buddhistischen Mensch zur Praxis, auch wir hier in Sanko-an versuchen uns rein von Spenden zu finanzieren, denn es hält unsere Begierden gering und wir bleiben demütig und dankbar.

Andererseits birgt das Empfangen von Geld durch Unterstützer gewisse Gefahren, die ich schon mannigfaltig erläutert habe.

Die grösste Gefahr, die ich den allermeisten buddhistischen Tempeln sehe, ist, dass sich die Mönche, in ihrer Hoffnung große Geldspenden zu bekommen oder Einnahmen zu generieren, anders Verhalten, anders Leben, anders Lehren, etc., als der Buddha es lehrte und als sie es gegenüber Personen tun würden, die keine Spender oder potentielle Geldgeber sind.

Und dann weiter: Wenn dann Spender meinen, Forderungen stellen zu können, weniger Samu machen, sich schlecht benehmen und den Chef spielen, weil sie meinen, sie hätten eine gute Tat getan oder wären etwas besseres, gibt es schnell Probleme. In diesem Fall müssen wir aufpassen, das Geld sofort zurückweisen oder vor die Füße werfen und die Person sofort strikt aus der Ermitage weisen.

Denn wie Buddha lehrte: “Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln.”

 

Hier in Sanko-an praktizieren wir deswegen ein Zwischenmodell. Ein Modell, das auch mein Lehrer Shohaku Okumura für die USA und Europa vorschlägt. Die Mönche solle sich nach Möglichkeit selbst finanzieren, in dem sie einer Lohnarbeit für ihren Lebensunterhalt nachgehen, ich selber habe mich für den Lehrerberuf bzw. schulischen Heilpädagogen entschieden, denn im Schulbereich gibt es viele Teilzeitmöglichkeiten, außerdem recht viel unterrichtsfreie Zeit und der Lohn ist auch ok. Ausserdem ist ja ein jeder, der die buddhistische Lehre praktiziert, durch Buddha persönlich angehalten, dem rechten Lebensunterhalt nachzugehen. Da sind an erster Stelle natürlich die sozialen Berufe und Non-Profit Unternehmen zu nennen. Einem helfenden,ethisch vertretbaren Lebensunterhalt nachgehen, der Sinn macht, ist Voraussetzung in unserer Zenrichtung. Okumura Roshi fragt bei jedem Adepten nach, ob seine Berufswahl den ethischen Grundlinien entspricht. Nachteil des Lehrerberufes ist die hohe Intensität und Stressbelastung der Arbeit, die einen jeden regelmäßig an seine Grenzen bringt.

Deswegen denke ich oft darüber nach, meine letzten Lohn Arbeitsjahre im Lohn Niedrig Sektor zu absolvieren, wo man seine Arbeit macht, nicht viel Denken muss, die Intensität nicht unbedingt hoch ist und wo man seine Arbeit, in der Garderobe, wie man im übertragenen Sinne sagt, ablegen kann. Nicht noch Stress, Probleme und Konflikte mit nach Hause nehmen muss. Mein erster Lehrer M. Bovay propagierte das sehr, er arbeitet u.a. in einem Buchversand, auch Okumura arbeitete beispielsweise als Erntehelfer oder Fischverarbeitung. Mal schauen….

 

“Außerdem wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.”

Wir denken vielleicht, dass wenn wir wenig oder gar keine Wünsche haben, alles einfacher wird. Aber das funktioniert nicht so.

Kosho Uchiyama verwendet gerne einen anderen Ausdruck für “wenig Wünsche haben”, nämlich “die Unzufriedenheit als das lassen was sie ist” (Sekrete unseres Geistes)

Diese Gedanken und Gefühle der Unzufriedenheit oder Nichterfüllung, sind für ihn nichts anderes als über Bonno (Gier, Wut und Ignoranz) oder aber auch über die “Lebensenergie”zu reden. Deswegen sind diese negativen Zustände nicht etwas, was man loswerden oder zerstören sollte.

Sondern wie als Babysitter, wenn wir ein schreiendes Baby trösten, sollten wir sanft sagen: “Pssh, shh, shh … alles gut, alles ist gut, ich bin ja da, hab Vertrauen, alles ist gut, du bist hier sicher, versorgt, pshh, shh, shh, schlaf gut.”

Der Geist des Dainin handelt so zu sich selber, aber auch zu allen anderen in Not: “ Ja, Gyoriki, Mister President, ssh, shh alles wird gut, sie machen es gut, haben sie Vertrauen, fühlen sie sich sicher, ssh Mr Trump, alles gerade ganz schwierig, jaja, schlafen ist gut, shh, shh…, nein Krieg ist nicht gut, nicht wütend sein, alles ist gut, schlafen und ab morgen machen wir Kinhin, shh, shh, ssh, gelle, shh, ssh, ganz ruhig…!

Kinhin gehen – Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Wenn du, Mr President, dem Erfolg nachjagst, verlierst du das Ziel schnell aus den Augen.

In unserer aktivistischen, auf schnellen und maximalen Gewinn ausgerichteten Gesellschaft stehen schnelle, einfache Lösungen im Namen der Effizienz hoch im Kurs. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch oft zeigt sich, dass das, was eigentlich schnellen Fortschritt gewährleisten sollte, die Dinge kompliziert macht und nicht zielführend war.

Wenn du feststellst, dass du die schnelle Lösung suchst, weil du dem Erfolg nachjagst, erinnere dich an Kinhin. Der, der langsam Schritt für Schritt den Berg erklimmt, gelangt am Ende des Tages als erstes auf den Gipfel.

Der Satz: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, bringt diese Philosophie zum Ausdruck.

Im Zen redet man von dem Weg des Buddha oder Zen gehen und dieser Weg verwirklicht sich zwar Augenblick für Augenblick ist aber zur gleichen Zeit ewig, weil er die Verifikation durch die Praxis von Hier und Jetzt benötigt.. Einer der Leitsätze K. Uchiyamas zum Leben eines Zenpraktizierenden lautet: Sitz erst einmal 10 Jahre, dann nochmals 10 Jahre und danach einfach nochmals 10 Jahre.

Für mich ist das Bild des Kinhin Leitbild: Schritt, Ausatmen,Gleichgewicht finden, Körper strecken, Einatmen, Schritt,…..

Beppo Strassenkehrer aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende sagt: “Weisst du Momo, wenn ich die ganze Zeit auf die lange, endlose, noch zu kehrende Straße schaue, bin ich ganz niedergedrückt. Doch wenn ich mich nur auf den Schritt, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich konzentriere, dann bin ich plötzlich fertig und freue mich sehr!

Träume und große Ziele haben, ist sehr wichtig. Und wenn du große Träume und Ziele anstrebst, solltest du ihnen Raum geben, statt sie zu begrenzen. Das gibt dem Leben Sinn und macht es groß.

Doch mache nicht den Fehler, Großes schnell erreichen zu wollen. „Gut Ding will Weile haben“, heißt es. Gib deinem Projekt also Raum und Zeit. Teile dir die Strecke in Etappen ein, wie auf einer Pilgerfahrt, Tag für Tag, und plötzlich ist man in Santiago de Compostella angekommen.

Mache das Projekt zu deinem Weg, erwarte nicht, dass andere das gleiche Ziel anstreben.

Oder beim Aufbau eines Zenpraxiszentrum in den abgelegenen Walliser Alpen braucht es beim Aufbau-Kinhin eine gute Bodenhaftung und viel Geduld, um den nächsten besten Schritt mit Selbstvertrauen und Leichtigkeit zu bewältigen.

 


Primel-Sesshin

 

Von Gyoriki Herskamp, Februar 2026

Früher hieß das Sesshin Krokussesshin, benannt nach den ersten Blumen des Jahres im Schwarzwald. Doch im Wallis sind die leuchtgelben Frühlingsprimeln die ersten Blumen des neuen Jahres. Der Krokus erscheint dann zusammen mit vielen anderen Frühlingsblumen. Also ein willkommener Anlass für eine Umbenennung.

Dieses Sesshin durfte ich Alleine Sitzen. Da sich kein anderer Mitübender angemeldet hatte und ich somit weniger Vorbereitungen zu treffen hatte, verlängerte ich das Sesshin auf drei ganze Tage. Beginn Mittwoch Abend, dann Donnerstag bis Samstag Sesshin, Sonntagmorgen Zeremonie – fertig Sesshin – das zukünftige Format des Primelsesshin war geboren.

Ich genoss “Alleine Sitzen” sehr, denn ich kann mich ausnahmsweise Mal ganz auf die Praxis konzentrieren, muss mich um nichts und niemanden kümmern.

Das Besondere an diesem Sesshin war die Rekordtemperatur von 17 Grad, und die wärmende Sonne, die ich in der Mittagspause genoss. Ich entschied mich, statt des Nachmittags Samus jeweils einen Frühlingsspaziergang zu machen – herrlich.

 

 


Frühling

Frühling!

Plötzlicher Wandel!

Die Eis- und Schneemassen schmelzen zunächst leise und heimlich,

befreit in den Bächen, rauschen

voller Lebensfreude.

Vögel aus dem Süden singen.

Gelbe Primeln leuchten