Von Gyoriki Herskamp, März 26
Der Buddha erklärte ….3. Abschnitt:
Wer weniger Wünschen nachgeht, wird weniger Leid und weniger Probleme haben. Persönliche Begierden zu haben, muss gründlich studiert und geübt werden. Darüber hinaus bringt es unzählige Verdienste mit sich diesen Begierden nicht zu folgen. Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln. Auch wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.
(aus The roots of Goodness, Kosho Uchiyama)
„Geld kann man nicht ins Grab nehmen“ oder „Vor dem Herrgott sind wir alle nackt“
Je mehr Geld jemand verdient, umso größer ist das Bestreben, noch mehr haben zu wollen. Es gibt keine Grenzen – Mehr, Mehr, Mehr! …Dies kann dazu führen, dass Leute glauben, sie könnten sich alles kaufen, selbst das Glück oder das Leben.
Ist dem so?
Buddha und andere Weise rieten vielen reichen Menschen, ihr Geld zum Wohle anderen zu verschenken. Glück ist demnach, anderen Menschen Freude zu machen, indem man sie sinnvoll unterstützt.
Auch wenn deine Aktion des Verschenkens dem anderen wieder erwarten nicht hilft, wird es die Welt wieder offener und freundlicher machen.
Das Empfangen von Spenden gehört für jeden buddhistischen Mensch zur Praxis, auch wir hier in Sanko-an versuchen uns rein von Spenden zu finanzieren, denn es hält unsere Begierden gering und wir bleiben demütig und dankbar.
Andererseits birgt das Empfangen von Geld durch Unterstützer gewisse Gefahren, die ich schon mannigfaltig erläutert habe.
Die grösste Gefahr, die ich den allermeisten buddhistischen Tempeln sehe, ist, dass sich die Mönche, in ihrer Hoffnung große Geldspenden zu bekommen oder Einnahmen zu generieren, anders Verhalten, anders Leben, anders Lehren, etc., als der Buddha es lehrte und als sie es gegenüber Personen tun würden, die keine Spender oder potentielle Geldgeber sind.
Und dann weiter: Wenn dann Spender meinen, Forderungen stellen zu können, weniger Samu machen, sich schlecht benehmen und den Chef spielen, weil sie meinen, sie hätten eine gute Tat getan oder wären etwas besseres, gibt es schnell Probleme. In diesem Fall müssen wir aufpassen, das Geld sofort zurückweisen oder vor die Füße werfen und die Person sofort strikt aus der Ermitage weisen.
Denn wie Buddha lehrte: “Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln.”
Hier in Sanko-an praktizieren wir deswegen ein Zwischenmodell. Ein Modell, das auch mein Lehrer Shohaku Okumura für die USA und Europa vorschlägt. Die Mönche solle sich nach Möglichkeit selbst finanzieren, in dem sie einer Lohnarbeit für ihren Lebensunterhalt nachgehen, ich selber habe mich für den Lehrerberuf bzw. schulischen Heilpädagogen entschieden, denn im Schulbereich gibt es viele Teilzeitmöglichkeiten, außerdem recht viel unterrichtsfreie Zeit und der Lohn ist auch ok. Ausserdem ist ja ein jeder, der die buddhistische Lehre praktiziert, durch Buddha persönlich angehalten, dem rechten Lebensunterhalt nachzugehen. Da sind an erster Stelle natürlich die sozialen Berufe und Non-Profit Unternehmen zu nennen. Einem helfenden,ethisch vertretbaren Lebensunterhalt nachgehen, der Sinn macht, ist Voraussetzung in unserer Zenrichtung. Okumura Roshi fragt bei jedem Adepten nach, ob seine Berufswahl den ethischen Grundlinien entspricht. Nachteil des Lehrerberufes ist die hohe Intensität und Stressbelastung der Arbeit, die einen jeden regelmäßig an seine Grenzen bringt.
Deswegen denke ich oft darüber nach, meine letzten Lohn Arbeitsjahre im Lohn Niedrig Sektor zu absolvieren, wo man seine Arbeit macht, nicht viel Denken muss, die Intensität nicht unbedingt hoch ist und wo man seine Arbeit, in der Garderobe, wie man im übertragenen Sinne sagt, ablegen kann. Nicht noch Stress, Probleme und Konflikte mit nach Hause nehmen muss. Mein erster Lehrer M. Bovay propagierte das sehr, er arbeitet u.a. in einem Buchversand, auch Okumura arbeitete beispielsweise als Erntehelfer oder Fischverarbeitung. Mal schauen….
“Außerdem wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.”
Wir denken vielleicht, dass wenn wir wenig oder gar keine Wünsche haben, alles einfacher wird. Aber das funktioniert nicht so.
Kosho Uchiyama verwendet gerne einen anderen Ausdruck für “wenig Wünsche haben”, nämlich “die Unzufriedenheit als das lassen was sie ist” (Sekrete unseres Geistes)
Diese Gedanken und Gefühle der Unzufriedenheit oder Nichterfüllung, sind für ihn nichts anderes als über Bonno (Gier, Wut und Ignoranz) oder aber auch über die “Lebensenergie”zu reden. Deswegen sind diese negativen Zustände nicht etwas, was man loswerden oder zerstören sollte.
Sondern wie als Babysitter, wenn wir ein schreiendes Baby trösten, sollten wir sanft sagen: “Pssh, shh, shh … alles gut, alles ist gut, ich bin ja da, hab Vertrauen, alles ist gut, du bist hier sicher, versorgt, pshh, shh, shh, schlaf gut.”
Der Geist des Dainin handelt so zu sich selber, aber auch zu allen anderen in Not: “ Ja, Gyoriki, Mister President, ssh, shh alles wird gut, sie machen es gut, haben sie Vertrauen, fühlen sie sich sicher, ssh Mr Trump, alles gerade ganz schwierig, jaja, schlafen ist gut, shh, shh…, nein Krieg ist nicht gut, nicht wütend sein, alles ist gut, schlafen und ab morgen machen wir Kinhin, shh, shh, ssh, gelle, shh, ssh, ganz ruhig…!
Kinhin gehen – Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Wenn du, Mr President, dem Erfolg nachjagst, verlierst du das Ziel schnell aus den Augen.
In unserer aktivistischen, auf schnellen und maximalen Gewinn ausgerichteten Gesellschaft stehen schnelle, einfache Lösungen im Namen der Effizienz hoch im Kurs. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch oft zeigt sich, dass das, was eigentlich schnellen Fortschritt gewährleisten sollte, die Dinge kompliziert macht und nicht zielführend war.
Wenn du feststellst, dass du die schnelle Lösung suchst, weil du dem Erfolg nachjagst, erinnere dich an Kinhin. Der, der langsam Schritt für Schritt den Berg erklimmt, gelangt am Ende des Tages als erstes auf den Gipfel.
Der Satz: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, bringt diese Philosophie zum Ausdruck.
Im Zen redet man von dem Weg des Buddha oder Zen gehen und dieser Weg verwirklicht sich zwar Augenblick für Augenblick ist aber zur gleichen Zeit ewig, weil er die Verifikation durch die Praxis von Hier und Jetzt benötigt.. Einer der Leitsätze K. Uchiyamas zum Leben eines Zenpraktizierenden lautet: Sitz erst einmal 10 Jahre, dann nochmals 10 Jahre und danach einfach nochmals 10 Jahre.
Für mich ist das Bild des Kinhin Leitbild: Schritt, Ausatmen,Gleichgewicht finden, Körper strecken, Einatmen, Schritt,…..
Beppo Strassenkehrer aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende sagt: “Weisst du Momo, wenn ich die ganze Zeit auf die lange, endlose, noch zu kehrende Straße schaue, bin ich ganz niedergedrückt. Doch wenn ich mich nur auf den Schritt, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich konzentriere, dann bin ich plötzlich fertig und freue mich sehr!
Träume und große Ziele haben, ist sehr wichtig. Und wenn du große Träume und Ziele anstrebst, solltest du ihnen Raum geben, statt sie zu begrenzen. Das gibt dem Leben Sinn und macht es groß.
Doch mache nicht den Fehler, Großes schnell erreichen zu wollen. „Gut Ding will Weile haben“, heißt es. Gib deinem Projekt also Raum und Zeit. Teile dir die Strecke in Etappen ein, wie auf einer Pilgerfahrt, Tag für Tag, und plötzlich ist man in Santiago de Compostella angekommen.
Mache das Projekt zu deinem Weg, erwarte nicht, dass andere das gleiche Ziel anstreben.
Oder beim Aufbau eines Zenpraxiszentrum in den abgelegenen Walliser Alpen braucht es beim Aufbau-Kinhin eine gute Bodenhaftung und viel Geduld, um den nächsten besten Schritt mit Selbstvertrauen und Leichtigkeit zu bewältigen.