Grundprinzipien der Tiefenökologie (Ecosophy)

Auch von vielen buddhistischen Lehrern anerkannte Grundprinzipien für einen angemessenen Umgang mit allen Wesen. Ich kann dem viel Positives abgewinnen und sie ähneln dem Standards Sanko-ans, deshalb hier mal abgedruckt.

(A.Naess, et al 1984)

1. Alle Lebewesen haben einen Eigenwert.

2. Die Vielfalt und der Reichtum des Lebens haben einen Eigenwert.

3. Außer zur Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse haben Menschen nicht das Recht, diese Vielfalt und diesen Reichtum zu reduzieren.

4. Es wäre besser für die Menschen, wenn es weniger von ihnen gäbe, und viel besser für andere Lebewesen.

5. Das Ausmaß und die Art der menschlichen Eingriffe in die verschiedenen Ökosysteme sind heute nicht nachhaltig, und die mangelnde Nachhaltigkeit nimmt zu.

6. Entscheidende Verbesserungen erfordern erhebliche Veränderungen: soziale, wirtschaftliche, technologische und ideologische.

7. Ein ideologischer Wandel würde im Wesentlichen bedeuten, eine bessere Lebensqualität anzustreben, anstatt einen höheren Lebensstandard.

8. Diejenigen, die die oben genannten Punkte akzeptieren, sind dafür verantwortlich, direkt oder indirekt zu den notwendigen Veränderungen beizutragen.


Rilke Gedicht

Vor zwei Wochen, als in Sanko-an noch ca. 20 cm Schnee lag, machte ich auf dem Rückweg vom Einkaufen in Veyras einen Spaziergang um das Chateau de Muzot aus dem 13 Jhdt. Hier verbrachte Rainer Maria Rilke seine letzten 5 Lebensjahre und erlebte nach eigenen Aussagen einen ‘wilden, kreativen Sturm’.

Das Licht und das Klima des Wallis, das ihn an die Provence erinnerte, gepaart mit den schroffen, hohen Bergen des Hochgebirges machte es ihm möglich, besonders kreativ zu sein.

Das Schloss wurde ihm vom Industriellen W. Reinhart auf seinen Wunsch hin gekauft und zur Verfügung gestellt.

Der Gefangene

I

Meine Hand hat nur noch eine Gebärde, mit der sie verscheucht;

auf die alten Steine

fällt es aus Felsen feucht.

 

Ich höre nur diese Klopfen

und mein Herz hält Schritt

mit dem Gehen der Tropfen

und vergeht damit.

Tropften sie doch schneller,

käme doch wieder ein Tier.

Irgendwo war es heller-,

Aber was wissen wir.

 

(Man achte auch auf die 1. Zeile und ihre Bedeutung für heute)


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (VI)

Von Gyoriki Herskamp, April 26

(Kommentar zu Zenmeister Dogens Lehren über die ‚Acht Eigenschaften einer grossen Person‘ von Gyoriki auf der Basis des Textes ‚The Roots of Goodness’ – Kommentar Kosho Uchiyama Roshi, übersetzt von Daitsu Tom Wright)

Wer mit wenigen Wünschen handelt, ist stets in Frieden und hat wenig Sorgen oder Bedenken. Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Kosho Uchiyama Roshi schreibt zu diesem letzten Abschnitt des Kapitels ‚Shoyoku – Wenig Wünsche haben‘: „Bitte bedenke, dass Sorgen und Bedenken, oder Qual und Leiden ist nicht etwas, das außerhalb von dir aufgrund irgendeines Vorfalls entstand. Sondern, all diese Emotionen sind darauf zurückzuführen, was du in deinem Leben oder Lebenseinstellung als wertvoll erachtest. Deswegen, wenn wir unsere Werte ändern, unsere Einstellungen zum Leben auswechseln, dann werden all die Sorgen und die Leiden verschwinden.“

Häufig ist es so, dass innere Verstimmungen und äußere Missstände als von uns nicht veränderbar betrachtet werden, als etwas von außen auf uns Erlegtes, als Bürde, als Ungerechtigkeit oder gar Gemeinheit bzw. Mobbing von anderen. Etwas, das uns angetan wird und wir nicht ändern können.

Dies ist oft nicht die korrekte oder hilfreiche Einstellung, auf Sorgen und Leiden zu reagieren.

In diesem Fall bin ich empört oder niedergeschlagen, weil die Regierung zulässt, dass die Benzinpreise steigen – Unverschämtheit!; der Chef sieht nicht wieviel ich arbeite – ich Arme; meine Arbeitskollegen arbeiten weniger als ich – Ungerechtigkeit; meine Eltern haben mich immer unterdrückt – Opfer. Aus Sicht der Lehre des Buddhas/ des Zen jedoch bin ich alleine für die Bewertung der äußeren Phänomene verantwortlich, die menschliche Grundeigenschaft, alles in gut und schlecht, nützlich und nicht nützlich, bedrohend und fördernd einzuteilen führt zum Leiden.

Passe ich meine Werte an Lebensumstände und meine Person an und lebe sie durch mein engagiertes Handeln, verschwinden nach und nach meine Sorgen und Leiden.

Interessanterweise habe ich im letzten Jahr die Weiterbildung in ACT – (Acceptance and Commitment Therapy) abgeschlossen – ein relativ neues Psychotherapie Verfahren, das zur 3. Welle der Verhaltenstherapie gezählt wird. Neben der sogenannten Akzeptanz der Lebensumstände u.a. Pfeilern des Verfahrens sind das selbstständige Herausfinden und – arbeiten der ureigenen, mir entsprechenden Werte und das Commitment, danach engagiert zu handeln, die Basis der Therapie, die zu einem nachgewiesenermaßen glücklicheren Leben führt. Ich finde meine eigenen Werte heraus, lerne sie kennen und lebe aktiv danach, führt zu Glück und Wohlbefinden. Ich engagiere mich beispielsweise für benachteiligte Personen in der Gesellschaft, helfe Ihnen und tue ihnen Gutes und empfinde mich infolgedessen in der Gesellschaft als selbstwirksam und wichtig. (s. dazu www.staerkestattmacht.ch)

Allerdings muss man da ganz klar Menschen ausnehmen, die unter starken Schmerzen leiden oder psychische, diagnostizierte Störungen haben.

Wer einmal sehr starke Schmerzen hatte, wie zum Beispiel infolge eines Migräneanfalls oder einmal einen stark vereiterten Zahn hatte, weiss wovon ich rede. Die Schmerzen sind so stark, dass wir nicht anders als Dösen oder Schlafen können. Da hilft dann auch kein Zazen oder Beten. Der Schmerz ist einfach der Schmerz und wir sind nicht mehr in der Lage, groß zu handeln.

Ähnliches passiert laut Uchiyama Roshi im Angesicht des Todes, Trauer und Angst werden einfach da sein, etwas ganz Natürliches, das wir nicht ändern können. Da ich die Ehre hatte, zwei- oder dreimal beim Sterbeprozess zugegen zu sein, ist meine Erfahrung, dass sich viele Menschen erst im unmittelbaren Prozess des Sterbens entspannen oder loslassen können. Aus welchem Grund das auch immer ist, so hat die Natur dieses Hinübergleiten gestaltet. Zunächst ist Trauer, Leiden oder Angst einfach Teil des Ganzen, es sei denn ich lasse mir die entsprechenden Betäubungsmittel verabreichen, was jedermanns gutes Recht ist. Irgendwann findet aber unbewusst, natürlich und automatisch der Prozess des Loslassens statt.

Uchiyama erklärt in seinem Kommentar auch ganz klar, dass davon auch keine Zazenpraktizierende ausgenommen sind, die gehofft hatten,dass sie sich durch Zazen auf den Tod vorbereiten können. Eine langsame, intensive Zazenpraxis bewahrt einen nicht vor dem notwendigen Leiden angesichts des Todes. Dies hatte ich schon im Falle des Todes von Shunryu Suzuki Roshi, als auch Katagiri Roshi gelesen, die angesichts ihrer Krebserkrankung und ihrer freien Entscheidung so weit es geht auf Betäubungsmittel zu verzichten, zeitweise unglaublich litten und so ihren SchülerInnen ein wertvolles, unvergleichliches Beispiel gaben.

Ich selbst durfte dies bei meinem, eigenen Lehrer Missen Meiho Bovay erleben, der an unheilbaren Knochenkrebs verstarb. Die Wirbel seiner Wirbelsäule zerbarsten durch den Krebs, die Schmerzen unvorstellbar und über alle Maßen hinaus, sein Leben war nur mit starken Morphinen einigermaßen aushaltbar. Seine starke, langjährige Zazenpraxis bewahrte ihn nicht vor diesem Leiden und frühen Tod (mit 64 Jahren); er war nicht mehr in der Lage sich in irgendeiner Form ‘zenmeisterlich’ zu verhalten, sondern ganz und gar einfach nur ein normaler Mensch.

Eine große Unterweisung für mich, die in mir viele Verblendungen zerstörte: Im Angesicht des Todes sind wir alle gleich und nackt.

Ähnliches gilt laut Uchiyama Roshi für ungewöhnliche Verhaltensweisen im Angesicht von lebensbedrohender Gefahr ( Raketenangriff im Krieg, Gewaltandrohung von Kriminellen oder Naturgefahren (Lawinen, Fluten, Erdbeben, etc.). Wer hier meint, heldenhaft sein zu müssen, statt sich in Sicherheit zu bringen oder zu schützen, muss sich darüber im Klaren sein, dass dieses Verhalten nichts mit dem Dharma zu tun hat.

Ein Beispiel aus meinem Lebensbereich: Ein psychisch kranker Jugendlicher bedrohte mich in seiner Not während des Corona-Lockdowns zweimal mit dem Messer. Die Psychischen Kliniken waren in dieser Zeit überfüllt und nahmen nur Jugendliche mit akuter Suizidgefahr auf. Eine Selbsteinweisung des Jugendlichen wurde aus ebendiesen Gründen abgelehnt. Es bestand weiterhin die Beschulungspflicht für unsere Institution. Nun stand dieser Jugendliche in seiner großen Wut und Not mit dem Messer vor mir und wollte mich abstechen, wie er sagte. Er habe nichts mehr zu verlieren. Ich blieb trotz größter Angst äußerlich ruhig, ging rückwärts, versuchte vorschriftsmäßig zu deeskalieren. wie ich das gelernt hatte, bis andere zu Hilfe kamen und ihn festhielten und beruhigten. Dabei provozierte und bedrohte er mich weiter: Er werde mich finden, er werde mir auflauern und mich abstechen, etc..

Ein lebensbedrohliches Ereignis, das jeden Menschen zutiefst erschüttert. Zwar nässte ich mich nicht ein oder ähnliches, aber ich hatte tagelang Mühe mich zu beruhigen, weiter zu arbeiten, dieses Erlebnis zu verarbeiten und bis heute, wenn ich diese Zeilen schreibe, wühlt mich dieses Ereignis emotional und psychosomatisch auf und ich fühle mich so, als hätte ich emotional versagt. Zu diesem Prozess gehörte auch, dass ich mich zeitweise dafür verurteilte, mich nicht samurai-haft oder zen-meisterlich verhalten zu haben. Ich hätte diesem doch körperlich und mental unterlegenen Jugendlichen das Messer abnehmen sollen und wäre so ein Mann mit ‚Eiern‘ geworden, den die anderen delinquenten Jugendlichen künftig als Anführer ansehen könnten.

In diesem Moment Angst zu haben und aufgebracht zu sein ist also vollkommen normal und alles andere wäre widernatürlich. Es kann eine große Verblendung von Zazenpraktizierenden sein, dass sie Glauben vor solchen urmenschlichen Leiden gefeit zu sein. Obacht – Zazen is for nothing!

Daß ich aber, während ich diese Zeilen schreibe und mich an diese Situation erinnere, in mir ähnliche Emotionen ausgelöst werden wie damals, zeigt lediglich auf, wie unser menschliches Gehirn funktioniert. Das bloße Denken oder Vorstellen eines Erlebnisses löst Emotionen aus, als wäre es real, obwohl es in keinster Weise etwas mit Wirklichkeit zu tun hat. Ich wurde beim notwendigen Erinnern an diese Situation, denn ich wollte ja dies so genau wie möglich beschreiben, von meinen Gedanken in den Griff genommen und da ich als Zazenübender gewohnt bin, alle Gedanken, die auftauchen, loszulassen, kann ich das jetzt tun.

Uchiyama Roshi betont in diesem Zusammenhang, dass es entscheidend ist, aus eine wahren religiösen Leben hinaus lebend, unser ganzes Leben ohne illusorisches bzw. verblendetes Leiden zu leben.

Und er verweist auf die Eingangssätze Dogens (s.o):“Und in vielerlei Hinsicht verspürt ein solcher Mensch kein Bedürfnis nach mehr; er hat immer mehr als genug. Kurz gesagt: Wer wenige Wünsche hat, ist praktisch im Nirvana. Das nennt man wenige Wünsche haben.“

Nirvana wird im Zen als der Zustand definiert, in dem weder Geburt noch Tod eine Bedeutung haben oder wie Sawaki Roshi und andere Zenlehrer es immer wieder beschrieben, sein Leben im eigenen Sarg liegend anzuschauen.

Uchiyma Roshi empfiehlt denjenigen, die jetzt nicht losgehen möchten, einen Sarg einzukaufen, ihn nach Hause zu bringen und ins Wohnzimmer zu stellen, um darin zu liegen, stattdessen einfach ein Kissen zu holen und Zazen zu praktizieren.

In Kürze: Zazen machen ist auf sein Leben schauen, während man im eigenen Sarg liegt. Oder über die Frage reflektieren: „Wo wäre ich jetzt, wenn mich meine Eltern abgetrieben hätten?“

Zu guter Letzt des Kapitels definiert Uchiyama Roshi einen Dainin als einen Menschen, der sein Leben aufräumt und putzt, ohne rumzujammern. Ein wahrer Erwachsener ist also der, der nicht rumjammert und folglich die Fähigkeit hat ‚wenig Wünsche‘ zu haben.

Wir sind deswegen laut Dogen Zenji alle aufgefordert, das ‚wenig Wünsche haben‘ zu praktizieren, und dies zu leben, um dann ein Vorbild für alle Kinder und alle gierigen Geschöpfe sein zu können.


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (V)

Von Gyoriki Herskamp, März 26

Der Buddha erklärte ….3. Abschnitt:

Wer weniger Wünschen nachgeht, wird weniger Leid und weniger Probleme haben. Persönliche Begierden zu haben, muss gründlich studiert und geübt werden. Darüber hinaus bringt es unzählige Verdienste mit sich diesen Begierden nicht zu folgen. Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln. Auch wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.

(aus The roots of Goodness, Kosho Uchiyama)

„Geld kann man nicht ins Grab nehmen“ oder „Vor dem Herrgott sind wir alle nackt“

Je mehr Geld jemand verdient, umso größer ist das Bestreben, noch mehr haben zu wollen. Es gibt keine Grenzen – Mehr, Mehr, Mehr! …Dies kann dazu führen, dass Leute glauben, sie könnten sich alles kaufen, selbst das Glück oder das Leben.

Ist dem so?

Buddha und andere Weise rieten vielen reichen Menschen, ihr Geld zum Wohle anderen zu verschenken. Glück ist demnach, anderen Menschen Freude zu machen, indem man sie sinnvoll unterstützt.

Auch wenn deine Aktion des Verschenkens dem anderen wieder erwarten nicht hilft, wird es die Welt wieder offener und freundlicher machen.

Das Empfangen von Spenden gehört für jeden buddhistischen Mensch zur Praxis, auch wir hier in Sanko-an versuchen uns rein von Spenden zu finanzieren, denn es hält unsere Begierden gering und wir bleiben demütig und dankbar.

Andererseits birgt das Empfangen von Geld durch Unterstützer gewisse Gefahren, die ich schon mannigfaltig erläutert habe.

Die grösste Gefahr, die ich den allermeisten buddhistischen Tempeln sehe, ist, dass sich die Mönche, in ihrer Hoffnung große Geldspenden zu bekommen oder Einnahmen zu generieren, anders Verhalten, anders Leben, anders Lehren, etc., als der Buddha es lehrte und als sie es gegenüber Personen tun würden, die keine Spender oder potentielle Geldgeber sind.

Und dann weiter: Wenn dann Spender meinen, Forderungen stellen zu können, weniger Samu machen, sich schlecht benehmen und den Chef spielen, weil sie meinen, sie hätten eine gute Tat getan oder wären etwas besseres, gibt es schnell Probleme. In diesem Fall müssen wir aufpassen, das Geld sofort zurückweisen oder vor die Füße werfen und die Person sofort strikt aus der Ermitage weisen.

Denn wie Buddha lehrte: “Ein Mensch mit wenigen Begierden wird niemals versuchen, anderen zu schmeicheln oder sich bei Ihnen einschmeicheln.”

 

Hier in Sanko-an praktizieren wir deswegen ein Zwischenmodell. Ein Modell, das auch mein Lehrer Shohaku Okumura für die USA und Europa vorschlägt. Die Mönche solle sich nach Möglichkeit selbst finanzieren, in dem sie einer Lohnarbeit für ihren Lebensunterhalt nachgehen, ich selber habe mich für den Lehrerberuf bzw. schulischen Heilpädagogen entschieden, denn im Schulbereich gibt es viele Teilzeitmöglichkeiten, außerdem recht viel unterrichtsfreie Zeit und der Lohn ist auch ok. Ausserdem ist ja ein jeder, der die buddhistische Lehre praktiziert, durch Buddha persönlich angehalten, dem rechten Lebensunterhalt nachzugehen. Da sind an erster Stelle natürlich die sozialen Berufe und Non-Profit Unternehmen zu nennen. Einem helfenden,ethisch vertretbaren Lebensunterhalt nachgehen, der Sinn macht, ist Voraussetzung in unserer Zenrichtung. Okumura Roshi fragt bei jedem Adepten nach, ob seine Berufswahl den ethischen Grundlinien entspricht. Nachteil des Lehrerberufes ist die hohe Intensität und Stressbelastung der Arbeit, die einen jeden regelmäßig an seine Grenzen bringt.

Deswegen denke ich oft darüber nach, meine letzten Lohn Arbeitsjahre im Lohn Niedrig Sektor zu absolvieren, wo man seine Arbeit macht, nicht viel Denken muss, die Intensität nicht unbedingt hoch ist und wo man seine Arbeit, in der Garderobe, wie man im übertragenen Sinne sagt, ablegen kann. Nicht noch Stress, Probleme und Konflikte mit nach Hause nehmen muss. Mein erster Lehrer M. Bovay propagierte das sehr, er arbeitet u.a. in einem Buchversand, auch Okumura arbeitete beispielsweise als Erntehelfer oder Fischverarbeitung. Mal schauen….

 

“Außerdem wird sich jemand mit wenigen Wünschen nicht von den Begierden der fünf Sinne mitreißen lassen.”

Wir denken vielleicht, dass wenn wir wenig oder gar keine Wünsche haben, alles einfacher wird. Aber das funktioniert nicht so.

Kosho Uchiyama verwendet gerne einen anderen Ausdruck für “wenig Wünsche haben”, nämlich “die Unzufriedenheit als das lassen was sie ist” (Sekrete unseres Geistes)

Diese Gedanken und Gefühle der Unzufriedenheit oder Nichterfüllung, sind für ihn nichts anderes als über Bonno (Gier, Wut und Ignoranz) oder aber auch über die “Lebensenergie”zu reden. Deswegen sind diese negativen Zustände nicht etwas, was man loswerden oder zerstören sollte.

Sondern wie als Babysitter, wenn wir ein schreiendes Baby trösten, sollten wir sanft sagen: “Pssh, shh, shh … alles gut, alles ist gut, ich bin ja da, hab Vertrauen, alles ist gut, du bist hier sicher, versorgt, pshh, shh, shh, schlaf gut.”

Der Geist des Dainin handelt so zu sich selber, aber auch zu allen anderen in Not: “ Ja, Gyoriki, Mister President, ssh, shh alles wird gut, sie machen es gut, haben sie Vertrauen, fühlen sie sich sicher, ssh Mr Trump, alles gerade ganz schwierig, jaja, schlafen ist gut, shh, shh…, nein Krieg ist nicht gut, nicht wütend sein, alles ist gut, schlafen und ab morgen machen wir Kinhin, shh, shh, ssh, gelle, shh, ssh, ganz ruhig…!

Kinhin gehen – Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Wenn du, Mr President, dem Erfolg nachjagst, verlierst du das Ziel schnell aus den Augen.

In unserer aktivistischen, auf schnellen und maximalen Gewinn ausgerichteten Gesellschaft stehen schnelle, einfache Lösungen im Namen der Effizienz hoch im Kurs. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch oft zeigt sich, dass das, was eigentlich schnellen Fortschritt gewährleisten sollte, die Dinge kompliziert macht und nicht zielführend war.

Wenn du feststellst, dass du die schnelle Lösung suchst, weil du dem Erfolg nachjagst, erinnere dich an Kinhin. Der, der langsam Schritt für Schritt den Berg erklimmt, gelangt am Ende des Tages als erstes auf den Gipfel.

Der Satz: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, bringt diese Philosophie zum Ausdruck.

Im Zen redet man von dem Weg des Buddha oder Zen gehen und dieser Weg verwirklicht sich zwar Augenblick für Augenblick ist aber zur gleichen Zeit ewig, weil er die Verifikation durch die Praxis von Hier und Jetzt benötigt.. Einer der Leitsätze K. Uchiyamas zum Leben eines Zenpraktizierenden lautet: Sitz erst einmal 10 Jahre, dann nochmals 10 Jahre und danach einfach nochmals 10 Jahre.

Für mich ist das Bild des Kinhin Leitbild: Schritt, Ausatmen,Gleichgewicht finden, Körper strecken, Einatmen, Schritt,…..

Beppo Strassenkehrer aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende sagt: “Weisst du Momo, wenn ich die ganze Zeit auf die lange, endlose, noch zu kehrende Straße schaue, bin ich ganz niedergedrückt. Doch wenn ich mich nur auf den Schritt, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich konzentriere, dann bin ich plötzlich fertig und freue mich sehr!

Träume und große Ziele haben, ist sehr wichtig. Und wenn du große Träume und Ziele anstrebst, solltest du ihnen Raum geben, statt sie zu begrenzen. Das gibt dem Leben Sinn und macht es groß.

Doch mache nicht den Fehler, Großes schnell erreichen zu wollen. „Gut Ding will Weile haben“, heißt es. Gib deinem Projekt also Raum und Zeit. Teile dir die Strecke in Etappen ein, wie auf einer Pilgerfahrt, Tag für Tag, und plötzlich ist man in Santiago de Compostella angekommen.

Mache das Projekt zu deinem Weg, erwarte nicht, dass andere das gleiche Ziel anstreben.

Oder beim Aufbau eines Zenpraxiszentrum in den abgelegenen Walliser Alpen braucht es beim Aufbau-Kinhin eine gute Bodenhaftung und viel Geduld, um den nächsten besten Schritt mit Selbstvertrauen und Leichtigkeit zu bewältigen.

 


Primel-Sesshin

 

Von Gyoriki Herskamp, Februar 2026

Früher hieß das Sesshin Krokussesshin, benannt nach den ersten Blumen des Jahres im Schwarzwald. Doch im Wallis sind die leuchtgelben Frühlingsprimeln die ersten Blumen des neuen Jahres. Der Krokus erscheint dann zusammen mit vielen anderen Frühlingsblumen. Also ein willkommener Anlass für eine Umbenennung.

Dieses Sesshin durfte ich Alleine Sitzen. Da sich kein anderer Mitübender angemeldet hatte und ich somit weniger Vorbereitungen zu treffen hatte, verlängerte ich das Sesshin auf drei ganze Tage. Beginn Mittwoch Abend, dann Donnerstag bis Samstag Sesshin, Sonntagmorgen Zeremonie – fertig Sesshin – das zukünftige Format des Primelsesshin war geboren.

Ich genoss “Alleine Sitzen” sehr, denn ich kann mich ausnahmsweise Mal ganz auf die Praxis konzentrieren, muss mich um nichts und niemanden kümmern.

Das Besondere an diesem Sesshin war die Rekordtemperatur von 17 Grad, und die wärmende Sonne, die ich in der Mittagspause genoss. Ich entschied mich, statt des Nachmittags Samus jeweils einen Frühlingsspaziergang zu machen – herrlich.

 

 


Frühling

Frühling!

Plötzlicher Wandel!

Die Eis- und Schneemassen schmelzen zunächst leise und heimlich,

befreit in den Bächen, rauschen

voller Lebensfreude.

Vögel aus dem Süden singen.

Gelbe Primeln leuchten


Gedanken zur 1. Eigenschaft einer grossen Person – Wenig Wünsche haben (IV)

1. Shoyoku – Wenige Wünsche haben Kommentar zum 2. Abschnitt:

Der Buddha erläutert: Mönche und Nonnen, hier ist etwas, auf das ihr aufmerksam sein solltet. Eine Person mit vielen Sehnsüchten und Begierden leidet proportional stärker und zwar deswegen, weil er oder sie stärker persönlichen Zielen folgt oder andere Vorteile sucht.

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Die kühle, trockene Luft erfrischt und verhindert ein Wegdösen beim Zazen im Dojo. Dafür ist es sehr still, das sonst rauschende Wasser der Pauja ist auf den ersten Blick erstarrt. Doch drunter fließt es unsichtbar weiter, geht man näher heran, sind ab und zu sehr seltsame, interessante Geräusche aus dem Eis zu hören. Manchmal sehr unheimlich, manchmal zum Lachen lustig. Ein neue spannende Welt, die sich auftut.

Die Konturen der Landschaft sind rein und klar, nur weiss, schwarz und blau, und manchmal alles verschwommen und in Grautönen gehalten, und manchmal auch ein unheimliches oder freudiges Glitzern von Sonnenstrahlen an Orten, die überraschen.

Vieles, was im Sommer durch die üppige, grüne Pflanzenwelt überdeckt ist, zeigt sich jetzt und zeigt seine tiefe eigene Schönheit. Es lohnt sich, hinauszugehen. Manchmal bin ich in Gedanken, dann merke ich plötzlich, dass ich an einer Hecke stehe und in die Ferne schaue. Häufig, wenn auch nur kurz, gehe ich hinaus. einfach weil es hilft die Gedanken loszulassen und manchmal gehe ich länger hinaus, um Brennholz zu machen oder lange Spaziergänge zu machen.

Jeden Morgen und Abend gehe ich draussen pinkeln und lausche, schaue, spüre und halte Inne, jedes Mal anders, mal Regen, mal Schnee, mal eiskalt, Schneeflocken tanzen vor den Augen, während mein Pipi Formen in den Schnee zeichnet und dampft. Die Kälte vertreibt Müdigkeit und Träumereien. Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit und man sieht nach und nach erstaunliches. Eine Taschenlampe brauche ich nicht, es reicht zum Gehen. Scheint der Mond auf dem Schnee, herrscht eine wunderschöne Art von Helle eines Lichts, das selbst schon reflektiert wurde, es ist besonders und nur auf Schnee so einzigartig. Der Blick zu den Sternen am Firmament macht einen mal ganz gross, mal winzig klein im Angesicht der gewaltigen Unendlichkeit und Ewigkeit. Ehrfurcht und Freude begleiten einen beim Betrachten.

Das Entleeren der Blase brachte die ersehnte Erleichterung, freudig stapfe ich vorsichtig zum Dojo, bloß nicht ausrutschen, um in aller Ruhe Zazen zu beginnen. Welches Glück ich habe.

Letztens las ich in einem Zeitungsartikel darüber, warum die Menschen in früheren Zeiten, in unseren Breiten und in Nordeuropa sogar heute noch, nicht unter der Kälte, der Dunkelheit oder dem Winter litten und auch weniger krank wurden als wir.

Als erstes ist die Einstellung zur Kälte zu nennen, als zweites der Umgang mit ihr und als drittes eine Art Kältetraining.

Heute, wo wir es uns leisten können, heißt eine auftretende Kälte draußen für viele von uns, wir drehen automatisch die Heizung hoch, ziehen uns wärmer an und bleiben drinnen in der Wärme. Bloß nicht raus gehen. Die Kälte und die kalte Jahreszeit sind oft zu einer Art Unzeit oder gar Gegner geworden, die man überstehen muss.

In Skandinavien und hier in den Alpen dagegen erfreuen sich die Menschen am Winter. Auch in Japan hat man eine eigene Art mit der Kälte und dem Winter umzugehen, bis heute gibt es in japanischen Häuser kaum Zentralheizungen, sondern nur einzelne Orte die geheizt werden, beispielsweise die Klobrille oder der Esstisch, wo die Familie zusammen kommt.

Auch hier in der Zenklause ist nur die kleine Stube gut geheizt, sonst nichts. Ich erfreue mich an der intensiven, punktuellen Wärme des Kaminofens, der Dämrigkeit, weil die Kerzen flackern und alles in schönes Licht tauchen, der Ruhe, des mehr Schlafens.

Neben der besseren Einstellung zur Kälte und Dunkelheit hilft dir sicher auch das Zurückziehen ins Haus, wenn es dunkel wird, die Gemütlichkeit im Inneren und das Verlangsamen des Lebensrhythmus. Wenn du so weitermachst wie im Sommer, gehst du gegen das Natürliche. Du kannst von der Natur lernen, alles zieht sich zurück, v.a. die Pflanzen und die Tiere verlangsamen ihren Stoffwechsel. Sie fahren runter. Die Lebenskraft fährt einen Gang herunter, die indigenen Völker meditieren viel in dieser Zeit; meine Eltern berichteten, dass die Nachbarschaft in der Nachkriegszeit abends auf dem Lande in der guten, warmen Stube zusammen kam und alte Geschichten/Märchen erzählte.

Es ist erwiesen, wenn wir die Nacht durch künstliches Licht zum Tag machen oder in das Licht unserer Endgeräte schauen, um zu konsumieren, dass wir oft nur schlecht schlafen können.
In alter Zeit wusste man um die heilende Kraft der Kälte, wie zum Beispiel um die positive Wirkung des Eisbadens, dass man immer noch in Ost- und Nordeuropa pflegt und mehr und mehr auch bei uns wieder populär wird. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kälte heilt und gesund macht und zwar psychisch und physisch. Natürlich macht man wieder einen Hype darüber und ein Geschäft, aber es hilft dir, aus deinem Gedankengefängnis herauszukommen, dich zu beleben, deine Lebenskraft zu aktivieren.

Ich habe dreißig Jahre lang damit kokettiert, dass ich “bekennender Warmduscher” bin und habe kaltes Wasser ausgelassen. Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass Kneippbäder meinen müden Beinen und Füßen gut tun. Diesen Winter habe ich sogar angefangen, mich für 10-20 Sekunden in die eiskalte Pauja zu setzen. Tief und langsam ein- und ausatmend zähle ich langsam bis 10 oder 20, je nach Tagesform. Danach bin

ich erfrischt und aufgeheizt und sitze noch, in eine Decke gehüllt, viele Minuten draußen und genieße die Abendstimmung und das wohlige Körpergefühl. Ich weiss von Freunden, die täglich kalt duschen und darauf schwören.

Die Art und Weise des Lebens hier in den Bergen zwingt mich immer raus zu gehen, schon nur um das Brennholz rein zu holen oder Schnee zu schippen. Aber auch sonst gehe ich jeden Wintertag länger hinaus, sei es, um langsam zu joggen, durch den Schnee zu stapfen oder eine Schneeschuhwanderung zu machen. Im Winter reichen 30-60 Minuten täglich draußen sein, völlig aus. In Bern fahre ich 30 Minuten bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule und zurück. Das Draußen sein und die Bewegung, auch das ist alles wissenschaftlich längst erwiesen, halten dich gesund, weil du an deine Bestimmung und Lebenskraft anknüpft.

Das Bewegen ist in unserem DNS angelegt. Wir sind auf dieser Welt, um uns zu bewegen und v.a. zu laufen und zu gehen. Wir wurden durch den aufrechten Gang zur überlegenen Spezies dieses Planeten. Denn wir konnten laufen oder stehen und hatten die Hände frei, um andere Dinge zu tun. (Unser vermeintlich überlegenes Denkvermögen dagegen führt wahrscheinlich zu unserem Aussterben).

In ihrem Bestseller “Bewegung liegt in deiner DNA” beschreibt die Biomechanikerin Katy Bowmann wie man lernt, sich wieder natürlich zu bewegen und dadurch gesund zu werden.
Mehr noch als Ernährung zeigen alle wissenschaftlichen Studien, dass der Schlüssel zu einem vitalen Leben die Bewegung ist, in meinem Fall zu weniger Schmerzen und mehr Lebenskraft.

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Diese Lebenskraft macht, dass sich unsere Wunden (psychische und auch physische) meist von selbst heilen, dass Tiere teilweise weite Strecken zurücklegen, um an wichtige Mineralien zu kommen, dass sich das Gras wieder aufrichtet, wenn ich darüber gelaufen bin. Diese Lebenskraft macht, dass wir Menschen uns viel natürlich Bewegen wollen oder uns mit Kälte heilen wollen, dass es uns hinauszieht in die Berge oder Wildnis, das wir empathisch sind und soziale Wesen, dass wir kreativ sein möchten und nach einem spirituellen Sinn suchen.

Diese Lebenskraft macht, dass gerade eine dicke Hummel bei knapp über Null Grad an mir vorbei brummt, diese Primel blüht und am von der Sonne beschienenen Felsen hinter mir eine Grille leise zirpt.

Im Unterschied dazu ist Begierde, wenn wir auf ein Ziel ausgerichtet sind, das uns von unserem gegenwärtigen Ich weg bringt, hin zu einem außerhalb von uns und in der Zukunft liegenden Ziel bringt.
Die meisten Menschen beginnen Zazen oder sonst irgendeine spirituelle Praxis, um sich selbst voranzubringen. K. Uchiyma sagt: “Und weil die Begierde bei der Verfolgung dieses Zieles zu unserem Lebenszweck wird, entfernen wir uns beträchtlich von der Lebenswirklichkeit unseres wahren Selbst. Dies sagt auch Dogen Zenji im Shobogenzo Genjo-Koan: Die Leute, die sich um das Dharma bemühen, entfernen sich unweigerlich vom Umfeld des Dharmas.”

Meiner Ansicht nach, das größte Hindernis auf dem Weg, denn ich beobachte dieses große Missverständnis bei vielen Wegsuchenden und auch ich selbst war lange in dieser Falle. Ich dachte, wenn ich mich sehr um das Dharma bemühe, noch mehr mache als andere, noch aktiver praktizieren, Gutes tue, mich bemühe Bodhisattva zu sein, mich noch mehr engagiere, dann….Erst S. Okumura öffnete mir die Augen, als er mir in einer unserer ersten Begegnungen, wo ich beschrieb wie wenig Zeit ich hätte, weil ich ja noch dies und jenes Dharmische tuen müsste, dass dem nicht so sei, wörtlich: “Du hast alle Zeit der Welt, nicht nötig dich zu bemühen und zu hetzen.”

Uchiyama fährt fort: Demgegenüber kann man es nicht Begierde nennen, wenn man weiss, dass eine Erhöhung des wirklichen Selbst nicht auf eine ausserhalb oder in der Zukunft liegende s Ziel aus ist, sondern nur bedeutet, hier und jetzt die Realität des Seins des Selbst zu verwirklichen

Denn eine solche Haltung richtet sich nicht auf ein außen stehendes Ziel, sondern ist eine Seins-Verwirklichung des Nur-Selbst.
Die Lebenskraft, mit der wir dagegen Zazen praktizieren, ist eine Kraft, die sich keinen Zielen verschreibt, sondern die Realität des Seins des Selbst zur Entfaltung und Verwirklichung bringt.

Viel Zeit geht heute bei vielen Menschen verloren mit allen möglichen Handlungen zur Selbstoptimierung. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch warum machen wir das? Ist es nicht so, weil wir denken, wir dürften keine Schwächen haben, sondern auf all diesen unendlich vielen Gebieten Leistungsstärke zeigen, um Anerkennung zu finden.

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Das klingt gut und ist vielleicht auch sinnvoll. Aber ist es sinnvoll, wenn wir das nur aus Pflicht- und Leistungsbewusstsein tun? Dürfen wir keine Schwächen haben, müssen wir in allem gut sein?
Wäre es nicht besser, deine Schwächen als das zu akzeptieren, was sie sind: Schwächen. So sehr du dich auch anstrengst, du wirst nie gut sein in diesem Bereich.

Was wäre, wenn du dich auf deine Stärken konzentrierst. Hier sind immer 100% Leistung möglich. Deine Stärken sind Sachen und Fertigkeiten, die du gerne ausführst, die dir vielleicht sogar Spass machen. Du bist motiviert, Aufgaben in diesem Bereich zu übernehmen, lernst rasch, hast Spass, Verbesserungen zu entwickeln und auszuprobieren. Wenn ich mit Menschen arbeite, beginne ich immer damit, die Stärken herauszuarbeiten oder, wie man es auch nennt, Ressourcen festzustellen..

Denn das macht Freude, die Schwächen kann man getrost loslassen, denn diese Aufgaben machen keinen Spass, man schiebt sie vor sich her, weil man sich nicht motivieren kann und Fortschritte zu erreichen, muss man krampfen. Wenn du dich auf deine Stärken konzentrierst, hast du plötzlich viel mehr Zeit und kannst öfter mal rausgehen, dein Leben verlangsamen, deine Umgebung wahrnehmen. Du wirst deswegen zufriedener, auch weil du mehr Erfolgserlebnisse hast und weil, dass, was du tust, mehr Sinn macht und du hast wahrscheinlich mit der Zeit weniger Wünsche.

Letztlich agierst du dann auch ganz Nahe aus deiner ureigenen Lebenskraft heraus, deshalb heißt es ja auch immer im Zen: Just do! aus deiner Lebenskraft heraus.

 

Fressen oder Moral

 

“…zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.” Berthold Brecht.

Viktor Frankl sagte schon in den 70er Jahren dazu: ”Wir machen uns diesbezüglich auch gar nichts mehr vor. Aber wir wissen in einem, wie sinnlos Fressen ohne alle Moral ist und wie katastrophal diese Sinnlosigkeit dem nur aufs Fressen Bedachten zu Bewusstsein kommen kann; und wir wissen nicht zuletzt, wie sehr nur eine “Moral”- will heissen der unerschütterliche Glaube an einen unbedingten Lebenssinn, so oder so das Leben erträglich macht. Denn wir haben es erlebt, dass der Mensch auch ehrlich bereit ist zu hungern, wenn das Hungern nur einen Sinn hat.”

Wenn der überwiegende Teil der Menschen sich nicht an einem Lebenssinn orientiert, wenn sie sich nicht an ethische und moralische Leitplanken orientieren, sondern nur an der Gier des “Fressens”, dann werden wir an den atemberaubenden Herausforderungen des 21 Jhdt. scheitern.

“Wird hingegen ein großer Teil der Menschen trotz verringerter “Fress Ressourcen” an der “Moral” festhalten, wird die Würde siegen!” Elisabeth Lukas


Dogen Zenjis Gelübde

Dogen Zenjis Gelübde

Eihei Hotsuganmon

Ich gelobe mit allen Wesen, von diesem Leben an und durch unzählige Leben hindurch, das Wahre Dharma zu hören; und wenn wir es hören, soll in uns kein Zweifel aufkommen, noch soll es uns an Glauben mangeln; und wenn wir ihm begegnen, sollen wir weltlichen Angelegenheiten entsagen und das Buddha-Dharma bewahren; und indem wir dies tun, sollen die große Erde und alle Lebewesen gemeinsam den Buddha-Weg erreichen.

Obwohl sich unser vergangenes böses Karma angesammelt hat und tatsächlich die Ursache und Bedingung für Hindernisse bei der Ausübung des Weges ist, mögen alle Buddhas und Vorfahren, die den Buddha-Weg erreicht haben, mit uns mitfühlend sein und uns von karmischen Auswirkungen befreien, sodass wir den Weg ohne Hindernisse praktizieren können.

Mögen sie ihr Mitgefühl mit uns teilen, das das grenzenlose Universum mit der Tugend ihrer Erleuchtung und Lehren erfüllt. Buddhas und Vorfahren von einst waren wie wir; wir werden in Zukunft Buddhas und Vorfahren sein. Wenn wir Buddhas und Vorfahren verehren, sind wir ein Buddha und ein Vorfahre; wenn wir den Bodhi-Geist erwecken, sind wir ein Bodhi-Geist. Wenn wir ihr Mitgefühl frei und unbegrenzt auf uns ausdehnen, können wir Buddhaschaft erlangen und die Errungenschaft loslassen. Deshalb sagte der Chan-Meister Lung-ya:

Diejenigen, die in früheren Leben nicht erleuchtet waren, werden jetzt erleuchtet.

Rette in diesem Leben den Körper, der die Frucht vieler Leben ist. Bevor Buddhas erleuchtet wurden, waren sie genauso wie wir. Erleuchtete Menschen von heute sind genau wie die von früher.

Erforsche in aller Stille die entferntesten Bereiche dieser Ursachen und Bedingungen, denn dies ist die genaue Übermittlung eines verifizierten Buddha. Wenn man auf diese Weise Buße tut, erhält man immer tiefe Hilfe von allen Buddhas und Vorfahren. Wenn man seinen Mangel an Glauben und Praxis vor dem Buddha offenbart und offenlegt, schmilzt die Kraft dieser Offenbarung die Wurzel der Übertretungen weg. Dies ist die reine und einfache Farbe der wahren Praxis, des wahren Glaubensgeistes, des wahren Glaubenskörpers.


Das Sammeln von Gräsern

Dōgen’s Chinesische Gedichte (78)

Das Sammeln von Gräsern

übersetzt und kommentiert von Shohaku Okumura aus dem Japanischen und von mir ins Deutsche.

Jetzt sammeln sich Hunderte von Gräsern tatsächlich für den Sommer. Von der ganzen Erde gepflückt, [wären] es zehn Millionen Halme.
Eine Blume mit fünf Blütenblättern öffnet sich am Himmel und im Schlamm. Ohne Zweifel wird sie auf natürliche Weise Früchte tragen.

In der Interpretation von Dōgen sind eine Blume und die fünf Blütenblätter dasselbe. Eine Pflaumenblüte öffnet sich als fünf Blütenblätter. Das ist dasselbe wie eine Hand und fünf Finger. Er verwendet eine Blume und die fünf Blütenblätter als Symbol für das voneinander abhängige Entstehen. Aus einer Perspektive ist es einfach eine Blume, aber aus einer anderen Perspektive sind es fünf Blütenblätter. Das gesamte Netzwerk der gegenseitigen Abhängigkeit ist ein einziges Netz von Indra, aber es hat unzählige Wesen als seine Teile.

Alle Pflaumenblüten sind Teile eines Zweiges, und unzählige Zweige sind Teile des alten Pflaumenbaums. Wenn dieser eine Pflaumenbaum blüht, wird die ganze Welt zum Frühling. Alle Wesen in der ganzen Welt, einschließlich einer Blume mit fünf Blütenblättern, sind Teil des Frühlings der ganzen Welt als Einheit. Sie sind nicht “stolz”, das heißt, sie sind nicht egozentrisch.

Dōgen betrachtet eine Sangha als ein Miniaturmodell des gesamten Netzwerks des voneinander abhängigen Entstehens. Die Mitglieder dieser Sangha, die zusammen praktizieren, sind wie die fünf Blütenblätter einer Blume. Die Praktizierenden und ihre Praxis und Funktionen sind alle voneinander abhängig und unterstützen sich gegenseitig. Das Praktizieren in Frieden und Harmonie ist die Dharma-Blüte und die natürliche Frucht der Sangha, die das spirituelle Wachstum jedes einzelnen Mitglieds und der Gemeinschaft als Ganzes fördert. In diesem Vers drückt Dōgen die

letztendliche Bedeutung der gemeinschaftlichen Praxis als Ausdruck des interdependenten Entstehens aus, in dem jedes Mitglied als Bodhisattva wächst. Die gemeinschaftliche Praxis drückt sich seit alters her im Zusammenkommen aller Nonnen und Mönche zum Ango aus. Buddha Shakyamuni lud alle Ordinierten während der indischen Regenzeit zur 90 tägigen Praxisperiode ein. Diese essentielle Praxis wird bis heute von den Lehrern des Zen .weitergegeben

So schrieb Dogen im Jahr 1245, während der ersten Sommerübungsperiode in Daibutsuji (大仏寺, später umbenannt in Eiheiji), das Shōbōgenzō Die Klausur (安居, Ango), in der er die Bedeutung der Sommerübungsperiode mit den Worten hervorhebt:

“In allen drei Ländern gibt es keinen einzigen Menschen unter den Nachkommen der Buddhas und der Vorfahren, der diese jemals nicht ausgeführt hat; die anderen Pfade haben sie nie gelernt. Da sie die ursprüngliche Absicht der “einen großen Sache” der Buddhas und Vorfahren sind, ist das, was sie verkünden, vom Morgen ihrer Erlangung des Weges bis zum Abend ihres nirvāṇa, nichts anderes als der wesentliche Punkt des Retreats…. Diejenigen, die niemals in ihrem Leben die neunzigtägige Sommerklausur praktizieren, sollten nicht Schüler des Buddha oder Mitglieder des Bhiksu-Samgha genannt werden.”

In diesem langen Faszikel beschreibt Dōgen die Zeremonien und Rituale zu Beginn und am Ende der Sommerübungszeit. Ich nehme an, er schreibt so detailliert, weil es in Kōshōji nicht möglich war, eine so formale Praxis durchzuführen, wie sie in den chinesischen Klosterregeln (清規, Shingi) beschrieben wird, aber er möchte die traditionelle Praxis im neuen Kloster dennoch etablieren. Später in diesem Faszikel ermutigt Dōgen die Menschen:

Menschen, Devas und Drachen sollen, wenn auch nur für einen Zeitraum von neunzig Tagen, Bhiksu oder Bhiksuni werden und die Klausur einhalten; dies wäre an sich schon ein Sehen des Buddha. Einer Versammlung der Buddhas und Ahnen beizutreten und die neunzigtägige Klausur zu halten, ist, den Buddha gesehen zu haben.

Dōgen ermutigte auch Laien, sich an der Praxisperiode zu beteiligen. So weit übersetzt und kommentiert mein Lehrer Shohaku Okumura