K:Wenn ich Sie lese, habe ich das Gefühl, dass ich meine Vorfahren lese, was mich in meiner Anfängerpraxis inspiriert. Sie wissen, dass ich vor zwei Tagen erst drei Jahre Ordination abgeschlossen habe. Es ist mehr Zeit für mich geworden.

Ich glaube, ich stimme mit allem überein, was Sie schreiben. Ich stelle mir auch vor, dass eine Praxis mit wenigen Leuten die beste ist, und hier waren wir immer wenige, aber es gibt ein Ideal des Wachstums, das mir seltsam erscheint, und manchmal werden diese Bestrebungen mit Geschäftsidealen, Produktion und Unternehmen verwechselt, was mir etwas Übelkeit verursacht. Wie Sie sagen, ist das Armutsgelübde relevant. Wenn ich zu Shikantazas Einfachheit zurückkehre, bricht jeder Eifer für Produktion und Geschäft zusammen. Ich habe keine großen Erwartungen an ein Leben im Wald, wie Thoreau, ich würde diese Praxis gerne allein verstehen, ohne irgendjemandem etwas zu beweisen, ohne den Geist, zu überzeugen oder Lob zu erregen. Es ist das Richtige, es ist der Weg der Vorfahren, auch des Buddha. Ich war immer ein Einsiedler in der Stadt und habe daher keine Fähigkeiten, die ich in ein Leben auf dem Land einbringen könnte. Ich weiß nicht, wie man erntet, ich weiß nicht, wie man sät, ich weiß nichts über Bäume oder Pflanzen, ich weiß nicht, wie man das Land bearbeitet, das habe ich nie gewusst. Vielleicht ist es an der Zeit, damit anzufangen und es zu lernen. Ich kann nur mit Fäden und Nadeln umgehen, mit den Tasten eines Computers und mit einem Stift auf Papier. Aber flinke Hände müssen für irgendetwas gut sein.

G: Das Bearbeiten eines Stück Lands und das Säen, Pflegen und Ernten ist kein Hexenwerk. Schau einfach bei deinen Nachbarn zu oder befrage sie. Sie wissen wie es geht. Ich selber habe ja eine Permakultur, vielleicht kannst du ein Buch über Permakultur lesen.

Übrigens ist das Bearbeiten eines Stück Landes, das Säen, Pflegen und Ernten eine Analogie für das Wirken eines Zenlehrers. Mein Hossenshiki Lehrer Shoken Winecoff verwendet oft dieses Bild und kommt so mit Farmern und einfachen Leuten ins Gespräch. Wir bearbeiten das weite Feld des Denkens, wir bearbeiten den Boden unseres Umfeldes mit unserer Praxis und säen die Praxis von Zazen. Die zarten Pflänzchen pflegen und hegen wir als Lehrer und vielleicht gibt es sogar eine Ernte:-)

K: Von dort aus würde ich gerne weiterschreiben. Hier in Bogota habe ich die Gewohnheit verloren. Schreiben Sie noch?

G: Ich schreibe gerade sogar sehr viel, es sind jedoch eher Ratgebergeschichten aus meiner Lebenserfahrung, als tiefe Zenphilosophie, für die tiefe Auseinandersetzung mit den alten Meistern fehlt mir die Motivation und Sinn. Ich möchte den Menschen konkret im Alltag helfen, Die Meister sind of sehr elitär. Das scheint nicht mein Weg zu sein, aber gerade hält Okumura Roshi wieder einmal den 10 Tage virtual intensive study Kurs, da bin ich dabei und erfreue mich an seinem Wissen, das reicht mir. So langsam verstehe ich die Grundprinzipien Dogens. Ich bin sehr froh macht Okumura das und ich schätze ihn ungemein dafür, aber es ist definitv nicht mein Weg. Er ist Bücherwurm, sagt er selber, und ich nicht, mein Weg ist Bewegung, Tun, Begegnung und Natur. Die Lehrer, den Begriff Meister mag ich nicht, sind, so erklärte gerade gestern Todo-san (Okumura) haben das Dharma in sich aber auch das Karma. Aufgabe des Schülers ist dies zu erkennen und zu trennen. Das ist aber gerade zu fast unmöglich, ein Koan. Da wir das Dharma, gerade als Schüler oder Anfänger, nie wirklich erkennen können, müssen wir zunächst davon ausgehen, dass der Lehrer recht hat mit seinem Tuen. Viele Jahre braucht es, um zu erkennen ob jemand wirklich eine Dharma Lehrer ist oder nicht.Trotz seinem Karma ist jeder Dharma Lehrer, der die Übertragung von Okumura bekam, ein wahrer Dharma Lehrer. Wir sollten sein Handeln nicht kommentieren oder verurteilen, sondern zweifeln an dem was er sagt und Fragen darüber stellen. Ein guter Lehrer sei einer, der auch zweifelt und Fragen stellt. Nach einer angemessenen Zeit ist es sowieso üblich unter anderen Lehrern zu praktizieren und sie zu befragen. Ein guter Lehrer schickt seinen Schüler auch zu anderen, so sandte mich Todo-san zu Shoken. Im schlimmsten Fall sucht man sein Leben lang. Ich hatte Glück und fand Okumura, daneben fand ich auf meiner Wanderschaft viele sehr gute Lehrer wie Hokan Saito und Godo Roshivon Kotai-ji, Shoken Winekoff in Ryumonji, Shodo Harada und Tenshin Anderson. Wirklich Schüler sein, könnte ich neben Okumura, aber nur von Shoken und Harada. Das Problem von Harada ist aber, das er Rinzai Lehrer ist und ich müsste ganz neu beginnen.

Da viele Lehrer ein schwieriges Karma haben, galt für Uchiyama zuletzt das Prinzip, er pflegte Kodo Sawaki bis zu seinem Tod: „Lass einzig Zazen dein Wahrer Lehrer sein.“

Du kannst Menschen grundsätzlich nicht ändern, noch nicht mal deine eigenen Kinder oder Freunde, das ist meiner Meinung nach ein menschliches Grundprinzip, deinen Lehrer erst recht nicht.

Mein Ordinationslehrer wurde im Alter, durch Erfolg, durch Intrigen, aber auch durch seine schwere Krankheit immer schwieriger. Ein Jahr vor seinem Tod trennte ich mich von ihm, es war im Nachhinein ein Fehler, denn er war zu krank und unter starkem Morphium. Ich bereue dies sehr und schäme mich wegen meines Egoismus, es war der falsche Zeitpunkt, zu spät, obwohl der Schritt im Grunde richtig war. Ich praktizierte 13 Jahre mit ihm zusammen. Doch ohne diesen Schritt wäre ich nicht hier, wo ich stehe, hätte dich und Okumura nicht kennen gelernt.

K: Ich erinnere mich sehr gut an die Tagebücher, die ich in Kotaiji geschrieben habe. Ich habe noch diese 49 Texte der Tage, die wir vor dem Verlassen der Klausur gezählt haben. Ich habe sie zwar nicht beendet, ich habe mich dem Nähen der Kutte meines Meisters gewidmet und damit waren alle meine Gedanken an das Leben in einem Ausbildungskloster dahin, das ich so schnell wie möglich beenden wollte. Tatsächlich hat einer der Gründe für meinen Wegzug mit meinem Meister zu tun. Wissen Sie, es ist ruhig, aber ich fühle mich im Widerspruch zu ihm. Es ist nicht so, dass ich ihn als Lehrer nicht bewundere, aber ich denke, meine Praxis ist etwas anderes. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht wie er sein könnte und auch nicht wie er sein möchte. Vielleicht hilft mir eine Zeit fern von meinem Meister, mich selbst als Mönch in meiner eigenen Praxis zu finden. Vielleicht haben Sie das schon erlebt, sicher begann sich die innere Arbeit zu entwickeln, als Sie ohne Ihren ursprünglichen Meister waren. Ich weiß, dass ich meinen Lehrer nicht ändern kann, na ja, vielleicht kann ich das, aber ich habe mich irgendwie damit abgefunden und möchte weder wieder von vorne anfangen, noch Konflikte schaffen.

Ich akzeptiere einfach unsere Abstammung, die wunderbar ist, wissen Sie. Vielleicht fange ich irgendwann an, die farbige Robe zu nähen. Ich möchte nähen, aber ich möchte nicht weitermachen. Das ist jetzt eine weitere meiner Fragen: Was bedeutet es, das Dharma von Ihrem Lehrer zu erhalten, und welche Konsequenzen hat das?

G: Diese Frage ist eine sehr wichtige Frage. Todo-san sagt mir, dass ich, wenn ich sein Schüler werde, würde ich auch Dharma Transmission bekommen wie alle seine Schüler. In anderen Linien ist es anders. Du weisst in Japan heisst das oft alles gar nicht, da die Personen wie Kosho san, schon mit 12 Jahren ordiniert wurden.

Hier ist das, was mir Todo-san einmal zu einer ähnlichen Frage von mir antwortete (bitte gebe den Text nicht weiter):

.Another thing might be, to make sure if the person has a clear understanding about the meaning of receiving shukketokudo in Japanese Sotoshu.
Sometimes it is called "priest ordination" in English, that sounds like the authorization as a priest.
But in the system of Japanese Sotoshu, even a kid older than 10 years old can receive shukketokudo.
By receiving shukketokudo, the person becomes a novice.
After that, the person needs to study Buddhism at Komazawa or another University and practice at a monastery for a certain period of time.
After completing the study and practice process, the person might receive dharma transmission and receive kyoshi (teacher) qualification from Sotoshu Shumucho.
Even Receiving dharma transmission and Kyoshi qualification does not mean to be authorized as a Zen teacher.
It is simply to be qualified to become a temple priest, one of more than 15000 Sotoshu priests.
I think you have found that most Sotoshu priests in Japan are not even zazen practitioners.
I received dharma transmission and kyoshi qualification when I was 26 years old, because it was necessary to come to the USA as a missionary.
But no one, including myself, thought that I was ready to teach Zen.
I had to practice 30 more years until I and other people thought I could be a teacher.
In meinem Fall, obwohl ich schon seit meiner Mönchsordination 1997 Zazen unterrichte, ist das anders. In vielen Dingen, was die Praxis von Zazen betrifft und viele Formen, sehe ich mich selbst und andere sehen mich auch mittlerweise als Lehrer: In anderen Dingen fühle ich mich wie ein Baby und ganz und gar nicht wie ein Zenlehrer. Ich bin so froh, darf ich Todo-san befragen. Ich denke Zenlehrer werden ist die Gelübde zu erfüllen und ernsthaft die Verantwortung zu übernehmen. Letzthin heisst es aber wie Uchiyama sagt: Erst einmal 30 Jahre still vor die Wand sitzen.

Gerne bleibe ich mit dir in Kontakt, denn es hilft mir auch meine Praxisprinzipien zu hinterfragen und auf den Punkt zu bringen.Vielen Dank!

Zum Schluss noch ein Buchtipp. Viktor Frankl, yes to life inspite of everything.

K: Wie auch immer, bitte bleiben Sie mit mir in Kontakt. Eines Tages würde ich Sie gerne in Ihrem Tempel besuchen und von Ihnen lernen.