Archiv 22. September 2025

Intuition oder…?

Letzthin hatte ich wieder einmal den ganzen Vormittag und Mittag am Laptop gearbeitet, um meine Website, www.staerkestattmacht.ch, die ich für meine Selbstständigkeit erstelle, zu kreieren. Da alles neu ist, Website erstellen und meine Selbstständigkeit als Berater, Coach, Supervisor konzipieren, bin ich voll in der Kopfarbeit. Vieles ist verwirrend und aufregend.

Ich beschloss am Nachmittag eine kleine Wanderung zu machen, um den Kopf frei zu kriegen. Ich wählte die steile Variante zu Beginn nach ganz oben auf den Wolfsacker, in der Hoffnung, dass mich die Anstrengung, aus dem Samsara leiten würde. Ich wusste aus meiner langjährigen Erfahrung, das beständige Loslassen und die Konzentration auf meinen Körper, würde mich irgendwann aus meinem Sorgen-Karussell herausführen. Doch die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt wollte sich nicht sogleich einstellen, ich wählte deshalb eine neue Variante, einen Weg, den ich erst einmal gelaufen war. Doch auch diese Maßnahme brachte mich nicht aus den Gedankenwolken heraus. Ich lief und dachte und lief und dachte. …

Plötzlich schaute ich unvermittelt auf den Boden links von mir. Ein riesiger Spitzmorchel stand da. Spitzmorchel, eine der leckersten Speisepilze, sind hier in der Gegend äußerst selten. So dachte ich zumindest bisher, denn in den letzten 25 Jahren, seit ich im Schwarzwald Pilze suche, fand ich vielleicht eine Handvoll. Beglückt und erfreut beugte ich mich, um ihn zu bestaunen und zu pflücken. Und! Daneben stand noch einer und noch einer und…ich war auf eine Morchel Mine gestoßen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. 1,5 kg waren es am Ende.

Wie passiert so etwas? Man sagt, die Pilze rufen einen. Wahrscheinlich ist dies die Intuition, die unbewusst abläuft, auch wenn unser Denken sich mal wieder voll und ganz mit sich selbst beschäftigt. Für mich ist klar, auch wenn

dies nicht beweisbar ist, dass die Praxis von Zazen zu einer verstärkten Intuition führt. Diese These wird von vielen Aussagen der alten Meister belegt.

Was auch immer, ich fühlte mich als “Glückspilz”, meine Gedanken waren nun im steinzeitlichen “Jagd und Sammlermodus”, was sehr angenehm war. Auf einen Schlag waren meine Sorgen verschwunden.
Seit meiner Kindheit fühle ich mich in diesem Modus gut und wohl, so entkam ich als Kind immer kurzfristig meinen Problemen. Vorbilder wie Lederstrumpf und ähnliche Idole taten ihre Wirkung. Ich erinnere mich, dass ich in Socken durch den Wald lief, um keine Geräusche zu machen und hoffte mit meinem selbstgebastelten Bogen, ein Tier zu erlegen, was mir aber Gott sei Dank nie gelang. So eins und wach wie als Kind im Wald, werde ich nie mehr, da gibt es kein zurück. Aber ich freue mich diebisch darauf, dass ich, wenn ich Sanko-ji mit dem grossen Grundstück verkauft habe, wieder Zeit habe, in der Natur herum zu streifen, um Pflanzen und Tiere zu “jagen” und meine Sinne zu schärfen und meine Wachheit und meine Intuition mehr zu leben.


Haichi Dainin Gaku 2

Eröffnungsbemerkungen von Meister Dogen

“ All die verschiedenen Buddhas sind außergewöhnliche Menschen.
Es gibt acht Realisierungen oder Qualitäten, deren sich diese außergewöhnlichen Menschen gewahr werden und deswegen werden sie als die acht Qualitäten eines großen Menschen bezeichnet. Sich dieser Dharmas bewusst zu werden, wird zur Ursache für (das Betreten von) Nirvana. Am Abend, als er ins Nirvana eintrat, war dies die letzte Lehre und das Testament unseres ersten Lehrers, Shakyamuni Buddha.

Wenn wir nicht ständig tiefer in den Buddhadharma eintauchen, eine Schaufel nach der anderen, werden wir aus Brauch oder Gewohnheit nur noch dümmer oder seniler. Wie auch immer, das Ausgraben einer Schaufel ist keine leichte Aufgabe.” Dogen

Wir leben in einem Zeitalter, in dem Wohlstand der höchste Wert ist! Dies kann logischerweise nicht ewig weitergehen. Denn die Ressourcen sind beschränkt, die Menschen zahlreich. Verteilungskämpfe werden sich verstärken.

Kosho Uchiyma Roshi sagte: “Ein Zeitalter, wo “Ich will das jetzt!” der höchste Wert ist, ist aus Sicht der wahren Menschlichkeit, prähistorisch.”

Ich denke wir wissen alle, was Uchiyma meint, doch, wie neueste Forschungen der Steinzeit belegen, wäre eine prähistorisches Menschenbild für unsere Welt lange nicht so fatal, wie unser industrie-gesellschaftliches und kapitalistisches Bild der Ausbeutung und des Imperialismus.
In dem Buch mit dem Titel “Anfänge”, fassen David Graeber, der bedeutendste Anthropologe unserer Zeit, und David Wengrow, einer der führenden Archäologen, den aktuellen Stand der Forschung zusammen und entfalten in ihrer großen Menschheitsgeschichte, wie sich die Anfänge unserer Zivilisation mit der Zukunft der Menschheit neu denken und verbinden lässt. Im Gegensatz zum stereotypen Klischee des Steinzeitmenschen waren diese prähistorischen Gesellschaften meist basisdemokratisch und gleichberechtigt aufgebaut, sie kamen ohne Staatsmacht und “Führer” aus und versuchten ressourcenorientiert im Einklang mit der Natur zu leben, obwohl diese Ressourcen gar nicht bedroht wurden. Nun sind die Ressourcen bedroht und wir wollen nur eins “Wohlstand”.

Der wichtigste Punkt ist, dass unsere Kultur weltweit den “Wohlstand” als den höchsten Wert auserkoren hat. Wohlstand ist der neue “Gott”. Die verschiedenen existierenden gesellschaftlichen Konzepte, wie Kapitalismus, Demokratie, Sozialismus, Kommunismus, Liberalismus, Fridays for Future, Wokeness, etc. werden daran nichts ändern, wenn sie nicht einsehen, dass sie die Idee des Wohlstands loslassen müssen.

Schauen wir uns um, dann sehen wir überall gut gekleidete Menschen, die gestylt sind, die sich mit Superfood ernähren und mithilfe von Sport und Meditation fit und gesund halten. Neben dem Wohlstand ist Wohlbefinden noch eine weitere “Götze” unserer Zeit.

Auch die meisten Kritiker unserer Gesellschaft, wie zum Beispiel die Klimaaktivisten, orientieren sich dennoch an diesen Werten. Doch dies ist paradox.

Wie können wir dieses Paradoxon lösen?

Albert Einstein sagte einmal:

“Man kann die Probleme des Menschen nicht mit dem Denken lösen, mit denen sie geschaffen wurden.”

Seit hunderten von Jahren orientieren wir uns, dank der alten westlichen Traditionen, an der Prämisse: Es muss nützlich für den Menschen sein, denn er ist das höchste Wesen! Ist das so?
Im Buddhismus nennt man diese Welt, die Welt der hungrigen Geister. Und Buddha zeigte den Weg heraus aus dieser Welt und schuf das Bild des grossen und wahren oder aussergewöhnlichen Menschen, der dies schafft.

Die Welt des Dainin, des wahren Erwachsenen, sollte jetzt beginnen. Wir brauchen wieder eine Periode wahrer Menschlichkeit, eine Welt in der sich die Menschen nicht um das streiten und kämpfen, was Ihnen von den Reichen und Mächtigen zum Frass/Konsum vorgeworfen wird. Die, die nichts abkriegen, jammern herum und klagen, weil sie das Opfer sind und würden doch so gerne, um das streiten und kämpfen, was die Stärkeren ihnen weggenommen haben und streben danach, möglichst bald Täter zu werden. Es ist nie genug!

Was ist ein aussergewöhnlicher Mensch?

In unserer Kultur ist das meistens ein Mensch mit besonderen Talenten oder hoher Intelligenz.
Die gängigen Idole und Vorbilder unserer Zeit haben zum grossen Teil ihre Berechtigung. Ein Musiker, der wunderschöne Musik kreiert, die den Menschen etwas gibt, ist unbestritten etwas Schönes und Heilsames. Ein Schauspieler, ein herausragender Sportler, ein grosser Denker oder Wissenschaftler kann sehr inspirierend sein.

In den Medien werden ständig solche aussergewöhnlichen Menschen um ihre Meinung, um ihren Rat gefragt. Die sogenannten Experten geben ihre Expertise ab und das kann hilfreich sein. Wenn Künstler oder Sportler beispielsweise zu politischen Themen befragt werden, ist das allerdings schon ein bisschen seltsam.

Diese Wissenschaftler, mit aussergewöhnlicher Intelligenz gesegnet, haben mit ihren Fähigkeiten zu grossen Erkenntnissen geführt, die von Menschen mit ungewöhnlicher Tatkraft umgesetzt wurden. Wir machen Fortschritte unbestritten!

Doch was den einzelnen Menschen bestimmt, ist: “Jetzt verdiene ich 1000€, wow, jetzt verdiene ich 5000 €; jetzt bin ich Angestellter, oh, jetzt bin ich auch Chef, ich habe dieses Hobby, ich Reise dorthin und kann mir das leisten, ich bin achtsam, deswegen.., ich bin gut, ich bin berühmt, ich bin wichtig und mächtig, ich spende und bin Wohltäter.

Doch diese Art von Werten ist nicht gut durchdacht. Denn egal wie weit ich auf der Karriereleiter gestiegen bin, es sind immer gleich viele Sprossen vor mir. Genauso ist es mit dem Geld, es ist nie genug.

Folgt man jedoch der Lehre und Praxis des Buddha, gibt es kein mehr kriegen oder höher steigen und mächtiger werden – im Gegenteil.
Der Kern Buddha Shakyamunis Lehre war von Anfang an, das Heranwachsen und Handeln als wirklich aussergewöhnlicher Mensch, als “echter Erwachsener”. Und wie kommt man dahin?

Dazu müssen wir Jiko – das grosse Selbst kennenlernen. Meister Dogen sagte im Genjokoan den berühmten Satz: “Den Buddhaweg studieren und praktizieren ist Jiko – das eine grosse Selbst studieren und praktizieren.” Man wächst einfach zu einem wahren Menschen, der Jiko – “Einselbst” verwirklicht hat.

Oft wurde dieser Satz, etwas unglücklich übersetzt oder interpretiert. Manchmal liest man so etwas wie. “Den Buddhaweg studieren, ist sich selbst zu studieren.” Viele interpretieren dieses “ sich selbst studieren” dann in die Richtung von: Ich muss mich mit mir befassen. Ich muss mich mit mir selbst aussereinandersetzen. Ich muss mich, wie in einer Psychotherapie, bearbeiten und kennenlernen. Doch Dogen meint tatsächlich “Jiko” zu studieren und zu praktizieren – das eine, allumfassende Selbst.
Denn du kannst nie etwas anderes werden als dieses selbst so wie du bist. Es gibt nichts ausserhalb zu erreichen.

Wenn wir dann irgendwann sagen können, unsere Gesellschaft ist gereift, ist zu einer erwachsenen Gesellschaft von geworden, dann können wir zum ersten Mal sagen, das wirklich Fortschritte gemacht wurden.


Haichi Dainin Gaku 1

In den nächsten Wochen werde ich das Shobogenzo Kapitel Haichi Dainin Gaku aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen und in den Kontext des Lebens im 21 Jhdt.setzen. Ich benutzte dazu die neue, wundervoll editierte 10 bändige Shobogenzo-Ausgabe der Soto Shu, die 2023 massgeblich unter der Leitung von Shohaku Okumura Roshi ins Englische übersetzt und neu zusammengestellt wurde. Diesen Monat fange ich mit der Erläuterung der Eröffnungs-Bemerkungen Meister Dogens an. Ich stütze meine Erläuterungen auf das, was ich von den Lehrern meiner Linie gehört und gelesen habe, allen voran: Shohaku Okumura, Kosho Uchiyama und Kodo Sawaki. Ich bin kein Japanologe oder Gelehrter, deshalb macht es für mich keinen Sinn, die Kanji oder Ausdrücke, die Dogen verwandte, neu zu erklären oder interpretieren. Jeder kann diesen Text einzig aus seiner Praxis heraus verstehen und in Beziehung zu seinem karmischen Leben, das er gelebt hat, setzen. So gelingt es mir hoffentlich, das Dharma ein bisschen tiefer und auf jeden Fall etwas anders auszudrücken als jemals zuvor. Dies ist keine leichte Aufgabe, trotzdem ist es das, was jeder Lehrer des Zen verpflichtet ist zu tun. Ganz im Sinne von Meister Katagiris “ Du musst was sagen!”, ist jeder Dharmalehrer verpflichtet sein Bestes zu tun, das Dharma für den Interessierten zu erhellen.

Warum ist es keine leichte Aufgabe, das Dharma zu kommentieren und damit an die Öffentlichkeit zu gehen? Meiner Meinung nach sind die meisten Menschen heute nicht sehr clever, sie lassen sich von dem täuschen, was gerade hip ist und was gerade die vermeintlich Erfolgreichen, die Influencer oder Promis von sich geben. Kein Wunder, redet alle Welt von Fake-News und fällt auch noch darauf herein. Die “Cleveren” schreiben, wenn man diesen Begriff auf ihre smarte Art reduziert, Ruhm und Geld zu häufen, also das, was clicks generiert. Dieses wird dann wiederum von der verdummten Mehrheit mit einem “Gefällt mir” kommentiert. Interessanterweise haben sie gar nichts davon, wenn sie es, ohne ihr Hirn einzuschalten, “liken”. Der andere, der Influencer, verdient mit seinem täglichen Gelaber und Gehabe viel Geld, weil die Follower vollkommen blind (verblendet) ein großes Aufheben darum machen. Falls du dich angesprochen fühlst: Du verlierst dabei völlig aus den Augen, dass du dein eigenes Leben leben solltest. Die einzige Person, die dein Leben leben kann, bist nämlich du. Das ist für alle gleich. Die gesamte Menschheit aller Zeiten, insbesondere der Gegenwart und Zukunft, wohnt in dir. So drückt es die Lehre des Buddhas aus. Repräsentative Umfragen berichten dagegen unisono, dass viele Menschen “etwas” suchen und wissen doch nicht recht, wonach sie suchen. Sie berichten von innerem Unbehagen und Unruhe. Etwas fehlt anscheinend und wir alle brauchen Hilfe! Die Zeiten der Entscheidung sind offensichtlich angebrochen. Unser Umgang mit der Natur, mit anderen Menschen und damit auch mit uns selbst ist aus dem Ruder gelaufen. der Psychotherapeut A. Batthyany beschreibt das als: “Da ist eine Sinnlosigkeit, eine Entfremdung, eine Orientierungslosigkeit und der Eindruck in einem nicht enden wollenden Wettlauf gefangen zu sein, aus dem es kein Entrinnen – und bei dem es seltsamerweise zugleich auch kein eigentliches Ziel – zu geben scheint. Immer mehr Menschen klagen daher auch, dass unsere moderne Konsumgesellschaft zu einem recht harschen Umgang miteinander, mit uns selbst und mit der Natur geführt hat.” Wir haben uns eine Kultur geschaffen, in der schon im Kindergarten der Idealismus und die Freude am “sinnlosen” Spiel und Tun viel zu häufig den ökonomischen Grundprinzipien nachgibt. Die Folge: Mitten in unserem extraorbitanten Überfluss verkümmern wir, der Mangel an Sinn, an innerer Erfüllung, an echter Gemeinschaft, an Geborgenheit in sich selbst fehlt. Daraus resultieren bei feinfühligen Menschen Ängstlichkeit, Nervosität, Erschöpfung und vieles mehr. So langsam begreifen einige Menschen, dass langsam eine Zeit des inneren Wandels und Wiederaufbau beginnt. Denn die Krise offenbart uns blinde Flecken auf unserer Landkarte, unerfüllte Sehnsüchte nach einem geistig erfüllten Dasein werden wieder wach, so A. Batthyany. Und er fährt fort zu erläutern, dass uns Ressourcen sichtbar werden, die uns durch herausfordernde Zeiten tragen können, wie etwa die schützende Kraft des Miteinanders, das Heilsame einer ausgewogenen Balance, zw. Arbeit, Familie und Freizeit, das Stärkende, was daraus erwächst, uns aus unserem Trott zu befreien, die reifende Bereitschaft, Verantwortung anzunehmen, die wir für uns und andere haben. Die Krise wird zur Chance inneren Wachstums, doch der Wunsch nach Wandel reicht nicht aus. Wir brauchen Werkzeuge des inneren und äusseren Wandels, die uns helfen, innerlich zu wachsen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu verwirklichen. Unzählige Tools werden heutzutage auf dem Markt des “ persönlichen Change-Mangements” angeboten, viele davon werden von weisen Menschen überprüft, viele aber auch nur erfunden, um Geld auf diesem Markt des Wunsches nach Veränderung zu verdienen. Diese Scharlatane nutzen auch dies aus, um sich zu bereichern, sie kriegen den Hals nicht voll. Es ist also Vorsicht geboten und hier könnte es nützlich sein, sich auf einen uralten, verifizierten Buddhaweg zu begeben. Doch dieser braucht sehr viel Mut und ist manchmal sehr seltsam für einen modernen “homo oeconomicus”.

Zwar beschreibt Kodo Sawaki Roshi, das von Dogen erläuterte Zazen als yusui – sehr tiefgreifend, subtil und tiefgründig. Aber was ist denn genau an Zazen so subtil oder tiefgreifend und tiefgründig? Warum ist es so wichtig für die Gesellschaft, dass jeder sein eigenes Leben in Verbindung mit allen Wesen lebt? Das kann ich nur sehr schlecht in Worte fassen. Wie soll ich dies jungen Praktizierenden gut erklären, damit sie verstehen, wie wichtig für sie und diese Menschenwelt die Zazenpraxis ist? Wie kann man ohne Talent und ohne Ruhm- und Geld-Sucht ein Influencer werden, der wirklich den verblendeten Menschen etwas Tieferes und Hilfreiches wie Zazen vermittelt? Soll ich mit Hilfe der sozialen Medien mit all ihren Gadgets das Dharma verkünden? Beispielsweise mit Hilfe von kurzen Tiktok Videos die junge Zuhörerschaft ansprechen? Erreiche ich dann diejenigen, die dumm und wie in Trance stundenlang Infos und Bilder mit dämlichen Botschaften konsumieren, ohne je ins nachdenken zu kommen, wirklich? Kann man die überhaupt erreichen, ins Nachdenken über die doch so wichtige Frage: Was ist denn mein Leben? bringen, oder ist das einfach “Perlen vor die Säue werfen”? Auf der anderen Seite, wenn ich mich mit viel Aufwand und Einsatz in sozialen Netzwerken für das Buddhadharma engagiere, laufe ich dann nicht Gefahr, bekannt zu werden, Kommentare beantworten zu müssen, aufgefordert zu werden, mehr zu produzieren, mit “Gefällt mir” hundertfach bombardiert zu werden? Hält es mich dann nicht davon ab, tiefgründig über das Dharma nachzudenken, oder gar weniger Zazen zu praktizieren? Verfalle ich nicht sogar dem Ruhm? Vor genau so etwas warnen die alten Patriarchen und warnt auch Buddha Shakyamuni in seinem letzten Vermächtnis, dem “Hachi Dainin gaku”. Und auf der anderen Seite werden zunehmend Menschen echte und weise Hilfestellungen benötigen.

Warum sollte man das “Hachi dainin gaku” als eines der wichtigsten Texte des Shobogenzo lesen und studieren? Am Ende des Originaltextes des Hachi Dainin gakus gibt es einen Kommentar von Dogens Schüler Ejo, der lautet: „Dies waren unseres großen Lehrers Shakyamuni Buddhas letzte Lehren sowie das letzte Vermächtnis meines Lehrers Dogens“. Am Anfang dieses Epilogs schrieb Dogen an dem Abend, als er selbst ins Nirvana eintrat: “Dies war die letzte Lehre und das Testament unseres ersten Lehrers Shakyamuni Buddha.” Es war Dogens letzte Unterweisung. In der Regel formuliert man im Angesicht des Todes etwas sehr Wichtiges und nicht belangloses, oder? Eröffnungsbemerkungen All die verschiedenen Buddhas sind außergewöhnliche Menschen. Es gibt acht Realisierungen oder Qualitäten, deren sich diese außergewöhnlichen Menschen gewahr werden und deswegen werden sie als die acht Qualitäten eines großen Menschen bezeichnet. Sich dieser Dharmas bewusst zu werden, wird zur Ursache für (das Betreten von) Nirvana. Am Abend, als er ins Nirvana eintrat, war dies die letzte Lehre und das Testament unseres ersten Lehrers, Shakyamuni Buddha. Wenn wir nicht ständig tiefer in den Buddhadharma eintauchen, eine Schaufel nach der anderen, werden wir aus Brauch oder Gewohnheit nur noch dümmer oder seniler. Wie auch immer, das Ausgraben einer Schaufel ist keine leichte Aufgabe. 


Friedliches Leben

Friedliches Leben

Gedicht von Katagiri Roshi 1988

Wenn es heisst, es sei unmöglich

glaubt man verzweifelt: “Ist das so?”

Wenn es heisst, es sei möglich,

glaubt man begeistert: “Das ist richtig.”

Aber welche Wahl auch immer,

sie stimmt nicht mit dem Herzen nahtlos überein.

Gefragt:” Was genau stimmt nicht?”

weiss ich nicht, woran es liegt.

Mein Herz ahnt es.

Ich spüre ein unwiderstehliches Sehnen, es zu wissen.

Mensch”- welch ein Mysterium!

Was dieses Mysterium betrifft:

Klären,

wissen, wie leben,

wissen, wie mit Menschen Seite an Seite schreiten,

vorleben und lehren,

das ist Buddha.

Aus menschlicher Sicht spüre ich: Es ist in der Tat unmöglich ein Buddha zu werden.

Doch dieses “Ich”, betrachtend, was der Buddha tut,

gelobt zu praktizieren,

zu streben,

fest entschlossen sein,

und sagt mir: “Ja, ich werde.”

Einfach genau Hier, Jetzt, praktizieren

und Beständigkeit erlangen

endlos,

auf ewig.

Das bedeutet im Gelübde leben.

darin ist uns ein friedliches Leben begründet.

In seinem Kommentar zu diesem Gedicht, das von den vier edlen Wahrheiten handelt, schreibt Okumura Roshi:

Sogar während unserer Praxis müssen wir mit dieser Geisteshaltung des Auf und Ab umgehen. Manchmal sitzen wir in unseren Zazen und fühlen uns großartig; wir spüren, dass wir erleuchtet sind. Manchmal spüren wir, dass wir in der Hölle sind. Egal, ob so oder so, wir stehen die Situation einfach durch, für immer und ewig.

Das bedeutet Gelübde zu leben”, sagte Katagiri Roshi. Es bedeutet zu sitzen, bestrebt zu sein, anderen zu helfen und jeden Tag unseres Lebens mit anderen zu leben und zu arbeiten. Wenn wir Gelübde leben, gibt es im Bereich unserer Gefühle und Gedanken gute und schwierige Zeiten. Wie alle Menschen befinden wir uns noch in den sechs Bereichen – der hungrigen Geister, der Tiere, der kämpfenden Geister, der menschlichen Wesen und der himmlischen Wesen. Und doch können wir eine friedvolle Basis finden, eine Grundlage für unser Leben, die durch die menschliche Gefühlsebene nicht erschüttert werden kann. Das ist Gelübde, das ist die Wirklichkeit unseres Lebens.


Eröffnung Sanko-an

So! Eröffnet!”

Am 23.08. fand bei schönem Wetter die Eröffnung der Zenklause Sanko-an statt.

Obwohl recht abgelegen, kamen doch einige von weit her, wie Kyoku aus Hannover, oder Romeo und Roland aus Liechtenstein und Peter und Philipp aus Basel. Gefreut haben wir uns auch sehr darüber, dass Jean, Rosalie und Prisca vom Dojo Sierre/Siders teilnahmen.

Nach dem Zazen und dem Kampai ergaben sich schöne Gespräche. Wir alle waren uns einig, dass dies ein guter Start gewesen sei und wir wünschen uns, dass sich das Dharma weiter im Wallis etabliert.

In meiner kurzen Eröffnungsrede zitierte ich die erste Zeile aus einem Gedicht über das Wallis von R.M. Rilke, der unterhalb der Zenklause viele Jahre lebte:

Dieses Land ist masslos und sanft”

In Anlehnung an dieses Gedicht wünschte ich für das Sanko-an:

Die Praxis hier wird masslos und sanft”