Archiv 13. August 2022

Shuso Ango Ryumonji USA

Ich hoffe, ihr habt/hattet einen schönen Sommer und der Fluss des Lebens war wie das Wetter, etwas träge, so dass ein jeder von euch mit dem Strom aus den Bergen (Dharma) fliessen konnte.

Wenn nicht und euer Fluss gerade reissend ist, so wie er halt manchmal ist, so wünsche ich euch von Herzen, dass ihr vielleicht einen Moment innehalten könnt, um zu sehen, wo ihr gerade seid. Und dieser Moment kann ja zu dem einen grossen Moment werden, auch wenn ihr es nicht bemerkt, der euch hilft die Wellen der Lebensumstände zu reiten.

Shuso Ango Ryumonji USA 2022

Das Ango ist nun bald zu Ende, die Hossenshiki-Zeremonie liegt schon lange zurück. Nun bin ich also Head-priest geworden – das hat nun aus verschiedensten Gründen 15 Jahre gedauert;-). Es ist der offiziell niedrigste Rank eines Zenlehrers in der Tradition des japanischen Soto-Zen. Dieser Schritt, der auch meinen Wiedereintritt in die Soto-Zen Weltgemeinde besiegelte, bedeutet auch, dass ich nun

in den nächsten 2-3 Jahren meine Zenlehrerausbildung abschliessen kann. Als unabhängiger, anerkannter Zenlehrer stehen mir danach alle Möglichkeiten offen, einschliesslich Klostergründung, Ordination und Dharma Transmission.

Das Leben in einem Zenkloster alten Stils hat das richtige Mass an allen Ingredienzien des Lebens. Nie langweilig, aber auch nie zu anstrengend. Es gilt keinen einzigen Moment zu verpassen, dass was man tut, einfach zu tun und den Menschen, denen man begegnet, einfach zu begegnen. Dies alles bevor, «ich mag dies oder jenes, etc». erscheint. Das Kloster Ryumonji hier ist der originalgetreue Nachbau des Klosters

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Meister Daichis aus dem 13 Jhdt. in Japan. Daichi war einer der sechs Schüler Meister Dogens.

Der Abt Ryumonjis, Shoken Winecoff, hat drei Jahre in diesem Kloster in Japan gelebt, um wie sein Lehrer Katagiri, es wollte, die Wurzeln des Zen Meister Dogens zu kosten. Mit grosser Geduld und Gyoji hat er die Wurzeln nach einem langen Weg, viele Jahre nach dem Tod seines Lehrers, nach Iowa gebracht und implementiert. In diesem Kloster wird genauso praktiziert wie zu Dogens Zeiten. Wir haben uns

blendend verstanden, denn unser Leben hat viele Parallelen: Sein Meister starb wie meiner früh, das erste Klosterprojekt seines Lehrers musste in der Folge aufgeben werden, sein Privatvermögen war weg; ich musste das Zen Dojo Basel infolge der Umstände nach dem dem Tode meines Lehrers Missen Bovays nach 20 Jahren ebenfalls schliessen; er ging nach Iowa und fing neu an, ich in den Schwarzwald und fing neu an.

(Foto: Sodo, wo die Mönche schlafen und Zazen praktizieren)

Doch er ist 83 Jahre und hat ein schönes Kloster an einem wundervollen Platz und eine lebendige Sangha mit vielen Mitgliedern aus allen Schichten und Lebensbereichen und Unterstützern, ich mit 57 Jahren das Tempelchen Sanko-ji, mit einigen wenigen wundervollen Unterstützern.

Ich habe in diesem Kloster und Ango soviel Wertschätzung, Mitgefühl, Weisheit und Kraft erfahren, wie sonst noch nie in einem Zenkloster. Hier wird der Buddhadharma wirklich gelebt – «seit wie Milch und Honig».

Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass das Leben im Buddhadharma die Welt grundlegend verändern kann. Die Erkenntnis, dass alles miteinander verbunden ist, und ICH und DU das Gleiche ist, könnte die Welt vor Konflikten und ihrer Zerstörung retten, da sie den Menschen von den drei Giften Gier, Hass und Unwissenheit befreit.

Praktizieren wie ein Lotus inmitten des Feuers der Welt. Mit der Haltung des Zazen den Stürmen unseres Alltags standhalten und sich nicht überwältigen lassen. Diese Fähigkeit des Zenpraktizierenden ist unübertroffen wichtig und nötig in unserer Welt, in der die Menschen sich mal schnell mitreissen lassen und nicht wissen, wie sie

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Gemeinsam praktizieren wie Milch und Honig

Meister Dogen

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sich richtig Verhalten sollen. Der Aktivismus unserer Gesellschaft beruht nicht auf dem Geist des Buddhas. Mit Hilfe unserer Praxis können wir lernen jeden Moment des Lebens, sei er noch so schrecklich oder schön, als den einen, ganzen Moment zu erleben, in dem alles und jedes miteinander verbunden, ewig und eins ist.

Ich bin deshalb sehr inspiriert mit allen Interessierten unter euch eine lebendige Klostergemeinschaft in der Tradition des Soto-Zen zu entwickeln, wo ein jeder mitwirken kann; kommen kann, wann er will, praktizieren; wann er will, helfen, soviel er kann und sich einbringen kann, mit dem was er kann.

Die Zenklause erscheint mir nicht schlecht für ein Kloster. Doch der finanzielle Druck ist gross und ich hänge nicht daran. Entscheidender ist mit euch zusammen etwas zu erschaffen, was unser aller Fähigkeiten und Fertigkeiten entspricht. Etwas, das dem lebendigen Buddhadharma entspricht und einmal gesät, von uns nur noch gewässert und beackert werden muss. So könnten wir in Europa etwas einzigartiges schaffen, so wie es meine Lehrer und ihre Lehrer taten, bis hin zu Buddha. Ich werde die Ausbildung des Zenlehrers in den nächsten Jahren abschliessen und zusammen mit meiner nun mehr als dreissig jährigen Praxiserfahrung würde ich das Projekt und die Praktizierenden geistig betreuen und das Dharma so weitergeben, so wie ihr es dann künftig weitergeben könnt. Ich vertrete nun die 82te Generation des Buddhadharma seit Buddha.

Wenn ihr Lust den Weg Buddhas zu gehen, mit zu gestalten, zu entwickeln, zu unterstützen, gebt mir kurz Bescheid und achtet auf eure mails.

 


Naikan – Ein Erfahrungsbericht

Naikan – Ein Erfahrungsbericht

Von Philipp Bracher, Januar 18

Es gibt wenige Momente in meinem Leben, die mich so geprägt haben, wie die erste Naikan Woche. Wie so oft, wenn sich was verändert im Leben, stand auch hier am Anfang eine Krise. Ich lebte frisch getrennt von meiner Frau und war mitten im Chaos, um einen neuen Alltag zu gestalten. Und so kam es, dass mir Volker eines Morgens nach dem Zazen den Tipp gab, doch mal Naikan zu machen. Ohne gross zu überlegen, hatte ich mich recht spontan angemeldet.

Mit viel Respekt und vielen Fragen bin ich dann in die Berner Berge gefahren. Sieben Tage alleinsein? Sieben Tage schweigen? Sich sieben Tagen nur den folgenden drei Fragen widmen:

  • –  Was hat [Person] für mich getan?
  • –  Was habe ich für [Person] getan?
  • –  Welche Schwierigkeiten habe ich [Person] gemacht?

    Ich antizipierte schon, wie ich mich quälen würde. Die Furcht, dass mich dann immer Schuldgefühle plagen. Und so traf ich zum Abendessen mit den anderen Teilnehmern ein. Wir waren alle gespannt und unsicher. Die erste Aufgabe? Das Natel abgeben. Für sieben Tage. Nicht mehr erreichbar sein, ausser für Notfälle via Festnetztelefon. Alleine dieser Fakt ist in heutiger Zeit schon revolutionär. Und siehe da, schon war ich wieder näher bei mir. Ab jetzt gibt es keinen Input von aussen mehr.

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Und nun bezogen wir unseren Platz hinter dem Paravent. Fünf Personen in einem Raum, aber völlig abgetrennt. Und schon startete der Prozess. Sich für jeweils 90 Minuten auf eine Lebensabschnitt von vier Jahre konzentrieren und sich in Bezug auf eine Person, sich den drei Fragen widmen. Danach einfach die nächsten vier Jahre und immer so weiter. Wer bin ich eigentlich, wenn ich versuche, ungefiltert auf mich zu schauen? Geht das überhaupt? Und schon bald die erste Überraschung, es machte sich Dankbarkeit breit. Wenn für einmal auch banale Dinge, die für einen getan wurden, wahrgenommen werden. Es wurde für mich gekocht. Ich wurde geweckt, damit ich nicht zu spät in die Schule komme, … Es entstand eine Fülle, die ich als Kind gar nie registriert hatte. Nicht alle haben es gleich einfach im Raum. Aber wir alle hatten unsere Krisen im Leben. Haben andere und uns selbst enttäuscht. Man hört nicht alles, was die anderen kurz nach den 90 Minuten rapportieren, aber einiges. Ich fühlte mich gar nicht allein.

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Langsam werden die Geschichten weniger emotional. Sie sind noch da, aber haben nicht mehr den gleichen Einfluss auf mein Leben. Manchmal mache ich die Analogie, dass es wie Chiropraktik für die Seele sei. Druck, es knackt und dann kommt die Entspannung.

Seit diesem Naikan, habe ich weitere dreimal Naikan gemacht, auch wenn ich mir das nach dem ersten Mal noch nicht vorstellen konnte, kam nach zwei Jahren jeweils wieder der Wunsch, mich auf diese Art zurückzuziehen. Und jedes Mal war es eine neue Erfahrung und ich durfte wieder etwas Fallen lassen.

Seit ich das erste Mal Naikan gemacht habe, hege ich den Wunsch, dass andere dieselbe Erfahrung machen dürfen. Denn jedes Mal in der Schlussrunde, wo sich wieder alle gesehen haben und kurz ihre Erfahrungen teilten, war da grosse Dankbarkeit und Erleichterung.

Leider konnte ich noch nicht viele Menschen überzeugen. Aber vielleicht liest ja genau dieser Text jemand und fühlt sich ermuntert. Ich bin sicher, dass Du es nicht bereuen würdest 😉

Vom März 31 – April 7 gibt es im Sanko-ji eine Naikanwoche geleitet von Volker Gyoriki Herskamp. Und im Sommer gibt es die einmalige Chance, bei Akira Ishii-san an einer Naikan-Woche teilzunehmen.

Ich Danke den Naikanbegleiter:innen Ruedi, Susanne, Helga, Volker und Akira Ishii-san

 


Müde von …ein Gedicht

 

Müde von der Arbeit in der desolaten Stadt, kehre ich zurück zum Ort des friedlichen Verweilens.

Hinter dem westlichen Hügeln, zeugen nur noch die roten Wölkchen im Zwielicht, von der Existenz der Abendsonne.

Ich wasche mein Gesicht und wechsle die Kleidung. Ich zünde ein Räucherstäbchen an und sitze friedlich in Zazen.

Wie könnte ich die vorbeiziehenden Jahre vergeblich verbringen?

Gyoriki April 2022